magd zu Bingen, einen Geldbetrag von 2 fL verschafft zu haben. Ein Versuch auf einen solchen Brief einen weiteren Geldbetrag von 6—7 fl. sich zu verschaffen, wurde vereitelt.
Die Angeklagte wurde von den Geschwornen .für schuldig befunden und von dein Assisenbofe $n drei Monat CorrectioiiSbaus verurtbeilt. Die Kosten betragen 43 fl. 48 kr.
7 Wiesl'a-err, 26. Febr. (Assiscnvcrhandlung gegen Johann Lcimbcrger aus Eddersheim wegen Brandstiftung.)
Joh. Leimbergcr, 44 Jahre alt, Taglöhner aus Eddersheim, ist angeklagt, am 3. December v. I. sein Hans in betrnglicher Absicht in Brand gesteckt zu haben. Der Brand beschränkte sich auf einen Hänfen Bohnenstangen, welche auf dem Speicher standen. Als diednrch daS Verbrennen der Bohnenstangen entstandenen Kohlen bei dem amtlichen Augenschein dcö Justizamtcs bei Seite geschafft wurden, fand sich ein Bündel Lumpen, in welchem einige Kohlen eingewickelt waren. In der Nähe der Bohnenstange» lagen Kichhaare, Heu und sonstige leicht brennbare Stoffe. Leimbergers Haus ist 120 fl. werth und zu 380 fl. in der Braudcasie versichert. Wiederholte Aeußerungen des Angeklagten gaben seine Absicht deutlich zu erkennen.
Seine Kinder, über die Entstehung des Brandes befragt, sagen aus, der Vater habe Kohlen auf den Speicher getragen, habe sie aiigeblascu und ihnen gesagt, sie sollten laufen, sonst thäten sie brennen. Auf dem Feuerherd des Leimberger sah man, daß aus dem Casseroll Kohlen genommen waren.
Die Verhandlung leitet der Afsifen - Vicepräsident Jeckeln, die Staatsbehörde vertritt StaatSproeurator Reichmann, Vertheidiger des Angeklagten ist Procu- rator Lang.
7 Eltville, 25. Febr. Vor mehreren Wochen wurde in diesem Blatte von hieraus der Entdeckung eines öffentlichen Betruges durch Verausgabung falscher Lottcrie- Loose gedacht, es wurde auch bemerkt, daß die Zahl der Betrogenen nicht unbedeutend ist und schließlich noch auf eine Gemeinschaft dieser neuen Erwerbs Methode mit politische» Tendenzen hingewieseu. Wir wenigstens haben allen Grund zu glauben, daß jeneo Collectircu einer angeblichen deutschen Judustrichalle nur die fromme Maske trug, während dcijErtrag sicher zu demokratischen Zwecken bestimmt war; wir fühlen und in dieser Vermuthung dadurch bestärkt, daß der Agent jener angeblichen Industrie-Anstalt derselbe ist, der sich der sogenannten in diesem Blatte berichteten Verbreitung von Flugschriften rebellischen Inhalts verdächlig gemacht hat, weßhalb auch bei ihm Haussuchung gehalten wurde, sowie derselbe überhaupt ein eifriger Bekenner der rothen Farbe ist— Es ist uns zwar unbekannt, welchen Er- folg die gerichtlichen Nachforschungen hatten, allein cs möchten namentlich wieder die neuesten Ereignisse in Mailand und Wien die Veranlassung geben, die geheimen Bewegungen der demokratischen Parthci strenge ins Auge zu fasse» und besonders möchte in dem vorliegenden Falle nicht allein die betrügerische Absicht, sondern namentlich auch die politische Bedeutung desselben zu ermitteln sein.
□ Dillenburg, 23. Febr. Heute erlebten wir den Fall einer Zwangstaufe. Dem hiesigen Bürger und Schrcinermeister Christ, einem eifrigen Anhänger der hier entstandenen Baptisten - Secte, wurde unlängst ein Kind geboren, das er trotz allen Mahnungen und Drohungen unserer geistlichen Behörde nicht taufen lassen wollte. Es verstrichen mehrere Wochen und alle angewandten Mittel blieben fruchtlos, bis endlich heute Hr. Decan Keim sich in Begleitung des Kirchendieners in die Wohnung des rc. Christ begab, um die gebräuchliche heilige Handlung, ohne Zustimmung des Vaters vorzunehmen. Christ widersetzte sich indessen , indem er sein Kind fest in den Armen hielt, und dem Herrn Decan Keim durch Anführung von Sprüchen aus der heiligen Schrift begreiflich zu machen suchte, daß man nur Erwachsene taufen könne und dürfe. Da Herr Decan Keim emsah, daß hier nur bie Anwendung der gesetzlichen Zwangsmittel zum Ziele führen könne, so schickte er den Kirchendiener zu einem nicht fern wohnenden Landjäger, der Christ trotz seiner Gegenwehr dem. Herzoglichen Justizamte überlieferte. Er wurde hier in's Amtsgefängmß abgeführt, jedoch später, nachdem die Taufe stattgefuuden, wieder in Freiheit gesetzt. — Wie man hört, wird indessen eine Untersuchung gegen Christ eingeleitet, da cr auch seine Frau, die krank darnieder liegt und die sich oft unter Thränen um die Vollziehung 1 der üblichen Taufe bittend an ihn wandte, mißhandelt : haben soll.
□ Dillenburg 24. Februar. (Assisenverhanv- ' hing gegen Georg Schilling kl. von Schellenberg, > Amis Rennerod, wegen Schriftfäischung. Präsident: Herr Hofgerichtsrath v. Reichenau; Staatsanwalt: Herr Substitut Schröder, Vertheidiger: Herr Procurator k Keller.) Georg Schilling 2r von Schellenberg, Amts ; Rennerod, Fuhrmann von Gewerbe, ist augeklagt, im ' Monat Octobcr v. I. in einem Chaussecgeldzctkèl die ‘ Datumszahl 2 in 3 umgeändert zu haben, um dadurch ; der Zahlung von 2 kr. Chaufscegeld zu entgehen. Von ; den Geschwornen des Verbrechens schuldig befunden, wird er von dem Assiscuhofe zu 3 Tagen Amtsarrest,
; zur Zahlung der gesetzlichen Defrandaiiousstrasc von 2 fl. und zum Ersatz der entstandenen Kosten im B^ trage von 31 fl. verurtheilt.
Mamrheim, 24. Fcbr. Nach dem Mannheimer Journal lautete der Strafantrag gegen Gervin us auf eine in abgesondertem Raume zu erstehende Kreis- gefängnißstrafe von vier Monaten und zum Ersatz der Prvceßkvslen sowie der Urthei(svo llstreckuug.
Stuttgart, 23. Februar. Der StaatSanzeiger enthält in seiner diesen Abend ausgegebenen Nummer die wichtige Nachricht aus Petersburg, daß die kaiserlich russische Regierung den Marincmiuistcr Fürsten Mentschikoff mit großem Gefolge nach Constanti- abgcschickl habe, die österreichischen. Forderungen zu unterstützen und der Türkei zum Nachgeben zu rathen, damit Oesterreich und Rußland nicht genöthigt seien, zum Schutz der Christen mit bewaffneter Hand ciiizuschreit.cn.
Hä Mitteldeutschland, 17. Febr., wird dem Lloyd berichtet, Preußen habe die österreichische Regic- rung beauftragt, die sogenannten Coalitionsstaateu zum Eintritt in den mit dem Steuerverciu verbundenen Zollverein und hi den Zoll- und Handelsvertrag mit Oesterreich cinzuladen, denn so sehr auch das Interesse Preußens diesen Beitritt erfordere, so habe cs doch, da der Vertrag mit Oesterreich zunächst Namens des neuen Zollvereines, dem die Coaiilionsstaatcn zur Zeit noch nicht angehören, abgeschlossen, formell Bedenken tragen müssen, direct jene Einladung zu bewirken.
Hannover, 23. Febr. Heute wurde das Gesetz über die A en d c r u » g des Tarifs der Eingangs-, Ausgangs- und Druichtzautzsabgaben publicirt. Nach demselben sollen vom 1. März d. J. an im Königreiche, soweit dasselbe dem Steuervercin angchört, die in einem Verzeichnisse aufgeführten Abänderungen deS dem Gesetze vom 7. März 1845 über die Eingangs-, Ausgangs- und DnrchgangSabgabcn beigcfügtcn Tarifs bis auf weiteres zur Anwendung kommen. Ein anderes beute publicirtes Gesetz betrifft die Aushebung des Freihafens zu Harburg und die Erhebung einer Nachsteuer im bisherigen Freihafen- bezirke.
Wien, 21. Februar. Se. Maj. der Kaiser hat sich gestern über den Fortgang der gegen den Mciichcl- mölder J. Meny cingeleitetcn Untersuchung Bericht erstatten lassen und dem Vortrag durch einige Zeit ausmerksam zugehört.
Der Mörder Libeuy, meldet die Nationalzcitnng, leugnet beharrlich, Complicen zu haben. Gegründete Vermuthungen, sind indessen vorhanden, derselbe sei von einigen Memnngsgenossen bis zur Fassung des furchtbaren Entschlusses fanatisirt worden. Darüber hinaus reicht kein weiterer Faden, an den sich irgend eine halt' bare Combination anknüpfen ließe. Der Ausflucht, er habe den Monarchen nicht tobten, sondern dnrch die Verwundung lediglich an Ungarn mahnen wollen, (!) bedient er sich noch mit voller Beharrlichkeit. Indessen widerspricht dem die rafsinirte Auswahl des getroffenen Körpcrtheiles, und es ist jetzt chirurgisch ermittelt, daß, wäre der Stoß einige Linien tiefer gedrungen, der Tod höchst wahrscheinlich erfolgt wäre. — Sohald das Attentat aus der Polizeidirection bekannt war, wurde die Wohnung des Libeny sogleich untersucht, alle daselbst befindlichen Personen, nämlich der Unterstands- gekr, ein vrrhèiratheter Zimmermaler sammt Weib und Kindern und zwei Zimmergcnosscn des Mörders vcr- haftet, aber nach 24 Stunden, da sich deren Schuldlosigkeit herauSgcstellt, wieder freigslassen. Der hiesige Bürger Ettenreich, der zunächst den Kaiser den Händen des Mörders entreißen konnte, wurde gestern Mittag in die Hofburg belieben, wo er von sämmtlichen, das Krankenlager des Kaisers umstehenden Mitgliedern der kaiserlichen Familie auf das wärmste begrüßt wurde. Dcr Kaiser übergab ihm das Ritterkreuz des Franz- Joseph Ordens. — Nachdem sich Ettenreich beharrlich weigerte noch ein anderes Geschenk zu wählen, indem er am Schmerzenslager dcs Monarchen versicherte, baß jeder Wiener Bürger an seiner Stelle nicht anders gehandelt haben würde, als er selbst, erhielt er noch den ehrenvollen Auftrag, seine Gattin J. M. der Kaiserin Mutter vorzustellen. — Auch der hiesige Gcmeiuberath beschloß, diesen Bürger auszuzeichnen und demselben die große goldene Sa'vator-Medaille züstellen zu lassen, ein Schaustück im 38crthc von 3000 fl. — Graf O'Donnct hat vom hiesigen Gcmeinderathe das Ehren- bürgerrecht erhalten. — Die Maßregeln der Polizei unmittelbar nach der That waren — wie man der „Schles. Zeitung" schreibt — „so augenblicklich und so umfassend, daß, wenn ja ein fremder Emissär sich hier befand, dieser unmöglich unentdeckk geblieben wäre. Alle Einkehrgasthöfc waren zu gleicher Zeit besetzt und die Ausweise der Passagiere genau revidirt worden. Ein Aufenthalt von verdächtigen Individuen in Privathäu- feru ist kaum denkbar. In der That verlautet nicht, daß sich etwas vvrgcfuiidcn hätte, was in Beziehung zu dem Verbrechen zu bringen wäre." — Wie groß das Vertrauen des a. H. Hofes in die Gesinnung der hiesigen Bevölkerung ist, dürfte zum Theile auch daraus zu ersehen sein, daß die Spaziergänge der a. H. Personen aus der Bastei durch das Attentat gegen die Person Sr. Maj. des Kaisers keineswegs unterbrochen wurden. Gestern schon sah man zur Freude aller Wiener mehrere
MilGiedpr der k. k. Familie, baiwftor auch den durch-' Iwbtigften Vater Sr. Maj. deS Kaisers, wie früher attf der Bastei spazieren - gehen. — Herr M. G. Saphir gibt aiiWM' der glückliche» Rötung des Kaisers aus der Hand des Meuchelmörders Sonntag, den
6. März, eine große Wohlthatigkeits- Academie, wobei die Herren Ira Aldridge, Dreyschock und Steeger aus Prag nebst anderen Kunstnotabilitäten mitwirken werden. — Seit Samstag brachte "ber Telegraph beinahe ununterbrochen eine Hofdepesche nach der andern von allen Höfen Europas an Se. Maj. den Kaiser. Der Kaiser Napoleon hatte die Depesche im Telcgr.rpheiramte eigenhändig ezpedirt. Die meisten Gesandtschaften erhielten Auftrag über das Befinden Sr. Maj. täglich zweimal zu berichten. — Der Wiener Lloyd brachte gestern auf drei Spalten (heute auf zwei) aus allen Kronländeru telegraphische Nachrichten von allgemeiner Trauer über das schändliche Attentat gegen den Kaiser und der tiefsten Entrüstung gegen den ruchlosen Thäter. — Ein Comite von Damen, die Frau Fürstin Marie Lol'korvitz an der Spitze, beschäftigt sich mit dem Gedanken, ein blos vow beii Frauen Wiens gewidmetes Erinnerungszeichen, als Symbol ihres großen Dankes gegen die Vorsehung, für die von dem Haupte des geliebten Monarchen abgewandte Gefahr an der Stelle, wo der Meuchelmord versucht wurde, aufzubaueu. Graf Wicken bürg zog deßhalb feinen Aufruf zurück. - Sonntags Mittags wurde in der k. f. Hofburgpfarrkirche eine stille Messe für das Wohlergehen des Wiener Bürgers Herrn Joseph Ettenreich, welcher den Mcnchelmördcr Libeny entwaffnete, gelesen, welcher die sämmtlichen hier anwesen« den Mitglieder des a. h. Kaiserhanses beiwohnten. —> Ein russischer aus Montenegro kommender Courier ist hier nach St. Petersburg dmchgereist.
Die heutige „Oestcrr. Corr." (vom 22. d. Mts.) bringt folgende Erklärung. Einige Zeitungen haben die Nachricht zu verbreiten gesucht, daß Oesterreich unter anderen Forderungen auch die Abtretung der zwei Landzungen Klek und Suttorina, die auf beiden Seiten von Ragusa liegen, von den Türken verlangt habe. Diese 9lacbrid)t gehört, wie so viele andere süber die österreichisch - türkischen Angelegenheiten verbreiteten, zu den falschen und ungegründeten. Es liegt nicht in der Absicht Oesterreichs, Eingriffe in die Neckte anderer Staaten zu machen. Es liegt aber auch nicht in der Neigung Oesterreichs; Rechte, die ihm nnbezweifelt zu- kommen, sich schmälern oder gar entziehen zu lassen. Und eine Schmälerung solcher Rechte ist cs, die von Seite der Pforte beabsichtigt wird. Sie will Besug- uisse, die ihr bisher nickt zngcstanden, und zwar Be» fugnisse auf das Seege biet jener Gegenden in jü»— spruch nehmen, das der Herrschaft OestetreMs ausschließlich unterworfen ist. Die Vcnctianer und später die Franzosen waren im vollen und unbestrittenen Besitze der herrschaftlichen Rechte über jenes Seegebiet. Oesterreich ist aber bkeanntlich durch internationale Verträge in die Rechte der Venetianer und später nach einer kurzen Unterbrechung in die Rechte Frankreichs eingetreten. In solchem Bewußtsein ist Oesterreich nicht gesonnen, an die Türkei Zugeständnisse zu machen, die feine Interessen gefährden, und wofür wie im vorliegenden Falle gar keine oder nur vermeintliche Titel geltend gemacht werden können.
Ans Pesth meldet man der „A. A. Z." vom 19. Febr. Außerordentlich war der Eindruck, welchen das Bekanntwerden des gegen den Kaiser verübten ruchlosen Attentates hier hervorgebracht hat, und groß ist insbesondere die Entrüstung, daß der Schändliche ein 'M borner Ungar ist. Die Vorsichtsmaßregeln wurden verdoppelt, starke Patrouillen gingen wie in Kriegszeiten mit gespanntem Hahn durch die Straßen. Auch wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Unter andern wurden noch spät auf der Eisenbahn fünf Individuen verhaftet und nach W:en zurückgebracht. Rach einer angclangtcn telegraphischen Depesche sollen sie am Komplotte Lebenyis ober Liebel's betbeiligt fein. Schon vor drei Tagen wurden mehrere Individuen fcstgcnom« men. An mehreren Häusern fand man Kossuth'sche Proclamationen angeschlagen; sie sollen eingeschwärzt worden sein aus gefärbten Tüchern; die nach einer einmaliger Reinigung durch die Wäsche die vorhin nicht sichtbar gewesene Schrift aufwiesen. Die Stimmung in Pesth ist gedruckt genug. Große militärische Vorsichtsmaßregeln sind getroffen. Eine Batterie mit brennenden Lunten steht im Ncngebäude, wo die politischen Gefangenen eingeschlossc» sind. Eine Compagnie Ar' tillerie wurde von Comoru hierher gezogen und zwei Rcgimcnwr Infanterie (Erzherzog Ludwig und Parum) sollen nächstens die Garnison verstärken. In alle im Umkreise von Pesth Ofen gelegenen Ortschaften wurde Eavallerie verlegt. — Gestern ward ein Offizier von WvciibüUcr Infanterie in der Nähe der Uellöer Ca- ferne von drei Individuen auzrfalle». Es gelang ihm, eines derselben verwundet festzunehmen und die andern zwei zu verjagen.
In Temesvar wurden am 16. Februar 5 Individuen wegen Beherbergung von Räubern und wegen böswillig unterlassener Anzeige von deren Aufenthalt erschossen. Dasselbe geschah in Felcgyhaza mit einem Vièhhirteii wegen Verheimlichung von Waffen unb Munition.