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Nassauische Allgemeine Zeitung

Donnerstag den 24. Februar

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DieNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr au« 'für den ganzen Umfang des Tburn- und Taris'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postausschlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-ästerreichischen PostocreinS, wie für das Ausland 2 fl. 21 fr. Inserate werden die vierspaliig Pktitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Der Mailänder Aufruhr

Aus Mailand bringt die A. Allg. Z. aus ficker- ster Quelle ausführliche Nachrichten über die dortigen Scenen. Es sind Dinge betrübendster Art. Das ganze Unternehmen scheint von Mazzini geleitet worden zu sein. Große Summen sind verwendet worden, um so zahl­reiche Banditen zu erkaufen. Um 2 Uhr Mittags soll­ten sämmtliche Offiziere am Corso und ebenso die im Cafö Mazza Anwesenden niedergemacht werden. Zu­gleich sollte d'.eBurg mit der daselbst befindlichen Haupt­wache, die Municipalität, das Stadt-Commandogebäude und das Fort Tosa überfallen und erstürmt werden. Hierdurch hoffte man Waffen zu bekommen und dem Unternehmen vielleicht eine weitere Ausdehnung zu ge­ben. Die Anzahl der Banditen ist bis jetzt nicht näher bekannt. Wie bedeutend- sie aber gewesen sei, mag man daraus schließen, daß allein 700 zur Erstürmung des Fort sTosa bestimmt waren. Freilich fanden sich von diesen nur 70 ein, und diesen entfiel der Muth. Eiu junger Coute, den mau sonst täglich auf prachtvollen Pferden mit seiner Schwester über den Corso reiten sah, hatte allein 8000 Stilette bestellt. Er bot dem Gens- d'armeric-Wachtmeister, welcher ihn verhaftete, für seine Freilassung eine Lade voll Goldstücke, die confiScirt und im Werthe von 40,000 Francs gefunden wurden. Die Patrouillen visitirten in der Nacht nach dem Mordanfall einzelne verdächtig aussehende Leute, und fanden bei vielen Stoßwaffen. Gleich am nächsten Mittag wurden sechs der erwiesensteu Lerbrecher dem Caso Niochi ge­genüber erhängt, darunter ein eisgrauer Bösewicht, der schon 18 Jahre in Mantua gesessen; fünf andere wa­ren wohlhabende Handwerker, lauter junge Leute, und darunter zwei Brüder. Hundert und einige achtzig der Banduen wurden aufgefangen; 45 wurden gleich am nächsten Morgen als völlig überwiesen erkannt. Ge­wöhnlich im Einklänge mit der infamen Proclamation Kossuths, die zugleich mit der von Mazzini erschien; in beiden wird bekanntlich den Ungarn und den Italie­nern angerathen, gemeinschaftliche Sache zu machen hatten die Mörder gefragt:siete Ungarese ? (Seid ihr ein Ungar?) und stießen den schon Entwaffneten nieder, wenn ernein" oder nichts antwortete. Auf der Hauptwache nahmen die Banditen bei dem ersten Anfall sieben Gewehre, wovon gleich darauf ein Unter« officier der Gensdarmerie vier zurückbrachte, die er in einem wüthenden , von seiner Seite mit der größten Tapferkeit durchgeführte» Kampf, bei wechem- er von vielen Stichen schwer verletzt wurde, erobert hatte. Gleich nach dem Ueberfall der Posten auf der Haupt­wache stürzte die gcsammte Wachmannschaft heraus, und Hieb in die Mörder ein, wobei allein der Compagnie- Zimmermann mehreren mit seiner Hacke den Kopf spaltete. Der Commandant der Wache wird wegen der Besonnenheit belobt, womit er den Gebrauch der Feuer­waffe vermied, denn während seine Wache die Banditen in die Flucht schlug, sahen sich die aus dem Caffce Mazza eilenden Officiere von allen Seiten angegriffen und bedroht; sie eilten daher, sich durchschlagend, der Hauptwache zu, und wären fast die unfehlbaren Opfer einer Decharge gewesen. Se. Excellenz der Hr. Feld­zeugmeister Graf Gyulai hat die entschlossene Haltung der Truppe auf das Auerkennendste belobt. Wie die A. Allg. Ztg. ferner meldet, wurden in der Mailänder Domkirche nicht ein Soldat, sondern zwei unbewaffnete Officierö-Ordonanzen am 6. d. ermordet. Die Zahl der verwundeten und getödteten oder alsbald an ihren Wunden gestorbenen Militärs scheint nahe an 100 be­tragen zu haben (in Wien wollte man sogar von 200 wissen), 6 bis 8 Mann blieben todt auf dem Platze; 10 waren schon am folgenden Tag (7) ihren Leiden erlegen. In den folgenden Tagen sollen noch manche nachgefolgt sein. (Nach hier eingetroffenen Privatbrie sen waren mehreren der Angefallenen die Nasen und die Ohren abgeschnitten.) Es war das also eine Wie­derholung der Gräuel von Brescia, ehe und als Hay- nau die empörende Stadt mit stürmender Hand nahm. Die Feder sträubt sich, niederzuschreiben, in welcher Weise damals einzelne Deusche, die schutzlos den be­waffneten Massen entgegcnstandeu, in den Häusern und auf den Straßen verstümmelt und zum Theil mit höh­nischem Zierrath in ihren klaffenden Wunden versehen gefunden wurden. Welche Gründe auch die Aufstän­digen gehabt haben möchten, und selbst wenn es die gerechtesten gewesen waren, muß man sich mit Abscheu von Barbareien wenden, die den dunkelsten Blättern der Geschichte angehören. Aber diese Barbareien tragen alle das Gepräge der Mazzini'schen und Kossuth'schen

Aufrufe, die nachdem sie in zehn Städten Italiens zumal Aufruhr und Meuchelmord hervorgerufen jetzt von einem radicalen englischen Blatt als unächt bezeich­net werden wollen. Als ob der Beweis ihrer Aechtheit nicht in Ausdruck und Gedankengang unbestreitbar, und noch unbestreitbarer geliefert worden wäre durch den fanatischen Gehorsam, mit dem die Werkzeuge des Mor­des von der Umgebung Roms bis nach Wien und Pesth sich bereit gezeigt haben, dem Wink ihrer Meister zu gehorchen I In Mailand namentlich waren die Aufrührer trefflich ciustudirt auf die von Kossulh verkündete Vereini­gung der ungarischen und italienischen Revolution, wie aus der oben angegebenen Parole hervorgeht: Siete Ungarese? und das Verfahren gegen Jene, welche mit Nein oder gar nicht antworteten. Das war ihre Signatur für die Aechtheit jener Proclamationen. Au England ist es jetzt zu beweisen, daß die Magna Charta der britischen Frei­heit nicht ein Freibrief für privilegirte Mörderagenluren ist. Jeder Denkende wird diese Freiheit und die welt­beherrschende Größe, zu der in ihr die kleinen britischen Inseln hcraugcwachseil, achten, bewundern, sie als einen der Glanzpunkte in der Geschichte der Menschheit be­trachten. Aber wo viel Licht, ist viel Schatten, und zu der Schatten-, der Nachtseite der englischen Politik ge­hört cs, mehr und mehr den Schützer und Hehler einer Cljque europäischer Banditen zu machen, von deren Treiben in England selbst fast alle Welt sich lossagt, die aber kein Gesetz und kein Richter hindert, alle zwei bis drei Monate in den Ländern ihrer Heimath ihre Drachensaat zu bestellen und von dem Ergebniß ihrer Blut-Ernten im Westeud von Loudon das behaglichste Leben zu führen. Das gesummte Europa besitzt viel­leicht nicht die Mittel, diesen flagranten Mißbrauch des Asylrcchtes zu bestrafen, aber aus der Zerrüttung, in wcche dieser Mißbrauch mehr und mehr Europa stürzen wird, wird endlich der rächende Blitz auch für die Hauptsäule der Macht Englands, seinen gesicherten Wohl­stand , schlagen.

Denèschisnr».

* Wiesbaden, 24. Febr. Gestern brachte eine Deputation des Gemeinderaths der Stadt Wiesbaden, bestehend aus dem Herrn Bürgermeister Fischer, Mini- sterialbuchhalter Weychardt und Kaufmann Altstädter, Ihrer Königl. Hoheit der Frau Herzogin Pauline zu Nassau den Glückwunsch zur Vermählung der Prinzessin Helene mit dem regierenden Fürsten zu Waldeck. Der Hr. Bürgermeister Fischer sprach fol­gende Worte: Königliche Hoheit! Bei dem freudigen Ereignisse der hohen Verlobung Ihrer Durch­laucht der Prinzessin Helene mit dem Durchlauchtigsten Fürsten von Waldeck fühlt sich der Gemeinderath der Stadt Wiesbaden gedrungen, auch seinen Gefühlen der freudigsten Theilnahme Worte zu geben. - Geruhen Euer Königliche Hoheit, die herzlichsten und unterthä- nigsten Glückwünsche der Stadt Wiesbaden gnädigst entgegenzuuchmen, die ich in den wenigen Worten zu- sammenfasse:Gott segne die Verbindung der hohen Verlobten!" Die Deputation wurde sehr gnädig ein- pfaugen und der Dank Ihrer Königs. Hoheit der Frau Herzogin für diesen Beweis von Ergebenheit in huld­vollen Worten ausgedrückt.

* Wiesbaden 23. Februar. (Asfisenverhandlung gegen Jacob Frank 31 Jahr und Joseph Deu­ter 40 Jahre alt, wegen Schriftfälschung.) Jacob Frank und Joseph Deuter sind angeklagt, daß sie theils in der Absicht, einen in der von Jacob Frank als Cu- rator des Joseph Deuter über den Zeitranm vom 12. Dec. 1850 bis dahin 1851 abgelegten Vormundschafts­rechnung enthaltenen Receß zu decken, theils, um die Familie des Curaudeu (Deuter) hiedurch zu bcnachthei- ligen, gemeinschaftlich falsche Ausgabenbelege zu der ge­dachten Rechnung versaßt haben. Die Summe der durch letztere zu deckenden Abgänge beträgt 5 fl. 8 kr. und 16 fl. und wurde die Urkunde über ersteren Be­trag von Jacob Frank gefälscht und von Deuter den­noch zum Zeichen der Echtheit unterschrieben; die über den zweiten Betrag von Dcntcr gefälscht und von Jac. Frank als echt der Rechnung beigelegt Beide Urkunden waren Quittungen über angeblich dem Denker geleistete Fuhren und gelieferten Dung.

Die Angeklagten wurden von den Geschworenen für schuldig befunden und von dem Assisenhofe Ersterer zu zwei Monaten Zusatz zu einer ihm bereits juerfan- ten Zuchthausstrafe und Letzterer zu Eine» Monat Zuj>^ zu einer ihm früher zuerkanntcu Correctioushausftcu- verurtheilt. (Durch das Urtheil des hiesigen Assi fr o Hofel vom 19.Juli 1852 sind Deuter und Frank,

erster zu drei Achren Zuchthaus, letzter zu zwei Jahren Correctionshaus, Diebstahls wegen, verurtheilt.) Die Kosten betragen 51 fl. 8 kr.

Die Verhandlung leitete der Assisenpräsident Forst, die Staatsbehörde vertrat StaatSprocurator Rcichmaun, Vertheidiger der Angeklagten waren Dr. Geiger und Dr. Großmann.

Die heutige Verhandlung gegen Maria Philippine Schäfer von Ripperg und Wilhelm Berg Hof von Wiesbaden findet bei verschlossenen Thüren statt.

i Wiesbaden, 23. Febr. (Ueber den An­bau und die Bereitung des Geflecht­strohes.) L Nachdem in der Filanda zu Wiesbaden eine Strohflechtschule errichtet worden ist, woselbst das Strohflechteu erlernt werden kann; so erscheint es wün- schcuswerth, daß auch über den Anbau und die Be­reitung des Geflechtstrohes eine Mittheilung gemacht werde. Wir lassen daher eine im Großherzoglich Ba­dischen laudwirthschaftlichen Wochenblatt erschienene spe­cielle Belehrung über diese» Gegenstand hier folgen. Vor Allem ist der wesentliche Unterschied zu beachten, welcher zwischen dem Geflechtstroy, das in ganzen Hal­men, und jenem, welches gespalten werden muß, be­steht. Zu ganzem Geflechtstroh verlangt man feine, dünne Halme, wie sie Sommerweizen oder auch Som­merroggen, dicht gesäet, auf magerem Boden gibt. Zum Spalten bedarf man stärkerer Halme, welche man deß. halb meist aus Winterroggen oder auch Winterweizen auf gutem, aber trockiiem Felde durch gewöhnliches wei­tes Säen erhält. Das Stroh muß so weiß sein, daß zwischen der Farbe der innern und jener der äußern Seite kein bemerkbarer Unterschied besteht, weil dieser Unterschied sonst in den Geflechten aus gespaltenem Stroh in die Augen fiele. Die Forderungen, welche man überhaupt an gutes Geflechtstroh stellt, sind: eine völlig gleiche, helle, fleckenlose, glänzende Färbung, Biegsamkeit und Zähigkeit (Elasticität)/ Diese Eigen­schaften erhält das Stroh am leichtesten auf lockeren Kalkböden, die eine sonnige Lage haben. Thonige, eisenhaltige Böden erzeugen leicht Flecken im Strich, und vorwiegend kieselhaftige Böden geben mehr rauhes, brüchiges Stroh. Hat man eine Saat, welche sich nach dem soeben Gesagten zu Geflechtstroh eignet; so muß man darauf verzichten, das Korn reif werden zu lassen. Die Ernte muß vorgenommen werden, sobald der Halm zu bleichen anfängt, und die Körner noch in der Milch stehen. Nachdem die Ernte vollzogen ist, muß das Stroh auf dem Felde vollkommen auStrocknen, und es darf von keinem Regen oder Nebel mehr getroffen wer­den. Man muß deßhalb bei guter Witterung schneiden und die Garben auf dem Felde stehen lassen. Fürchtet man Regen, so stellt man mehrere Garben zusammen und macht einfache Strohdächer darüber; man kaun die Garbe» auch zum Schutz gegen das Umwerfen jdurch den Wind um einen in die Erde geschlagenen Pfahl bffestigen. Ist das Stroh so vollkommen ausgetrocknet worden, was in 34 Tagen geschieht; so wird es an einen Ort geschafft, wo es leicht unter das Dach ge­bracht werden kann. Es müssen nämlich nun noch alle einzelnen Halme durch Sonnenlicht und Thau ihre volle Naturbleiche erhalten.

Die Garben werden aufgebunden, die Aehren abge­schnitten und das Stroh auf einer reinen, trockenen Fläche in einer dünnen Lage ausgebreitet; man kann es auch in armdicke Büschel binden und diese fächerförmig ausbreiten. In Italien legt man das Stroh am lieb­sten auf den reinen Kies der ausgetrockneten Flußbeete. Trockenes Weidfeld thut ebenfalls gute Dienste. Bei dem Ausbreiten auf Rasen entstclwn leicht Flecken. Es soll keine andere Feuchtigkeit als Thau die Halme mehr berühren. Häufiges Umwenden, damit alle Theile gleichmäßig von Thau und Sonne berührt werden, ist dabei nothwendig. Droht Regen oder Nebel, so muß das Stroh unter Dach gebracht werden. Bei guter Witterung ist diese Bleiche etwa in einer Woche fertig. So zubereitet kommt das Stroh in die Hände der Strohflechteriuncn, und so soll es auch zur Preisbewer­bung ausgesetzt werden. Wenn das erste Auswocknen auf dem Felde gut vorgenommen worden ist, so kann man mit dem Bleichen zuwarten , bis schöne beständige Witterung eintritt. Man kann sogar, wenn man durch die Umstände gezwungen wird, das Bleichen bis in den nächsten Sommer verschieben. Man hat es also bei em-ger All) ff am leit in seiner .Hand, sich- des Gelingens dex Bleiche zu versichern. Die Hauptsache bleibt immer, ins das Sorgfältigste alle Feuchtigkeit, welche in das S>roh eindringt und nicht rasch wieder verdunsten kann, abzuhalten und kräftigen Sonnenschein zu benutzen. Eine