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Nassauische

Zeitung.

â 42. Freitaq den 18. Februar 1853.

DieNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PrânumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregnlariv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postausschlags 2 fL, für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 st. 21 tr. Inserate werden d-e dierspaliig Petitjcile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen. ... ,

Amtlicher Theil.

Dienst Nachrichten.

Lehrer Sch an dry zu Oberreifenberg ist zum Lehrer in Reckenthal ernannt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Die französische Armee.

Dem deutschen Offizier a. D., dessen Beobachtun­gen über die französische Armee wir gestern mitgetheilt, antwortet in derA. A. Z." ein süddeutscher Offizier, der das französische Heer erst voriges Jahr in Frank­reich und Algier kennen gelernt. Ihm haben die Zah­len desdeutschen Offiziers außer Dienst ebenso wenig Angst gemacht als die des Hrn. v. Reden Muth. Zahlen, so fährt er fort, |bic man nach Belieben dreht und zusammenstellt, wie man sie zu seinen Ansichten braucht, beweisen vorweg nichts; und was sind solche dctaillirte Angaben anders, als Muthmaßungen, An­sichten ? Es erhält ja doch niemand Einsicht in die wirklichen Listen, und daß oft auch diese ungenau sind, weiß ein jeder, der auf Canzleieu gearbeitet hat. Aber gesetzt auch sie wären vollkommen richtig, so sind cs nicht die Zahlen allein, mit denenAman sich schlägt. Ganz anders verhält cs sich mit den weitern Momen­ten, welche derdeutsche Offizier außer Dienst" an- führt. Die Einheit, die feste Gliederung, die Marsch- und Kampfgeübtheit auf der einen, die Vielköpfigkeit, Zerrissenheit und wenigstens bei den kleineren deut­schen Heeren der Mangel an kriegerischen Erfahrun­gen auf der andern Seite sind nicht abzuläugnende, schwer aufs Herz fallende Thatsachen, die noch durch eine lange Reihe ähnlicher vermehrt werden könnten. Was uns allein wundert, ist, daß derdeutsche Offizier außer Dienst" diese Wahrheiten, die jedem deutschen Offizier nur zu wohl bekannt sind, über die in allen deutschen Armeen die Lieutenants wie die Generale klagen, abermals vorsührt. Aber er denkt ohne Zweifel,: man könne die Wahrheit nicht oft genug ssagen und hören, am Ende bleibe doch etwas hängen oder dringe sie gar siegend durch! Nun, durchdrungen ist sie^ ge­wiß schon längst. Oder glaubt derdeutsche Offizier außer ^Dienst", die Herren in Frankfurt wissen und empfinden diese Dinge nicht ebenso gut oder besser als wir? Das hieße ihnen wenig Einsicht und noch we­niger Patriotismus zutrauen. Nein, wir sind im Ge­gentheil überzeugt, daß die schon so oft ungerecht Ge­tadelten wohl hundert Anläufe genommen haben, um jene allgemein anerkannten Mißstände zu heben, daß sie unaufhörlich darüber sinnen, daran arbeiten, wenigstens das Schlimmste zu entfernen, daß sie aber hundert und einmal gescheitert sind und scheitern werden an einer Macht, die über ihnen und ihren Vollmachten steht an der Macht der Verhältnisse, der ganzen Bundescon- struction. Diese vermögen nur zwei noch stärkere Mächte zu brechen die Revolution oder der Krieg. Die Revolution hat mit ihren Versuchen so klägliâ) Banke­rott gemacht, daß sie dem geschmähten Bundestag zn nicht geringer Folie dient. Sie hat uns belehrt, daß die Unordnung nicht eine höhere Ordnung gebären kann, und daß 40 Häupter immer noch tausendmal besser sind als 800.

Also hoffen wir, wenn cs zuletzt nicht anders sein kann, auf den Krieg! Ein Krieg mag uns Wunden schlagen, aber er wird dqbei das böse Blut austreiben, die Beulen ebnen und zerhauen, die Krüppelhaftigkeiten entfernen. Ein Krieg mit dem Ausland hat noch im­mer und überall größere Einigkeit gebracht, weil die Noth, die uns zu einander führt, mit mächtiger Hand die hemmenden Scheidewände uicvcrreißt, an welchen Worte und Federn erlahmten. Aber ein solcher Krieg mit Frankreich wird uns auch ein wenig züchtigen. Nicht die Zahl der Franzosen wird uns diese Züchti­gung bereiten, sondern eben jene Vorzüge auf ihrer, jene Mängel auf unserer Seite. Wir werden erst im Verlaufe des Krieges zu siegen lernen. Wir werden vielleichs über Rhein und Lech zurückgeworfen werden, bis wir uns von unserm Erstaunen fassen; dann aber wird der warmgewordene Michel mit der furia tedesca losbrechen und die Franzosen hoffentlich für immer in ihre natürlichen Grenzen hinter die Vo­gesen zurücktreiben. Es sind dieß keine Prophe^ zeiungen. Ein jeder, der die Franzosen in der Nähe gesehen, wird sich ähnliche,Gedanken gemacht haben. Der erste Anblick eines französischen Heerestheils erfüllt

den deutschen Offizier gemeiniglich mit dem Gefühl der Betroffenheit und der Scham; es fallen ihm die acti­ven militärischen Eigenschaften, welche der Franzose vor­zugsweise besitzt während dem Deutschen eher die passiven: Ausdauer, Vorsicht, Gewissenhaftigkeit, Dis­ciplin eigenthümlich sind sogleich in's Auge und schwer auf's Herz. Jener kecke Muth, der die franzö­sische Armee belebt, das rege Ehrgefühl, die Energie, die aus den Bewegungen des Ganzen wie des Einzel­nen spricht, die mannhafte Selbstständigkeit, welche auch der niedere Befehlshaber zeigt, der immer thätige Eifer, der zn den Vervollkommnungen und Entdeckungen treibt, wird den Deutschen mit Recht verblüffen, ja beschämen. Er wird niederschlagende Vergleichungen anstellen, er wird sich moralisch geschlagen fühlen. Aber bei näherer Betrachtung kommt es anders. Ein guter Theil des kecken Muths erscheint dann als Renommage, das Ehr­gefühl wird oft zur lächerlichen Eitelkeit, die Tapfer­keit selbst zeigt sich mehr als eine fliegende Hitze, welche wohl geeignet ist zu raschen glänzenden Thaten bei mattem Widerstand, aber nicht anhaltend, nicht zäh und zu dauernden Erfolgen berechtigend; das Selbst­vertrauen , die Nonchalance führt zur Zügellosigkeit. Doch besehen wir uns Algier, jene moderne Kriegs­schule der Franzosen, dle auch demdeutschen Offizier außer Dienst" aus eigener Anschauung besonders vorge­schwebt zu haben scheint, etwas näher. Vielleicht ist ja die große Expedition, die dort ausgeführt werden soll, nur ein absichtliches Vorspiel zu einem andern umfas­senden Kampfe. Villeicht will man eine größere Trup- penanzahl an den Krieg gewöhnen, um sie dann im Siegesrausch von dem Atlas zu den Alpen, von der Tafna an den Rhein zu führen. Vielleicht will man dort einen Hauptschlag ausführen, um nachher desto mehr Truppen zu andern Schlägen zur Verfügung zu haben. Man temporisirt und plänkelt in Africa, bis in Europa der günstige Augenblick gekommen. Ist nun aber Algier eine so vortreffliche Kriegsschule, als man gewöhnlich annimmt? Ohne Zweifel wird dem deutschen Offizier, der in Frankreich schon einen militärischen Comparativ gefunden hat, in Algier der Superlativ unter die Augen gerückt; selbst dem französischen Offizier, der zum ersten Male dahin kommt, wird Algier ungefähr den Eindruck machen, den Frankreich dem deutschen Offizier macht. Algier ist ein Wallensteinisches Feldlager: Alles athmet da Kamplust, Thatendrang, Alles strebt nach Ehren und Auszeichnungen , Einer sucht es dem Andern zuvor zu thun, alle Gespräche drehen sich um Kampf, um Expe­ditionen, um vergangene oder künftige Abenteuer, denen der orientalische Hintergrund höheren Reiz verleiht, um raschen Genuß und rasches Ende! Heute roth, morgen todt! Dies Bild ist glänzend, für den Neuling ver­führerisch. Es verliert bei näherer Betrachtung. Wir wollen nicht mit dem geringschätzendeu Ingrimm von den Franzosen in Algier sprechen, wie die Franzosen selbst einst von den Preußen bei Waterloo und jetzt von Radetzky und den Oesterreichern reden. Ja, Radetzky'S Siege brennen heiß in die Seele der Franzosen; es will ihnen nicht hinunter, daß ein achtzigjähriger Greis, daß die viel verspottetenKaiserlichen" so rasche und glänzende Erfolge feierten, wie einst sie selbst und ihr jugendlicher Bonaparte auf den gleichen Gefilden. Das ist nicht erlaubt, das muß ausgeivaschen werden! Mit ihrem Zuaven und den Chasseurs d'Afrique allein ge­trauten sie sich, Radetzky nach Wien zu jagen so hörten wir die übermüthigen Kabylensieger prahlen.

(Schluß folgt.)

Deutschland.

* Wiesbaden, 17. Febr. (Assisenverhandlung gegen Jacob Schäferl. von Rauenthal, wegen Dieb­stahl.) Der Angeklagte wurde von den Geschworenen für schuldig erkannt und von dem Assisenhofe zu ei­ner Zuchthausstrafe von acht Jahren, geschärft durch Kostbeschränkung, verurtheilt. Die Kosten betragen 46 fl. 54 kr.

* Wiesbaden, 18. Febr. (Assisenverhandlung gegen Georg Schalk von Falkenstein wegen Diebstahls.) Georg Schalk, 50 Jahr alt, Fuhrmann, früher Müller, ist angeklagt, in der dem Anton Kowalt von Falkenstein gehörigen Mühle im Juni und Juli v. I. einige Dieb­stähle verübt und namentlich Fett und Mehl im Werth von 12 kr. und 3 fl. 24 kr. gestohlen zu haben. Im Keller der Mühle wurde am 20. Juni ein dem Schalk kurz zuvor zugestelltes Pfändungsdecret nnd bei Ent­deckung des letzten Diebstahls bei dessen Vollführung Schalk gestört wurde, an einem Fenster der Mühle, das erbrochen war, eine dem Schalk gehörige Leiter gefun­

den. Schalk stand schon einmal Diebstahls wegen in Untersuchung, ohne überführt worden zu sein sonst gilt er für fleißig und sparsam.

Die Verhandlung leitet Assisenprâsident Forst, als Staatsanwalt fungirt Staatsprocurator Reichmann, als Vertheidiger des Angeklagten Procurator Geiger.

Darmstadt, IO. Februar. Herr Oberstcuerrath Ewald ist vorgestern von seiner außerordentlichen Sen­dung nach Wien wieder zurückgekehrt. Derselbe soll über den dermaligen Stand der Verhandlungen derZoll- conferenz befriedigende Nachrichten mitgebracht haben.

Köln, 17. Febr. Nach Mittheilung der heutigen D. Volkshalle" ist die Beschlagnahme ihrer gestrigen Nummer auf Antrag der Staatsbehörde erfolgt wegen zweier Leitartikel:F Die Verwerfung des v. Wald- bott'schcn Antrages" undF Ueber die heutigen Kam­merverhandlungen. Erster Artikel.", und außerdem zweier Korrespondenzen. Auch die vorgestrige Nummer ward mit Beschlag belegt wegen eines demD. Volks­blatt" entnommenen Artikels in Betreff der Jesuiten in Hohenzollern.

TieOldenb. Ztg." schreibt aus Oldenburg, 11. Februar:Vor einigen Tagen hierher gelangte Nachrichten bezeichneten einen Ministerwechsel in Han­nover als unzweifelhat, auch in dem Augenblick, als die Zeitungen die Gefahr als beseitigt annahmen. Jetzt wird bestätigt, daß der Abgang deö Ministeriums von Schele außer Zweifel und der Ersatz durch ein Junker­ministerium wahrscheinlich sei. Zwar würde das neue Ministerium das Halten an den Verträgen proclamiren, ob aber nicht dennoch durch Deuten am Septemberver­trage von demselben ablenken? ist ungewiß."

Stettin, 15. Febr. Die Schrift von GervinuS Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhun­derts" ist, wie dieStett. Z." vernimmt, auch hier po­lizeilich mit Beschlag belegt worden.

Berlin, 16. Febr. (N. Pr. Z.) DieVossische Ztg." meint,der Bau der festen RHei ub rücke bei Köln wird dem jetzt vorliegenden Plane zufolge un­mittelbar mit dem Eintritt der besseren Jahreszeit be­gonnen werden, indem es der Wunsch des Handelsmi­nisters ist, diesen Riesenbau möglichst bis zum Jahre 1857 beendigt zu sehen." Wir halten diese Mit­theilung für kaum mehr als einen einseitigen Wunsch, haben auch noch nicht gehört, daß die dazu nöthigen Gelder schon angewiesen sind.

Wien, 15. Februar. Ueber den Zusammenhang der Mailänder Bewegung mit auswärtigen Umtrieben bringt heute die Wiener Zeitung, folgendes That­sächliche : Alle Anzeichen weisen darauf hin, daß dieser feindliche Ucberfall aus der Schweiz und zwar aus dem Cantou Tessin ausging und von da aus auch seine wei­tere Unterstützung zu finden hatte. Was in Mailand vor sich gehen sollte, was bereits am 5. und 6. in der Schweiz eine notorische Sache. Die Blätter machten kein Hehl aus ihrer Milwissenschast. In einem Schrei- z den aus Bellinzona vom 5. in Nr. 26 dcs schweizer- BlatteSLa Democrazia" wird der Ausbruch der vor­bereiteten Bewegung in Mailand auf den 6. mit voller Bestimmtheit angekündigt. Lugano scheint der Central­punkt der Bewegung gewesen zu sein. Die im Palazzo Ciani früher deponirt gewesenen Waffen (bei 12,000 Stück Feuergewehre), welche in den Canton Wallis in Sicherheit gebracht worden waren, wurden neuerdings nach Lugano gebracht und inzjdcm genannten Palaste deponirt, um im Falle des Gelingens des Mailänder Aufstandes die Zuzügler zu bewaffnen. Ebenso wird uns versichert, daß die Cantonsmilizen unter dem Vor­wande, die Neutralität des Cantons aufrecht zu erhal­ten, sich schon am 5. sammelten und gegen die Gränze vorwärts bewegten, daß die eigentliche Bestimmung dieser im Zusammenhänge mit den Plänen der Verschwörer vor den Ereignissen- bewirkten Concentrirung aber ein Einfall auf das Oesterreichische Gebiet für den Fall, des Gelingens des Mailänder Aufstandes gewesen sei. Von Lugano und von Bellinzona aus wurden Emissäre in die Centraldistricte und nach Piemont entsendet und es setz­ten sich in Folge dieser Aufforderung wirklich ein Haufe bewaffneter Emigrirter in Piemont zu einem Einfall auf das österreichische Gebiet in Bewegung, der jedoch un- ) fern der Gränze bei Stradella von den sardinischen I Truppen ereilt und entwaffnet wurde. Endlich wird 1 uns mit Bestimmtheit von verschiedenen Punkten gemel- ' del, Mazzini habe sich in den letzten Tagen über Ge- i nua nach Lugano begeben, und auch dieOpinione" vom 8. nimmt diese Thatsache als wahr an.

Wien, 17. Febr. (Fr. Bl.) Die türkisch -mon- 1 tene grin isch e n Feiudscligkeiten sind erneuert wor- |