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Nassauische Allgemeine Zeitung.

E SS. Donnerstag den 3. Mây 1853.

DieNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PränumeratèonSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postrrgulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang deS Thurn- und TariS'schen BerwaltungSbezirk« mit Inbegriff des Postausschlags 2 fl., für die übrigen Länder de« deutsch-österreichischen PostoereinS, wie für daS Ausland 2 ft. 24 kr. Inserate werden die Vierfpalti, Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedri ch, Langgasse 42, auSwärtS bei den nächstgelegene» Postämtern, zu machen.

Die Flüchtiingsfrage.

* DerLloyd" bespricht in einem Leitartikel die Haltung, welche England den Großmächten gegenüber in der Flüchtlingsfrage einnimmt. An der Authentici­tät der Proclamation, welche Kossuth und Mazzini An­fangs dieses Monats in den englischen Blättern veröf­fentlichen ließen, sei nicht zu zweifeln; das versuchte Manöver, sie jetzt als apokryph zu erklären, sei ein bekanntes Gaunerstückchen und sei nun erwiesen, daß diese. Meuterer und Meuchelmörder des englischen Asyl­rechtes unwürdig sind.

England, führt derLloyd" fort, hat in diesem Augenblicke vor Allem den Wunsch, Frieden zu erhal- ten. Jede Störung desselben wäre allen Klassen des englischen Volkes aus tiefsten Herzensgründe zuwider. Bor Allem wünscht man Frieden mitFrank- r eich und aus Besorgniß vor Frankreich wiederum ein gutes Einverständniß mit den anderen Großmächten. Nun aber ist Frankreich bei der englischen Flüchtlings­frage am meisten beteiligt. Nur wenige Stunden von Paris liegen die Personen im geschützten Hinterhalt, welche bei jeder günstigen Gelegenheit sich bereit erklä­ren, hervorzubrechen, um in Frankreich zu morden und zu meucheln. Der französische Kaiser wird ebenso energisch, wie die deutsche «Mächte dagegen p r o te st i r e n, daß England noch länger die sichere Höhle für continenta - les Raubgesindel bilde. England kann nicht länger ein freundliches, und kaum ein friedliches Ver­hältniß mit den andern Großmächten erhalten, wenn cs fortfährt, Banditen von Handwerk welche sich nur verbindlich machen nicht in England, sondern außer England zu meucheln einegeheiligte" Zufluchtsstätte z« bereiten.

Wir zweifeln auch nicht daran, daß die Regierung des Grafen Aberdeen sich die Macht vom Parlamente erbitten und sie erhalten wird, solchen Fremden, welche der Regierung als gefährlich erscheinen, den Aufenthalt in England zu versagen. Andere englische Ministerien haben bekanntlich diese Macht geübt, ja selbst, in den Vereinigten Staaten hatte der zweite Präsident der Re­publik, der ältere Adams, das Recht besessen und un­nachsichtlich ausgeübt, gefährliche Fremde aus seinem Lande zu weisen. England wird, hoffen wir, durch schnelle Erfüllung seiner internationalen Verbindlich­keit, sein großes begangenes Unrecht in Etwas sühnen. Aber wir hoffen zugleich, daß die großen Machte des Kontinents auf jede Eventualität gefaßt sein werden. Uns will es bedrucken, daß, wenn die Engländer darauf bestehen, daß die Herrn Ledru - Rollin, Kossuth und Mazzini ihre Gastfreundschaft genießen, die edlen Wirthe dann nicht länger die unsere genießen können. Wir könnten am Ende eben so leicht Verzicht leisten auf Be­suche von dem feeumgürteten Albion , wie von dem schweizerischen Canton Tessin. Die Einfuhr der Güter aus England ist auch eben so wenig für uns u n e r- läßlich, wie die Einfuhr von Gütern aus Tessin. Wenn England sich aus dem Verkehr mit solchen Indi­viduen zu bereichern gedenkt, welche beabsichtigen, so bald die Gelegenheit ihnen günstig, uns zu ermorden, zu berauben und zu bestehlen, so wird es die Einsicht haben, daß es sich nicht schickt, zu gleicher Zeit aus dem Verkehr mit uns Vortheil zu ziehen. England muß seinen Umgang jetzt wählen. Entweder oder; entweder wählt es uns oder wählt es Diejenigen, deren Namen jetzt an unseren Galgen prangen. Mit Beiden zugleich sollte der Umgang fürderhin nicht möglich sein. Verlangt es dieEhre" Englands, die Meuchler zu beherbergen und den Geboten des internationalen Rechts keine Folge zu geben, so möge es auch auf seinen in­ternationalen Verkehr verzichten. Es bleibe dann so isolirt im seinen Beziehungen, wie in seinen Begriffen.

Deutschland.

* Wiesbaden. Am 25, Febr. 1852 wurde von dem Assisenhofe in contumaciam

1) gegen den gewesenen Reccpturaccessisten Wilhelm Moureau von Hachenberg, wegen Schriftfälschung auf eine Zuchthausstrafe von 6 Jährèn;

2) gegen Philipp Buderus von Schloß Langenau, Amts Nassau, wegen Verletzung des Offenbarungseides und Betrugs, auf eine Zuchthausstraft von 5 Jahren;

3) gegen Bärmann M a i von Hofheim, wegen be­trügerischen Bqnkerotts auf eine Zuchthausstrafe von 8 Jahren und

4) gegen Wolf Marcus von Cransberg, wegen

Meineids auf eine Correctionshausstrase von 1 Jahr er­kannt.

* Wiesbaden, 1. März. Der erstere wegen Falschmünzerei zu 2 Jahr Zuchthaus verurtheilte Jos. Christ von Zeilsheim, 28 Jahre alt, Schuhmacher, war angeklagt, Ende vorigen Jahrs bayerische Gulden­stücke nachgemacht, eines an Franz Fuler von Unter« liederbach, ein zweites an Joseph Windling in Höchst verausgabt und versucht zu haben, deren auch bei Franz Donant, bei der Ehefrau des Bär Ettinghausen, bei Jacob Bredel und bei der Ehefrau des Michael Müller daselbst zu verausgaben.

t Wiesbaden, 2. März. (Assisenverhandlung gegen Georg Kinkel von Schwanheim, Johann Schlaudt von da, Georg Gräser von da und Valentin Höfler von Griesheim, wegen Meineids und Verleitung dazu.) Die drei erstgenannten Ange­klagten wurden von den Geschworenen für schuldig befunden und wurden von dem Assisenhofe Kinkel und Schlaudt, jeder zu zwei Jahren Zuchthaus und Gräser zu drei Jahren Zuchthaus verurtheilt. Höfler wurde für nicht schuldig befunden und von dem Assiscn- Hofe freigesprochcn. Die Kosten betragen 139 fl. 54 fr.

* Wiesbaden, 3. März. (Ässisenverhandlung gegen Joh. Seibel 3r. von Nastätten, wegen Dieb­stahls.) Joh. Seibel 3r., 29 Jahr alt, Schieferdecker, ist angeklagt, am 11. Oct. v. I. in das Haus des Phil. Waldert zu Bierscheid nach gewaltsamer Eröffnung eines Fensters eingefliegen und auS einem verschlossenen, von ihm gewaltsam erbrochenen Wandschränkchen einen dem Phil. Waldert gehörigen Geldbetrag von 6 fl. 37'/, kr. gestohlen zu haben. Bei einer bei dem Angeklagten vorgenommenen Haussuchung wurden in einem geheimen Fach seines Pultes den gestohlen Münzsorten ähnliche gefunden; auch paßten in die Eindrücke an Wandschrank und Fenster der Schieferdeckerhammcr des Angeklagten, den er, wie durch Zeugen dargethan ist, zur Zeit und am Ort des begangenen Diebstahls bei sich hatte.

Die Verhandlung leitet der Assiftnpräfident Forst, als StaatSprocurator fungirt Staatsprocurator-Substitut Flach, als Vertheidiger der Angeklagten Proc- v. Eck, Frankfurt, 26. Februar. Die Bundesver­sammlung hat in ihrer vorgestrigen Sitzung dem Präsidialgesandten Hru. v. Prokesch durch ein Votum die Gefühle ihree innigsten Entrüstung über das wider das Leben des Kaisers von Oesterreich verübte Attentat und ihrer freudigsten Theilnahme an der glücklichen Er­haltung Sr. Majestät kundgegeben.

Hanau, 1. März. (Fr. I.) Am 26. Februar, zwischen 11 u. 12 Uhr Nachts, wurde die Kocher'sche Bierbrauerei am Steinheimerthor mit Militär und Po­lizeisoldaten umstellt, und mehrere darin bestndliche Per­sonen verhaftet, welche man als die Führer der demo­kratischen Vereine bezeichnet.

München, 27. Febr. Wie man glaubt, wird Se. Maß der König den Aufenthalt in Italien etwas ab­kürzen und vielleicht schon im Laufe des nächsten Mo- ' nats wieder hier eintreffen. Hr. Ministerialrath Dr. Hermann wird heute oder Morgen hier aus Wien zu­rück erwartet. In den jüngsten Tagen haben hier einige Ausweisungen aus Stadt und Land stattgefunden.

Köln, 27. Febr. (Düff. Z.) Die mitgcthcilte Einigung der Düsseldorfer und Kölnischen Dampfschiff­fahrtsgesellschaft ist dahin zu verstehen, daß die Gesell­schaften für sich fortbestehen werden, nächstens aber die Fahrpläne gemeinschaftlich feststellen, die Passagierbillette zu denselben Preisen ausgeben und überhaupt in ihren Anordnungen mehr übereinstimmen, wie früher.

Weimar, 1. März. Seit vorgestern Abend blie­ben auf drei Stellen der Thüringer Eisenbahn die Züge im Schnee stecken, bei Merseburg, bei Neudietendorf (zwischen Erfurt und Gotha) und bei Frohstedt (zwi­schen Gotha und Eisenach), und erst gestern Nachmit­tags gelang es den zahlreich aufgebotenen Arbeitern, die Schneemasse wegzubringen, so daß beinahe zwei Tage die Verbindung zwischen Leipzig und Frankfurt unter­brochen ward.

Berlin, 27. Febr. (Köln. Ztg.) Von hiesiger Seite wird die Neuenburger Frage nächstdem alles Ernstes wieder ausgenommen werden. Graf Pour- tales, der frühere diesseitige Gesandte in Konstantinopel, ist allerdings in Familienangelegenheiten nach der Schweiz gereist; es steht jedoch fest, daß ihm zugleich der Auf­trag geworden ist, die dortigen Verhältnisse zu sondiren, und der Graf hat ausdrücklich seine Abreise der in dem Neuenburger Staatsrathe eingetretenen Krisis wegen beschleunigt. Ein sehr entschiedenes Auftreten erwartet man von Seiten des deutschen Bundes, und soll dies

das erste Lebenszeichen der durch den Handelsvertrag erzielten politischen Einigung zwischen Oesterreich und Preußen werden. Der Vorbehalt, unter dem Sach­sen und Baden den österreichisch-preußischen Handels­vertrag in Wien mit unterzeichnet haben, soll, wie ich höre, sich auch auf die hohen Zölle, mit welchen Oester­reich die Webe- und Wirkwaaren belastet, beziehen. Wir haben sichern Grund zu der Annahme, daß die Eröffnung von Conferenzen zur Erneuerung des Zollvereins schon im nächsten Monate zu er- warten steht, da bereits mehrere Regierungen des Zoll­vereins ihre Zustimmung zum Vertrage vom 19. Febr. erklärt haben. Ein Einladungsschreiben zur Erneuerung der Verhandlungen ist, wie ich höre, von Seiten Preu­ßens nicht ergangen; indessen ist der erwähnte Vertrag den preußischen Gesandten überschickt, um ihn zur KcnntnißiWme der Zollvereinsregicruugen zu bringen und dercâiückäußerung in Empfang zu nehmen.

Nach derNat.-Z." wird Ihre Majestät die Kai­serin von Rußland am 6. Mai d. J. in Berlin ein­treffen und von hier aus die Reise nach Italien weiter fortsetzen.

Berlin, 1. März. Die Verhandlungen, welche Hannover mit Preußen in der Zollangelegenheit führt, beziehen sich nicht auf die Frage über die Art und Weise der Erneuerung des Zollvereins , sondern über die Ermäßigung des' Zollvereinstarifs für Waaren, welche vom 1. März ab aus Hannover nach dem Zoll­vereinsgebiete gehen. Da der Septembervertrag nichts darüber bestimmt, daß auch vom 1. März 1853 bis 1. Januar 1854 für.die aus Hannover kommenden Waaren der bestehende Vereinstarif zur Anwendung kommen soll, sondern dieses seinem Sinne nach als selbstverständlich voraussetzt, so ist der Versuch Hanno­vers, eine Zollreduction herbeizuführen, erklärlich. Diese soll in der Erhebung der Differenz zwischen den Tari­fen beider Zollgruppen bestehen. Franzbranntwein würde demnach beim Eingänge aus Hannover 8 statt 16 Thlr., Kaffee 1statt 6% Thlr., Svrup 2 statt 4 Thlr., Tabaksblâtter 1% statt 5 Thlr., Thee 3 statt 11 Thlr., Wein in Fässern 2 statt 8 Thlr. zu zahlen ha­ben. Wären vor der Einführung des neuen Tarifs nicht große Waarcnmasseu in Hannover zur Einführung in den Zollverein an gehäuft worden, so ließe sich der Antrag Hannovers rechtfertigen; bedenkt man aber, daß der Zentner Kaffee in Hannover bisher einen geringe­ren Zoll von 3 Thlrn. 9 Sgr., Syrup von 2 Thlrn., Tabaksblätter von 4 Thlrn. 11 Sgr., Thee vou 5 Thlrn., Wein in Fässern von 5 Thlrn. rc. bezahlte, so tritt der große Nachtheil für die Casse des Zollvereins und für die Kaufleute desselben sofort hervor, wenn die Wünsche Hannovers in Erfüllung gehen sollten. Ein Antrag auf Ermäßigung der Tarifsätze jdes Zollvereins um die Höhe des früheren Steuervercinstarifs für den Verkehr mit Hannover wäre zwar annehmbarer, schlösse aber die Verluste für die Zollcasse und für die Kaufleute des Zollvereins nickt aus.

In der ersten Kammer fand heute die zweite Ab­stimmung über den Gesetzentwurf wegen Neubildung der ersten Kammer statt. Der Gesetzentwurf wurde auch diesmal mit überwiegender Majorität, 60 gegen 30 St., angenommen.

Dresden, 28. Febr. Se. Majestät der König hat dem k. k. Obersten Grafen O'Donnel, in Anerken­nung der Dienste, welche derselbe Sr. Majestät dem Kaiser von Oesterreich bei dem meuchclmördcrischen An­fälle vom 18. Februar geleistet, das Comkhurkrcuz er­ster Klasse Allcrhöchstihres Albrechtsordens zu verleihen geruht und ist Se. Königliche Hoheit Prinz Albrecht, Höchstwelcher gegenwärtig noch in Wien weilt, von Sr. Majestät beauftragt worden, dem Grafen O'Donnel diese Dekoration zu behändigen. Der k. Bevollmäch­tigte bei der nun geschloffenen Wiener Zollconferenz, Zoll- und Steuerdirector v. Schimpff, ist gestern Abend von Wien wieder hier eingetroffen.

Die Nachricht, daß der zwischen Oesterreich und Preußen abgeschlossene Handels - und Zollvcrtrag vom Wiener Cabinet bereits ratificirt worden und auch von Seite der Coalitionsstaaten der Beitritt zu demselben schon erfolgt sei, ist neueren, demDreSd. Journal" zugehenden Mittheilungen zufolge nicht ganz richtig. Die Sache liegt jetzt vielmehr so, daß die Coalitions« regicrungen bei Unterzeichnung des SchlußprotocollS der Wiener Conferenz den Beitritt zu dem österreichisch- preußischen Vertrag nur bedingungsweise, nämlich für den Fall erklärt haben, daß die Wiedererneuerung des Zollvereins ihit Preußen zu Stande komme, wogegen Oesterreich seinerseits zugesichert hat, der Ratification