Nassauische Allgemeine Zeitum
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Freitaq de» 11. Febrnac
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Die „Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich Und beträgt der PrânumerationSpreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang deS Thurn-- und TariS'schcn BerwaltungSbezirkS mit Inbegriff deS Postaufschlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 ff. 24 tr. — Inserate werden die dreispaltig Prtitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.
Der Aufruhr in Mailand.
Die Baseler Zeitung bringt in einem Privatschreiben aus Mailand vom 7. Februar Umständlicheres über die frevelhafte Ruhestörung, welche Tags zuvor dort stattgefunden hatte. Wir theilen diese Details als unverbürgte Nachrichten mit. Bereits Sonntags den 6. Morgens war das Gerücht verbeitet, Abends werde es losgehen, eine Nachricht, die von der Mehrzahl der Bevölkerung als Scherz betrachtet wurde. Abends 5 Uhr zogen plötzlich Haufen unheimlichen Volkes mit Dolchen und Flinten bewaffnet durch die Straßen, überfielen und mordeten einige Soldaten und Bürger; ungarische Grenadiere fraternisirten mit ihnen und gaben ihre Waffen ab (?). Einige Barrikaden wurden erbaut, auch Ziegel auf die anrückenden Patrouillen geschleudert. Ans dem Domplatz feuerte die Hauptwache sehr lebhaft auf die Aufrührer. Im Nu waren alle Buden und Kaffeehäu- fer geschlossen. Gegen 7 Uhr war die Ruhe auf allen Puncten wieder hergestellt. Eine sehr ernste Proclama- tion des Gouverneurs warnte vor allen Versuchen, dieselbe zu stören, indem die Regierung den Willen und die Kraft habe, solche schonungslos zu unterdrücken. Die Nacht vom 6. auf den 7. verfloß ruhig; die Polizei nahm viele Verhaftungen vor. Man will die Fäden des Aufstandes in einer weitverzweigten Militärverschwö- rung finden, die ihre Hanpimitglieder unter den ungarischen Soldaten gehabt und durch das ganze lombar- dffch-venetianische Königreich bis nach Wien und Fiume sich erstreckt habe (?).' Die Opfer sollen sehr zahlreich sein; im Militärspital liegen 56 Verwundete, im Bür- gcrspital gegen 20. Die Bevölkernng selbst soll bitttlp aus keine Theilnahme an diesem tollkühne» Versuche gezeigt, ihn im Gegentheil als eine sträfliche und leicht ■ finnige Unternehmung der Mazziniffchen Bande bezeichnet haben. Am 7. ^ebr. waren Morgens alle Läden wieder geöffnet, da sich aber daS Gerücht wieder verbreitete, daß es von Neuem loSgehen solle, wurden sie Nachmittags geschloffen. Ernste Vorfälle sind jedoch bei der Stärke und Entschlossenheit der Regierung kaum zu erwarten»
Ein anderes Privatschreiben desselben Blattes von gleichem Datum enthält folgendes: Der Angriff auf das Militär ging von schlecht gekleideten Volkshaufen aus, die in verschiedenen Theilen der Stadt zerstreut waren. Einzelne Soldaten und Offiziere wurden unversehens überfallen und getödtet. Dieß geschah beim Cafe Guocchi gegenüber dun Castell auf dem Platz Viscontina, beim Cafe Reichmann, beim Dom und besonders in der Dreikönigsstraße und alla Corte, wo dem Wachtposten die Geweine genommen und der Offizier getödtet wurde. Die vielleicht etwas spät und nicht mit genügender Vorsicht ergriffenen Militärmaßregeln machten den Unordnungen bald ein Ende. Die Bürger- schaft hat daran nicht Theil genommen. Schon am 6. Morgens gingen Gerüchte einer möglichen Revolution, wodurch die Bürgerschaft in eine ruhige und kluge Haltung gesetzt wurde. Unter den verhafteten Personen befinden sich, wie man sagt, auch Leute von Bildung, wie es denn immer geschieht , dag bei solchen Anlässen auch Unschuldige zu leiden habe. (?) Der ganze Auflauf trägt durchaus nicht das Gepräge einer vorbereiteten politischen Bewegung. (?) In seiner heute publicirten Proklamation ladet der Militärgouverueur den Handel und die Industrie ein, die Geschäfte wieder aufzunehmen, und das Publicum, die Vergnügungen des Carnevals fortzusetzen. — In Rimini, einer Stadt der Legationen , haben einige betrübende Vorfälle stattgefunden, die nicht ohne Folgen bleiben werden. Das österreichische Wappen am Hause des sdortigen Consuls wurde wiederholt besudelt und heruntergerissen. Verhaftungen fanden deßhalb statt und von Forst und Ravenna mar- schirten am 30. Jan. österreichische Truppen mit Artillerie und anderer Kriegsrüstung nach Rimini. Andere glauben, die Ursache dieser Truppenbewegung sei eine Coucentration österreichischer Truppen auf der Militär- linie der Cattolica.
Nach telegraphischen Depeschen, welche der Berner Bnndesrath gestern Abend aus Bellizona erhielt, stürzten sich am 6. Nachmittag 4 Uhr in Maila nd eine Schaar von 400 Individuen, mit Dolchen ec. bewaffnet, auf das Militär und die Gensd'armerie. Eine Kaserne des ersteren sei der Aufrührer Hauptangriffspunct gewesen. Man zählte viele Todte. Der Ausgang des Unternehmens war noch unbekannt. Aehn- ltches sei auch in Rimini geschehen. So lauteten wenigstens die Gerüchte, die in der Angabe der gefallenen Todten sehr übertrieben sein werden. Dessen ohner-
achtct haben diese ersten, offenbar übertriebenen Nachrichten große Bewegung in den diplomatischen Kreisen Bern's Hervorgernfen. — Eine zweite Depesche meldet, es sei ein Extra-Eisenbahnzug von Mailand mit einem Osficier und 12 Soldaten in Como eingetroffcn; der regelmäßige Zug brachte feine Reisende. Mailand sei geschlossen und ceruirt. Eine dritte Depesche endlich meldet nur Trnppenanhäufungen in Como. — Sobald der Bundesrath Nachricht von dem Ausbruch revolutionärer Auftritte in Mailand erhalten hatte, ordnete er einen eidgenössischen Kommissar (Oberst Kurz) nach dem Kanton Tessin ab. Man befürchtete nämlich, die große Zahl von Lombarden, die sich tu Tessin aufhalten, möchten sich zu einer thätigen Theilnahme an den Bewegungen in ihrer Heimath Hinreißen lassen. Ein Aufgebot von Truppen, um dieses zu verhindern, ist deßwegen wahrscheinlich. — Die neueste, der „Zür. Ztg." aus Beru vom 8., 9 Uhr 40 M. Vormittags, zugegangene telegraphische Depesche berichtet jedoch, Oberst Kurz habe die Mission nach dem Tessin abgelehnt. Höchst bemcrkcnswerth ist daß, wie die „Züricher Ztg." meldet, in Bellizona, (Kanton Tessin) bereits am 6. das Gerücht verbreitet war, cs sci am 5. in Mailand und gleichzeitig auf verschiedenen Punkten der Lombardei, des Kirchenstaates und Neapels eine Revolution ansgebrochen. Man wußte sogar schon von einzelnen Gefechten zwischen Italienern und Kroaten zu berichten, und die „Dcmocrazia" fügte diesen Nachrichten bei, diese Gerüchte könnten durch eine Depesche veranlaßt sein, welche eine „gemeinschaftliche Erhebung in der Lombardei auf den 5. Februar in Aussicht stelle." Alles Anzeichen, daß eine vorbereitete Jnsurrection im Werke gewesen zu sein scheint. — Eine Depesche dess. Bl. aus Lugano vom 8. meldet, daß bei dem Mailänder Volksaufstand viele (?) Osficiere gefallen seien. Sein Gewährsmann, ein Postconducteur (!) will von 300 Todten wissen. Wir haben indessen die authentischen und beruhigenden Nachrichten der Oest. K. gebracht.
Heute äußert sich dieses Blatt über die eigentliche Bedeutung der Mailänder Unruhen in nachstehender Weise: „Der frevelhafte Versuch, der zu Mailand gewagt wurde, die öffentliche Ruhe und Ordnung zu stören, ist nur ein neuer Beweis, daß die heillosen Umtriebe einer wohlbekannten, unverbesserlichen Partei noch immer nicht ihr Ende gefunden haben. Wir trauen den geheimen Lenkern dieser Bewegung hinlängliche Einsicht zu, um wohl zu begreifen, daß ihr letztes Ziel, der Umsturz der bestehenden territorialen und politischen Verhältnisse und die Republicanisirung der Halbinsel in diesem Augenblicke unmöglich sei. Es kann ihnen daher gar nicht um einen denkbaren Erfolg zu thun gewesen sein. Es handelte sich offenbar bei diesem augezettelten Straßentumulte um nichts anderes, als die friedliche Bevölkerung zu erschrecken und sie abzuhalten, sich in den letzten Faschingstagen dem geselligen Vergnügen und den landesüblichen Belustigungen hinzugeben. Geselligkeit und Frohsinn, Eintracht und Vertrauen, Anstand und Sitte, sind eben so viele Gegenstände des Aergernisses und der Besorgniß für diese finstere in selbstverschuldeter Verbannung auf Rache und Verbrechen sinnende Partei. Alles was Ruhe und Frieden in das menschliche Herz zurückführt, was Wohlstand und Gewerbsthätigkcit befördert und die Wohlthaten einer gesetzlichen und gerechten Regierung fühlbar machen könnte, paßt nicht in die Pläne der Verschwörer, sondern droht ihnen mit Ohnmacht und Vernichtung. Es ist daher eine alte Tactik derselben, sich von Zeit zu Zeit durch eine, wenn auch muthwilligc und hoffnungslose Frevelthat der ruhebedürftigen Gesellschaft in Erinnerung zu bringen. Ihre Gewissenlosigkeit findet keinen Anstoß daran, einige Tollköpfe, einige untergeordnete Werkzeuge in ihr gewisses Verderben zu jagen. Sie rechnet!, sie speculiren vielmehr auf den Untergang ihrer eigenen Anhänger. Sie erwarten aus bet Abwehr der Staatsgewalt, aus der Abstrafung der Verlockten neue Anlässe zu Aufregung, Unmuth und Erbitterung."
„Die Auftritte in Mailand, so weit sic aus den telegraphischen Meldungen bekannt sind, haben eine auffallende Aehulichkeit mit früheren Versuchen; sie erinnern au den Frankfurter Putsch, an die Cigarrenkra- walle, kurz an alle die ähnlichen Unternehmungen, wodurch die geschulten Revolutionärs von Profession sich bestrebten, den gedankenlosen Straßenpöbel in Conflicte mit der bewaffneten Macht zu bringen, und das Pflaster friedlicher Städte mit Menschenblut zu beflecken. Es sind die alten Künste, aber es ist die alte Zeit nicht mehr. Alles hat sich geändert, nur die verderbte Ge
sinnung jener unverbesserlichen Feinde alles Menschenglücks nicht. Damals, als jene fluchwürdigen Erstlingsversuche stattfanden, ging ein Fieber durch die Welt, und die unerfahrenen Bevölkerungen ohne Kenntniß und Einsicht der Gefahren die sie bedrohen, blickten mit Neugierde und Theilnahme auf den kecken Kampf, der gegen die Macht des Staates, gegen die Ordnung der Welt, gegen das Recht der Fürsten mit geistigen und physischen Waffen ausgenommen wurde."
„Die Regierungen selbst waren unschlüssig und schwankend, und hatten eine ungerechte, in Vorurtheilen bc» fangene öffentliche Meinung gegen sich. Das Alles ist anders geworden. Die letzten Erfahrungen haben Allen genügt, nur jenen versprengten Ueberresten der Revolu- tionöarmee nicht, die jetzt als Banditen in der Welt frevelhaften aber ohnmächtigen Spuk treiben. Die Bevölkerungen, die Bürger aber, die etwas auf der Welt zu hoffen und zu verlieren haben, wenden sich von ihnen mit Abscheu und fühlen sich solidarisch mit der Staatsgewalt. Sie fordern von den Regierungen Schuß gegen solches frevelhafte Treiben, sie fordern Sicherstellung 'des staatlichen Bestandes und der inneren Ruhe, sie nehmen die Strenge des Gesetzes zur Wahrung ihrer höchsten Güter in Anspruch, und die Regierungen besitzen jetzt die Mittel, die Entschlossenheit und die Einsicht ihrer Pflicht, um diesen gerechten Wünschen ihrer Völker zu entsprechen."
„Darum, wir wiederholen es, die Auftritte, welche den Carneval des in froher Lust befangenen Mailand trübten, können mit früheren Scenen traurigen Andenkens eine äußere Aehulichkeit haben, die innere Bedeutung derselben , das fühlt Jedermann, haben sie nicht. Die Zeit ist eine andere geworden".
Eine telegraphische Depesche des Statthalters der Lombardei au den Minister des Innern meldet aus M ailand unterm 7. Febr. Gestern Nachmittag fand eine Ruhestörung statt. Eine mit Pistolen, Dolchen und andern Waffen versehene Rotte, weiche Nachmittags 5 Uhr einen Angriff auf die Hauptwache versuchte, wurde auscinandergesprengt. Ebenso fanden meuchlerische Angriffe auf einzelne Offiziere und Soldaten in der Nacht statt.- Die Ruhestörung wurde sogleich mit Energie unterdrückt. Um 8 Uhr Abends war die Ordnung vollständig hergestellt und ist seit dein nicht wieder gestört worden. 28 Individuen wurden mit den Waffen in der Hand ergriffen. Alle Anzeichen weisen darauf hin, daß der verbrecherische Anfall von der revolutionären Partei im Auslande ausgeht, um die friedlichen Bewohner einzuschüchtern und von der heuer besonders lebhaft gewesenen Betheiligung an den Karne» valsfreuden abzuschrecken. Gegen die Schuldigen ist daS Strafverfahren im Gange.
Die Nachricht, daß auch in Rimini und andern Städten Italiens am 6. d. M. aufständische Bewegungen hätten unterdrückt werden müssen. bat sich nach einer Korrespondenz der F. P. -Z. aus der Schweiz vom 9. Feor. nicht bestätigt.
Deuèi'chtand.
t Wiesbaden, 10. Februar. (Assisenverhand- hmg gegen Jacob L ö w von Kornberg wegen Schriftfälschung.) Der Angeklagte wurde von den Geschwornen für schuldig befunden und von dem Assisenhofe zu zwei Monaten Correctionshaus verurtheilt. Die Kosten betragen 103 fl. 48 kr.
(Assisenverhandlung gegen Johann Schläfer von Oberursel wegen Schriftfalfchung.) Joh. Schläfer, 29 Jahre alt, Taglöhner, aus Oberursel- war «»geklagt, in der Mitte des August v. I. von einem Brief nachstehenden Inhalts: „Liebe Mutter! Sein Sie doch so gut und geben bem Burschen die 3 fl. wieder, denn er hat sie mir heimlicher Weise dagelassc» und hat auch mir geholfen, daß ich auf die auswärtige Arbeit gekommen bin, ich arbeite jetzt an den Irrenhäusern", wissend daß er falsch sei, in der Art Gebrauch gemacht zu haben, daß crdcuselbcn der Wittwe des Cbristian Lauer, Anna Maria, geborne Duchmann zu Hochheim mit der unwahren Angabe, der Brief sei von ihrem damals im Correctionshaus zu Eberbach verhaftet gewesenen Sohn Alois Lauer geschrieben übergab, um sich einen Geldbetrag von 3 fl. zu verschaffen.
Der Angeklagte wurde von den Geschwornen für schuldig befunden und von demAssisenhofe zu 9 Monaten Correctionshaus, geschärft durch Kostbeschränkuiig, verurtheilt. Die Kosten betragen 29 fl. 46 kr.
* Wiesbaden, 11. Febr. Gegenstand der heutigen Assisenverhandlung ist die Anklage gegen Adam Gruber von NiederjoSback, 28 I., Maurer, wegen