reits sehr eifrig an allen Kirchen, um sie bis zur Ankunft des Papstes in Paris in Bereitschaft gesetzt zu haben. Dem Cardinal und Gesandten sollen sehr große und bedeutende Summen zur Verfügung gestellt worden sein, um jede Schwierigkeit, die man machen konnte, zu beseitigen und um die Reise des Papstes nach Frankreich so glänzend als nur immer möglich zu machen.— Der junge St. Priest, bezüglich dessen die Patrie nicht sagt, ob er nachträglich verhaftet wurde, oder ob es bei bei Haussuchung, welche stattfaud, sein Bewenden behielt, ist beschuldigt, mehreren der wegen Absendung falscher Nachrichten und verleumderischer Corresponden- gen Verhafteten als Zwischenträger gedient zu haben. Seit Sonntag sind mehr als 20 der Verhafteten freigelassen worden. Unter den noch eingekerkerten sind Mitredacteur der Debats, Joseph Tanski, ein ehemaliger Redacteur des National, Pelloguet, und zwei Redacteure einer lithographirten Correspondenz, welche nur an solche französische Provinz-Journale versandt wird, die dem Autoritätsgrundsatze ganz ergeben sind. — Die Köln. Ztg., deren Pariser Correspondenz seit einigen Tagen sehr mager ist, will wissen, daß bei Herrn von Rothschild Haussuchung stattgefunden hat. Man fand zwei Briefe Ehangarnier's bei ihm. Es kann jedoch unmöglich auffallen, daß Hr. v. Rothschild im Besitze dieser Briefe ist, da er von jeher auf sehr freundschaftlichem Fuße mit dem verbannten General stand. Der Kaiser soll es ihm jedoch sehr übel genommen haben. — Der Triester Zeitung wird aus Paris gemeldet, daß kürzlich zwischen dem Frhrn. James v. Rothschild und Hrn. Pasquale Revoltello eine besondere Uebereinkunft abgeschlossen worden ist, welche die finaneielle Zukunft der italienischen Central Eisenbahn gegen alle Eventualitäten sichert. Hr. Revoltella ist bereits nach Florenz zurückgereist, wo der Verwaltungsrath , wie es scheint, die Arbeiten der italienischen Central-Eisenbahn rasch ihrem Ende zuführen will, nachdem die Geldfrage als vollkommen gelöst zu betrachten ist. — Der französische Maler Pori o n hat von seiner Regierung den Auftrag erhalten, nach Madrid zu gehen, um das von Velasquez gemalte lebensgroße Reiter - Portrait des Herzogs von Ölivarez, Stammvaters der berühmten Familie der Guzman und eines der Vorfahren der Kaiserin der Franzosen, zu copiren.
Auf der Rhone ereignete sich in den letzten Tagen ein schreckliches Unglück. Ein von Avignon kommendes Dampfschiff „le Parisien", welches zu Berg fuhr, platzte in der Gegend von Audame (Ardeche). Sechs Reisende fanden durch das Zerspringen des Kessels den Tod, und mehrere andere wurden verwundet. Wäre nicht ein anderes Boot, der „Sirius", dem verunglückten Schiff noch zeitig genug zu Hülfe gekommen, so würde noch ein größeres Unheil zu'beklagen sein. Mehre Personen, worunter auch eine Dame, hatten sich durch Schwimmen gerettet.
Das Budget für das Dienstjahr 1853 enthält eine Vermehrung der für den israelitischen Cultus ausge- worfeneu Summe um 7000 Fr. — Der britische Botschafter in Paris, Lord Cowley, hat von der Königin Victoria den Bath-Orden erhalten.
Spanien.
Madrid, 4. Febr. Gestern hat die Königin in feierlicher Audienz und in Gegenwart des Ministers des Auswärtigen den außerordentlichen Gesandten des Königs von Bayern, den Herrn von Wendland empfangen. — Bei den heutigen Wahlen sind fast alle ministeriellen Candidaten in Madrid durchgegangen, bis auf Martinez de la Rosa, der keinen Gegner zu bekämpfen hatte und einstimmig gewählt wurde. Mendizabal, Rios Rosas, Mo» und Jose Portello, Candidaten der Opposition, sind durchgefallen. — Die deutschen Maler Magnus und Winterhalter befinden sich gegenwärtig in Madrid, wo man sie sehr freundlich ausgenommen hat. Der letztere, dessen Frauenbildnisse bekanntlich ausgezeichnet sind, malt gegenwärtig das Bild der Königin Isabella.
Vroßbritannien.
London, 9. Febr. Einiges Aufsehen erregt in politischen Kreisen die telegraphische Nachricht aus Dublin, daß der Vice-König den toryistischen Lord Roden wieder in seine Function als Friedensrichter eingesetzt hat. Lord Roden — derselbe, der die Madiai-Depu- tation nach Florenz begleitet hat — war von der vorvorigen Regierung wegen allzu greller orangistischer Tendenzen suspendirt worben. — Die Times will, wie es scheint, Hrn. Cobden zeigen, daß sie keine Furcht vor den Franzosen hat. Ihre Polemik gegen L. Napoleon ist wieder so bitter, wie jemals. — General Chaugarnier gibt heute eine lakonische Erklärung in der Times, deren Pariser Berichterstatter jüngst ein Schreiben des Generals erwähnte, das in legitimisti- schen Kreisen circulirte. Der verbannte Feldherr habe darin seine Ueberzeugung von der Unvermeidlichkeit eines europäischen Krieges und der Nothwendigkeit einer Restanration Heinrich's V. und der absoluten Monarchie ausgesprochen. Changarnier erklärt dieses Schreiben für vollständig apokryph. — Ueber die in Paris vorgenommenen Verhaftungen von Zeitungs-Corresponden- ten bringt der Pariser Berichterstatter des Chronicle einen übertriebenen Bericht. Ihm zufolge wären nämlich alle Mitarbeiter deutscher Zeitungen von dieser
Maßregel betroffen worden. Die Engländer find völlig verschont geblieben. — Bis zu welchem Grade der Jn- vafionsschreckcn hinaufgeschraubt worden ist, zeigt ein Leitartikel im Advertiser, der in allen Londoner Bier- schenken banges Kopfschütteln verursachen wird. Dieses patriotische Blatt hält den Entschluß Louis Napoleon'S, die Nelsonsäule in Trafalgar-Square umzustürzen, für so unwiderruflich, daß es die nöthigen Verhaltungsmaßregeln vor, während und nach der Landung der Franzosen bespricht. Demnach wird der Baarvorrath der Bank, beim ersten Alarm, ins Innere des Landes geschafft; diesem Beispiele folgen alle Privatbanken, Ca- pitalisten nvd Fabricanten Londons. Die Regierung zieht sich, je nach den Umständen, bis Jork oder Edinburgh zurück. Lebensmittel, die nicht fortzuschaffen sind, werden vernichtet, rings um die Jnvasionsarmee wird eine Wüste geschaffen, die Thcmsemüudung wird von britischen Kriegsschiffen fest blokirt, und wenn durch Vernichtung aller französischen Transportfahrzeuge dem Feindcshecr jeder Rückzug abgeschyitten ist, erheben sich Miliz, Freiwillige und reguläre Armee gegen die Eindringlinge, welche man theils ins Meer treibt und theils in britischer Erde begräbt.
Die Börse war heute fest. Der „Standard" berichtet, daß das Hans Rothschild ein neues Anleihen von 50 Millionen mit Piemont abgeschlossen und ein anderes von 15 Millionen mit Toscana. — Man spricht abermals von einer Erhöhung des Discontos der Bank.
Der britische Schutzzollverein (National Association for Protection) hat am Montag seine letzte Sitzung gehalten. Er ist eingegangen.
Der Standard meldet als Gerücht, der Premierminister, Graf v. Aberdeen, finde die Last seiner Amts- pflichten für seine Gesundheit und seinen Charakter zu schwer und werde deßhalb nach dem Osterfest, wenn nicht schon früher, aus dem Cabinet scheiden; auch Lord Palmerston wolle sein Portefeuille niederlegen.
Italien.
Der in Bern erscheinende „Bund" enthält folgende Mittheilungen: Eine heute (9.) Nachmittags 1 Uhr 10 Minuten hier in Bern eingetroffene Depesche von Lugano meldet: In Mailand ist der Rauferei vom Sonntag am Montag eine Emeute gefolgt. In Verona und Mantua sind Aufstände ausgebrochen. Ferner eine telegraphische Depesche aus Bellinzona vom 9. Februar, 2 Uhr 45 Minuten Nachmittags: Mailand ist ruhig, die Thore geschlossen, um die Verhaftungen fortsetzen zu können. Der „Bund" will in dem Mailänder Aufstand und den Pariser Verhaftungen die auch am 6. (Sonntag) statlfanden und Deutsche und Italiener trafen, einen Zusammenhang finden. — Nach der „Züricher Z." war Montag den 7. in Mailand wieder Alles ruhig; jedoch wird das Patrouilliren und das Verhaften fortgesetzt. Sonntags Abends mußten die Theater spielen; in der Scala waren 140 Personen, in Veillone bei Maskenball 15, während in der Vorhalle 200 Mann Infanterie in Reih und Glied standen. — Die Aufrührer sollen gleiche Dolche mit einem Kreuze darauf gehabt haben. — Nach einem späteren Berichte aus Mailand war den 7. Mittags 12% Hsfr wieder G e tüm m el in den Straßen und wurden die Verkaufsläden wieder geschlossen. — Laut Tessiner Berichten vom 8. Abends 7 Uhr ist Mailand noch geschlossen, der Postlauf gehemmt, die Eisenbahn nur für Militär gebraucht. Tessin hat einige Compagnien anf- gebvten. Oesterreichischer Seits wurde der Grenzposten bei Chiasso um 8 Mann verstärkt und gegen die Grenze eine Schildwache aufgestellt. — Die „Mailänder Verschwörung" ist in Zürich richtiger beurtheilt worden, als in Bern, wie sich aus folgendem Berichte ergibt: „Mailand, 7. Febr. 1853. (durch die Post.) Die Geschäfte sind etwas gestört, da gestern Abends Unordnungen vorgefallen; cs wurden ziemlich viele einzelne Soldaten meuchelmorderisch angefallen und verwundet, auch einige getödtet. Das Militär und die Behörden haben sich sehr ruhig benommen, und ungeachtet dieser Vorfälle wurden einige Theater geöffnet und die Circnla- tion nicht gehemmt. Heute fordert eine Proclamation der Statthalter« auf, den Geschäften rc. ruhig »achzu- gehen, und dieses wird auch geschehen; denn die Bevölkerung wird allgemein zeigen wollen, daß sie mit diesen ohne Zweifel gedungenen Meuchelmördern nichts gemein hat."
Aus Turin vom 2. Februar wird in Paris gemeldet, daß man die lombardische Emigration daselbst, als den neuesten Ereignissen in Mailand nicht fern stehend, annahm. — Der Bon Seus von Annecy meldet, daß der Kriegsminister, General La Marmora, mehrere Male auf öffentlicher Straße i n s u l t i r t worden sei, und zwar von Seiten des Militärs. — Aus Florenz vom 2. Febr. wird von sehr umständlichen Haussuchungen in Pisa, Lucca, Pcsira und Pistoja und vielfachen Verhaftungen in Folge derselben gesprochen: — Im Proceß Gucrrazzi ist man noch immer nicht bis zum Plaidoyer vorgedrungen. Man versichert, daß der größere Theil der Zeugenaussagen dem Beklagten günstig laute.
Rom, 4. Febr. (T. C.-B.) Die Congregation der Cardinäle hat den Antrag Neapels: die Fürstenthümer Benvenuto und Pontecorvo um 1,700,000 Scudi
zu kaufen, einstimmig abgelehnt. Dagegen hält MM ein diessälliges Uebereinfommen mittelst wechselseitiger Gebietsabtretungen für möglich.
Aus Neapel vom 31. Januar find in Paris Briefe eingelaufen, die sehr kriegerisch laute». Danach war nicht allein von einer Vervollständigung der Schwei- zerregimenter, sondern der ganzen Armee die Rede. Man sprach von einer Truppenbewegung nach den Abruzzen hin, um den in dem stark verschanzten Catto- lica concentrirten Oesterreichern die Hand zu bieten. (?) — Das amtliche Blatt vom 28, Jan. meldet, daß der König dem Londoner Vertrage vom 8. Mai 1852 behufs der Sickerung der Integrität und Regelung der Erbfolge Dänemarks beigetreten sei.
Türkei.
Von der eroatisch bosnischen Grenze, 5. Febr. Aus Bosnien ist die Nachricht von dem Tode eines der größten Bedrücker der Christen, des Präsidenten des Sarajewer Vcrwaltimgsraths, Nahim-Effendi, soeben eingelaufen. Eine Hausnummnirung und Aufnahme alles beweglichen und unbeweglichen Eigenthums ist durch den k. Pfortecommissär Dschamil-Pascha auge- orbuct worden.
Von der Narenta, 29. Jan. (Lloyd.) Der Dojvade von Grahovo ist nach einer verzweifelten Gegenwehr in die Hände der Türken gefallen und ergab sich erst dann, als die Türken Anstalten trafen, die Grotte, in welche er sich zurückgezogen hatte; zu nufer: miniren. Der Vojvode ist ein tapferer Mann , von einer wahren Riesengestalt; er soll von den Türken, die ihn gut bewacken, nach Konstantinopel geschickt werden. Das gleiche Loos dürfte wohl allen von Omar Pascha Gefangenen bevorstehen. Verbürgten Nachrichten zufolge sind am Blockhanse des Vojvoden Jakow, bevor er sich ergeben hatte, 600 Türken gefallen. Jedes einzelne Treffen kostet den Türken viele Menschenleben, und es ist noch immer die Frage, ob die Montengriner nickt durch irgend eine gut combinirte Kriegslist den Türken im Innern ihrer Berge noch größeren Schaden zufügen werden. Einen Priester aus Banjani haben die Türken förmlich erwürgt; am ärgsten aber hausen die irregulären Milizen, welche aus Rumelien gekommen sind und der Rajah jede nur erdenkliche Unbill zufügen.
Aus M o n t e n e g r o. Omer Pascha hat in mehreren Di stricken Bestechungsversuche gemacht, u. A. eine Dorfgemeinde in der Nahia Piperska durch ein Geschenk von silberbeschlagenen Flinten gewonnen. Die Antwort der Tschewer auf Omer Pascka's Proclamation lautet: „Lieber den Tod, als Unterwerfung dem Sultan, dem wir weder vor, noch nach der Schlacht am Kossover Felde untergeben waren." — Vier österreichische Gensd'armen, welche aus Dragal nach dem türkischen Lager gegangen waren, sind vom Pascha gebunden nach Cattaro geschickt worden. G. Petrowitsch soll aus der Wiener Nalionalbank jene Summe geholt haben, die der verstorbene Vladika dort deponirt hatte» Nachrichten vom 29. melden von einer Flucht der irregulären türkischen Milizen. Unter den Türken befehligen viele Flüchtlinge und Renegaten; Skender-Beg (Graf Jelinsky) soll beim Sturm auf das Kloster Ostrog befehligt haben!
Neueste Nachrichten.
* Wiesbaden, 12. Febr. (Assisenverhandlung gegen Conrad Jung von Massenheim wegen Schrift- fälschung.) Der Angeklagte wurde für schuldig erkannt und zu 2 Monate» Correctioiishaus, sowie zum Ersatz der Kosten im Betrag von 48 fL verurtheilt.
Berlin, 11. Febr. (Fr. Bl.) In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer hat dieselbe dcu Antrag auf zweijährige Kammerberufung mit einer Majorität von 52 Stimmen abgelehnt und ebenso den Antrag für ein zweijähriges Budget verworfen. Dagegen ward die Vorlage für eine sechsjährige Legislatur mit einer Majorität von 13 Stimmen angenommen.
Wien, 11. Febr. (F. Bl.) Die hier erscheinende „Presse", welche die französische Regierung der Anzettelung der Mailänder Unruhen beschuldigt, ist dieserhalb zur Verantwortung gezogen worden, indem zugleich diese Beschuldigung Seitens der Regierung auf das Schärfste dementirt wird.
Der kais. Hofrath, Professor der Nationalökonomie an der hiesigen Universität, Dr. v. Kndler, ist vorgestern gestorben.
f Telegraphischen Berichten der „Oesterr. Corresp." vom 9. ds. Mts. zufolge ist die Ruhe in Mailand nicht weiter gestört worden.' In den Provinzen herrscht ebenfalls vollkommene Ruhe und Ordnung. ' v
' * Die Regierung von Tessin, ist auf den Wunsch der k. f. österreichischen Regierung insoweit eingegangen und hat sich bereit erklärt, den ausgewiesenen Kapuzinern eine dreijährige Pension auszuzahlen.
Paris, 10. Febr. Der...Herzog won Belluno ist zum Senator ernannt worden. — Weitere Freilassungen der verhafteten Lcgiiimistcu sind nicht erfolgt.
Heute ist der Graf WalewSki mit seiner Gemahlin nach London zurückgekehrt.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. Ä. Boczek.