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Die über die Mailänder Ereignisse vom 6. d. einge- leitete Untersuchung soll nach derTriester 3" bereits herausgestellt haben, daß ein gewisser Theil der Ein- wohnersä aft ins Geheim auf äußerst compromittirende Weise jene Bewegung begünstigt, und nur auf ein er­stes entscheidendes Resultat gewartet habe, um sich all­gemein zu erklären und mit den verächtlichen Helfers­helfern gemeinschaftliche Sache zu machen. Auch scheint der Umstand, daß hier noch immer neue Verhaftungen Und Haussuchungen vorgenommen werden, der Vermu­thung Raum zu geben, daß gewisse Fäden aufgesunden worden sind, welche viele Mailänder Bürger mit den an der schweizer und piemontefischen Grenze den Erfolg des Handstreiches vom 6. b. M. abwartenden Insurgen­ten in ein und dasselbe Gewebe verstrickt.

Es scheint, als ob die Auftritte, welche Mailand betroffen haben, in Ungarn nicht ohne Rückwirkung bleiben sollen, und ein großer JusurrectionSplan ange­legt gewesen sei, dessen Fäden sich weit hinaus spinnen. Wenigstens finden, wie der A. A. A geschrieben wird, seit mehreren Tagen zahlreiche Verhaftungen in Pcsth statt, und das Neugebäude füllt sich mit politisch Ver­dächtigen oder Lompromfttirten. Vorgestern Nacht wurden dort im Hotel zur Königin von England zwan­zig Passagiere nächtlicher Weile von der Sicherheits- behörde aufgehoben. Seit gestern Abend sind alle Thore, welche zur Festung Ofen führen, mit Schild wachen besetzt, was nie zuvor der Fall war. Ein zwei­ter Officicr ist zur Hauptwache beordert Das Zeug­haus, gegenüber dem Palast des Erzherzogs Albrecht, hat eine bedeutende Verstärkung von Genie- und Artil­lerietruppen erhalten, und ein Bataillon Infanterie steht im Neugebäude in Bereitschaft, stets unter den Waffen. Es scheint aus diesen Anordnungen hervorzugehen, das etwas gegen die Festung Ofen im Schild geführt und eine Befreiung der zahlreichen politischen Gefangenen beauschlagt gewesen sei. Wie man sagt, soll der in Wien gefangen sitzende ehemalige Guerrillas-Häuptling Noßlopy umfassende Geständnisse abgelegt haben, durch welche eine sehr große Personenzabl cömpromitirt er­scheine. (Siehe unten Wien und Italien.)

Aus den jüngsten Ereignissen in Mailand, aus diesem versuchten K a i s e r m o r d c mögen, sagt die N. Pr. Z., sich die Fanatiker der Rube eine Lehre neh­men, welche feit Jahr und Tag bemüht waren, die Fortexistenz der rastlos thätigen Revolution zu läugnen, und unsere oft wiederholte warnende Voraussage einen Gespensterglauben zu nennen beliebten. Eine zweite Lehre möchte Denen nahe treten, welche mit dem un­verwüstlichen Glauben in Sicherheit eingewiegt werden, daß eine P o l i z e i o r g a u i f a t i o n / und wäre sic auch die musterglltigste, allein im Staate die Macht besäße, solchen vorbereiteten und plötzlich in grauenvoller Nackheit mitten im Frieden auftauchenden Attentaten vorzubeugen oder gar die Revolution selbst niederzuhal­ten oder zu besiegen!

Deutschland.

* Wiesbaden, 22. Februar. (Assisen-Verhand- lung gegen Johann Joseph Eberts Häuser von Nievern, wegen Münzverbrechens.) Der Angeklagte wurde von den Geschworenen für s ch u l d i g befunden und von dem Assisenhofc zu einer Gesängnißstrafe von acht Tagen verurtheilt. Die Kosten sind noch nicht festgesetzt.

(Afsisenverhandlung gegen Joh. Phil. Schwarz aus Erbach wegen Diebstahls.) Joh. Phil. Sckwarz, 17 Jahr alt, Maurerlehrling, ist angeklagt am 5. Noo. V. I. in dem Hause der Wittwe des Georg Ludwig Schreiner zu Niederhausen, in welches er mittels Ein­bruches eines Gefaches in der Lehmwand des Stalles gelangt war, aus einem Küchenschrank einen Geldbe­trag von 15 fr. und aus einer verschlossenen von ihm gewaltsam geöffneten Kiste einen Betrag von 2 fl. 57 fr. gestohlen zu haben.

Der Angeklagte wurde von den Geschworenen für schuldig befunden und von dem Assisenhofc zu 15 Monaten Correctionshaus geschärft durch Kosthcschrän- kuug, verurtheilt. Die Kosten betragen 48 fl. 26 fr.

Wiesbaden, 23. Febr. (Assisenvcrhandluna

Pbter Seiberth von Kleinschwalbach wegen Diebstahls^) Peter Seiberth, 19 Jahre alt, Cigarren- macher, i|t angeklagt, seiner Mutter aus einem ver­schlossenen von ihm gewaltsam geöffneten Kleiderschrank einen seidenen Regenschirm im Werth von 7 fl. aestoh- lcn zu haben. Der Angeklagte wird von den Geschwo­renen . Mit Ausscheidung des erschwerenden Umstandes der gewaltsamen Erbrechung des Schrankes schuldig befunden und vom Assisenhofc zu einer Gefängnißstrafe mib jum Ersatz der Unter suchu'ugökosten (51 fl. 8 kr.) verurtheilt.

Die Verhandlung leitet Assisenpräsident Forst als CtdotSdnwnlt funßitt Stst^èp^pcutntot- SJUuijnionn olé Vertheidiger des Angeklagten, Prokurator v, Eck. '

SOtailtj, 22. Fcbr. Heute Morgen stieg die Kälte auf sieben Grad und das Eis des Rheines vermehrte sich dermaßen, daß eine Abführung unserer Rheinbrncke sich leider nicht länger mehr aufschieben ließ, so daß gegenwärtig die Communication mit dem rechten Ufer iur vermittelst Nachen unterhalten wird. Man hofft chon im Herbste dieses Jahres mit dem Bau der gan­

zen Eisenbahnstrecke von Mainz bis Ludwigshafen fertig zu werden.

Frankfurt- 19. Febr. (L. Z.) DieKölnische Zeitung" bringt in Bezug auf die Veröffentlichung der in der Bundestagssitzung vom 3. d. gehaltenen Rede des BundcSpräfidialgesandtcn von Prokesch-Osten in den hiesigen Blättern, einen Artikel, welcher einige höchst überraschende Angaben enthält. Die ganze hiesige di­plomatische Welt soll (ipsissima verba des Artikels) voll entrüsteten Erstaunens über diese Verdeutlichung gewesen sein. Es kann auf das Bestimmteste versichert werden, daß sich weder von einem allgemeinen Erstau­nen , noch weniger von einer allgemeinen Entrüstung irgend eine Spur bemerklich machte. Im Gegentheile, nicht im größern Publicum allein war man erfreut darüber, daß die Rede des Herrn von Prokesch-Osten, welche das Gepräge eines förmlichen polnischen, Pro­gramms trägt, zur Kenntniß der deutschen Nation ge­bracht worden. Man soll, wie jener Artikel behauptet, deßwegen entrüstet gewesen sein, weil die Mittheilung der Rede an jene Zeitungen geschehen wäre, ehe die Originale sich selbst nur in den Händen der hiesigen Gesandten befunden hätten. Diese Angabe ist indeß, wenn wir recht berichtet sind, ebenfalls nicht genau. Die Vertheilung des gedruckten BuudeSprotocoUs an die Gesandtschaften erfolgte am 12. Mittags. Den betreffenden Zeitungen kamen Abschriften der Rede spä­ter zu, damit die Veröffentlichung erst am Sonntag stattfände. Das Zeitungspublicum erhielt also die Rede nicht früher, als sie direct aus den GesandschaftSkanz- leien ihren Weg in die betreffenden Residenzen finden konnte. Zudem war das schriftliche Prvtvcoll der Bun- dcstagsfitzung vom 3. d. schon acht Tage vorher aus­gefertigt und unterzeichnet; es konnten also schon eine Woche vor Vertheilung des gedruckten Protocolls Ab­schriften von dem vollständigen Texte der denkwürdigen Rede des Hrn. v. Prokesch - Osten genommen werden, um sie nach den Residenzen der Bundesstaaten abzu­senden.

Hier ist so eben eine Schrift erschienen, (Zur Ver­theidigung des Professor G. G. Gervinus"), als deren Herausgeber (nicht Verfasser) sich der hier lebende kö­niglich preußische Geheime Finanzrath a. D. Fallen- stein, ein näherer Freund von Gervinus, genannt hat, welche den juristischen Standpunkte der Beurtheilung scstzustellen sucht.

Darmstadt, 21. Febr. Se. f. Hoh. der Groß- herzog hat heute Morgen seinen Oberststallmeister, Ge­neral v. Trotha, nach Wien abgesendet, um Sr. Maj. dem Kaiser von Oesterreich das Bedauern wegen seiner Verwundung und zugleich die Beglückwünschung auszu- drücken, daß Gott allcrhöchftdenselbeu aus solch großer Gefahr glücklich errettet habe.

Köln, 19. Febr. Das Hauptblatt derDeutsch. Volkshalle", von Nr. 41, (der Sonntags-Nummer) ist, wie die zweite Ausgabe meldet, wegen der Fortsetzung des Artikels:Der Ausschuß. Bericht über den von Waldbott'schcn Antrag", ebenfalls mit Beschlag be­legt worden. Es ist dies die vierte Confiscation in dieser Woche.

Berlin, 19. Febr. (Dr. I.) Die Nachricht von dem gegen die Person Sr. Maj. des Kaisers von Oester­reich verübten Attentat hat hier die tiefste Entrüstung allgemein hervorgerufen. Besonders lebhaft treten bet diesem Anlaß die Sympathien hervor, welche sich der Kaiser Franz Joseph in den Reihen der Armee erwor­ben hat. General v. Brauchitsch, Generaladjutant Sr. Maj. des Königs, begibt sich heute mit eigenhän­digen Schreiben Ihrer Majestäten des Königs und der Königin nach Wien.

Das Gerücht von einem Attentate aus Se. Maj. den König entstand durch die Entstellung folgenden Vorganges: Der Gerbergehilfe K. wurde vor mehreren Tagen in Charlottenburg wegen mangelnder Legitima­tion verhaftet, indem er am Schloßgitter daselbst den König erwarten und diesen um die Aufnahme ins Mi­litär bitten wollte. Man fand bei ihm zwei Pistolen, welche aber nicht geladen waren. Der Mann soll sich als politisch ganz unverdächtig ansgcwiesen haben. DieD. Allg. 3-" bringt darüber folgendes Nähere: Ein in Prenzlau (Regierungsbezirk Potsdam) gebürti­ger, 19jährischer Mensch, Ramens Hruschka, der schon in verschiedenen Erwerbszweigen sein Fortkommen ge­sucht und zuletzt in einer Lohgerberei als Gehülfe ge­arbeitet hatte, war endlich auf den Gedanken gefallen, Soldat zu werden. Da ihn indessen die Natur für daS preußische Militärmaß etwas zu kurz geschaffen hatte, glaubte er, nur durch einen Machtspruch des Königs diesem Mangel abhelsen zu können, begab sich nach Charlottenburg, wo gegenwärtig die Majestäten residi- rcn, und erwartete cm Schloßportale, bis der König ! hcraustretcn werde. Unglücklicherweise wartete er hier etwa eine halbe Stunde vergebens, was einem in der Nähe patrouillirendeu Schutzmann denn doch endlich verdächtig vorkam, sodaß er den Wartenden nach seiner Absicht fragte, und da ihn dessen Antworten nicht be­friedigen konnten, ihn zum nächsten Revicrpolizeilieutc- nant führte. Hier ergab sich, daß Krnschka zu seinem noch größern Unglück zwei Pistolen wiewohl ungeladen, und außerdem gehacktes Blei und Pulver bei sich führte. Er habe, gab er als Erklärung hierfür an, sich im

Schießen üben wollen, aber keine ganze Kugeln zu Kauf gefunden. Die über seine Persönlichkeit einge- zogkiicn Erknndignngcn sind übrigens insofern zu seinen Gunsten ausgefallen, als sich daraus ergab, daß er nie an politiichem Treiben sich beteiligt hatte, auch sonst unbescholten dasteht, und daß er nur ganz zufällig in den Besitz der Pistolen gelangte.

Die bctr. Commission der zweiten Kammer hat sich für die Annahme des Gesetzes über die Destenerung der Eisenbahnen entschieden. Die Nachricht von einer Nednction der Zinsen der Prioritäts-Actieu der Niederschlesischen Eisenbahn wird vor derNeuen Preußischen Zeitung" ans authentffcherQuelle bestritten.

Der Staatsanwalt hat in der in der jüngst confis- cirten Nummer derNeuen Preußischen Zeitung" kei­nen Grund zur gerichtlichen Anklage gefunden. ' Dem­nach steht die Freigcbung der betreffenden Nummer in nächster Aussicht.

Berlin, 21. Febr. Die Berliner Blätter melden heute sämmtlich den erfolgten Abschluß des Handels­vertrags. Die Publication desselben ist zu erwarten,, sobald die Ratification erfolgt sein wird, und nachdem die nothwendigen Rücksichten, welche durch die Mitthei­lung des Vertrages an die Zollvercinsregierungen ent­stehen, fortgefallen sein werden. Wir können (be­richtet die heutige Krenzzeitung) als zuverlässig mitthei- len, daß unterm 19. d. M. ein mit dem 1. Januar 1854 in Wirksamkeit tretender Handels- nnd Zollver­trag zwischen Preußen und Oesterreich von den beider­seitigen Bevollmächtigten unterzeichnet ist. Der Beitritt zu diesem Vertrage ist von Preußen denjenigen deut­schen Staaten Vorbehalten, welche mit demselben vom 1. Januar 1854 zum Zollverein verbunden werden- Wir erfahren ferner als gewiß, daß Hannover morgen die zum 1. März in's Leben tretenden Zollerhöhungen in Folge des Handelsvertrages zwischen Preußen und Hannover vom 7. September 1851 publicircn wird. Wir freuen uns aufrichtig, daß diese Streitfrage nun erledigt ist, um so mehr, da gerade unter den gegen­wärtigen Verhältnissen die Einigkeit zwischen Oesterreich und Preußen auf's Dringendste zu wünschen ist. Dagegen bestätigt eine Correspondenz der Leipz. Ztg., daß sich bei Unterzeichnung des Handelsvertrages "zwi­schen Oesterreich und Preußen kurz vor der dazu anbe- raumtcu Zusammenkunft der beiderseitigen Bevollmäch­tigten noch ein Differenzpunct fand, der aber in einer noch am Abend des 19. gehaltenen Minifterconfrenz seine Erledigung gefunden haben mag.

Wien, 18. Februar. (N. Corr.) Officiellcn Be­richten aus Mailand zufolge trifft die dortigen Poli- zeiorgane durchaus keine Schuld bei den Ereignissen vom 6. d. M. Oberst Franyois, welcher die Functionen eines Polizeidirectors ansübt, wird als ein eben so um­sichtiger wie unerschrockener Mann geschildert, und es heißt, daß es hauptsächlich ihm zu verdanken sei, wenn der Aufstand keine stärkere Ausdehnung gewonnen hat. Der Oberst hatte sich am 5. Februar zu dem F.-M.-L. Grafen v. Strassoldo begeben nnd ihn ersucht, die nö­thigen Vorsichtsmaßregeln anzuordnen, da aller Wahr­scheinlichkeit nach den andern Tag eine Meuterei los­brechen werde. Der Gouverneur glaubte aber diesem Berichte keine besondere Bedeutung -eimessen zu müssen, sowie auch der Stadtcommandant, Generalmajor v. N., der Meinung war, daß die FaschingStage ohne Ruhe­störung vorübergehen würden ; und so wurden weder die Wachtposten noch die Patrouillen verstärkt, und selbst die Kanonen vor der Hanptwache sollen nicht geladen gewesen sein. Oberst Francois ließ sich seinen Bericht sowohl von dem Gouverneur als auch von dem Stadt­commandanten bestätigen und sandte ihn am 8. oder 9. nach Verona an den Marschall, um dadurch den Beweis zu liefern, daß er Alles gethan habe, was er thun konnte. Als die Meuterei ansbrach, war der Oberst mit seinen Gensd'armen und einem leichten Bataillon der Erste auf dem Platze, setzte sich mit beispielloser Aufopferung, jedweder Gefahr aus und rettete persönlich zwei von dem Rebellen nmrmgte Offiziere vor einem gewissen Tode. Auch die Gensd'armen trifft alles Lob, da sie mit sel- tener Tapferkeit gegen die Uebermacht kämpften, bis sie von der schnell herbcieilendcn Militärmacht unterstützt wurden. Ihrer fünfzehn warfen sich einer Rotte von etwa 50 Rebellen entgegen, zerstreuten dieselben und nahmen überdies noch etliche 20 von ihnen gefangen. Der Gensd arinerie gelang es auch, drei inaskirte No­bili , die in^ einem Keller' versteift waren, und in wel­chem man Haupträdelsführer vermuthet hatte, zu ver­haften; sie befinden sich noch in Untersuchnng. Die ver­hafteten Facchüii gestanden, daß sie von Masken ge­dungen worden seien und theils 5, theils 10 Lire er­halten hätten. Ueber das Benehmen des Militärs herrscht nur Eine Stimme der Anerkennung. Dem Obersten Francois sind nach der Unterdrückung der Rebellion anonyme Drohbriefe zugekommen. In mili­tärischen Kreisen glaubt man, daß Gräf Strassoldo eine anderweitige Verwendung erhalten werde; der Stadt­commandant von Mailand dürfte in den Ruhestand ver­setzt werden. In Folge h. Anordnung werden gegen­wärtig sowohl Kavalerie-Remonten als auch Packpferde arigekauft. Gestern war hier das Gerücht verbreitet, daß das a. H. Obercommando heute oder morgen nach Kroatien abgehcn solle.