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teil Mann, den Domherrn v. Brzesinski, von des­sen Blntverwandtc», einem jungen Zöglinge des dorti­gen polnischen Gymnasiums, verübt worden ist. Der junge Verbrecher ist erst sechzehn Jahre alt und von dem Domherrn unterhalten worden. Ohne bekannten Anlaß stürzte er sich gestern Abend um 6 Uhr, während sein Verwandter am Schreibtische saß und schrieb, hin­terrücks auf diesen und brachte ihm mit einem großen scharfen Messer zwei tiefe Wunden am Hinterkopf bei, die von den Aerzten anfänglich für lebensgefährlich ge­halten wurden, während heute Hoffnung für die Erhal­tung des Verwundeten vorhanden sein soll. Auch an der einen Hand hat der junge Mörder dem Domherrn mehrere Schnittwunden beigebrächt. Der junge Uebel- thäter wurde gleich nach der That verhaftet und in's Gefängniß gebracht, wo er heute früh verhört worden ist. Er soll keinen andern Grund für seine That an­gegeben haben, als daß ihm plötzlich ohne weitern An­laß der Gedanke eingekommen sei, den Prälaten zu er­morden, welchem Gelüste er dann nicht habe widerstehen können. (!) Die Posener Zeitung meldet heute aus Warschau, daß mehrere neuere Maßnahmen der Regie­rung augenfällig darauf hindeuteten, daß das Königreich Polen demnächst dem russischen Kaiserstaat völlig werde incorvorirt werden. Die Correspoudenz setzt hinzu, daß mit Rücksicht auf das allgemeine Wohl und insbesondere im Interesse des Handels und öffentlichen Verkehrs diese Einverleibung nur gewünscht werden könne.

Ratibör, 20.. Februar. DieSchlesische Ztg'" bringt von hier folgende mit fetter Schrift gedruckte Nachricht:Wie uns von vielen glaubwürdigen Sei­ten versichert wird, soll noch diese Woche ein starkes Corps russisches Militär hier durch nach Oesterreich be­fördert werden, welches die Bestimmung hätte, die türkische Grenze zu cerniren. Zu einem schnellen Trans­porte dieser Mannschaften sollen, wie verlautet, bereits alle disponibel» Wagen rèservirt worden sein, und die­selben auch schon morgen oder übermorgen nach Mys- lowitz gebracht werden."

Leipzig, 22. Febr. (D. A. Z.) Die so lange Zeit schwebend gewesene Stadtvcrordnetcnfrage ist nun­mehr definitiv gelöst. Die stattgehabte Wahl ist für null und nichtig erklärt worden, so daß eine neue Wahl vorzunehmen sein wird.

Dresden, 22. Febr. Das Dresdener Journal meldet: Am gestrigen Tage sind auch in den hiesigen Buchhandlungen durch die Polizeibehörde die bekannte Schrift:Einleitung in die Geschichte dev 19. Jahr­hunderts von G. G. GervinuS", sowie Bieder­mannsAnnalen" provisorisch mit Beschlag belegt worden.

Wren, 21. Februar. Wie man hört, erhält der französische Gesandte am hiesigen Hofe, de la Cour, den Botsckafterposten in Konstantinopel, und Hr. Bour» going (?) den GesandtschaftSpostcn zu Wien. Eine ungarische Deputation an den Kaiser ist auf das Gnädigste empfangen worden. Der Finanzmini­ster hat der Börse über ihr Verhalten in den letzten Tagen sein Wohlgefallen bezeugt.

Herr de la Cour soll den Auftrag haben, in allen orientalischen Fragen die österreichische Politik aufs Kräftigste zu unterstützen

DieJndependance Belge" bringt das unverbürgte Gerücht, Frankreich vabe seine Vermittlung in der zwischen Oesterreich und der Pforte schwebenden Streitfrage Angeboten, und dieses Anerbieten sei in Konstantinopel angenommen worden. Auf der Börse stiegen hente die österreichischen Fonds.

Dem Dresdener Journal wird aus Wien vom 19. Febr. in Bezug auf das schmachvolle, gegen das Leben des Kaisers auf der Bastei verübte Attentat zur Er­gänzung der bereits bekannten Einzelheiten noch Folgendes mitgetheilt :Eine kurze Strecke vor der Stelle, wo der Mordversuch stattfand, begegneten dem Kaiser vier oder fünf italienisch sprechende Leute, über deren Aussehen der Kaiser Bemerkungen machte. Der Kaiser stand im Begriff, die Mauerbrüstung zu verlassen, Graf O'Donnell befand sich neben ihm, als der Mör­der hillzusprang und den Stich ausführte. GrafO'Don- nel sah den Stahl blitzen und packte in demselben Au­genblicke den Verbrecher am Hals, warf ihn zu Boden, und kniete auf ihn nieder. Der Kaiser drückte mit der einen Hand das Taschentuch auf die blutende Wunde und zog mit der andern den Säbel, da derselbe mehre Menschen auf siâ) peilen sah und in der Meinung war, daß eine ganze Mörderrotle sich vereinigt habe. Die nächsten Hcrbeieilenden waren ein Poftofficiant und ein Fabrikant ans der Vorstadt Wieden, welche den Grafen O'Donnel bei der Bewältigung und Entwaffnung des Mörders unterstützten. Derselbe wurde dann sofort ge­bunden und von der Wache am Kärnthner Thore und der in der Nähe befindlichen Polizeiwacht durch die Stadt nach dem Gefängniß geführt. Während dies geschah, hatte sich der Kaiser in das Albrecht'sche Palais zu dem Erzherzog Rainer begeben, woselbst derselbe im Vorzim­mer sich entkleidete und durch den Theaterarzt am Karth- nerthortheater den ersten Verband erhielt, worauf so­gleich der in der Burg ausfindig gemachte k. k. Leibarzt Dr. Seeburger eintraf. Der junge Erzherzog Karl Lud­wig (Bruder des Kaisers), befand sich, ebenfalls auf einem Spaziergang begriffen, in einer ziemlich kurzen

Distanz hinter dem Kaiser. Plötzlich wurde derselbe von einem Manne, dessen Gesicht ganz verstört erschien, mit den Worten angebrochen:Es wird nicht gefähr­lich sein!" Der Erzherzog bemerkte zu seinem Adjutan­ten : dieser Mensch sei wohl geistesschwach, worauf dieser dem Individuum uacheilte und nun auf weiteres Be­fragen Kenntniß von dem Vorgefallcncu erhielt. Auf diese Nachricht hin begab sich der Erzherzog ebenfalls nach dem Albrecht'fcheu Palais, woselbst ihn der Kaiser zu seiner Frau Mutter sendete, um sie in der schonend- sten Weise von dem Attentat zu benachrichtigen. In­zwischen fuhr der Kaiser mit dem Grafen Grünne und Dr. Seeburger nach der Burg, woselbst derselbe seine Frau Mutter mit den beruhigendsten Worten empfing. Eine der ersten Aeußerungen des Kaisers nach dem At­tentat war die: Ich theile das Schicksal meiner armen Soldaten in Malland. Im Laufe des gestrigen Nach­mittags sind die umfangreichsten polizeilichen Recherchen angestellt und mehre Individuen sind verhaftet worden. Die gestrige Illumination darf nicht als eine gewöhn­liche Demonstration betrachtet werden, denn der beste Vorwand, wenig oder nichts zu thun, wäre die Kürze der Zeit gewesen, zumal da durchaus Alles freiwillig geschah. Allein in den äußersten und cntlcgeustei^hei. len der Vorstädte, in kleinen ärmlichen Nebenstraßen kam es mir doch vor, als hätte durchgehends ein leben­diges Gefühl der überstandenen Gefahr und Heillosen Unglücks selbst mehr oder weniger sonst verdächtige Menschen zu einem äußern Zeichen der empfundenen Dankbarkeit gedrängt. Namentlich in den Vorstädten ist mir hier etwas Aehnliches nie vorgekommen, denn cs war wörtlich genommen kein Fenster unbeleuchtet. Graf O'Donnell war der eigentliche Retter des Kaisers und wird von Allen beneidet. Wäre er nicht physisch stark genug gewesen, um den Mörder sogleich zu Boden zu werfen, so erfolgte wahrscheinlich bei der Raserei des Verbrechers gleich ein zweiter Stoß, abgesehen da­von, daß schon der erste durch das schnelle Eingreifen des Grafen an Heftigkeit verloren haben mag." Graf O'Donnell soll sich, in der Besorgniß, das Mordmesser könne vergiftet sein, auf seinen kaiserlichen Herrn gestürzt haben, um das Blut aus der Wunde zu saugen, wo­ran ihn der Kaiser, sobald er cs bemerkt, verhindert habe. Der Bürger, welcher zuerst dem Grafen O'Donnell zur Bewältigung des Mörders hülsreiche Hand leistete und den zu Boden gestreckten Verbrecher bis zum Eintreffen der von der Kärnthnerthorwache ent­sendeten Patrouille des Infanterie-Regimentes Baron Haynau festhielt, heißt Ellenreich (nicht Eltmann), fei­nes Gewerdes ehemals ein Fleischer aus der Vorstadt Wieden, ein wohlhabender, kräftiger Mann von vorge­rücktem Alter. Das diplomatische Corps machte gestern in corpore dem Minister der auswärtigen An­gelegenheiten, Grafen v. Buol-Schaueustein, seine Auf­wartung. Man versichert derNat.Ztg," als gewiß, einer der anwesenden fremden Diplomaten habe sich in Gegenwart des Lord Westmoreland die- Bemerkung nicht verjagen können, die Duldung, welche England den ver­zweifeltsten Ausstandsmäunern zu gewähren fortfahre, dürfte auch auf dieses unheilvolle Ereigniß nicht ohne Einfluß geblieben sein.

Nachträglich erfährt man noch einzelne Details über die ersten Momente nach dem Attentate, welche ebenso sehr die Kaltblütigkeit als auch das tiefe Gefühl Sr. Maj. in das herrlichste Licht stellen. Als Sr. Maj. aufmerksam gemacht wurde, daß die Wunde stark blute, wünschte derselbe etwas Wasser, um cs auf die Wunde zu legen; die Frau eines hiesigen Bürgers, des Herrn Englisch, welcher eben auch Herrn Etteureich geholfen hatte, den Mörder zu Boden zu reißen und zu bän­digen , brachte es Seiner Majestät. Der Kaiser war die ganze Zeit hindurch gegen das Gesicht des am Boden liegenden Meuchelmörders gewendet, und sagte wiederholt, als er den Hrn. Ettenreich den Mörder in das Gesicht schlagen sah:Schlagen Sie ihli doch nicht."

Der Mörder Janos Libeny ist nach seiner Habhaftwerduug zuerst auf die Hofburgwache und von da ans die Polizeidireciion gebracht worden, wo er ein kurzes Verhör über die Identität seiner Person zu be­stehen hatte. Unmittelbar darauf ist er dem Militär­gericht übergeben worden, wo gegenwärtig vier Audi- tore beschäftigt sind, die Strafuntersuchung gegen ihn und die Mitschuldigen (man setzt nicht mit Unrecht ein Komplott und eine Bestechung voraus) zn leiten. Ein Mädchen, das sich unmittelbar vor Begehung der That in der Nähe des Ortes derselben befand, soll ausgesagt haben, daß sie auf der Stiege zu der Kärnthncrthorbastci einige Individuen mit dem Ver­brecher habe sprechen gesehen, und daß sie von ihm selbst befragt worden sei, welcher von den beiden Spazier­gängern in Offiziersuniform der Kaiser fei? Das all­gemein verbreitete Gerücht, Libeny hätte wenige Zeit vor seiner That bei dem hiesigen Großhandlungshause Stametz-Mayer einen Wechsel von 600 Pfd. St. (?) ans London ausbezahlt erhalten, bestätigt sich indeß nicht; wohl aber ist ein anderes Individuum, welches man ähnlicher Geldbezüge zu RevoiutivnSzweckeu verdächtig hält, eingezogen worden.

Im Verlaufe des gestrigen Tages ist die Besserung Sr. Maj. des Kaisers fortgeschritten und haben Allcr- Höchstdieselben eine ruhige Nacht und einen nur wenig

unterbrochenen Schlaf gehabt, sind heute sehr erquickt und haben bereits einige C a b i n e t s s a ch e n s e l b st u u t e r s ch r i e b e n. Der Bürger Ette n- reich, der mit dem Obersten O'Donnell den Mörder angriff und ihn niederwarf, hat von Sr. Majestät daS Ritterkreuz des Franz Jofephs^Ordens erhalten.

Paris, 22. Febr. In der Vorstadt St. Antoine sind zwei Spitäler, von denen das eine durch die Her­zogin von Orleans gegründet ward und noch jetzt un­terhalten wird; das andere ward früher von den Prin­zen der Familie Orleans, namentlich vom Herzoge von Anmalc, unterstützt. Seit der Confiscation der Güter der Orleans hat diese Unterstützung aufgehört. Die Vorsteher haben sich jetzt au die Kaiserin Eugenie mit der Bitte um Aushilfe gewendet. Der Ober-Kammer- Herr hat indessen geantwortet: diese Angelegenheit hänge mit der Politik zusammen und müsse jedenfalls dem Kaiser vorgelegt werden. In der Vorstadt St. Antoine wird jetzt eine Bittschrift für diese Angelegenheit in Umlauf gesetzt. Der Kaiser hält streng darauf, daß seine Gemahlin von allen Staatsgeschäften fern bleibe. Das JournalThcatre" meldet, daß das Gymnase das Theater der Kaiserin werden wird. Man macht für sie einen besonderen Eingang, und die kaiserliche Loge wird verschönert. Das Leihhaus zeigt an, daß auf Kosten der Stadt aus Anlaß der kaiserlichen Hcirath den Arbeitern alle bis zum 31. Januar d. J. versetzten Arbeitswerkzeuge unentgeltlich zurückgegeben werden. Der dem gesetzgebenden Körper vorgelegte Gesetz­entwurf über die Cwilpensioneu wurde in den Bureaux lebhaft getadelt, weil er den Beamtenstand gar zu sehr begünstigt. Man glaubt, daß er nicht ohne Abände­rungen angenommen wird. Aus dem Fort Lamalque bei Toulouse sind 36 Militärsträflinge entwichen.

Die Generaleinnehmer und Beamten der Finanz- kassen, die älter als 70 Jahre sind, wurden außer Function gesetzt. Der Kaiser hat ein eigenhändiges Schreiben vom Papst erhalten. Die Zahl der Zeitungen, welche wegen Verbreitung der Nachricht über die Haussuchung bei Hrn. v. Rothschild verwarnt sind, beträgt bis jetzt 7 und dürfte sich leicht noch ver- mehrcu.

Paris, 22. Febr. (K. 3-) Das Gerücht ist ver­breitet, General St. Arnaud werde aus dem Kriegs- miniftcrium scheiden und Behufs seiner Beförderung zum Marschall nach Kabylien gehen.

Großbritannien.

London, 21. Febr, Lord 'Radcliffe (Sir Strat- fort Canning) hat, wie man versichert, die Weisung er­halten, sich unverzüglich nach Konstantinopel auf seinen Botschafterposten znrückzubegeben.

Dem Vernehmen nach wird Lord Cowley schon am Nächsten Montag >auf seinen Posten nach Paris zu­rückkehren.

Der Times wird aus Paris vom 21. Febr. ge­schrieben, es gehe dort das Gerücht und finde eine günstige Aufnahme, daß zwischen Frankreich und Eng­land ein Vertrag im Werke sei, der den Zweck habe, die Zerstückelung des osmanischen Reiches zu verhindern.

Cesare Agostini, Sceretär des Londoner italienischen Ausschusses, dessen Name unter den Unterzeichnern der Mazzinischeu Proclamation figurirt, erklärte vor einigen Tagen in den Daily News, er habe Niemanden er­mächtigt, einen solchen Gebrauch von seinem Namen zu machen. Hierauf erwidert nun ein anderer Italiener, Della Rocca, daß Agostini auf die Frage, ob die Pro- clamatio» dcs italienischen Ausschusses in London ge­schrieben worden sei, antwortete, mau habe sich hier über den Hauptinhalt geeinigt, die Proclamation selbst aber sei anderswo abgefaßt worden. Der Unbefangene werde aus einer solchen freiwilligen Erklärung den Schluß ziehen, daß Mazzini und die übrigen Mit­glieder des revolutionären Ausschusses, welche ihm nach Italien folgen, es sich vorbchielten, den Text der Proclamation an Ort und Stelle je nach den Umstände» abzufassen, und daß sie ermächtigt waren, die Unterschrift des abwesenden Secretärs der ihrigen beiznfügeu. Agostini, sagt Della Rocca, wartete auf entscheidende Nachrichten über das Glücken oder Fehl- schlagen des Aufstandes, um in dem einen Falle die Ehre für sich in Anspruch zu nehmen, in dem anderen die Verantwortlichkeit von sich abzuwälzen.

Barth, fernere protestirt gegen die Eigenmächtigkeit Kossuth's, welcher sich noch immer als Dictator gerire. Die von Kossuth unterzeichnete Proclamation sagtet Italien bilde den linken, Ungarn den rechten Flügel. Und wer das Centrum? So darf man wohl fragen. Und man fragt so.

Türkei.

Konstantinopel, 10. Febr. Die Vorzeichen des Sturms mehren sich; noch ist keine Lösung der Wirr­nisse in Aussicht. Die Pforte hat bis jetzt nicht nach­gegeben; Feldmarschall Graf Leiningen ist jedoch noch hier. Alle Vorbereitungen zum Krieg werden beider­seits getroffen. So verlangte die österreichische Regie­rung von ihren hiesigen Konsulaten Ausweis über die Zahl der hier und im schwarzen Meer befindlichen öster­reichischen Schiffe, und wies die Consulate zugleich an, möglichst zu verhindern, daß noch andere österreichische Schiffe ins schwarze Meer segeln. Der Triester Lloyd