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Nassauische Allgemeine Zeitung.

2Vt F« Mittwoch de« 23. Februar ^«»S.

Die,,Nassauische Alsffemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumeratioasprcis für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr euch für den ganzen Umfang des Tburn» und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postausschlags 2 fl., für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die vierspaltig Petitzeile oder deren Naum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

Dieirstnachrichten.

Seine Hoheit der Herzog haben der Prä­sentation des Pfarrverwalters Bayer zu Dornassen- heim die landesherrliche Bestätigung zu ertheilen geruht.

Nichtamtlicher Theil.

Jur Geschichte der Demokratie

DaS Attentat auf Seine Majestät den Kaiser von Oesterreich.

DasDresdener Journal" bringt folgende Einzel­heiten des entsetzlichen Attentats auf Se. Majestät den Kaiser von Oesterreich. Gegen halb 1 Uhr hatten Sc. Majestät der Kaiser den gewohnten Spaziergang auf den Wällen der Stadt nur in Begleitung des Flügel- Adjutanten Oberstlieutenant Grafen O'Donnel von Tvrconel begonnen. In der Nähe des Kärnthner Thores zog eine Truppe Soldaten, welche im Stadt­graben exercirten, die Allerhöchste Aufmerksamkeit iuso- weit an, daß Se. Majestät sich über die Brustwehr beugten, um hinabzüsebeu. In diesem Augenblicke tritt ein bis jetzt unbemerkt gebliebener junger Mensch, in ungarischem Rock, mit einer sogenannten Kossulh-Mütze bedeckt, von hinten heran, und stößt plötzlich mit aller Kraft ein sechs Zoll langes, scharfes, sehr spitziges Messer, ein sogenanntes Küchenmesser, Sr. Majestät in den Hinterkopf, nahe dem Halse. Allein Gott beschützte wunderbar das kostbare Leben! Die Spitze des etwas zu hoch geführten Messers, auf der Hirnschale aufgc- troffen, beugt sich krumm. Se. Majestät greifen, sich schleunigst wendend, mit militärischer Kaltblütigkeit nach dem Säbel; doch schon ist der Adjutant dem Mörder in den Arm gefallen, und ein gerade vorübergehender Mann (nach Einigen ein Beamter, nach Andern ein Fabricgnt) stürzt sich sofort auf den Mörder, reißt ihn zu Boden und entwindet ihm das Mordinstrumcnt. Andere Personen und die herbei geeilte Polizei vollen­den die Festnahme. Sc. Majestät der Kaiser traten, stark blutend, in das nabe Palais des Erzherzogs Albrecht. Die Wunde ist nach Aussage der Aerzte nicht gefährlich, der Blutverlust aber bedeutend. Die Be- 'kerung Wiens strömt nach der kaiserlichen Burg und bekundet ihre Theilnahme dem allgeliebten Monarchen durch unaufhörliche Lebehochs. Nach derA. A. Z." brachte der junge Mörder bei seiner Verhaftung noch Kossuth ein Lebehoch.

DerWanderer" trägt noch einige Details über das Attentat auf die geheiligte Person Sr. Majestät nach:Der Name des Wiener Bürgers, welcher sich bei der Ergreifung des Meuchelmörders am meisten hervorthat, ist Ettmann; er ist Spediteur in der Leopoldstadt. In der Wohnung des Verbrechers, Schmidtgasse Nr. 653 in der Leopoldstadt, wurde eine Haussuchung vorgenommeu; derselbe soll früher als Leibhusac gedient haben. In seinem ersten Verhör trug er mit großer Frechheit eine künstliche Fassung zur Schau; er scheint am gestrigen Vormittage Sr.^ Maj. dem Kaiser bereits eine ziemliche Strecke weit während des Spazierganges gefolgt zu sein. In dieser kleinen, unbedeutenden, kränklich aussehenden Figur mit laugen Haaren, einem niedrigen ungarischen Hute und ziemlich ordentlich gekleidet, würde man kaum den Meuchelmör­der vermuthet haben, dessen schwarze That so unermeß­liche Folgen hätte nach sich ziehen können."

Die A. Z. bringt folgendes: Während Se. Maj. wie gewöhnlich bloß in Begleitung eines seiner Adju­tanten seinen Spaziergang auf der Bastei machte, näherte sich ihm auf der Strecke zwischen dem Kärnthnerthor und dem gräflich Kosowrat'schen Palast, als der Kaiser eben einen Blick in den Stadtgraben warf, ein mit einem großen Messer bewaffneter junger Mann, uud führte gegen Se. Maj. in der Gegend zwischen dem Kopf und dem Halse einen Stich, der jedoch, durch die Uhlanen-Uniform und den Mantel den der Kaiser trug glücklicherweise aufgehalten, nicht weit durchdrang, son­dern Se. Maj. nur leicht verletzte. Der Adjutant Sr. Maj. Graf O'Donnel hatte sich im ersten Augenblick auf den Mörder gestürzt um ihn zu durchbohren, wurde jedoch daran von Sr. Maj. gehindert. Die Erzherzogin Sophie, welche eine halbe Stunde nach dem Vorfall aus dem Prater zurückkehrte, wurde vom Volk mit ju­belndem Zuruf begrüßt

NachdemLloyd" heißt der Meuchelmörder JanoS L i b e n Y. Von Statur ist er klein und schwächlich

aussehend. Wie derLloyd" weiter erzählt, wehrte sich der Mörder, als der Graf O'Donnel sich auf ihn warf, wie ein Wüthender und stieß mit dem Messer um sich. Graf O'Donnell suchte, mit demselben ringend, ihn zu entwaffnen; im Nu sprangen auch einige Civil- personen herbei, mit deren Hilie der Missethäter zu Boden geworfen und seinen Händen das Messer ent­wunden wurde. Seine Majestät suchten die von na­menlosem Entsetzen ergriffenen Umstehenden zu be­ruhigen, legten, auf die Blutung im Nacken aufmerk­sam gemacht, die Hand auf die Wunde und begaben sich festen Schrittes in das naheliegende Palais Sr. k. k. Hoheit des Herrn Erzherzogs Albrecht, wo ein vorläufiger Verband angelegt wurde. Hierauf begaben sich Allerhöchstdieselben zu Wagen in die kaiserliche Burg und grüßten die thcilnahmsvoll zusammengeströmte Menge freundlichst. Inzwischen wurde der Mörder, den man nur mit Mühe von den gewaltsamen Aus- brüchen der Entrüstung 'bcr versammelten Menge wah­ren konnte, und der bei seiner Bewältigung selbst ver­wundet worden war, von einer herbeigeeilten Patrouille auf die Wachtstube bei dem Kärthnerthore und von da unter starker Escorte zur Polizei-Oberdirection geführt. Man muß das Ergebniß der gerichtlichen Untersuchung abwarten, um über die Beweggründe und den Ursprung dieser scheußlichen That vollkommen ins Klare zu kom­men. Nicht unerwähnt können wir jedoch ein allge­mein verbreitetes Gerücht lassen, wonach der Mör­der bei einem hiesigen Banquier einen Londoner Wechsel eincassirt haben soll. Ist dies begründet, so wäre es nur allzuwahrscheinlich, daß dieser verruchte Anschlag von jener Rotte von Mördern und Dieben, im buchstäblichen Sinne des Wortes, herrührt, welche in vollster Ruhe und Sicher- Heit auf britischem Boden die abscheulichsten Pläne gegen das Leben und Eigenthum von Millionen aus- brüteu, und, wie wir an dem Mailänder Vorgänge ge­sehen, auch ins Werk zu setzen trachten.,

Gegen den Mörder Johann Lebeny, Schneiderge­sellen aus Stuhlweißenburg in Ungarn, welcher gestern das Attentat auf die geheiligte Person Sr. Majestät des Kaisers versuchte, ist die ordentliche Untersuchung eingeleitet. Das Summarverhör bestand der scheußliche Verbrecher noch gestern bei der Polizeidirection. Er gab vorläufig an, ganz selbstständig gehvudelt und das schauderhafte Vorhaben schon vor längerer Zeit gefaßt zu haben. Doch deuten die gestern getroffenen poli­zeilichen Maßregeln es wurden die Bahnhöfe und Linien abgesperrt und die Legitimationen aller hier be­findlichen Fremden genau revidirt an, daß ein Zu­sammenhang des Verbrechens vermuthet wird. Das Benehmen desselben vor Gericht war frech und roh: er ist ganz ohne Bildung und gehört in die Zahl der von Jugend auf vcrwavrlosten Individuen. Stets war er arbeitsscheu und hat nie lange Zeit bei ein und demselben Meister gearbeitet. Später wurden die Ver­höre die ganze Nacht hindurch fortgesetzt.

Wenn die Nachricht sich bestätigen sollte, daß der Meuchelmörder vorgestern ein Wechsel von London auf 600 fl. eincasfirte, dann dürften, sagt diePresse", wohl die britischen Staatsmänner es nicht für unver­träglich mit den Gesetzen Altenglands finden, daß sie einer Rotte die Gastfreundschaft kündigen, die Rebellion und Mord in die Länder befreundeter Monarchen sen­det, die freundlichen Beziehungen Englands zu anderen Staaten untergräbt, und den Gastfreund schändet, in­dem es seinen Schutz so niederträchtig mißbraucht. Englisches Schiff ist englischer Boden es gibt aber ein Beispiel in der Geschichte, daß Britanien einen Mann , der sich gastlich an seinem Herde niederlassen wollte, als Gefangenen auf eine ferne Insel schleuderte, weil es ihn gefährlich für die Ruhe Europa's hielt. England gegenwärtige Gäste sind gefährlicher. Gibt cs denn keine Insel der Südsee mehr, wo man ihr Trei­ben unschädlich machen könnte!"

Die Mailänder M o r d s c e n e n.

Das Zusammentreffen mehrerer Umstände, so wird der A. Z. geschrieben, macht es immer wahrscheinlicher, daß der Mailänder Aufstand keineswegs als isolirte That­sache zu betrachten ist, vielmehr vom revolutionären Völkerbünde" in London eingeleitet und durch ander­weitige Zettelungen verstärkt wurde. Am 10. d. M. er­schien als Angeklagter vor den Geschwornen in Posen der Gutsbesitzer Alphons von Bialkowski, bezich­tigt der Verübung einer ein hochverrätherischeS Unter­nehmen vorbereitenden Handlung. Der Angeklagte

war bereits wegen Theilnahme an dem revolutionären Unternehmen von 1846 verurtheilt gewesen. Im Ja­nuar fand man bei einer Haussuchung bei ihm den lithographirten Aufruf der polnisch-demokratischen Cen­tralisation in London vom 10. August 1850, sowie eine von dieser letzteren ausgegebene Actie, auf zwölf polnische Gulden lautend, und endlich einen Theil einer solchen Actie. Der Inhalt der Proelamation erläuterte die Bestimmung der Actie: sie stellt eine baldige Ka­tastrophe in Aussicht, für die sämmtlichen Völker Euro­pa's werde politische und sociale Freiheit daraus her­vorgehen. Es sollen zu diesem Behufe Actien ausge- theilr werden in Serien, von denen jede hundert Actien umfasse, jede Actie auf 12 polnische Gulden, für die Emigration in London auf 5 Shilling, für die Emigra­tion in Frankreich auf 5 Franken lautend. Nach dem Befunde der bei ihm vorgefundenen Actien soll der An­geklagte Collcctcur solcher Actien gewesen sein. Die Geschworenen sprachen ihn frei. Um dieselbe Zeit, und wohl durch dieselbe Quelle wurde die hie­sige Regierung von London aus benachrichtigt, daß der bekannte polnische Demokrat D a r a s z mit einem frem­den Passe sich nach dem Kontinente begeben habe, und ein Landrath in Posen erließ gegen ihn einen Steckbrief. Derselbe Darasz, welcher sich seit zwei Monaten in Paris aufgehalten haben soll uud wegen Anbringung der polnischen Anlehenspapiere von hier aus steckbrieflich verfolgt wurde, ist seit sechs Tagen durch die Pariser Polizei in Haft gebracht worden. Unter den gegenwärtigen Umständen muß man sich um so mehr verwundern, daß die Londoner Wochen­blätter einen Aufruf enthalten zueiner Schillings- subscription für die Befreiung .Enropa's," unterzeichnet von einem Komitee, in dem 3 Parlamentsmit­glieder (Duncombe, Miall (?) und Viscount Go- derich), zwei Professoren derLondoner Uni- versität (Masson und Newman) und eine Anzahl englischer Journalisten sitzen, darunter Dou­glas Jerold, mit dessen neuestem Stücke die Vor­stellungen in Windsor (bei der Königin) eröffnet eröffnet wurden. Der Ertrag der Sammlung soll Mazzini und Kossuth zur Verwendung übergeben werden I

Dem Schreiben eines Augenzeugen über den An­griff der Meuterer auf die k. k. Hauptwache in Mai­land am 6. d. entnimmt dieCop. Z.-Corr." Folgen­des: Die Hauptwache ist in der Hauptfronte der k. Burg am Domplatze und gleicht beinahe der Haupt- wache in Wienam Hofe". Der südliche Flügel der Burg zieht sich in eine Nebengasse, von welcher ein Thor in den Burghof führt, aus dem man zum Haupt­thore neben der Hauptwache gelangen kann. Der Hauptwache ungefähr gegenüber liegt das Cafö Mazza, wo sich die Offiziere zu versammeln pflegen. Die Meuterer schlichen sich durch das Thor der Nebengasse in den Burghof, ermordeten dort den Wachposten und stürzten sich sodann mit wildem Geschrei in die Offiziers­stube, erdolchten dort den Offizier und versperrten die Thüre der Wachstube, daß es nur einem Theile der Mannschaft gelang, welche in einer halben Compagnie des Infanterie-Regiments Mazzucheli bestand zum Ge­wehrschranken vorzudringen und ihre Gewehre zu ret­ten. Diese braven Leute nahmen den ungleichen Kampf mit Todesverachtung auf und feuerten gegen eine halbe Stunde, so daß 10 bis 12 der Angreifer auf dem Platze blieben. Mittlerweile wurde die Thüre der Hauptwache aufgesprengt und die Zahl der tapferen Vertheidiger erhielt dadurch Zuwachs. Gleichzeitig mit dem Angriff auf die .Hauptwache wurden auch die Offi­ziere im Kafé Mazza angefallen. Diese aber erzwangen mit der blanken Waffe in der Hand, den Durchgang zur Hauptwache. Den nun Isort vereinten Kräften ge­lang nach einem blutigen Gefechte, in beiläufig einer Stunde den Domplatz, der zum Centralpunkte der Emeute ausersehen war, vollkommen zu säubern und später mit Hilfe von drei herbeigecilten Zügen einer Infanterie-Compagnie auch frei zu halten, so daß am Domplatz kein weiterer Auftritt stattfand. Die Zahl der von den Aufrührern Gemordeten beträgt 10, der Verwundeten 73 aus dem Militär - und etwa 20 aus dem Civilstande; im Ganzen sind 13 der erkauften Schuldigen der Strenge des kriegsgerichtlichen Verfah­rens erlegen. Unter den verhafteten Individuen sind auch einige Frauenspersonen und Knaben von 15 Jah­ren, welche bei dem Versuche, eine Barrikade z» errich­ten, festgenommen wurden und den Aufständischen Wein und Branntwein zur Erfrischung reichten. Die Zahl der ausgewiesenen Tessiner wird auf 5000 angegeben.