December, an der Spitze seiner Schwadron im ersten Regiment Africa-Jägcr, durch die Brust geschossen starb er vier Tage nachher. Der Ruf eines ausgezeichneten Offiziers (èr war im Jahr 1832 als Freiwilliger eingetreten und in dem blutigen Treffen an der Tafna am 15. April 1836 unter den Todten auf der Walstatt liegen geblieben) folgt ihm nach.
Eine interessante, aus Versailles eingegangene Nachricht des „Czas" wirft auf die Disposition des Kai- serthnms gleichsam ein Streiflicht. Es handelte sich nämlich um eine Heirath zwischen dem Kaiser der Franzosen und der Füstin Isabella Czartoryska. Zur Zeit der Dictatnr des jetzigen Kaisers ging derselbe mit der Absicht wirklich um, gab dieselbe indeß auf, als er einige Aussicht gewann, die Hand der Prinzessin Carola Wasa zu erhalten. Als diese wieder schwand, wurde das Projcct einenen Augenblick wieder ausgenommen. Auf dem letzten Ball in den Sinterten hatte der Kaiser, scheint cs, seinen Plan noch nicht ganz aufgegeben, denn beim Eintreten des Fürsten Czartoryski stand er auf und ging diesem entgegen, um ibn zu empfangen, worauf er ihn neben sich am Throne Platz nehmen ließ. Als der Kaiser im Ministerrathe seine Absicht, sich mit Mlle. de Montijo zu vermählen, auèsprach, riechen Fould, Drouin de Lhuys u. Pineau zur Ehe mit der Fürstin Isabella. Nur Persigny war dagegen, weil er die Polen haßt seit der Nebenbuhlerschaft, welche er mit dem Kapitän Dunin, dem intimen, bei der Expedition nach Boulogue um's Leben gekommenen Freunde L. Napoleon's zu bestehen hatte.
Die bevorstehende Cabinets-Modification, so wird der „A. Z." geschrieben, ist gottlob wenig mehr als ein bloßes Hofereigniß, um das mau sich im Auslande nicht zu beunruhigen braucht. Es ist der Sieg der Beau har nais über die Jeromes. Jene hatten den Tact die jetzige Kaiserin gleich als solche zu accep- tiren, weßhalb Sie auch zwei Tascher de la Pagerie in ihrem Hofstaate sehen; diese widersetzten sich aus leicht zu errathenden Motiven der Vermählung aufs Lebhafteste, nachdem sie die Gräfin Teba, so lange sie gegen eine andere ihnen nicht angenehme Verbindung dienen zu können schien, auffallend begünstigt hatten. Nun will ich freilich nicht sagen, daß ein so bedeutender Personalwechsel, wie der bevorstehende, außer allem Zusammenhänge mit der Politik bleiben wird; .aber die Aenderungen werden sich lediglich auf das Inland beziehen, und obendrein nichts weniger als radikaler Natnr sein Im Allgemeinen kann man das neue Ministerium als ein relativ liberales charakterisiren, da Hr. v. Morny sozusagen der Eckstein desselben sein wird. Außer ihm, der in allen Combinationen genannt wird, höre ich seit gestern Abend in den bestunterrichtetcn Kreisen Hrn. v. Walcwski, bisherigen Gesandten in London, für das Aeußere, den General Canrobert für den Krieg, Herrn Magne für die Finanzen, Hrn. Bineau für das Innere und den Genie-Obersten v. Böville für die öffentlichen Bauten nennen. Hr.v. Morny selbst würde dasStaatsmini- sterium und, da er um keinen Preis einen Polizciminister neben sich haben will, auch das der allgemeinen Polizei übernehmen, dem er in der Person des Hrn. Carlier einen unter dem Titel „Generaldirector der Polizei", von ihm abhängigen Chef geben würde. Letztere Combination ist fast eine ausgemachte Sachr, und Herr Carlier geht in den letzten Tagen dem künftigen Cabinetspräsidenten (denn das wird Herr von Morny wenigstens der Sache nach sein) nicht mehr von der Seite. In obigen Namen, so wie auch in den anderen seit mehreren Tagen circulirendcn, ist durchaus nichts, was auf große Entschlüsse und eine europäische Katastrophe schließen lassen könnte. Im Gegentheile wird Herr von Moruv, der vor ungefähr vierzehn Monaten viele Leute so unsanft aufgerüttelt hat, setzt allgemein als Derjenige betrachtet, welcher der Geschäftswelt die beste Bürgschaft für die Erhaltung des Friedens leisten, die gedrückte öffentliche Meinung in Paris und in den Provinzen am sichersten wieder beruhigen könnte. Und glauben Sie nicht, daß das Uebel, welches er zu heilen haben wird, gering ist: die Präfccten selbst sangen an, die düstere Stimmung, die dumpfe Angst vor irgend welcher unbekannten Katastrophe unter den Bevölkcruu- gen zu schildern. Einer derselben sagt mit einem kern- baften Ausdrucke: „Die Lage ist so, daß der Fünffran- kenthalcr den Leuten nur noch drei Franken werth ist." Welche wohlthätige Wirkung würde unter diesen Umständen der bloße Name des Herrn v. Morny als Premierminister äußern, da man ihm einerseits liberale Tendenzen, besonders auch in Bezug auf die Presse, und andererseits eine nur mit dem Frieden verträgliche Stellung zur Industrie zuschrcibt!
Vänemark.
Kopenhagen, 5. Februar. Die Berl. ^tg. berichtet , daß durch Resolution dcS königl. Ministeriums für Schleswig vom 4. d. M. das Halten und die Verbreitung der beiden Kopenhagener Blätter „Faedrelandet" und „Dagbladet" im Herzogthum Schleswig verboten wurde. — Ein Kopenhagener Corresp, der HaberSlebener vDannevirke" berichtet den dieser Tage erfolgten Tod des ehemaligen St atsministers, Präsidenten der schles- wig-holsteiuischen Canzlei, Grafen Otto Moltke.
Großbritannien.
vonbott, 8. Februar. Der Earl von St. Ger
mans hielt gestern in Dublin sei» erstes stark besuchtes Lever ab. Die Universität und die Corporation von Dublin überreichten Adressen. In seiner Antwort sprach sich der neue Vicekönig gegen die — von den Dublinern gefürchtete — Abschaffung des Vicekönigthums in Irland aus.
Eine Actiengesellschaft ist hier im Entstehen begriffen, um die Landenge von Darien zu durchstechen und den atlantischen und stillen Ocean durch einen für die größten Schiffe fahrbaren Canal zu verbinden. Die Kosten sind auf 15 Millionen Pfd. Sterl. veranschlagt, es sollen Actien zu 100 Pfd. Sterl. mit einem Depo- silo von 10 Sh. ausgegeben werden. Die Regierung von Neu Granada begünstigt das Unternehmen und verlangt 24,000 Pfd. St. zahlbar in zwölf Monaten, für die zu gewährende Territorial-Coucession.
Ein nordirischcs Blatt, das Belfast Banner, läßt sich aus Edinburg vom 29. Januar schreiben: während der letzten Woche habe ein französisches Dampfschiff auf der Höhe von Berwick gekreuzt, bei Nacht habe die Mannschaft die Mündung des Tweed sondirt, bei Tag aber Skizzen von der Küste ausgenommen. Bei der jetzigen Stimmung Englands — in einer Zeit, wo, wie das Chronicle in einem Spottartikel über Cobdens Agitation für den ewigen Frieden sagt: „sich Niemand die Augen darüber verschließen kann; daß sich an Europas Horizont ein Sturm zusammenzieht, dessen Verlauf Niemand voraussehen kann" — tauchen immer dergleichen Gerüchte auf, welche sich dann gewöhnlich als grundlos Herausstellen, wohl aber zeigen, wie beunruhigt die Gemüther sind.
Türkei.
Aus Montenegro. Was die Unterwerfung von Piperi betrifft, so beschränkt sich dieselbe nach einer Mittheilung der Triester Ztg. vom 6. Febr., auf einen kleinen District, der sich Omer Pascha unter der Bedingung ergab, daß ihnen die Waffen gelassen, volle Amnestie gewährt und keine anderen Lasten auferlegt würden, als die Bezahlung eines jährlichen Tributs an die Pforte. Omer Pascha ging anscheinend darauf ein, bemächtigte sich aber verrätherischer Weise dreißig der angesehensten Bewohner und ließ sie gefesselt nach Con- stantinopel abführcn. Die Kunde von diesem Vorfälle, die mit der Rückkehr des nach Wien abgesandtcu Bevollmächtigten zusammentraf, feuerte die Montenegriner zu neuen Anstrengungen an; sie beantworteten Omer Pascha's Manifest, der ihnen vier Tage Bedenkzeit gab und ihnen im Weigerungsfälle drohte, Alles mit Feuer und Schwert zu verheeren, in den entschlossensten Ausdrücken und begannen nun einen energischen Widerstand, der keineswegs, wie umlaufende Gerüchte sagten, durch innere Zwistigkeiten gelähmt wird. Omer Pascha's Proclamation lautet:
Montenegriner! Es gibt unter Euch einige böse Menschen, welche Euch verführt haben, und Ihr höret auf ihre Worte. Ihr habet auch die Uebrigen verleitet, die rechte Straße zu verlassen und die Waffen gegen Euren Souverain zu erheben, und habet in dieser Weise zu Eurer Strafe die kaiserliche Armee herbeigezo- gen. Ihr habet nun die kaiserliche Macht erkannt, und die Klugen unter Euch haben eingesehen, daß Ihr Euch dieser Armee nicht widersetzen könnet; denn sie sind unsere Patrioten. Wir haben auch nicht nach einem Blutstropfen gestrebt; au dem Blute, das bisher vergossen worden ist, und an allem, was Ihr bis jetzt gelitten habet, seid Ihr selber Schuld. So groß auch das Heer Eures Herrn ist, noch weit größer ist seine Gnade. Ich aber, wahrnehmend, daß Ihr unserer Armee nicht widerstehen könnet, habe nach allen Richtungen hin dem Heere befohlen. Euch nicht mehr anzugreifen. Ich that dies, damit Euer armeS Volk nicht mehr leide und untergehe. Es ist der Wille unseres Sultans, diejenigen, welche nicht hören und gehorchen, in Güte oder mit Gewalt auf den rechten Weg zu führen, den Reuigen aber zu begnadigen. Deßhalb mache ich Euch Folgendes im Namen des Sultans kund, und ich verspreche: 1) Freiheit für Euren Glauben, wie bisher; 2) Euer Volk wird keine Bedrückung erfahren. Ich werde nach Befehl des Sultans eine Verordnung erlassen, daß in jeder Nahia aus Euren eigenen Familien die Serdare und Basserdare von Euch selbst gewählt werden sollen, die aber sämmtlich dem Pascha von Skutari unterworfen sein. werben. 3) Künftig darf nicht mehr geduldet werden, daß, wie bei Euch geschieht, Blut vergossen werde. 4) Wenn Ihr Euch der Gnade des Sultans zuwendet, wird diese Gnade Eurer armen Nation verliehen werden, und zwar für das ganze Reich, damit Ihr frei reisen und handeln könnt, und wer unter Euch nach anderen Staaten gehen will, wird unter dem kaiserlichen Schutze bleiben und von anderen Sou- verainen anerkannt sein. 5) Da Ihr die Gränzen des Reiches bewohnt, so müßt Ihr, wenn Ihr die Gnade des Herrschers annehmt, Euch verpflichten, dieselben treu und muthig zu bewachen und mit Euren Nachbarn Frieden zu halten, wie eS beide Souveraine wünschen. 6) Ihr werdet keine anderen Zölle und Steuern zu leisten haben, als für die Serdare der Nahien, und in allen Nahien werden die Basserdare ihr Monatsgehalt von Euch beziehen. 7) Da die Serdare und Basserdare der Nahien für ihre Mühe bezahlt sein wollen, so müssen sie auch die armen Leute gegen alle Bedrückungen schützen und werden
dafür verantwortlich sein. Wenn Ahr, was Euch gesagt gehört habet, so müßt Ihr mir, eine Nahia nach der andern, antworten, damit ich Eure Wünsche dem Sultan vorlegen kann. Dies ist's, was ich zu Eurer Kenntniß bringen kann und, damit Ihr demselben Glauben beiines« sen könnet, mit meiner Unterschrift und einem Muschi» siegel bekräftige. Lager von Martinich, 9. Januar 1853. Omer Pascha, Muschir und SeraSkier der gesummten großh. europ. Armee.
* In der Kölnischen Zeitung nehmen zwei Türken, Rustein Effendi und Seid Bey in einer ans Brüssel vom 6. Febr. datirten Erklärung des Verfahren der ottomanischen Regierung gegen die Montenegriner und den Character Omer 'Paschas als Ober- Befehlshaber der kaiserlichen Armee in Schutz. Wir heben aus diesem Curiosum die Behauptungen hervor, daß, seit der von der hohen Pforte verweigerten Auslieferung der ungarischen Flüchtlinge an Oesterreich, durch gewisse Agenten unaufhörlich Intriguen zur Beunruhigung und Aufregung der christlichen Bevölkerungen gegen die Autorität der ottomanischen Regierung gesponnen wurden. Die Rechte der Türkei auf Montenegro wären in letzter Instanz durch den Vertrag von Szistow (der seitdem niemals widerrufen worden) bestätigt, in welchem die Montenegriner ausdrücklich als Unterthanen des Sultans bezeichnet werden. Oesterreich habe so sehr wie jede andere Macht, ein Interesse an der strengen Beachtung der Verträge, auf denen das Völkerrecht in Europa beruht; wofern man nämlich nicht etwa behaupten wolle, die Türkei stehe außerhalb des Völkerrechtes, und man dürfe bei erster, bester Gelegenheit den Handstreich von Navarin wiederholen, wo man mitten im Frieden und ohne vorherige Ankündigung ihre Flotte vernichtete und ihre Armee niedermetzelte. — Die ottomanische Regierung habe nie Verfolgungen gegen die Christen in Bosnien erhoben. Wurden christliche Unterthanen verfolgt, so sei dies niemals geschehen, weil sie Christen, sondern weil sie Uebelthäter waren. Sie fragen, ob man Omer Pascha vielleicht wegen dieses Feldzuges als einen wüthenden Christenfeind schildre. Es gebe wenige Generale, die in ihrer Armee eine strengere Mannszucht halten und mehr Milde gegen Besiegte, so wie größere Achtung vor dem Privat-Eigenthume einzuflößen wissen. Nach dieser Erklärung ist zu erwarten, daß mindestens ganz Bosnien und die Herzegowina Omer Pascha Abbitte leisten.
Der englische Commissär, welcher schon früher nach Scutari gekommen war, um dort Nachrichten einzuzichen, traf am 22. v. M. wieder dort ein und kehrte, nachdem er mit dem englischen Consul und dem türkischen Gouverneur verkehrt, auf den Dampfer „Wasp" zurück, der ihn an der Küste von Scutari erwartete. Seine Abreise nach Scutari fand im Auftrage des Lord Ober- commissärs der jonischen Inseln an demselben Tage statt, an welchem der englische Consul von Albanien, Herr Sanders, der sich auf Urlaub in London aufgehalten, nach Corfu gekommen war. — Die am 18. v. M. auf der Rhede von Antivari eingetroffenen zwei türkischen Kriegsschiffe, eine Korvette und eine Brigg, verließen den Hafen, um die Küste zu bewachen und die Blokade zu handhaben. Die beiden Kriegsdampfer „Eregli" und „Saici Hadia", letzterer mit dem Admiral Achmet Pascha an Bord, befanden sich am 25. noch daselbst. — Der bisherige Verlust der Türken wird aus 1200 Todte gerechnet, während die Montenegriner nicht mehr als 40 verloren haben sollen. — Vor Durazzo traf am 23. v. M. ein türkischer Kriegsdampfer ein, um Mundvorrath und Pulver für die Truppen in Antivari zu übernehmen.
Gerüchtweise verlautet, es sei den in den dalmatisch- albanischen Gewässern kreuzenden Dampfern des englischen und französischen Geschwaders die Einfahrt in die Bvcche di Cartaro verweigert worden ; ferner erzählt man von einem blutigen Conflicte zwischen den Türken und den die Gränze bewachenden österreichischen Jägern; endlich läßt man die Parteiungen die unter den Montenegrinern selber ausgebrochen seyen, einen so heftigen Character annehmen, daß Fürst Danilo auf seinen Vetter geschossen habe.
Seit dem 10. Januar finden in Sarajevo keine Werbungen mehr zum Feldzuge gegen Montenegro statt, und die an öffentlichen Orten ausgesteckt gewesenen Fahnen des Propheten sind wieder entgehen worden. — Das von dort ausmarschirte Freiwilligenregiment bestand nur aus 800 Köpfen. Viele der Abgegangenen sind unterwegs davongelaufen.
In Valona traf am 30. December eine türkische Schraubenfregatte ein, um die Flotte zu erwarten, die sich in Gnmenizza befand und 14 — 15 Schiffe mit Landungstruppen an Bord zählte. Bis zum 6. Januar war sie aber noch nicht angekommen.
ch Constantinopel, 29. Jan. Mehrfachen Gerüchten zu Folge (die auch von der Triester Zeitung erwähnt werden) steht ein Ministerwechsel abermals in naher Aussicht. Ueber eine von Rußland hierher expedirte Note soll der Divan sich entschlossen haben, dem Seras- kier Omer Pascha den Befehl zur Sistirung der Feindseligkeiten zukommen zu lassen. Schon bis jetzt werden die auf die montenegrinische Expedition aufgewendeten Kosten von 32 Millionen Piaster berechnet. Der Sultan hat de» Großvezier ermächtigt, der Pariser Con-