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^X Wien , 23. gebt. Gestern hat Schluß der hiesigen Zollconferenzen stattgcfunden und zwar aus dieselbe feierliche Weise, welche bei der Eröffnung der­selben beobachtet worden ist. Die Herren Bevollmäch­tigten werden sich demnach schon im Laufe dieser Woche in ihre Heimath begeben nicht ohne den Dank des hiesigen Cabinets für ihre erfolgreichen Bemühungen mitzunehmen.

Mit Rücksicht auf den in Berlin abgeschlossenen Handelsvertrag kann ich die erfreuliche Mittheilung machen, daß in der Sitzung vom 21. d. M. die Mit­glieder des hiesigen Zollcongresses auf Grundlage ein­geholter Instructionen ihre Zustimmung diesem Ver­trage gegeben und zugleich die Versicherung beigefügt haben, daß von Seite ihrer Regierungen die Erneuerung und beziehungsweise Erweiterung des Zollvereines in keiner Weise beanstandet werden' soll. Den Wiener Zollconferenzen ist ein großer Antheil an dem endlichen Erfolg in Berlin zuzumesfen; dieselben haben ferner die materielle Ermöglichung und die innere Begründung einer österreichisch-deutschen ZMeinigung durch genaue Ennessung der commerziellen Verhältnisse und durch die ausgedehntesten thatsächlichen Belege erwiesen, so wie auch, da dem am 22. d. Mls. in Berlin unter­zeichneten Handelsvertrag der Entwurf A. des Wiener Vertrages zu Grunde gelegt wurde, die deutsch-öster­reichische Zolleinigung das letzte Ziel des Han­delsvertrages selbst ist. Wie einerseits der Handelsver­trag hauptsächlich auf Grundlage der österreichischen Vorschläge abgeschlossen ist, sind andererseits die von der königl. preußischen Regierung beantragten Verkehrs- erleichterungen, so wie dieß nur immer möglich war, entsprechend gewürdigt und bereitwillig zugestanden worden.

Wien, 24. Febr. Das heutige Bülletin lautets: Se. Maj. der Kaiser haben nach Mitternacht mit Aus­nahme kurzer Zwischenräume, ruhig geschlafen; allerhöchstdieselben haben heute Morgen beim Erwachen den Kopf weniger schwer und weniger ein­genommen gefühlt. Hinzuzufügen ist noch, daß die Krisis, welche die Krankheit gegenwärtig durchschreitet, vollkommen normal ist, obgleich sie bis zum neunten Tage sich verlängern kann, wobei sie jedoch, dem Himmel sei Dank, durchaus kein beunruhi­gendes Symptom bietet. Ein leichter Fiebcranfall, der sich gestern Abend zeigte, ist bald vorüberge- gangen.

krankt eich.

Paris, 23. Febr. Kraft eines kaiserlichen Decre- tes wird die Centralverwaltung des Ministeriums des Innern fortan in folgender Weise abgetheilt: Gcncral- secrctariat und Direction des Personals; Gencraldirec- tion der inneren Verwaltung; Generaldirection des Ackerbaues und des Handels; Direction des Rechnungs­wesens. Die weiteren Verfügungen des Decretes be­stimmen genau die Geschäftskreise dieser verschiedenen Dienste. Dem Vernehmen nach beabsichtigt der Kai­ser, das schöne Schloß Malmaisou, wo die Kaiserin Josephine gestorben ist und das jetzt der Königin Chri­stine von Spanien gehört, anzukaufen. Die HH. Tanski und Pages Duport, welche seit dem 6. Febr. aus Anlaß der Astaire auswärtiger Korrespondenzen, sich in dem Gefängnisse Mazas in Haft befanden, sind, wie dasJournal des Debats" mittheilt, gegen Can- tion auf freien Fuß gesetzt worden. Den neuesten Mittheilungen aus Californien zufolge ist ein Theil der französischen Minenarbeiter, welche in Sonora einen vollständigen Feldzug gegen die Mexikaner bestanden haben, daselbst augekommen.

DemConstitutionncl" zufolge ist Herr Heurtier mit einer commcrciellen Mission nach China und an­dern Ländern des äußersten Osten beauftragt worden und wird nächstens au Bord der DampfcorvetteCol­bert" von Toulon aus seine Reise nach Macao antreten.

Cs sollen, wie man sagt, mehrere Bisthümer und Erzbisthümer, welche durch das Concordat von 1801 aufgehoben wurden, wieder neu hergestellt werden. Die meisten verhafteten Journalisten und darunter auch die Deutschen Hartmann und Löwenfels sind gegen eine Laution von 500 Francs auf freien Fuß ge­setzt worden. Das gerichtliche Verfahren gegen sie wird fortgesetzt.

Ein ehemaliger Volksvertreter, der bekannte Sozia­list Marquis de Flotte, dessen Freund, Hr. Defresne, schon längst amPays" Mitarbeit, bittet, nach Frank­reich zurückkehren zu dürfen.

General Reschid, außerordentlicher Gesandter des Beys von Tunis, ist in Begleitung des ersten Dolmet­schers der französischen Legation in Tunis, des Herrn Rousseau, am 20. d. M. in Marseille angekommen. Er begibt sich nach Paris, den Kaiser im Namen des Bey zu becomplimentiren.

Der Staatsrath setzte gestern, unter abermaligem Vorsitze des Kaisers, in den Tuileriee» die Prüfung des Budgets fort, womit er morgen fortfahren wird. Zwanzig der ans dem Fort Lamalgue entkommenen mi­litärischen Sträflinge sind wieder eingefangen worden.

Mehrere Correspondenzen aus Turin melden über­einstimmend , daß die Mailänder Behörden die Gewiß­heit erlangt haben sollen, daß Mazzini sich in Mailand befinde; cs lasse deßhalb die österreichische Regierung alle Gränzen der Lombardei aufs Strengste bewachen,

damit der Agitator, wenn es ihm gelingen sollte, aus Mailand zu entfliehen, die Lombardei nicht so leicht ver­lassen könne.

Eine telegraphische Depesche aus Zürich meldet, daß der bei der schweizerischen Eidgenossenschaft beglaubigte österreichische Gesandte allen Schweizern das Paßvisum nach Italien verweigert.

Schweiz.

Die neuesten Berichte aus dem Canton Tessin, so meldet die Fr. P. Z., bekunden große Bestürzung. Da dieser Theil der Schweiz seiner Lage wegen alles Ge­treide aus der Lombardei beziehen muß, so hat der Mangel an Lebensmitteln und der hohe Preis derselben schon große Noth hervorgerufen. Diese wird noch ver­mehrt durch die aus der Lombardei ausgewiesenen Tessi­ner, deren Zahl von dem eidgenössischen Kommissar auf 3900 angegeben wird. Viele derselben mußten, beinahe von allen Mitteln entblößt, bei empfindlicher Kälte und heftigem Schneegestöber die Reise an treten. Die Un­glücklichen klagen besonders über die Behandlung, welche sie v v II der lombardischen Bevölkerung zu erdulden hatten, die sie mit Flüchen und Schimpfreden verfolgte.

Der Bundesrath ist in seiner Berathung über die tessinische Angelegenheit noch nicht zu einem definitiven Beschlnsse gelangt. So viel nur scheint gewiß, daß der frühere Bundesbeschluß, die Jnternirung der italienischen Flüchtlinge betreffend, ungesäumt und auf das strengste vollzogen werden soll. Jeder in irgend einer Weise neuerdings kompromittiere soll unuachsichtlick aus der Schweiz ausgewiesen und schließlich Aufhebung der tessi- Nischen Grenzsperre von Oesterreich verlangt werden. Die aus der Lombardei ausgewiesenen Tessiner sind auf Kosten der k. k. Regierung auf der Eisenbahn von Mai­land bis Como Mfördert worden.

Großbritannien.

London, 22. Febr. Die Direktoren der Bank von England haben den Zinsfuß für Anleihen auf Staatspapiere auf 2 Procent per Jahr herabgesetzt. Einem Gerüchte zufolge ist von österreichischer Seite eine Note hier eingetroffen, die, gestützt auf den jüng­sten revolutionären Streich in Mailand, Klage darüber führt, daß England der Centralsitz aller europäischen Verschwörer sei, von wo diese ihre aufrührerischen Pro- clamationcn verbreiten. Es ist ziemlich gewiß, daß die­ser Gegenstand demnächst im Parlamente zur Sprache kommen wird.

Der telegraphische Draht, welcher zwischen Dover und Ostende gelegt werden soll, ist bcre.it, und sobald die Witterung es gestattet, wird seine Legung vorge- nommcu werden.

Kossuth nimmt schon zur Lüge Zuflucht. Wir hatten Recht, als wir sagten, daß die ihm zugeschriebene, von ihm als unterschoben erklärte Proklamation auch wirklich von ihm herrühre'. Dem Schwäb. Merkur wird näm­lich aus Brüssel geschrieben:Auffallend ist es, daß da Kossuth in London lebt und die Times jene Procla­mation schon am 6. Febr. gebracht er mit seiner Verläugnung bis zum 18. gewartet hat. Noch auf­fallender aber ist cs , daß was ich verbürgen kann Kossuth in einem vor wenigen Tagen an seine hier lebenden Schwestern gerichteten Schreiben die von ihnen entschieden getadelte Proclamation damit entschuldigte: er habe ste'bloßzu dem Zwecke geschrieben, damit, falls in Italien eine Revolution ausbreche, die ungarischen Soldaten nicht gegen das italienische Volk kämpfen; er habe aber keineswegs gewußt, daß jetzt eine Revolu- lution bevorstehe, und das DatumFebr. 1853" sei unterschoben." Wie kahl Kossuth's Ausrede ist, brau­chen wir nicht weiter auseinander zu setzen. Es ist hier­nach mit der ungarischen Proclamation genau so gewesen, wie mit der italienischen. Sie wurden beide in London entworfen und zum Gebrauch nach Umständen mitge­nommen. Seine Ableugnung ist also nur eine kümmer­liche Sophistik, bemerkt jetzt die Köln. Zeitung.

Türkei.

Wir berichteten gestern, daß die zweite Procla­mation Omer Pascha's an die B i e l op avl icher ohne Erfolg geblieben. Wir theilen dies originell sty­lt s i r t e Aktenstück in seinen Haupttheilen mit:

Vom Generalissimus Omer Pascha, Seraskier der Kaiserlichen Türkischen Truppen in Europa.

An alle die elenden (miserabili) Bewohner von Bielopavlich, an die Priester Steffano und Gioco. Auch die minder Klugen unter euch vermögen zu begreifen, daß man mit den Waffen in der Hand gegen den ge­setzmäßigen Souverän nichts zu gewinnen im Stande ist. Alle Diejenigen, die unvernünftig sind, machen sich schuldig, den Untergang ^'glücklicher herbeigeführt zu haben. Beharrt ihr von heut an weiter thörichter Weise in eurem Verfahren, so setze ich hiermit in Kenntniß von dem, was geschehen wird. Die ganze am rechten j und linken Ufer der Zetta gelegene Nahja wird zu Grunde gehen; ihr selbst seid die Ursache davon, und ich mache euch vor Gott und vor der Welt .mittelst dieser Proclamation dafür verantwortlich. Ihr glaubt, ich könne mit meinem Truppen nicht über die Zetta setzen. Bei. Gott! ich kann es und will es. Ihr glaubt auch, die Türkische Armee sei so, wie sie vor hundert Jahren gewesen ist; ihr täuscht c-^ jedoch. Bedenkt, ; daß die großherrlichen Truppen O..oordination kennen !

und gut eiugeübl sind, daß die Türken überhaupftechfers Krieger sind, wie die Well wohl weiß. Ich werde jedenfalls über den Fluß gehen; ihr werdet als Opfer fallen und die unglücklichen Ueberlebenden wer» den euch verfluchen müssen. Es betrugen euchdic- jenigen, die euch auf Hülfe von einem andern Sou­verän Aussicht machen; das ist Lüge, da alle Souveräne e i nm üthi g dem G r o ßherrn ge­antwortethaben, er könne ungehindert nach eigenem Gutdünken und mit gutem Rechte Montenegro unterwerfen. (??) Alles, was ich euch mit dieser Proclamation bekannt gebe, ist die reine Wahrheit, so wie ich euch auch ver­sichere, euch in der Schlacht tapfer zu bekämpfen, was ihr später selbst sehen werdet. Ihr müßt mir Geißeln geben und mich in solcher Weise sicher stellen. Ihr seid allein für eure Ausrottung verantwortlich. Die Brücke über die Zetta wird noch heute fertig, genau an dem von mir gewählten Punkte; sobald sie fertig ist, kann Jeder von euch, der Lust dazu hat, sie besichtigen. Es gebührt sich, daß ich euch befehle und nicht daß ich euch bitte; so wird es auch mit göttlicher Hülfe gesche­hen. Handelt übrigens, wie cs euch beliebt. Am 20. Jänner 1853. Omer Pascha, Seraskier und Generalissimus der ganzen Türkischen Armee in Europa."

Aus Cettigne vom 12. schreibt man derTriest. Z.": Furst Danilo weilt seit drei Tagen in Zevo im Angesicht des türkischen Lagers unter dem Befehle Omer Pascha's. Der Vicepräsibent, Hr. Georg Petrovich, weilt an der Spitze eineü kampflustigen Corps in Ker« Nizza. Das dritte Corps befindet sich in der Liessanska Nahia. Unser Ländchen ist nun von allen Seiten »Ph türkischen Truppen umzingelt; allein wir sind vom besten Muthe beseelt und gleich nach Eintritt schönen Wetters soll der Angriff erfolgen. Mehr als 1000 Streiter der Berda haben sich mit ihren Familien nach Montenegro begeben. Der Fürst sorgt für ihren Lebensunterhalt, da sie aller eigenen Mittel betäubt sind. Bis zum 16. Vormittags, als der Loyddampfer Cattaro verließ, war nichts Bemerkenswerthes aus Montenegro gemeldet worden. Die Stämme von Kucci und Piperi schei­nen blos einen glücklichen Augenblick abwarten zu wol­len, um sich wieder den Montenegrinern anzuschlicßen. In diesem Falle würde das türkische Heer auch im Rü­cken angegriffen werden und einen um so härtern Stand haben.

Omer Pascha soll den Befehl erlassen haben, im Vordringen Alles zu tobten, zu zerstören und zu ver­wüsten, was seinen Leuten in den Weg. kommt.Nach­richten von der albanesischen Gränze zufolge waren die Türken am 6. bis Gluhido vorgedrungen, sodann aber wieder bis an die Gränze znrückgeworftn worden.

Der k. k. Obristlieutenant von Stratimirovic, aus den serbischen Feldzügen rühmlich bekannt, hatte in neuerer Zeit eine Reise durch Bosnien gemacht. Er befand sich in Montenegro und wurde nach Cattaro von einigen Novijanern hinabbegleitet. Man behauptet, daß in meh­reren Gränzfestungen der Türkei, besonders den bosni­schen, sich englische Gewehre befinden sollen. Die ge- sammte Macht der Türken, welche jetzt in 4 Corps gegen Montenegro und zwar unter Omer-Reis-Osman und Arap Pascha, daun Selimbey aufgestellt und meist in Operationen begriffen ist, beläuft sich auf 55 bis 56,000 Mann. Der Hauptplan des Seraskiers Omer Pascha beruht auf der Vereinigung mit Reis Pascha an der Zeta.

America.

St. Louis, 25. Januar. Außerordentlich groß­artig sind in diesem Jahre die Rüstungen zur Auswan­derung nach Kalifornien; so bedeutend sind dieselben noch nie gewesen. Schon haben sich bei St. Joseph am Missouri verschiedene Züge gebildet, die alle mehr als 500 Wagen zählen und starke Hecrdcn Rindvieh mitführen, welche den Auswanderern, trotz aller Müh­seligkeiten, den reichsten Gewinn abwerfen, wenn sic die­selben nach Kalifornien bringen. Hier bilden sich jetzt Schaaren von Freiwilligen zum Kriege gegen die Semi- nolen-Jndianer in Florida, der bald beendigt sein wird, wahrscheinlich mit völliger Vernichtung des ganzen Stam­mes. Vorige Woche brannten an unserm Werfte drei Dampfschiffe bis auf den Wasserspiegel nieder. Un­sere politischen Abenteuerer, zu denen viele europäische Einwanderer, Deusche, Ungarn und Polen zu zählen, hoffen mit Gewißheit auf ein neues Unternehmen gegen Kuba.

Aus Rio de Janeiro vom 14. Januar meldet man, daß ein americanisches Schiff, oder doch ein Schiff unter americanischer Flagge, Camargo geheißen, am 6. December v. I. nicht weit von der Hauptstadt 6000 Neger landete, welche sofort auf einem durch den Wald gehauenen Schleichweg ins Innere geschleppt wurde». Die Polizei verfolgte die Sclavenhändler und brachte fünf davon in Gewahrsam. Zwei reiche Landbesitzer sind dabei compromittirt.

Neueste Nachrichten.

Wien, 25. Febr. (T. D. d. Darmst. Z.) Nach einer guten Nacht ist des Kaisers Zu stand erleichtert.

Nach Berichten der Triester Zeitung hatte sich der russische Komihiffär Hr. v. Kowalewsk i am 17. d. in das Lager des Omer Pascha begeben.