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Nassauische Allgemeine Zeitung.

M //. Donnerstag den 17. Mrnar 1853.

DieNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PräuumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und Taris'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postaufschlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen Postoereins, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die vierspaltig Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu macken.

Die französische Armee

Ueber die französische Armee in ihrem Verhältnisse zu dem Kaiser Napoleon und den deutschen Heeresthei­len ist so eben in Leipzig bei F. L. Herbig ein Buch erschienen, welches in militärischen Kreisen großes Auf­sehen erregt. Dasselbe enthät mancherlei höchst interes­sante Details. Der anonyme Verfasser, ein Officier a. D., (Jul .v. Wickede ?) hat die französische Armee nicht allein in ihrer europäischen Heimath, sondern auch in Algier viel­fach kennen gelernt, und veröffentlicht mit der Ruhe ei­nes objectiven Kritikers die gewonnenen Resultate. Nach seinen Berechnungen kann die Armee in einer Stärke von 410,000 Mann (genauer 409,700 Mann) mit 109,300 Pferden und 200 bespannten Geschützen in's Feld rücken. In Algerien bleiben dann noch etwa 38,000 Mann, darunter 4 Kavallerieregimenter, in Frank­reich aber von Depots, Ouvriers und Veteranen einige 80,000 Mann Truppen und 24,000 Mann Genöd'ar- merie, außer der Nationalgarde, zurück. Um diese Mannschaften in einem europäischen Kriege über die Gränze maschiren zu lassen, brauchte Frankreich aber keine so ganz außerordentlichen Anstrengungen zu machen, sondern nur alle seine Truppencorps auf den elats- mäßigen Kriegsfuß zu bringen. Mit Ausnahme der Pferde, deren wohl einige 60,000 neue für die Ar­tillerie, Kavallerie und den Train gekauft werden müß­ten (!!) ist alles Material für solch' ein Heer in den Zeughäusern entweder vollständig vorhanden, oder kann doch in den großen Militärwerkstätten innerhalb 14 Tagen gut beschafft werden. Anch die Einberufung der beurlaubten Soldaten, von denen über drei Viertel schon gedient haben und völlig mit den Waffen vertraut sind, kann leicht in sehr kurzer Frist geschehen. Jedes fran­zösische Infanterie-Regiment kann innerhalb 14 Tagen in seiner vollständigen Kriegsstärke ausmarschiren, und auch von der Artillerie und Reiterei dürfte wenigstens die Hälfte der Batterieen und Schwadronen in gleich kurzer Zeit ebenfalls marschfertig sein. Die großen Eisenbahnlinien, die Frankreich schon besitzt, und die be­sonders aus seinem Innern an die nördliche Gränze führen, wie die Pariser Nordbahn nach Belgien, die Pariser-Straßburger und Straßburg-Baseler Bühn nach Dentschlaud und der Schweiz, erleichtern es sehr, be­deutende Truppenmassen, besonders an Infanterie, in ungemein kurzer Zeit an den Grenzen des Landes zu versammeln. Frankreich braucht nur heute den Krieg an Deutschland zu erklären und von den starken Trup- pcnanhäusungen in Paris, Straßburg, Metz, Lüneville (wo allein 4 Reiter-Regimenter garnisonireu) sind in­nerhalb 6 Tagen 70,00080,000 Mann Infanterie, 100150 bespannte Geschütze und 50006000 Mann Reiterei über den Rhein nach Baden oder Rhein- bai e r n geworfen.

Der Verfasser schildert die französische Armee als kriegstüchtig und wohlgeübt. Die Infanterie, die Hauptwaffe des Heeres, ist zweckmäßig uniformirt und bewaffnet, und braucht in der Güte ihres Materiales den Vergleich mit keinem andern europäischen Heere zu scheuen. Viele Märsche und ein häufiger Wechsel der Garnisonen, welcher die Truppen bald in die Gebirgs­gegenden der Alpen und Pyrenäen, bald in die Flä­chen der Bretagne und Normandie, oder an die Wüsten des Meeres in Nebel und Seewinde führt, so wie der harte africanische Dienst haben die Truppen bis zu einem hohen Grade abgehärtet. Bei einer sehr langen Dienstzeit und den natürlichen Anlagen der meisten Soldaten haben sie das Tirailliren zu einer außer­ordentlichen Vollkommenheit gebracht. Im sicheren Schießen leisten sie wegen ihrer Lebhaftigkeit und Un­ruhe beim Zielen, viel weniger. Sehr geübt und ge­wandt ist dagegen die Infanterie im Bajonettfechten. Da sie nur in kleine Compagnien von 100 Mannein- getheilt ist, manövrirt sie mit der größten Schnelligkeit und Leichtigkeit, obgleich für den Rigorismus eines'pe­dantischen Kamaschcndienst^ ihre Erercitien nachlässig und nicht parademäßig aussehen.

Die Reiterei nimmt keinen so hohen Rang ein, obwohl der Autor behauptet, daß man in Deutschland doch eine zu niedrige Meinung von ihrem jetzigen Zu­stand habe. Die Leute sitzen ziemlich fest im Sattel, sprengen wild und rasch genug darauf los und wissen ihre Pferde tüchtig hcrumzutummeln, wenn sie freilich auch oft rüde Hülfen dabei auwcnden und so ihre Thiere leicht verderben. Die Elsässer) Lothringer und Norrmannen liefern die besten Reiter und Pserdewärter der Armee. 'Der einzelne Mann versteht sich vortreff­lich auf den Säbel oder Pallasch, weniger auf den Ge­

brauch der Lanze. Sie lernen nicht nur dieSchwa­dronhiebe" mechanisch durchhauen, sondern auch die fei­nere Hieb- und Stoßfechtkunst auf dem Fechtboden. Der beste Theil der Reiterei ist die Cavalerie de re- serve, eine nur für die geschlossene Attaque bestimmte Reitermasse. Ihre Pferde sind starke breite, zwar et­was schwerfällige, aber sonst kräftige Thiere, deren An­prall sehr gewichtig sein muß. Ihr Remontepreis be­trägt von 25 bis 30 LouiSd'or. Die Linien-Cavallerie ist weit schlechter beritten und eine Menge steifer und hochbeiniger Thiere bei den Lanciers und Dragonern ist als Ausschuß norddeutscher Cavallerie angekauft wor­den. Die Artillerie rangirt dem Werthe nach mit der Infanterie. Die Mannschaft wird aus den kräftig­sten Leuten Frankreichs rekrutirt, die Geschütze bestehen aus Zwölfpfündern von Bronze auf tüchtigen hellgrauen Lafetten und die Bespannung ist, wenn auch klein und plump, so doch stark und ausdauernd.

Das stärkste Ferment dieser großen und furcht­baren Armee wird aber durch den Geist ihrer Ein­heit gebildet!

DieA. A. Z." bringt über dieses Buch einen in­teressanten Artikel, welcher die Behauptungen desselben aus ihr richtiges Maß zurückführt. Wir werden diesen Artikel morgen bringen.

Veutschiand.

* Wiesbaden, 17. Febr. Die derKass. Z." aus Frankfurt mitgetheilte, in dieN. Allg. Z." auf­genommene Nachricht,daß die Negierungen von Eng­land und Frankreich in gleichlautenden Stoten bei der österreichischen Regierung um Aufklärung über ihre Rüstungen und Maßnahmen der Türkei gegenüber ge­beten haben," beruht auf einem Irrthum. Die kaiserl. österreichische Regierung hat, wie derKasseler Z." aus Frankfurt bedeutet wird, diese Aufklärung aus eigener Bewegung rechtzeitig gegeben, es hatten jene beiden Regierungen daher keinen Grund zu Anfragen, am we« nigsten in gleichlautenden Noten. Die kaiserl. österrei­chische Regierung ist tractatmäßig berechtigt, zu einer schützenden Einwirkung zu Gunsten der Christen in den Grenzprovinzen der Türkei, beharrt deßhalb nicht weni­ger bei dem europäischen Grundsätze der Aufrechthaltung der Integrität der Türkei, und tragt ihrerseits zur Be­schleunigung des Auslösungsprocesses, in welchem dieses Reich sich zu befinden scheint, nicht bei. Im Gegentheil wird die Befriedigung der österreichischen gerechten und billigen Forderungen dem Bestände des türkischen Rei­ches nur förderlich sein.

$ Wiesbaden, 17. Febr. Ein hiesiges Blatt bringt in seiner Nr. vom 15. d. M. einen Artikel von der Lahn über die Gefährdung der Nassauischen Eisen­industrie durch eine Bedingung, welche Preußen sich beim Entwurf des Berlin-Wiener Handelsvertrags vor­behalten haben soll. Die Gefahr ist aber dort nicht ein­mal genau genug angedentet. Wie uns bestimmt ver­sichert wird, hat nicht bloß Preußen sich Vorbehalten, den Eiscnzoll auf der Außeugränze zu ver­ringern, sondern Oesterreich soll seinerseits sich auch vorbehalten haben, den Binnenzoll auf der deutsch- österreichischen Gränze im Verhältniß zur Ermäßigung des von Preußen herabgesetzten Außenzvllö zu erhöhen. Die unausbleibliche Folge eines solchen Verhältnisses wäre die massenhafteste Einströmung des schottischen und belgischen Eisens nach Deutschland, die Anhäufung desselben auf unsern Märkten, die momentane Er­mäßigung des Preises selbst unter den Prvductions- kosteu, der Sieg der ausländischen Hochöfen über die inländischen und der Ruin vieler Tausenden von deut­schen Familien. Wenn dies erreicht wäre, würden die Eisenpreise für Deutschland so gut in England gemacht werden, als man sie dort für Nordamerika macht. Die norddeutschen Freihändler würden dann statt des süd­deutschen Bleigewichts ein ganz anderes an den Füßen haben, und nicht lange Zeit.brauchen, um einzusehen, daß ihre freihändlerischen Bestrebungen vom Regen in die Traufe geführt haben. Was würde es helfen, uns einen Handelstractat zu bieten, der in demselben Augen­blick niederreißt, was er ausbaut! Selbst angenom­men, Oesterreich erhöhte die Differenzial­zölle auf Eisen gar nicht oder nicht indem Maße, als der EiseuzoU auf der Anßengränze herabge­setzt würde, so wäre gar nicht daran zu denken, daß bei der vermehrten Einfuhr englischen Eisens die zoü- vereinsländische Eisen - Industrie in Oesterreich die Wohlthaten genöße, welche ihr dasselbe zugedacht hat. Abgesehen davon würde nun auch ein sol­cher Zustand zu einem Schmuggelwesen führen müs­

sen , daß dann uns jenseits auf das allerstörendste in die Geschäftsverhältnisse cingreifen würde. Wir können deßhalb noch nicht glauben, daß man in Berlin den Danziger und Stettiner Freihändlern zu Liebe den Zoll­verein auf's Nene gefährden wollte, indem man es den süddeutschen Staaten unmöglich macht, sich an solchem Verträge zu betheiligen. Denn, daß die süddeutschen Staaten sich in der Unmöglichkeit befinden, solchen Sti­pulationen, wie sie in Bezug auf den Eisenzoll entwor­fen sein sollen, ihre Zustimmung zu geben, wird ein Jeder einsehen, dem es nicht ganz an Einsicht in die Lage der deutschen Eisenindustrie fehlt.

* Wiesbaden, 16. Febr. (Assisenverhandlung gegen Engelbert Abel von Arzell wegen Diebstähle.) Der Angeklagte wurde von den Geschworenen für schuldig erkannt und von dem Assisenhofe zu einer Zuchthausstrafe von 4 Jahren, geschärft durch Kostbe­schränkung, verurtheilt. Die Kosten betragen 188 fl. 34% kr.

* Wiesbaden, 17. Febr. (Assisenverhandlung gegen Jacob Scbäser, wegen Diebstahls.) Jacob Schäfer, 55 J. alt, unverheirathet, ist angeklagt, in das Haus des Anton Hohl in Rauenthal eingestiegen und dort aus dessen Wohnung Kleidungsstücke, Wäsche, ein Stück Leinwand und andere Kleinigkeiten, zusammen im Werth von 46 fl. 38 kr., nebst einem Geldbetrag von 28 fl. gestohlen zu haben. Auf dem Speicher, von welchem Schäfer in die Wohnung des Anton Hohl ge­langte, wurden dem Schäfer) gehörige Sachen und da­gegen einige der gestohlenen Sachen bei Schäfer nach dessen Arretirung gefunden. Der Angeklagte hat über 17 Jahre seines Lebens theils im Corrcctionshaus, theils im Zuchthaus zugebracht, und vielfach Diebstahls wegen in Untersuchungen gestanden, die zu einem Resultat nicht geführt haben. +

Die Verhandlung leitet Assisenvicepräsident Jeckeln, als Staatsanwalt fungirt Staatsprocurator Reich­mann, als Vertheidiger des Angeklagten Proeurator v. Arnoldi.

2s Wiesbaden, 17. Febr. Bei den im I. Quar­tal 1853 dahier stattfindenden Assisen kommen, außer den bereits in Nr. 23 d. Bl. veröffentlichten Anklagen, noch folgende zur Verhandlung:

Am 25. Febr. gegen Balthasar Dreis von Lorch und Konsorten, wegen versuchten Diebstahls.

Am 25. Febr. gegen die Ehefrau des Casp. Höhn geb. Weber von Geisenheim, wegen Schristfälschung.

Am 26. Febr. gegen Iohannes Leimberger von Eddersheim, wegen Brandstiftung.

Am 28. Febr. gegen Jacob Seibold und Joseph Schramm von Weißkirchen, wegen Diebstahls.

Am 1. März gegen Carl Krämer von Edders­heim, wegen Nothzucht. ,

Am 1. März gegen Franz Joseph Christ von Zeilsheim, wegen Falschmünzens.

Am 2. März gegen Georg Gräser von Schwan­heim und Conf., wegen Meineids und Verleitung dazu.'

Am 3. März gegen Johannes Seibel 3r von Nastätten, wegen Diebstahls.

Am 3. März gegen Christian B r a u n von Langen- Schwalbach, wegen Diebstahls.

Am 4. März gegen den Gemcinderechner Philipp Schmidt von Eschbach, wegen Schriftfälschung.

Am 4. März gegen Ludwig Semmler von Hall­garten, wegen Schriftfälschung.'

Am 5. März gegen Georg Gärtner von Schwan­heim, wegen Verausgabung falscher Preuß. Darlehens- kassenschcine.

Mainz, 16. Febr. Wie bekannt hatte der Vor-- stand des aufgelöstenneuen Casino's" sich beschwerend an das Gr. Ministerium gewandt und um Zurücknahme der Auflösung, resp, um Wiedereröffnung desneuen Casino's" gebeten. Das Gesuch ist indessen, wie nicht anders zu erwarten war, abgeschlagen und dieser end­gültige Bescheid den Petenten dieser Tage zur Darnach- achlung mitgetheilt worden.

Frankfurt, 15. Febr. Dasjenige Individuum, angeblich ein Schreinsrgeselie, der als der Ermordung des Israeliten Schwarzschild verdächtig, kürzlich von Niederingelheim nach Mainz gebracht wurde, soll, wie demMaunh. I." gemeldet wird, wieder freigelassen worden sein, da sich ergeben hat, daß sich derselbe in den Tagesstunden, da der Mord verübt wurde, an ei­nem ganz andern Orte befand. Stach derA. A. Z." soll derselbe, der Leiche des Umgebrachten gegeuübcrgc- stellt, zu einem Gestäiidniß in der Art gebracht worden sein, daß er geäußert, einer der Thäter, der sich gegen­wärtig in Gießen befinden solle und einen ominösen