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Nassauische Allgemeine Zeitung.

â VS Mitag deo 31. Januar JS@S.

DieNassauische Slilqemeine Zcitun»" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag« ausgenommen, täglich und beträgt der PrânumerationSpreis für Wiesbaden und , na» dem neuen Post-cgula-iv nunmehr auch für den ganzen Umfang deS Thurn- und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postaufschlags 2 fl., für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen Postvereins, wie für das Ausland 2 ff. 21 fr, Inserate werden die viersxaliig Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei de» nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

Di e n st n a ch r i ch te n.

Seine Hoheit der Herzog haben den Prof. Pfarrer Lex zu Herborn zum Director des Schul- lehrer-Seminariums zu Usingen gnädigst zu ernennen gernht.

Nichtamtlicher Theil.

Der französische Thron und die fremden Prinzessinnen.

(Aus ter Augsb. Allg. Ztg.)

Die Vermählungsbotschaft Napoleons III. hat obgleich sie eigentlich nur von einer Erregung des Au­genblicks dictirt ward die napoleonische Verbrämung, d. h. die Berufung auf den alten Kaiser, nicht entbeh­ren können. Napoleon der I. nahm es nicht genau mit den Fürsten Europa'S und ihren Ländern, die er be­handelte , als wären sie ihm unter den Absatz seines Stiefels gegeben. Warum sollte Napoleon III. es mit ein paar unglücklichen deutschen Fürstentöchtern, die ihr böser Stern nach den Tuilerien geführt, genauer neh- meu! Liest man die Vermählungsbotschaft die sich freilich vom französischen Standpunkte aus vollkom­men rechtfertigt so sollte man glauben die fremden Prinzessinnen, welche Ludwig XVI., Napoleon und der Herzotz von Orleans nach Paris gebracht, hätten in ihrer bräutlichen Ausstattung die Pandorabüsche mit sich geführt, aus der sich Revolution, Krieg und Verderben über Frankreich und das Geschlecht seiner Herrscher er- gossen. Und doch hatte Ludwig XVI. an seinem gan­zen Hof nur Einen Mann seine Frau ein Wort Mirabeau's, das in seiner Wahrheit auch auf die Her­zogin von Orleans sich übertragen läßt, die vom gan­zen Hof Ludwig Philipp's allein es wagte, schutzlos ruhig durch den Straßensturm von Paris zu schreiten, in die wildbewegte Deputirtenkammer zu treten und ihre Stimme zu erheben für ihres Sohnes Recht, während die Republikaner ihr mit den Fäusten drohten, und die betrunkenen Blousenmäuner ihre Flinten auf sie anleg­ten. Ob diese Frauen Frankreich hätten retten kön­nen , wenn sich im entscheidenden Augenblick tausend französische Männer ihres Geistes gefunden hätten, können wir nicht untersuchen. Gewiß aber ist: die Männer von Paris, die sich sonst rühmen jeder Gri- sette und Lorette achtungsvoll zu begegnen, sind nicht davor zurückgeschreckt, Marie Antoinette bis in die Lei­den des Kerkers und bis zum Blutgerüste mit demsel­ben Hohn zu verfolgen, der die edle und fleckenreine Herzogin von Orleans überschrie, während ihr bloßes Erscheinen, das eine ihrer Kinder auf dem Arme, das andere an der rechten Hand, selbst einem Haufen von Wilden Schweigen und Achtung abgenöthigt hätte.

Ist die Herzogin von Orleans aus dem mehr als tausendjährigen mecklenburgischen Fürstengeschlecht in den Augen Ludwig Napoleons eine Prinzessin zweiten Rangs die Annalen der Geschichte werden ihr eine der ersten Stellen in den Reihen großer Frauen und Fürstinnen anweisen, und schwerlich wird sie vor irgend einer Vergleichung mit der Gräfin von Montijo zurück­treten dürfen. Ludwig Napoleon selbst, erschiene er heute an einem der europäischen Höfe persönlich, würde dort es ebenso schwer finden, die Erinnerung an die liebenswürdige, gewinnende Erscheinung des jugendlich schönen, fein- und vielseitig gebildeten Herzogs von Or­leans zu verwischen, dem ein frühzeitiger Tod den Schmerz erspart hat, den wüsten Rausch der Februar- Revolution und den Untergang aller durch 70jährige Kämpfe errungenen Freiheiten seiner Nation zu schauen.

Ist der Herzog von Orleans lange auf Freiers Füßen gegangen, so mochte er sich sagen, daß der Ge­winn werth der Mühe gewesen, während Napoleon I. drei Jahre um eine russische Großfürstin sich bewarb, ohne anderes, als einen wiederholten Korb davonzutra­gen. Wir wollen die Franzosen, um sie daran zu er­innern, nicht ans irgendein deutsches Geschichtswerk, sondern auf ihre eigenen Historiker verweisen, vor allen auf Thiers, der in elf Bänden dem Geist und Ruhm des Oheims Weihrauch streute, um dann, wir wissen welchen Lohn zu erhalten.

ES erweckt eigene Empfindungen, wenn man zurück­blickt, wie Napoleon und Alexander in Erfurt Arm in Arm wandelten , sich gegenseitig mit Artigkeiten über­häuften , versöhnt in die Vergangenheit, hoffnungsvoll in die Zukunft blickten, in der sie etwa die Herrschaft

dèr Welt unter sich zu theilen gedachten. Welchs Plane wurden entworfen, welche Theilungsprojecte gemacht! Wie überströmte man noch beim Abschied von Versiche­rungen der Freundschaft und Bewunderung, um dann sich nie wieder zu sehen, alle jene Plaue fallen zu lassen, und nach kaum vier Jahren in einen Vernich­tungskampf sich gegenüber zu stehen. Wie schien zu Erfurt vor den beiden Kaisern, umgeben von den hul­digenden Königen und Fürsten, jeder Widerstand sich beugen zu müssen! Aber zwei Gegner Napoleons blie­ben unbeugsam das Ministerium Canning-Castlereagh und die Kaiserin Mutter von Rußland. Jenes ant­wortete aus die gemeinsame Drohuote der beiden Kaiser (deren Ueberbringer wie ein Gefangener von der eng­lischen Küste nach London und von dort nach 24 Stun­den ebenso zurückgebracht worden war) mit einer ein­fachen Empfangsbescheinigung; die Kaiserin Mutter er­klärte: dem Corsen gebe sie keine ihrer Töchter. Alex­ander überließ seinem kaiserlichen Freunde mit dem ihm unterworfenen europäischen Festland zu schalten wie ihm beliebte; aber ihm, gegen den Willen der Mutter, die Hand einer seiner Schwestern zu versprechen, wagte er nicht.

Napoleon hatte sich bekanntlich am 2. December zum Kaiser krönen lassen; vielmehr hatte er dem armen Papst, der sich als heiliges Recht ausbedungcu hatte, die Krone ihm auf die Stirn zu setzen, sic rasch aus der Hand genommen und sich selbst aufs Haupt gesetzt. Auch Josephinen zu salben, dazn hatte sich der Papst nur verstanden, wenn Napoleons Gemahlin sich vorher kirchlich trauen lasse, weil er sonst ihre Ehe als Con- cubinat betrachten müsse. Erst am Tage vor der Krö­nung hatte ihm Josephine das Geständniß jenes Man­gels einer geistlichen Einsegnung ihrer Ehe gemacht. Napoleon tobte, Josephine schwamm in Thränen, so daß man sie noch am folgenden Morgen, dem Tage der Krönung, mit rothgewcinten Augen sah aber Pius VII. zeigte sich so unerschütterlich als später, wo er mit Würde den fürstlichen Pomp ablehnte, der ihn, den Gefangenen, eher demüthige. Napoleon und Josephine wurden noch in der Nacht, in tiefster Stille, vom Car­dinal Fesch getraut; nur Talleyraud und Berthier wa­ren Zeugen.

Das Geheimniß ward bewahrt bis zur Scheidung, deren Schwierigkeiten durch jenen Segen der Kirche nicht wenig vermehrt wurden. Als die beiden Kaiser in Erfurt sich zusammenfanden, war Napoleon bekannt­lich von Josephinen noch nicht getrennt; aber längst hatte er an diese Trennung gedacht, ohne sich zu einer neuen Wahl entschließen zu können. Schon in Tilsit war der Gedanke einer Verbindung mit der russischen Kaiserfamilie aufgestiegen und berührt worden. In Er­furt schien dem Baude das die zwei Weltherrscher um­schlang, nichts zu fehlen, als eine solche Familicneini- gung. Jeden Tag, jede Stunde unterhielten sie sich von dem engen Bunde ihrer Herzen wie ihrer Interes­sen; aber so wie Napoleon jenen geheimsten Wunsch seiner Seele die Verbindung mit Alexanders älterer Schwester, Katharina berühren wollte, wich der Czar auS, oder verstummte, so daß auch Diapoleon schwieg, weil sein Stolz ihm verbot, eine Bitte vorzubringen, deren Gewährung er nicht sicher war. Da ward Tal­leyrand zum Vermittler ausersehen. Er allein war im Stande, sagt Thiers, etwas geschickt beizubringen, was man nicht sagen wollte. Tallayrand sprach mit dem Czar. Dieser wiederholte, wie er nichts eifriger wünschte, als sich noch enger mit dem zu verbünden, den er liebe und achte, dessen Geist er bewundere; aber wenn er Herr sei im weiten russischen Reich, alleiniger Herr, so gebiete ein anderer Wille in seiner Familie der der Kaiserin-Mutter, einer würdigen, strengen Fürstin, die über die gegenwärtige Politik ihres SohneS aus Ach­tung schweige, ohne sie zu billigen, die aber nie sich entschließen könnte, für diese Politik ein Pfand auö ih­rer Familie einzusetzen, und eine ihrer Töchter für den Thron Herzngebeu, auf dem Marie - Antoinette geses­sen. Wolle indeß Napoleon doch einen Versuch machen, so wolle er die Hand dazu bieten, ohne für den Erfolg zu stehen.

Talleyraud schied nicht unzufrieden; er meinte, dem vereinten Einfluß der beiden Souveräne müßte jedes Hinderniß weichen. Napoleon selbst sprach nun mit Alexander. Der Czar wiederholte seine Bedenken, die er mit denselben Zärtlichkeitsbetheuerungen versüßte. Die beiden Kaiser versprachen sich eines Tages mehr als Freunde Brüder zu sein!Der Ausdruck höch­ster Befriedigung (sagt Thiers) lag auf ihrem Gesicht, und mehr als je, schieden sie entzückt von einander."

Das war Mitte Oct. 1808. Vier Jahre später, gerade in denselben Octobertagen, sah Napoleon in dem ver­wüsteten Moskau sich zu dem Rückzüge gezwungen, der sein Heer, und damit seines ganzen Reiches Herrlichkeit vernichtete. '

Deutschland.

A- Wiesbaden, 29. Jan. Georg Heep von Frickhofen hat gegen das Verweisungsurtheil des Cri- minalsenats zu Dillenburg, in Untersuchungssachen gegen denselben, wegen Fälschung, Recurs ergriffen, worauf der Cassationshof Tagefahrt zur öffentlichen Verhand­lung der Sache im gewöhnlichen Sitzungszimmer des Herzogl. Oberappellationögerichts auf Mittwoch den 11. Februar l. I., Vormittags 9 Uhr, fixirt hat.

* Wiesbaden, 31. Januar. Der hiesige Amts- Accesstst Christian Schlichter ist dem diesseitigen Bevollmächtigten bei den Wiener Zollconferenzen als Secretär beigegeben worden und bereits gestern nach Wien abgereist.

X Catzenelnbogen, 28. Jan. Vielen verehr­ten Lesern dieser Blätter wird ohne Zweifel die Mit­theilung von Interesse sein, daß unser Herzoglicher Recepturbeamte, Hr. Rath Otto, im Laufe des fol­genden Monats seine goldne Hochzeit kirchlich feiern wird. Schon in einem Alter von 70 Jahren steht dieser Greis, geachtet und geliebt von den Bewohnern Catzen- elnbogens und der ganzen Umgegend, seinem Dienst­amte mit gewohnter Genauigkeit und jugendlichem Eifer vor.

Frankfurt, 30. Jan. Der neue Bundcspräsidial- Gesandte, Freiherr v. Prvkesch, wird morgen Abend hier erwartet.

Die Nachricht derLeipz. Ztg." , daß im hiesigen Bundes-Palais Vorrichtungen getroffen würden, um einen elektro-magnetischen Telegrapheuapparat zum Ver­kehr mit den einzelnen Bundesregierungen aufzustellen, wird vomFr. I." als unbegründet bezeichnet. ^Ebcu so wenig sei etwas wahres an der von derK. Ztg." gebrachten Notiz, nach welcher eine Bundesnote an die dänische Negierung wegen Erhöhung des Holstein- lauenburgischen Bundes-Contingents erlassen ^ein .soll. (Jene Nachricht wurde zuerst von Kopenhagen aus berichtet.)

Heidelberg, 28. Jan. Gervinus hat heute Vormittag sein Verhör in hiesigem Strafgerichtsge­bäude bestanden. Die Acten werden nun ans Hofge­richt in Mannheim zur Entscheidung übersendet. Laut hier soeben eingegangenen Berichten ist das betreffende Werk, mit Ausnahme von Sachsen und einem Theile von Preußen, neuestens so ziemlich in sämmtlichen deut­schen Staaten mit Beschlag belegt.

München, 27. Jan. (A. A. Z.) Wie man heute hier vernimmt, haben die beiden Grafen Tascher de la Pagerie zuerst einiges Bedenken getragen in den Hofstaat der künftigen Kaiserin einzutreten, dann aber doch die ihnen zugedachten Stellen angenommen: Graf Tascher der Vater als Oberhofmeister mit einem Jah­resgehalt von 100,000 Fr., und Graf Tascher der Sohn als erster Kammerherr mit 50,000 Fr. jährlichem Gehalt. Wie es scheint, gehörten die beiden Grafen zu jenen Verwandten des Kaisers, die sich zuerst gegen eine Verbindung mit Fräulein v. Montijo erklärten, dann aber dem unabänderlichen kaiserlichen Willen sich fügten.

Meiningen, 26. Jan. Am 7. folgenden Monats wird unser Landtag zusammenberufeu werden. Der Finanzausschuß, der bisher versammelt war, hat die Vorprüfung des Etats für 1853 bis 1856 unter dem Vorsitz unsers Landtagspräsidcuten, deS geh. Rcgierungs- rath Luther, beendigt.

Münster, 28. Jan. (D. VH.) Aus guter Quelle kann ich Ihnen die Mittheilung machen, daß die hoch­würdigsten Bischöfe Preußens unlängst in Betreff der schon längst verheißenen Dotation der katholischen Bis- tbümer eine energische Eingabe an Se. Majestät den König abgesandt haben. Ein Gleiches ist auch von sämmtlichen Dom-Capiteln der preußischen Monarchie geschehen.

Hannover, 26. Jan. Das hier coursirende Ge­rücht, daß die Bremer Verfassungs-Wirren nunmehr ihr Ende erreicht hätten und General Jacobi in jene Hanse­stadt nicht wieder zurückkehren würde, ist nach der Preuß. Z." ungegründet.

Bremen, 26. Jan. Die Weser Zeitung" erwähnt heute der Vorstellung der Uelzener Commission (der Abgeordneten vieler Handelscorporationen deS König­reichs Hannover) an das hannoversche Ministerium. Die