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eingetroffen. Graf d'Haufsonville ist vorläufig frei- gelassen worden. Derselbe erklärt im Constitutionnel, ec habe dem Polizeisgenten, der ihm am Weiterfahren verhindert habe, gar' keine Antwort gegeben; er habe auch keineswegs die Wagenreihe deö gesetzgebenden Körpers durchbrechen wollen, sondern nur einige Worte zu seinem Sohne gesagt habe, worauf man ihn ver­haftet habe. Cr protestirt ferner gegen die beleidigen­den Redensarten, die er über den Kaiser gethan ha­ben soll.

Die Regierung sieht sich unerwarteter Weise wieder einigermaßen mit den schleswig-holsteinischen Angelegen­heiten beschäftigt. Die Prinzen von Augustenburg wurden hier offiziell vom Hofe empfangen, obgleich sie nicht vom Gesandten des Königs von Dänemark, son­dern vom preußischen bei Hofe eingeführt waren. Der dänische Gesandte beklagte sich über dieses Lerfahren bitter und schrieb eine protestirende Note, welche, wie man sagt, von Herrn v. Kisseleff unterstützt wird. Der dänische Gesandte soll sich auch vom letzten Balle des Senats augenblicklich entfernt haben, als er der beiden Prinzen daselbst ansichtig wurde. Prinz Murat kann es dem Kaiser noch immer nicht vergessen, daß er ihn nicht unter die kaiserlichen Prinzen ausgenommen hat, und ist noch nicht bei Hofe erschienen, obgleich er keinen Ball der Minister versäumt. Napoleon thut, als sähe er nichts.

Wie derMoniteur" berichtet, hat der Kaiser aber­mals 99 Individuen, welche exceptionellen Maßnahmen wegen Theilnahme an politischen Lcrgehen unterworfen waren, begnadigt. Es befinden sich darunter mehrere Aerzte, Advokaten und Lehrer. Die meisten der Be­gnadigten sind Bauern, Wirthe und Arbeiter.

Schweiz.

Bern, 16. Febr. Wahrscheinlich wird die Sache wegen des in Graubünden bestandenen Waffendepots vor die eidgenössischen Assisen kommen. Die beiden Italiener, Elemente und Cazola, welche die Militär­effecten, bestehend aus 121 Gewehren, 390 Waffcnrö- cken, ferner Tornister, Halbstiefel, Säbel rc. in der Nacht vom 6. auf den 7. d. M. über die Grenze nach Veltlin bringen wollten, wurden durch Einschreiten der Behörden danan gehindert; sie selbst aber, die mit pie- montcsischen Pässen versehen waren, gefangen genom­men. Clemente soll ein Adjutant Mazzini's sein. Die Grenzsperre am Splügen ist wieder aufgehoben. Rei­sende und Kaufleute passiren ungehindert; nur Bündner Fuhrleute dürfen noch nicht über den Berg. Man spricht von 450 Gefangenen in Mailand, von denen bereits mehrere zum Tode verurteilt seien.

Italien.

Mailand, 11.Febr. (A. Z.) Vonden vier neuer­dings Hingerichteten gehörten drei der Arbeiterklasse an, der vierte war ein Gymnasiallehrer aus Pavia. Bei zwei Omnibuswagen, die zwischen 4 und 5 Uhr Nach­mittags am 6. während des Aufruhrversuchs den Corso Porta-Tma passirten, wurden alle Jnsitzenden zum Aus­steigen gezwungen und mußten ihre Baarschaften und Kostbarkeiten alsOpfer auf den Altar des Vaterlan­des" widerlegen (Offerte all allare della patria) Gestern ging eine Deputation des hiesigen Magistrats, aus den angesehensten Bürgern der Stadt zusammen­gesetzt, an den Feldmarschall nach Verona ab. Aus durchaus glaubwürdiger Quelle vernehmen wir, daß am 7. d. M. von der piemontefischen Behörde auf dem Po ein Schiff angehalten worden ist, welches mehrere Hun­derte von Bewaffneten nebst Munitions- und Waffen- vorräthen enthielt. An der piemontesisch-lombardischen Grenze, vorzüglich bei Novara und Stradella, wurden

durch die piemontesische Kavalerie ganze Haufen aus­einandergesprengt, die gegen Mailand vorzudringen ver­suchten.

Der Militärcommandant der Lombardei Graf Giulay ist nach Mailand zurückgekehrt und hat am 12. d. eine neue Bekanntmachung als Ergänzung des von Radetzky unterm 8. d. M. verhängten Belagerungszustandes er­lassen. Es heißt darin: das infame Attentat sei ein neuer Beweis, daß die Armee von feilen Meuchelmör­dern umgeben sei, vor denen sie sich hüten Müsse. Da­her wird verordnet: 5 Personen zusammen dürfen sich einer Schildwache bis auf 30 Schritt nicht nähern; auf jede, die sich nähert, darf sie schießen, wenn der Anruf nichts bilst. Jeder Steinwurf wird mit Schießen be­antwortet. Im Falle von Conflicten, die er übrigens nicht hoffe, werden die Truppen jeden niederhauen, der Waffen in der Hand hat. Die Bekanntmachung warnt den ruhigen Bürger, diese Maßregel nicht durch Un­wissenheit oder Sorglosigkeit sich zuzuziehen.

Nom, 10. Febr. (K. Ztg.) Es wird allgemein bemerkt, daß bisher auch nicht ein einziges Mitglied der Nobitta romana dem König von Bayern ein Ehrenfest veranstaltete. Der Grund davon liegt übrigens nicht fern. Der hohe römische Adel ist bekannter Weise sehr kirchlich gesinnt, und iu Rom meint man, wiewohl ge­wiß mit Unrecht, König Maximilian von Bayern sei protestantischen Tendenzen nicht abhold. In diesem Sinne erklärt man sich auch die in allen geistlichen Kreisen hier als bezeichnend hervorgehobene Thatsache, daß Se. Majestät dem heiligen Vater weder als er ihii besuchte, noch als er von ihm besucht ward, die Hand geküßt, was doch Kaiser Nicolaus dem Papste Gregor XVI. gethan, sondern nur in einer zwar ehrerbietigen, doch festen und fast militärischen Haltung vor ihm ge­standen und in gleicher Weise von ihm geschieden sei. Heute Vormittags fuhr der König mit seinem 'Flü- geladjutanten und übrigen Gefolge von der Villa Malta nach dem Vatican, wo er sich vom heiligen Vater ver­abschiedete. Der König und Se. Heiligkeit blieben darauf noch fast eine ganze Stunde im weiteren Zwie­gespräch ohne Zeugen zusammen. Morgen in der Frühe setzt der König die Reise nach Neapel' fort, wohin ihm bereits heute einige seiner Begleiter vorauseilten. Von Neapel aus wird Se. Maj. Sicilien auf kurze Zeit be­suchen und im nächsten Monat über Nom nach Mün­chen zurückkehren.

Die kleine Republik San Marino hat plötzlich ihre militärischen Streitkräfte reorganisirt, ihre Gens- damerie reformirt und eine militärische Verdienst-Me­daille gestiftet. Der Turiner Patria zufolge haben .zu O r v i e t o im Kirchenstaat Unruhen stattgefunden. Eine Person wurde erdolcht, Steine wurden gegen die Fenster einer Kirche geworfen und Drohungen gegen mehrere wegen ihrer conservativen Gesinnungen bekannte Männer ausgestoßen.

Türkei.

Konstantinopel, 3. Febr. Nach der Ostd. Post hätte General Graf Leiningen die Abschrift des eigen­händigen Briefes seines Kaisers der Pforte, wie es die diplomatische Norm vorschreibt, nicht mitgetheilt, und statt der Anhebung einer regelmäßigen Unterhandlung hinsichtlich der Punkte Klcck und Sautorina ein Nein oder Ja abverlangt. Diese zwei Umstände sollen die Lauigkeit, mit welcher nun seine Mission behandelt wird, (?) erklären. Die Ministerkrisis scheint gegen­wärtig aufgehört zu haben oder vielleicht ausgeschoben worden zu sein.

America.

New-Nork, 1. Febr. General Cass hat einen

Sieg erfochten, dem man vielleicht in England allzu große Bedeutung beilegen wird. Seine Resolution über den Clayton -Bulwer Vertrag, die am 29. Januar im Senat angenommen wurde, läuft darauf hinaus, daß der Ausschuß des Auswärtigen untersuchen möge, in wie weit der britische Besitz von Honduras und den Bai- Juseln den Vertrag verletzt oder modificirt und was der Senat dazu sagen werde.

Die Boston Post veröffentlicht den Brief eines eben aus China zurückgekehrten Americaners. Darin kommen wunderliche Sachen über Japan und die japanische Expedition vor. Unter Anderem heißt cs:Ein Japa­nese hat mir erzählt, sein Kaiser sei bereit zum Empfange der americ nischen Expedition. Er zeigte mir einen Brief, den er von einem in Jcddo lebenden Landsmann erhalten hatte. Das Volk hielt längs der ganzen Küste die schärfste Wache, und zur nächtlichen Zeit brannten die Wachtfeuer bereits aus den Bergen, damit man ge­rüstet sein möge, falls das Geschwader zur Nachtzeit erscheinen sollte. Eine Million Soldaten ist kampfbereit. Die ganze Küste ist mit Kanonen bespickt, während in der Bai von Jeddo, wo man die Flotte erwartet, zahl­lose KriegS-Junken liegen. Die große Bai ist mit un­zähligen Forts umgeben. Die Americaner werden fin­den, daß die Japanesen weit bessere Soldaten sind, als sie (die Americaner) sich einbilden. Ihre Geschenke hätten sie nur ruhig zu Hause lassen sollen. Dem Han­del wird Japan nicht so bald erschlossen werden, eS müßte denn durch Gewalt sein."

Neueste Nachrichten.

Frankfurt, 18. Febr. Da man unter mehreren in Köln verhafteten Individuen die Mörder des S. Schwarzschild vermuthet, ist Bäckermeister Pflug, in dessen Haus die That verübt wurde, heute mit einem hiesigen Beamten zur Confrontatiou nach Köln gereist.

Gotba, 17. Febr. Heute ist der hiesige Landtag durch den Vorstand unseres Staatsministeriums, den Staatsminister v. Seebach, mit einer längeren An­sprache eröffnet worden.

* Eine telegraphische Depesche der Darmst. Ztg. aus Wien vom 18. Februar lautet: Der Kaiser wurde heute um 1 Uhr auf der Bastei durch einen Dolchstich am Halse leichtverwundet, und konnte zu Fuß in die Burg znrückkeh« ren, so daß die kaiserliche Familie vollkom­men beruhigt ist. Der Thäter, ein Ungar, Johann Lebetry, 20 Jahr alt, ist verhaftet.

Triest, 15. Febr. Im türkischen Lager sollen Krankheiten herrschen und sowohl Tbiere als Menschen in bedeutender Anzahl hingerafft haben. Die Monte­negriner sind dagegen gut versorgt und freuen sich auf die Erneuerung des Kampfes. Die Bevölkerung von Grahowo ist schwierig und dürfte sich im Augenblick er­heben, sobald die Türken von dort her zu operiren be­ginnen. Nachrichten aus Scutari vom 31. Januar zu­folge, werden die Türken nicht eher einen Angriff machen, bis die Vereinigung der bosnischen und albanesischen Armee geglückt ist.

Ans Dalmatien wird der D. VH. ohne Datum geschrieben:Aus verläßlicher Quelle zeige ich Ihnen die Nachricht an, daß ein österreichisches Jäger-Bataillon an der türkischen Gränze von den Türken überfallen und zwei Compagnien davon zusammcngehauen wur­den." [??]

Madrid, 11. Febr. Nach demDiario espanol* haben die allgemeinen Wahlen ergeben: Ministerielle 234; Oppositionelle 81; Zweifelhafte 7; 29 Wahler­gebnisse waren noch nicht bekannt.

Vrraniworlllchec Revacreur: Dr. Ji. Saejek.

Bekanntmachungen.

Edictalladung.

384] Dingliche und persönliche Ansprüche an die Concursmasse des Johann Litzinger uns dessen Ehefrau Anna geb. Gräßer von Ha­damar find bei Vermeidung des von selbst eintretenden Rechtsnachtheils des Ausschlusses von der Masse

Mittwoch den 30. März l. I., Morgen s 8 Uhr, bei dem unterzeichneten Gerichte geltend zu machen.

Hadamar, den 12. Februar 1853.

Herzogs. Nass. Justizamt.

Naht.

Anordnung einer Curatel.

396] Friedrich Schneider ledig von Ennerich ist zufolge Ermächtigung des H. Hof u. AppcllationSgerichts zu Dillenburg wegen

verschwenderischen Lebensweise unter Vor­mundschaft gestellt worden.

Nechlsgeschäfte können daher rechtsgültiger Weise für den Curanden nur mit seinem Suratnr Heinrich Schneider 2ter zu Ennerich, abgeschlossen werden.

Runkel, dèn 12. Februar 1853.

Herzogl. Nass. Justizamt.

Gieße.

Fruchtversteigemng.

393] Montag den 2 1. M ä rz d. I., Morgens 10 Uhr, kommen bei hiesiger Stelle an Früchten aus der 1852rErndte zur Versteigerung:

circa 130 Malter Waizen >

270 ; Gerste Diezer Maas.

250 Hafer ]

Limburg, den 18. Februar 1853.

Herzog!. Nass. Receptur.

Stahl.

Handels- und Gewerbeschule zu Viesbadeu.

399] Heute Abenv um 8 Uhr Fortsetzung der gewerblichen Vorträge im Alleesaal; Gegenstand: Der Sauerstoff und dessen allgemeine Wich­tigkeit, mit erläuternden Experimenten. Hierzu ladet ergebenst ein

Wiesbaden, den 19. Februar 1853. Dr. Schirm.

) Vanksagung.

392] Von eigenem Pflichtgefühl angetrieben, können wir nicht umhin Herren Ge- ä brüder Blees in Biebrich für ihre gute Expedition und Behandlung im Allge- R meinen, besonders aber wegen ihrer offenen Handlungsweise in Betreff des billigen W Ueberfahrtspreises und vorzüglich guten Lebensmittel hiermit öffentlich unseren Dank 8 anszusprechen.

% Herr Strauß in Antwerpen, durch welchen wir befördert wurden, ließ Keinem, der bescheidene Ansprüche machte, etwas zu wünschen übrig.

S A n t we rp e n, den 15. Februar 1853.

U

Jean /dir aus Hanau.

, Idam Hausmann aus Hanau.

Die Richtigkeit der Unterschriften beglaubigt der Inspektor zum Schutze der Aus> Wanderer.

Antwerpen, den 15. Februar 1853.

CL. S.)

Müller.

398] Unterzeichneter empfiehlt alle Arten von ©male-# Blumen-, Feld- Uyd Wald- Saamen, worüber Preisverzeichnisse gratis abgegeben werden. Die Aechtheit meiner Saa- men, der einheimischen, mit größter Sorgfalt gebaut in meiner eigenen Gärtnerei, der nicht- einheimischen , bezogen aus den zuverlässigsten Quellen, sowie vollkommene Localkenntniß bei dem seit mehr denn dreißigjährigen Betriebe dieses Geschäfts, sichern meine geehrten Abnehmer der besten und billigsten Bericnnung.

Aufträge über beste Ulmer Spargelpüanzcu bitte ich frühzeitig einzureichen.

Wiesbaden, den 18. Februar 1853. COiW. Mollath,

Saamenhandlung, Marktstraße Nr. 42,