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Nassauische Allgemeine Zeitung.

â 38. Montag den 14. Februar ^853.

DieNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PrânumcratiouSpreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang deS Thurn- und TariS'schen Verwaltungsbezirk« mit Inbegriff des Postaufschlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch.österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. Inserate werden die vierspaltig Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Freiherr Prokesch von Osten

hat bei Vorlegung seiner Vollmachten als Bundes­präsidialgesandten an die Bundesversammlung in der Sitzung vom 3. d. M. die folgende Ansprache ge­richtet:

Seine Majestät der Kaiser, mein Allergnädigster Herr, haben mich zu Allerhöchst Ihrem Bundes-Präst- dialgesandten zu ernennen geruht. Ich bin durch­drungen von der Ehre dieser hohen Bestimmung und verkenne die Pflichten und Mühen nicht, die sie mir auferlegt. Daß ich den entschiedenen Willen mitbringe, den Zweck des großen Bundes fest im Auge zu halten, und das nicht minder entschiedene Vertrauen in diesen Verein hochverdienter, durch gereifte Geschäftserfahrung ausgezeichneter, und durch die Liebe zum gemeinsamen Vaterlande beseelter Männer, das ist es, was mich mit Zuversicht in diesem Augenblicke erfüllt, wo ich in Ihre erleuchtete Mitte trete, und den Vorsitz übernehme."

Der deutsche Bund, wie ihn der Kaiser, mein Herr, auffaßt, ist keine willkürliche Gestaltung, kein Menschenwerk im engern Sinn; er ist eine nothwendige Form, hervorgewachsen aus der Natur unseres Volkes und aus der langen Kette von Ereignissen, welche die Vergangenheit, die Geschichte unseres Vaterlandes aus­machen. Die deutschen Stämme haben lange bestanden, bevor irgend ein gemeinsames Band sic umschlang; durch ihre Interessen abgeschlossene Körper haben sie sich seit lange auf deutschem Boden aus deutschen Kräften gebildet, und keine oberste Form hat, wie dies anderorts geschah, ihre Eigenthümlichkeiten verwischt. Das Be­sondere ist eben so naturberechtigt, wie das Allgemeine. Beiden die zeitgemäße Entwickelung zu sichern, war die Aufgabe jeder, das Gemeinsame darstellenden Form, und wird auch diejenige der heutigen sein. Wir finden in ältester geschichtlicher Zeit die deutschen Stämme durch Theilbündnisse zur Ganzheit streben. Wir finden dieß Ziel durch den großen Kaiser erreicht, dessen mächtiger Geist die Einheit nicht durch erzwungene Einförmigkeit, sondern durch weise Ordnung des Mannigfaltigen zum Ganzen zu verwirklichen verstand, und der Vas Reich neben und als weltliches Abbild der Kirche zuerst auf sichere Grundlagen stellte. Wir sehen den erhabenen Bau, in wunderbarer Ausbildung des Mannigfaltigen in Marken und Gauen, in Städteordnungen, Bürger- Ihum, Adel und Fürsten, in Bisthümern und Hanse, prangen wir unsere Münster durch die Jahrhunderte bis zur Kirchenspaltung, Jahrhunderte, auf welche eine hochmüthige Gegenwart oft geringschätzend niederblickt, und welche doch alle die Städte und Orte gebaut ha­ben, die wir noch heute bewohnen, die erhabensten Denkmale aufrichteten, und langsam aber sicher der Ge­walt und Rohheit der Zeit durch das Recht das Schwert aus der Hand nahmen; Jahrhunderte, welche selbst mit großen und gefährlichen Opfern im Wahlprincipe für die oberste Macht der Achtung für das Besondere hul­digten, auch darin den christlichen Staat der christlichen Kirche nachbildend. Als nun durch einen Zusammen­fluß von Ursachen, die nur irrig an einzelne Namen gehängt werden, die Einheit der Kirche zerbrach, in Folge davon das Reich sich lockerte und endlich dem gewaltigen Stoße des Eroberers von Außen erlag, da überlebten die Stamm - und Sonderkörper den Fall, und bildeten sich zu Souverainetäten aus, um das Le­ben da zu retten, wo es allein noch war, in den Thei­len. Nicht der fremde Eroberer hat diese Souveraine- täten geschaffen; er hat nur dem, was schon war, die entsprechende Bezeichnung gegeben; er beugte sich vor der Zeit, die er zu beherrschen meinte. So natür­lich im Augenblicke der Gefahr des Unterganges, im Augenblicke des Einsturzes des alten Reiches das Voran­treten der Theile, so natürlich auch zur Ehre Deutsch­lands sei es gesagt das Streben nach neuer Eini­gung, sobald die Befreiung des Vaterlandes durch die Anstrengungen Aller gelungen war. Der Sta'aten- bund entstand, das bis zur Unabhängigkeit ausgebil­dete Besondere, in so weit es gemeinsam ist, einigend."

Man hat, nicht immer aus böser Absicht, sondern auch aus verzeihlicher Bangigkeit und Irrthum, von dem Staatenbund Anderes gefordert, als er seiner Natur nach leisten kann und soll. Der Bund erscheint, diesen Forderungen gegenüber, schwach und er ist es auch. Das ist sein Ruhm und sein Titel auf die Achtung Aller. Aber er ist in der ihm zukommenden Richtung stark, so stark als irgend eine oberste Form, und würde er, was die äußere und innere Sicherheit Deutschlands betrifft, unzureichend sein, so läge die Schuld nicht an seinen Grundgesetzen, sondern an denen, die mit der Handhabung derselben betraut sind."

Wir sind Eins dem Auslande gegenüber, Eins zur nöthigen Abwehr auch nach Innen, Eins in Wissen­schaft und Kunst, Eins in so vielen Anstalten, Einrich­tungen und Maßregeln, Eins so Gott will durch Verständigung nach und nach über alles Gemeinsame, was dem Gesammtleben angehört, ohne das berechtigte Sonderleben der Staaten zu beeinträchtigen oder zu hemmen. Das ist die richtige Einheit, weil sie allein die mögliche ist, weil sie allein das Besondere in reicher Blüthe sich entfalten läßt, die Rechte der Einzelstaaten schützt und dem Rechte des Ganzen nichts vergibt. Deutschland war nie eine Vereinigung von Provinzen; eS ist heute ein Bund souveräner Staaten, die sich treu und warm über dem Altar des Vaterlandes die brüderliche Hand reichen. Nur ein Volk aus hoher Bildungsstufe kann in einem solchen Vereine zusammeu- stehen; nur ein reiches Ausmaß von Weisheit, Mäßi­gung, Gerechtigkeit und Vaterlandsliebe in den Regie­rungen der Einzelstaaten kann einen solchen Verein er­halten, der auf einem großen Raume verwirklicht, was edle Träumer für die ganze christliche Welt wünschen."

Oesterreich, dieses alte deutsche Land, diese Marke gegen Süden und Osten, wird an den Bund keine an­deren Anforderungen stellen, als die im Interesse des Bundes selbst liegen. Es begreift, es achtet und nimmt für sich selbst in Anspruch das Sonderinteresse, in so fern es zu seinem Sonderleben nöthig ist; aber es be­greift, es achtet das Allen Gemeinsame, wie es durch die Grundgesetze des Bundes geregelt ist, und wird sich keiner Leistung entziehen, die aus diesem Titel springt. Es rechnet auf die Einsicht und, was mehr ist, auf die erleuchtete Thatkraft aller seiner Bundesgenossen in Be­urtheilung der Anforderungen der Zeit, welcher Art sie seien, und die von Außen und Innen ein vernehmliches Wort reden. Es will die Einigung Aller, die w a h r e Einigung, weil sie die Vorbedingung und Gewähr der Wohlfahrt Aller ist. Es will den wirklichen Fort­schritt, nicht den zerstörenden, welcher unter der erloge­nen Fahne die Herzen täuscht und die Köpfe verwirrt. Es will ein großes, mächtiges deutsches Volk und eben darum will es, daß sich jeder Einzelne mit gleichem Stolze nach seinem Stammlande, wie nach dem Ge- sammtvaterlande nenne."

Zum Schluffe erübrigt mir, dem Königlich-Preu­ßischen Herrn Gesandten, welcher während der Abwesen­heit meines Vorgängers die Oesterrcichische Stimme und das daran geknüpfte Präsidium zu führen die Gefällig- ' feit hatte, den Dank meines Allerhöchsten Hofes auszu» sprechen. Ich thue dieß mit um so größerem Vergnü­gen, als ich in ihm einen Mann gehobener Gesinnung, des umsichtigsten Eifers und der wärmsten Vaterlands­liebe verehre und mich seiner treuen Hilfe eben so ver­sichert halte, wie ich sie von Jedem der Männer, die ich nunmehr meine Collegen zu nennen die Ehre habe, mir erbitte und mit Zuversicht erwarte."

Und somit lege ich meine Allerhöchste Vollmacht vor." ___________

Deutschland.

* Wiesbaden, 14. Febr. Gestern Abend ist Sr. Hoheit der Herzog mit I. H. der Frau Herzogin aus Bonn zurückgekehrt, wo am 8. d. M. Abends die Verlobung des regierenden Fürsten Georg Victor zu Waldeck und Pyrmont mit der Prinzessin Helena von Nassau vollzogen wurde.

* Wiesbaden, 14. Febr. Heute ist Herr Mini- sterialrath Händel nach Karlsruhe abgereist, um als Commifsarius der Herzog!. Nassauischen Regierung der dortigen S chl co ufer cnz über die Forde­rungen der Bischöfe der überrheinischen Kirchenprovinz beizuwohnen. Einem Schluß der Verhandlungen nach wenigen Tagen und allseitig be­friedigenden Lösung der Differenzpuncte wird mit Sicher­heit entgegengesehen.

* Wiesbaden, 14. Feb. Der Bau mit der Eisen­bahn von-Homburg nach Frankfurt wird dem Verneh- men nach in kurzer Zeit beginnen. Die Richtung ist so gewählt, daß das kurhessische Gebiet umgangen wird, Die Stationen werden errichtet auf großherzoglich hessischem Gebiet in Rödelheim und im Nassauischen in Oberursel. In Frankfurt wird die Bahn in den Main- Weser-Bahnhof einmünden.

Ebenso scheint das Project der Erbauung einer Eisenbahn von Wiesbaden über Biebrich durch den Rheingau nach Niederlahnstein der Ausführung näher zu liegen, als man vermuthete. Heute inspicirte eine vom Herzogl. Ministerium bestellte technische Commission die von Herrn General N i e l 1. y n in Aussicht genom­

mene Bahnlinie und sollen die Arbeiten sofort, nachdem die Commission ihr Gutachten abgegeben hat, in Angriff genommen werden.

* Wiesbaden, 12. Febr. (Assisenverhandlung gegen Conrad Jung von Massenheim wegen Schrift- fälschung.) Der Angeklagte wurde für schuldig erkannt und zu 2 Monaten Correctionshaus, sowie zum Ersatz der Kosten im Betrag von 48 fl. verurtheilt.

* Wiesbaden, 12. Februar. (Assisen-Verhand- lung gegen Carl Schmidt und Heinrich Zollinger von Wiesbaden, wegen Diebstähle 2c.) Die beiden Angeklagten waren in der Nacht vom 11. aus den 12. August v. I. aus dem hiesigen Amtsgefängniß gewalt­sam und mit Beschädigung der Gefängnißeinrichtung ausgebrochen, und hatten sich in dem Gartenhäuschen des hiesigen Bürgers Carl Poths versteckt wo dieselben am 14. August vorigen Jahrs entdeckt fund wieder festgenommen wurden. In der Zwischenzeit hatte Carl Schmidt Diebstähle mit Einbruch begangen und zwar in dem Hause des Anton Heß Brod, Milch, Fett und Eier im Werth von 2 fl. 33 kr. und aus dem Holz­stalle des Christoph Hölzer einen Meisel 10 kr. werth gestohlen. Die beiden Angeklagten wurden von den Geschworenen für schuldig befunden und von dem Assi- senhofe Ersterer zu 2 Jahr und 1 Monat Zuchthaus, geschärft durch Kostbeschränkung und Letzterer zu 2 Mo­nat Correctionshaus verurtheilt.

* Wiesbaden, 14. Febr. (Assisenverhandlung gegen Philipp Jacob Muth wegen Schriftfälschungeu, Unterschlagung 2C.) Philipp Jacob Muth, 16 Jahre alt, von Niederfischbach, ohne Beschäftigung, ist angeklazt, falsche Briefe geschrieben oder benutzt zu haben, um sich Geld zu verschaffen. Der Angeklagte hatte es nament­lich auf Mädchen aus Catzenellenbogen abgesehen, welche auswärts dienten. Diesen überbrachte er angeblich von ihren Angehörigen herrührende Briefe, worin sie um Geld gebeten wurden, so die Elisab. Steinborn um 1 fE 30 kr., die Kath. Lenz um 4 fl., die Kath. Karthasar um 3fl., die Kath. Hofmann um 7 fl. Es gelang ihm, nur den erstge­nannten Betrag zu erheben; bei den übrigen wurde die Fälschung gleich entdeckt. Ferner ist PH. J. Muth angeklagt, ein ihm zur Ablieferung an Adam Schuh­macher in Wiesbaden übergebenes Kleidungsstück unter­schlagen zu haben. Endlich ist derselbe auch deS Vaga- bundirens und Bettelns angeklagt.

Die Verhandlung leitet Assiscuvicepräsident Jeckeln, als Staatsanwalt fungirt Staatsprocuratorsubstitut Flach, als Vertheidiger des Angeklagten Proc. Leisler s.

Frankfurt, 14. Febr. Gegen den des Mordes an dem unglücklichen Sigm. Schwarzschild dahier ver­dächtigen Schreinergesellen. der in Riederingelyeim in Haft genommen und nach Mainz gebracht wurde, wo er noch gestern in gefänglichem Verwahr sich befand, lie­gen, so bemerkt dasFr. I.", allerdings, wie aus der Erzählung derNass. Allg. Z." hervorgeht, auffallende, mit jener traurigen Thatsache zusammentreffeude Judi­cien vor. Doch dürfte noch sehr die Frage sein, ob die Criminaluntersuchung und Konfrontationen ihn als den an jener scheußlichen That wirklich Betheiligten Herausstellen werde; seine Person soll nicht ganz auf einen oder den anderen der steckbrieflich Verfolgten passen.

Die Preßfrage wird nach Angabe des Nürnb. Corr, noch im Laufe des gegenwärtigen Monats von der Bundesversammlung erledigt werden. Es sind nunmehr allen Bundestagsgesandten' die definitiven Instructionen von Seite ihrer Regierungen für ihre Boten zur Schlußabstimmung zugekommen.

Kaiserslautern, 4. Febr. (Pfalz. Ztg.) Zu bedauern ist, daß die Behörden in ihrem Streben, den Wucher zu unterdrücken, bei dem berheiligten Publi­kum selbst so wenig Unterstützung finden. Viele be­wucherte Personen schweigen aus einem falschen Scham­gefühl, Andere haben Ursache, ihre finanzielle Lage den Blicken fremder Personen zu entziehen, und wieder An­dere werden durch Manöver der Wucherer selbst und ihrer Agenten zu beruhigen gesucht. Trotz alle Dem sind bereits drei Wucheruntersuchungen (gegen einen Naincnvettcr des Wolf, gegen Johann Mayer von Maikammer und gegen einen israelitischen Handelsmann ans Edenkoben) im hiesigen Bezirk in vollem Gang. Einer dieser Wucherer wurde eines schönen Morgens vom Gerichte in seiner Burg überrascht; er war Ver­walter eines Vermögens von etwa 20,000 Gulden und hatte vor einiger Zeit für ungefähr 8000 Gulden ihm eigenthümlich angehörige Immobilien versteigern lassen, um recht wacker Geldgeschäfte treiben zu können. In seiner Burg aber schien die höchste Armuth ihren Sitz