daß Preußen mit Oesterreich dem gegenüber in treuer Brüderlichkeit zusammenhalte, bervorgehoben haben. In allen Höbern Kreisen herrscht dieselbe Anschauung der Verhältnisse, und man trägt innerhalb derselben das Wert weiter, das ein preußischer hoher Staatsbeamter mit Bezug auf dieses Ereigniß, unter Benutzung einer Reminiscenz ans der Krcnzzcitnng, gesprochen hat: „Man kann die preußische Krone auch am Po vertheidigen".
Vor Kurzem hieß cs, der Leba-See werde zum K r i e g s h a f e n für die preußische F l o t i l l e eingerichtet werden. Wie die St. Ztg. auS der sichersten Quelle mittheileu kann, ist man hiervon wegen der zu bedeutenden Durchstichkosten abgegangen, beabsichtigt vielmehr, die Flotte zu theilen, so daß die Kanonenboote, so wie die Aviso-Dampfer u. s. w. nach Stralsund kommen, die größeren Schiffe dagegen nach Danzig gebracht werden. Das Ober - Commando kommt nach der Rückkehr der Schiffe ebenfalls nach Danzig.
Die »Hamb. Börsenhalle" bringt folgenden Bericht: Obwohl die Genehmigung des preußisch - österreichischen Handelsvertrages in Wien noch nicht erfolgt ist, so verfährt die diesseitige Regierung doch bereits in dem Glauben, daß sie nicht Ausbleiben werde. Sie hat sich daher mit den Regierungen mehrerer deutschen Staaten in Beziehung gesetzt und verhandelt mit ihnen über diejenigen Neuerungen, die jener Vertrag gebracht hat, in Betreff deren eine Uebereinstimmung zu erzielen eben so unerläßlich als schwierig ist. Da der Vertrag nicht zur Zolleinigung führen soll, (?) wenigstens nach preußischer Ansicht nicht, so läßt er die Eingangsabgaben auf Zucker, Kaffee rc. unberührt. Dagegen bringt er andere Aenderungen mit sich, die der norddeutschen Freihandels- Partei nicht wohl gefallen werden: die Steigerung der vereinsländischen Tarifsätze für einzuführcude Manufacte bis zur Höhe der österreichischen Steigerung, wenn Sie bedenken, daß sich bisher die höchsten Sätze im Betrage von 50 Rthlr. Preuß. Cour. und 250 fl. C.-M. pro Gentner Waare gegenüberstanden, und ferner die Ausgleichung der Ansgangsabgaben, denen nicht blos Lumpen und Abfälle, sondern auch rohe Baumwolle, Pottasche, unter Umständen auch Getreide und viele andere Artikel unterworfen sind. Bis zur Wiedereröffnung der Zollconfcrenz in Berlin, die vorläufig auf den 15. April eingesetzt ist, glaubt man auf dem Wege der diplomatischen Korrespondenz alles vorbereitet zu haben, was dem Abschluß des Zollvereins- und des - Handelsvertrages mit Oesterreich voraugehen und erledigt sein muß.
Wien, 11. Febr. (K. Z.) Schon seit einigen Tagen fehlt cs an interessanten Nachrichten aus Montenegro. Es scheint zwischen beiden Heeren, wenn nicht ein Waffenstillstand, doch eine Art Waffenruhe eingelre- ten zu sein. Man versichert hier, daß Omer Pascha in Folge der ihm aus Constantinopel gewordenen Befehle seine Operationen suspendirt habe und fügt hinzu, daß die letzten Depeschen des Grafen Leiniugen ein vollständiges Gelingen seiner Mission erwarten lassen. Bestätigt sich diese Nachricht, so wäre damit vorläufig, aber gewiß nicht auf die Dauer, diese brennende Frage beigelegt, vor Allem aber der Einfluß Oesterreichs in Constantinopel auf eine eklatante Weise wieder zur Geltung gebracht. Die Truppenmärsche nach der bosnischen Grenze sind übrigens noch nicht eingestellt; noch heute Morgens verließ ein Regiment Infanterie die Hauptstadt. Die abmarschirenden Truppen werden nur theilweise durch Regimenter, die in Mähren und Böhmen lagern, ersetzt. An der gestrigen Börse waren, da cs an osficicllen Nachrichten vom Kriegsschauplätze fehlte, die übertriebensten Gerüchte verbreitet, die aber bald dcmcntirt wurden. — Die südslawischen Korrespondenten erheben die heftigsten Beschuldigungen gegen die Türkei, die sie der maßlosesten Grausamkeit gegen die Christen beschuldigen. Englische Blätter versichern im Gegentheil, daß Omer Pascha strenge Mannszucht halte und jede Ursache zu gerechten Klagen sorgfältig vermeide. Das Pariser Cabinet soll sich vollständig übereinstimmend mit dem Wiener Hofe dahin geäußert haben, daß, um fernere Unruhen zu vermeiden, es nothwendig sei, die hohe Pforte zu Erleichterungen der Lage der Christen im türkischen Reiche zu bewegen.
Omer Pascha soll in Folge des energischen Einschreitens Oesterreichs und Rußlands in Constantinopel wirklich den Befehl erhalten haben, die Feindseligkeiten gegen Montenegro ei"zustellen. Ueber den bevorstehenden Ministerwechsel bringt der „Staats-Anzeiger für Württemberg" nähere Mittheilungen. Man bezeichnet den Said Pascha als Großvezier, Niza Pascha als Minister des Auswärtigen. Der ehemalige Großvezier Re- schid Pascha ist zur Uebernahme des GesandtschaftSpo- stens in London bestimmt, Mussums tritt in das Privatleben zurück. Fuad Effendi geht als Gesandter nach Paris, und Deli Pascha erhält das Münzamt. Omer- Pascha ist zum Gouverneur von Arabien bestimmt. Heireddin Pascha geht als Gouverneur nach Bosnien. Die Ernennung des Letzteren kann als ein Beweis angesehen werden, daß der Divan in die von Oesterreich rücksichtlich der bosnischen Christen aufgestellten Forderungen eingewilligr hat. Heireddin Pascha ist als ein milder Mann bekannt. Eine Commission, welcher auch Rajahs beigezogen werden, wird die Beschwerden der Christen untersuchen. — Ferner bestätigt das genannte
Blatt, daß die Modificirung des TausiuiatS, wie sie durch den jüngst erlassenen kaiserlichen Ferman Mibe-, fohlen worden ist, wieder rückgängig gemacht werden wird.
Vom Kriegsschauplätze in Montenegro fehlen seit einigen Tagen weitere Berichte. Die Donaudampf fl o tti lle wird armirt. Die Mobilmachung der Gränzregimenter versteht sich von selbst. Das österreichische Observationscorps an der Unna wird in diesem Augenblicke bereits gebildet sein. Hervorzuhcbcn ist der vortreffliche Geist, der sich in der dcßfallsigen Disloci- rung der Armcccorps in allen Theilen der Monarchie kundgibt. In zwei Tagen waren alle Beurlaubten vollzählig eingerückt; nicht nur in Unterösterreich, auch in Galizien führten die Gemeinden freiwillig die plötzlich einberufenen „Urlauber" bis auf den letzten Mann auf Wagen zu den Depotscompagnien. Vor allen zeichnet sich Triest ans. Um Cattaro, wo Truppenanhäufungen stattfinden und Flüchtlinge zu erwarten sind, rechtzeitig mit Lebensmitteln zu versehen, hat das illprische Casino in Triest 8000 fl. C.-M. gezeichnet. Tricstincr Schiffs- rheder, unter denen der wackere Patriot Hr. Spindiöü Gopcevics die erste Stelle einnimmt, bieten ihre Schiffe unentgeltlich zu den ärarischen Transporten an, und der Handelsstand der blühenden Stadt an der Adria Geeifert sich, die dalmatischen Küsten und Länder zu versorgen. Ein solcher Geist der Treue und des Patriotismus ist erquicklich, zumal in unserer Zeit.
Das ganze in Mähren liegende Armeecorps (FML. Graf Schlick) hat ebenfalls Marschbefehl erhalten und wird durch Wien nach seinen neuen Bestimmungsorten ziehen. Welche diese sind, ist vorderhand noch ein Geheimniß, und es ist begreiflich, daß diese Maß- regel ein außerordentliches Aufsehen erregt bat, und zwar um so mehr, als cs bekannt ist, daß das neunte Armeecorps. Gegenordre erhalten hat und eine von der ursprünglich bestimmten ganz verschiedene Aufstellung nehmen wird. Vorderhand sammeln sich die Truppen in Laibach, und es gewinnt bereits die Meinung an Bestand, daß dieselben nach Italien bestimmt sind. Je denfalls scheint es gewiß zu sein, daß sie nicht nach Dalmatien abgchen und zwar um so mehr, als die au der dalmatinischen und erratischen Grenze postirten Truppen bereits so stark sind, daß sie den mit dieser Aufstellung verbundenen Zweck vollkommen erfüllen. Gestern und heute sind wieder 2 Regimenter nach Laibach abmarschirt, die Garnison in Wien ist gegenwärtig in Folge der vielen Truppenentsendungen so schwach, daß eine nicht unbedeutende Anzahl von Posten eingezogen werden mußte. — Aus Paris ist der kais. französische Cabinetscurier Hr. de Giloun mit Depeschen für den Hrn. de la Cour in Wien angekommeu. Von der Abberufung des Letzteren ist gar keine Rede mehr. — Der türkische Gesandte hat seit 14 Tagen gepackt und ist vollkommen bereit, in jedem Augenblick abzureisen. Sein Wappen ist schon seit längerer Zeit von seinem Hotel abgenommen.
Dem Nürnh. Corr, wird aus Wien gemeldet, daß daß die österreichische Regierung geneigt sei, den in Berlin abgeschlossenen Handelsvertrag zu ratificiren. Es ist möglich, daß derselbe nachträglich einige Aenderungen erfahren wird, in keinem Falle darf ihnen aber eine grundsätzliche Bedeutung beigemessen werden. Die Zollsätze auf Ganzfabricate sind auf Grundlage der österreichischen Propositionen festgestellt worden, dagegen haben die Art. 3 und 4 des österreichischen Vorschlages die von Preußen verlangte Modificaton et' halten. Mit Rücksicht auf die Tarifirung von Baum- wollwaaren steht die Vereinbarung noch zu erwarten. Was die Dauer des Handelsvertrages betrifft, so ist gewiß, daß dieselbe auf 12 Jahre festgesetzt ist, und es wird nun darauf ankommen, ob man in Wien hierauf cingeht. Wie man mir versichert, dürfte cs nicht unwahrscheinlich sein, daß dieser Termin auf 8 Jahre ermäßigt wird. Daß dcr ganze Vertrag auf dem Projecte der deutsch - österreichischen Zolleinigung beruht, bedarf wohl keiner eigenen Erinnerung, denn hierin liegt eben die politische Bedeutung desselben.
Nach der Nat.-Ztg. soll dem hiesigen Zollcongreß die amtliche Mittheilung vor einigen Tagen zugegaugcu sein, daß die Hauptpunctationen eines Handelsvertrages zwischen Oesterreich und Preußen zum definitiven Abschluß gekommen seien,-
zX Wien, 13. Febr. Im Ministerium des Aeu- ßern werden gegenwärtig die Punctatioucn des in Berlin abgeschlossenen Handelsvertrags einer ausführlichen Prüfung unterzogen, die Ratification desselben dürfte in kürzester Zeit erfolgen. Ueber die einzelnen Bestimmun- gcn circuliren verschiedene Gerüchte, welche sich namentlich um zwei Punkte drehen, nämlich um die Tariffrage, und um die Dauer des Handelsvertrages, die verschieden angegeben wird. Was den ersten Punkt betrifft, kann ich nur wiederholen, daß man in Berlin mit Rücksicht auf die Tariffrage (einige specielle Fälle ausgenommen) den österreichischen Präpositionen betgetreten ist. Die Behauptung, daß durchaus keine Zollerhöhung in dem Zollvereinstarife stattfinden wird, dürfte ihre beste Widerlegung durch die zu verbürgende Thatsache finden, daß das Princip der Classification in den Zollvereins- tarif in ähnlicher Weife cingeführt werden wird, wie dasselbe von Oesterreich adoptirt worden ist. Rücksicht
lich der Dauer des Handelsvertrages scheint vorderhand noch kein defimtiver Entschluß gefaßt worden zu sein; in Berlin ist die Daucr auf 12 Jahre in Vorschlag gebracht. Man glaubt, daß man sich über eine kürzere Dauer (auf 8 oder 10 Jahre) einigen wird. Den deutschen Regierungen wurden die in Berlin vereinbarten Punctationen bereits zugesendet. Die bezüglichen Schriftstücke sind lithographirt. Eine Konferenz von Bevollmächtigten der Coalitivusstaaten wird nicht stattfiuden, da die Erörterung der betreffenden Punctationen aus dem Wege der diplomatischen Negotiation vor sich gehen wird.— Die bei Gelegenheit der ersten Lesung der zwischen Oesterreich und den Darmstädter Verbündeten getroffenen Uebcrcinknnft von mehreren Bevollmächtigten beantragten Acndcrungöanträge sind bereits durchbera- . thcu und die bezüglichen Beschlüsse gefaßt worden. Die zweite Lesung dürfte demnach im Laufe der nächsten Woche stattsiuden.— Dcr großh. Hessische Oberstcuerath, Hr. v. Ewald, ist bereits wieder von hier abgcreist, da Hr. v. Bieg e lebe n von seinem längeren Unwohlsein wieder hcrgcsteüt ist, und an den Berathungen theilnimmt.
Frankreich.
Paris, 13. Febr. Die Erklärung, welche die Regierung im Moniteur über die „Fränkischen Briefe" abgibt, ist insofern nicht unwichtig, als dieselbe wiederholte Fricdens-Berstcherunge» enthält. Der Moniteur drückt sich folgendermaßen aus: „Die Parteien können sich nicht daran gewöhnen, zu sehen, daß Frankreich und Europa ihren Händen entgeht. Der Weltfriede liegt schwer auf ihnen. Da sie von dem öffentlichen Geiste nichts mehr zu erwarten wagen, so setzen sie ihre einzige Hoffnung auf die Rückkehr der Unordnung. Um diese zurückzuführen, dünken ihnen alle Mittel gut: Hier blutige Herausforderungen, dort anonyme Verleumdungen und Schriften, die, unter dem Vorwand, die edeln Jnstincte des Landes zu erwecken, sie zu verwirren und das Mißtrauen und die Aufregung zu unterhalten suchen. Dics ist der Zweck einer neuen Broschüre, „Fränkische Briefe" betitelt. Dieselben sind von einem legitimistischen Schriftsteller; sie verdienen weder die Aufmerksamkeit der Regierung, noch die des Publicums, wenn man nicht fürchten müßte, daß gänzliches Stillschweigen falsch aufgelegt werden würde. Der Verfasser wendet sich ohne Umschweife an den Kaiser; er entscheidet mit einem unglaublichen Selbstgefühl über die höchsten diplomatischen Fragen und die Geschicke Eu- ropè Nachdem er als Epigraph seiner Broschüre die denkwürdigen Worte der Rede von Bordeaux: „Das Kaiserreich ist der Friede", angenommen hat, beschäftigt sich der Verfasser nur damit, Frankreich zum Krieg hinzntrciben, indem er in seinem Zorne die besteheuden Verträge bezeichnet und indem er sich bemüht, den Haß gegen England wieder ins Leben zu rufen. Die Tactik derjenigen, die derartige Broschüren inspiriren, liegt auf der Hand. Man hat sich gesagt, daß die Regierung deö Kaisers in die bedauernswerlbe Alternative gestellt sei, das Natiynalgefühl durch ein Auftreten gegen diese Broschüre zu beleidigen oder durch ihr Schweigen ihnen eine Art Billigung zn geben, die Europa fortwährend in Unruhe und Mißtrauen erhalte. Es ist schmerzhaft für die besiegten Parteien, den allgemeinen Frieden und das allgemeine Wohl wieder hergestellt zu sehen, ohne daß sie etwas dazu beigetragen haben. Die Schlinge ist aber zu grob, als daß sich die Regierung und das Land fangen lassen sollten. Der Kaiser und Frankreich wollen den Frieden; einen fruchtbaren und ehrenhaften Frieden, den einzigen, der der Nation ansteht; und es sind gewiß nicht die alten Parteien, von denen der Erbe Napolcon's des Großen Rathschläge in Bezug auf die nationale Ehre und Würbe verlangen wird. Man kann nicht genug erstaunen, daß derartige Herausforderungen von den Legitimisten aus- gehen. Glauben diese Schriftsteller vielleicht, daß Frankreich seine Geschichte der letzten Zeiten vergessen hat, und wissen sie nicht, wie leicht cs sein würde, sie vamit nicdcrzuschmcttern? Der Regierung liegt der Ruhm und das Interesse des Landes aber zu sehr am Herzen, sie wünscht zu sehr, die alten Feindschaften zu vermischen, als daß sie sich Recrimiuationcu, selbst den gerechtesten, überlassen würde."
Mehrere hiesige Blätter besprechen heute den Aufstaubsversuch zu Mailand. Der Constitutionnel benutzt den Umstand, daß das Gerückt von |bem Tode des französischen Kaisers in Mailand verbreitet wurde, um Europa nochmals daran zu erinnern, daß Frankreichs Ruhe seine Sicherheit ausmacht. Er meint, daß die übrigen Mächte die Dienste, die Napoleon III. ihnen geleistet habe, oft sehr schnell vergessen und daß die londoner Manifeste sie zuweilen daran erinnern müssen. Die Assemblee Nationale, die, wenn es sich um Revolutionen handelt, unbarmherzig ist, fordert die österreichische Regierung auf, von der Schweiz Rechenschaft für den Aufstand in Mailand und Sicherheit für die Zukunft zu verlangen. Oesterreich habe das Recht, dieses zu thun; denn wenn der Kampf in Mailand nur etwas länger gedauert haben würde, so wäre die junge Schweiz den Mailändern zu Hülfe geeilt, uud die Revolution wäre überall wieder losgebrochen. Die Assemblee Nwkiouale tadelt zugleich die londoner Blätter wegen ihrer Veröffentlichung der revolutionären Manifeste.