Nassauische Allgemeine Zeitung.
âr SS. Mittwoch den 26. Januar iss®.
Die „Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" ertoenit, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerationSP eis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiid nunmehr auch für den ganzen Umfang deS fburii? und Taris'schen Verwaltungsbezirks mit Jnbigriff des PostausschlagS 2 fl., für die übrigen Länder deS deutsch.östcrreichischen PostoereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. — Inserate werden die vrerspatilg Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen
Amtlicher Theil.
Di e n st n a ch p i d) t e n.
Lehrer Weppel zu Caan und ©tromber^ ist aus dem Schuldienste entlasse» , Lehrvicar S ch m i d t zu Sceleubcrg zum Lehrer in Caa« und Stromberg ernannt und der Schulcandidat Urban von Niederselters nach Seelenberg zur Versetzung der Lehrvicarstelle daselbst dirigirt worden.
Nichtamtlicher Theil.
/ HebulZSmiitrl unserer Eisenindustrie
So sehr es wünschenswerth sein und im Interesse des Staats liegen mag, daß die Regierung sich unserer bedrängten .Eisenindustrie durch Verbesserung der Transportmittel und andere Erleichterungen an nimmt, und so sehr cs selbst im Vortheil des Landes erscheinen muß, daß von Seiten des Staats und auf dessen Kosten, wenn die Natur des Gegenstandes es erheischt, Verbesserungen und Erweiterungen dieser Industrie zugänglich gemacht werden, die sie in den Stand setzen kann, die auswärtige Evncurrcnz mit Erfolg zu tragen; so kann doch billigerweise von demselben nicht erwartet werden, daß er diesen und anderen Gewerhszweigen gegenüber allen Forderungen genügen soll, die an ihn gestellt werden— und wodurch nur zu häufig beabsichtigt wird, demselben die Kosten für Verbesserungen aufzubürden und ihn für den Erfolg verantwortlich zu machen, ohne daß es den Industriellen nöthig erscheint, sich mit eignen materiellen und geistigen Bestrebungen dabei zu bethciligcn. Die Aufgabe des Staates dürfte es allerdings sein, da werkthätig eiuzuschreiten , wo die Kräfte der Industriellen zu schwach sind und der Erfolg ein sehr belangreicher für das Laud zu werden verspricht. Wo das Erstere aber nicht der Fall ist, muß sich der Staat darauf beschränken, durch Aufmunterung und Belehrung auf die Entwickelung der Gewerbe hinzu- wirken.
Obgleich wir z. B. so vortreffliches Roheisen erzeugen, und in den Braunkohlen ein unerschöpfliches, wohlfeiles und erprobtes Mittel besitzen, dieses Halb- Product vortheilhaft weiter zu verarbeiten, so will es doch nicht scheinen., daß unsere Eisen-Industriellen sehr geneigt wären, zur ernstliche» Anwendung desselben zu schreite«. An dem hierzu nöthigen Fonds dürfte es unseren meisten Hnttcnbesitzer« nicht fehlen; wohl aber liegt die Vermuthung nahe, daß Keiner den Anfang machen will, weil er befürchtet, daß er für die Anderen das Lehrgeld bezahlen müsse, oder daß es ihnen viel annehmlicher erscheint, das einfache Geschäft der Roh- eiscnproduction durch Schutzzölle und andere Zugeständnisse auf Kosten der Gesammtheit aufrecht zu erhalten. Es soll hiermit der Gesammtheit unserer Eiseuindustriel- kn kein Borwurf gemacht werden, beim es ist unS recht gut bekannt, daß Einzelne dieser Gewerben zu dem gedachten Zwecke schon bedeutende Opfer gebracht haben; daß aber eine Vereinigung widriger Umstände sie verhinderte, ihr Ziel mit größerer Beharrlichkeit zu verfolgen. Wir wissen aber auch, daß sie für diese gemeinsame Angelegenheit bei Ander« keine Unterstützung gefunden haben und daß die Bestrebungen, unsere Eisenindustrie. zu heben und coneurrenzfähiger zu. machen, eben nur. vereinzelt und daher ohne den möglichen und gewünschten Erfolg geblieben sind.
So liegt 'Cö ferner z. B. auf der Hand, daß die bei uns herrschende Methode der Verkohlung des Holzes für die Eisenhütten, eine äußerst unvortheilhafte ist; denn außerdem, daß dabei die. werthvollcn Destillatious- Prvductc gänzlich verloren gehen, wird auch die Verkohlung mit großem Verlust bis zu einem Punct getrieben , der gar nicht zum Zwecke des Eiscnschmelzcnö erreicht zu werden braucht. — Wenn dagegen die Verkohlung. des Holzes in verschlossenen Gefäßen vorge- nominell würde, wobei auf einfache Weise die Destilla- tiousproducte, welche im Wesentlichen aus Holzessig, Holzgeist und etwas Theer bestehen, zu gewinnen sind, uiib zu technischen Zwecken so vortheilhaft in den größte«. Q-ugntitäteu verwendet, resp, verwerthet werden könne«, daß die prodncirtcn Kohlen, die bei rechtzeitiger Unterbrechung des. Processes, nieW- zu wünschen übrig lassen, nur. wenig, mehr in Betracht kommen: so würde es möglich sein, unseren Eisenhütten ein viel wohlfeileres Brennmaterials verschaffen und noch nebenbei die so fthr zum Nachtheil des Staats und den Qicnie laben, gefallene. Walbrente. bedeutend, zu heben.
Indem wir uns für diesesmal mit obigen Andeutungen begnügen, machen wir auf zwei, erst in neuerer Zeit entstandene Anstalten zuni Deftilliren des Holzes, welche Beide durch beu geschickten Techniker, Herrn Preuß zu Schönberg eingerichtet wurden, hierdurch auf merksam. Die Eine dieser Anstalten bei Hachenburg, ist Eigenthum des Herrn AmtsapothekerS Mergeler zu Hachenburg und die andere gehört Herrn F. v. Rößler zu Westerburg, und liegt bei Schönberg im Amte Marienberg. '
D rutsch lttüd.
é BZieSbade», 26. Jan. Beider Bestimmung der Geschwornen des hiesigen Hofgerichtsbezirkes für die Assiscn des I. Quartals 1853 fiel das Loos auf folgende: I. H a u p t ges ch w o rue: 1) Heinrich Augstein von Lorchhausen. 2) Johann Eonrad Willich von Eschenhahn. 3) Georg Philipp Plies von Niederbachheim. 4) Moses Kirchberger von Niederlahnstein. 5) Georg Kemp von Osterspai, 6) Philipp Friedrich II. von Naurod. 7) Joachim Holzhäuser von Himmig- hofeu. 8) Carl Wöruer von Wiesbaden. 9) Heinrich Roth von Eltville. 10) Heinrich Kaiser von Laufen - selden. 11) Georg Heinrich Ruuzhcimer II. von Delkenheim. 12) Philipp Diefenbach von Holzhausen ü.A. 13)^ Receptursecretär Boos von Langen-Schwalbach. 14) Andreas Löw von Würges. 15) Johann Schmidt von Bommersheim. 16) Christian Edling I. von Klop- pcuhcim. 17) Michael Müller von Rüdeshelm. 18) Philipp Ludwig Link von Oberseelbach. 19) Jacob Hofmann von Eatzonclnbogen. 20) Johann Joseph Jund von Rüdesheim. 21) Johann Philipp Reichard von Weisel. 22) Joseph yieig von Frauenstein. 23) Andreas Mangold von Dornholzhausen 24) Johannes Kreppet 1. von Oberselters. 25) Gottlieb Schiedler von Heddernheim. 26) Jacob Bös vvn Eisenbach. 21) Georg Kleber IV. von Diedenbergen. 28) I. P. Kraucher von Wiesbaden. :29) Ernst Behrens von Wiesbaden. 30) Peter Wagner I. von Sonnenberg. II. Ersatzgefchworne: 1) Samuel Herz; 2) Adam Schmidt s 3) Obrist v. Reichenau; 4) Reinhard Schmidt; 5) Kaufman« F. C. Willms; 6) Philipp Andreas Höser; 7) Kaufmann Philipp Schumacher ; 8) Heinrich Thon ; 9) Karl Wilhelm Beckel, sämmtlich von Wiesbaden.
* Ufingen 24. Jan. Es verlautet, daß die bas seu- heimischen Wälder der Staudesherrschaft Reifenberg an Hrn. Umber aus Laubenheim in Rheinhessen zu dem Preise von 350,000 Gulden verkauft wurden. Hr. Umber soll beabsichtigen, die Walder fallen zu lasse» und die Güter an einen Pächter zu übergeben.
Heidelberg, 25. Jan. Professor Gervinus hat der öffentlichen Ladung des Hösgerichts Folge gegeben und ist gestern von Berlin hier eingetroffeu. Derselbe ist mit einer neuen Auflage der „Geschichte der deutschen Nationalliteratur", bereu erste Bände vollständig umgearbeitet werden, beschäftigt.
Bruchsal, 17. Jan. Die beständige Frühlingsmilde, in welcher sich der Winter bisher so beharrlich gezeigt hat, war für den Fortbau der würtembergischcn Eisenbahn von großem Vortheil. Ueberall herrscht thèU tige Bewegung und Gelegenheit zum Verdienste für die arbeitende Classe. Hat hier und da auch einmal ein Regenschauer eine verfrühte Feierstunde hereingeschüttet, so kann man dennoch sagen, daß die Arbeit ununtcr- brochcu fortging., zumal im Tunnel ungehindert vom Regen fortgegrabe« und gemauert werden konnte. Und dieser Tunnel ist jetzt seiner Vollendung nahe; man ist in der Mitte von den beiden Enden her glücklich imb sicher zusammengetroffen; zwar besteht zur Zeit noch eine Scheidewand, wodurch aber jetzt schon ein beide The^. verbindender Stollen getriebeg^tst. Auch über jene Stelle in der Nähe von- Heidelsheim, deren breiartiges Terrain so viele Schwierigkeiten machte, ist die Kunst und Ausdauer der Techniker längst Meister geworden. EinZ unterirdischer Canal leitet jetzt das Erdreich durchsickernde und Erweichende Wasser ab, und so ist auch dieser widerspenstige Boden Zür den Schienen- weg erobert.
' Karlsruhe, 19. Jan. Die letzten Ueberschwem- mungen im Elsaß werden den Vortheil haben, daß die Rheinrectificatio« auf der französiseben Greuzg fortgesetzt werde» wird. Die französische Regierung hat für diesen Zweck 3 Mill. Franken ausgesetzt.
Stuttgart, 24. Jan. Der Wiedereröffnung des Landtags wird Mitte künftigen Monats entgcgeugeschen.
— Die Rnnkellübenznckerfabr^ in unserm Lande ist in gedeihlichem Wachsthum begriffen, in Canstadl,
Göppingen und Heilbronn ist die Errichtung neuer Fabriken im Gange.
Der Winter ist nun vollkommen bei uns eingekehrt; seit gestern Nacht schneit cs ununterbrochen, wenn gleich der Schnee wohl in Feld und Wald, so wie auf den Dächern der Häuser, nicht aber in den Straßen der Stadt, liegen bleibt. Noch ist die Temperatur immer mäßig.
litut, 24. Jam Ql. S.) Es geht das übrigens noch unverbürgte Gerücht, daß die auf hiesiger Festung (Wilhelmsburg) liegende österreichische Sappeur- und Mt- «cnr-Abtheilnng von hier sortkommen und durch eine preuß. Abtheilung ersetzt werden solle.
Muttchen, 22. Januar. Die Einzeichnungcu auf das 4y2pGt. Eisenbahnaulehen sind so zahlreich, daß der Bedarf (vorerst nur etliche Millionen) schon nahezu gedeckt ist.
AuS Thüringer», 21. San] (Kass. Z.) In eiui- gen unserer Staaten hat man sich bereits notbgedrnu- gen gesehen, die in die Strafgesetzgebung übcrgcgau- gcne Bestimmung der Grundrechte, wornach körperliche Züchtigung durchaus unstatthaft, dahin zu modificire», daß dieselbe als Disciplinarmittel in den Strafanstalten angcwcudet werden dürfe. — Im Großherzogthume Weimar finden jetzt auch alljährliche Conferenzc« der Schul- Rectoreu statt, zu dem Zweck: die Eollegialität, den Austausch pädagogischer Ideen und Erfahrungen und den gegenseitigen Besuch der unter ihrer Leitung stehenden Schulen zn fördern.
Gotha, 22. Jan. Se. Hoh. der Herzog hat für die allgemeine thüringische Gewerbeausstellung die entsprechenden Galerien und Gemächer im hiesigen Schlofft angewiesen, und es hat die in denselben vorgenommene Vermessung ergeben, daß der zur Aufstellung der Gegenstände zu benutzende Raum 25,000 Quadratfuß beträgt, während in den früher für die Ausstellung bestimmte» Orangeriehäusern nur ein Raum von 15,000 Quadratfuß disponibel war.
Altenburg, 22. Jan. Ueber die Ministerfrage bringt die „Leipz. Ztg." als das Wahre in der Sache folgendes Nähere. Se. Hoheit ber Herzog fanden sich im vorigen Herbst veranlaßt, durch Vermittelung Sr. Maj. des Königs von Preußen sich das Gutachten eines vollkommen unbefangenen, erfahrenen und juristisch durchgcbildcteii Staatsmannes über mehrero Fragen in hiesigen Angelegenheiten zu erbitten, und als dieses erfolgt war, auch die obgedachte Stelle sich zu Sr. Hoh. Verfügung gestellt fand, so ersuchten Sie jenen Staatsmann , eine geeignete Persönlichkeit vorzuschlagen, da eine solche im Lande sich kaum finden möchte, nachdem die ministerreichen Jahre 1848 u. ff. den hiesigen Vorrath erschöpft haben dürften. Es kam nun (mit Zustimmung des an den hiesigen Zuständen regen Tyell nehmenden preußische» Gouvernements) ein Caudidat in Vorschlag, und als dieser aus verwandtsckastlichcn Gründen um Entbindung von der gegebenen Erklärung bat, so ist allerdings noch von einem sich für die Sache interessirenden k. preußischen Minister privatim und vertraulich an einen ausgezeichneten Geschäftsmann eine vorläufige Anfrage gerichtet worden. Dieser glaubte feinen jetzigen Posten nicht verlassen zu solle«, und so erfolgte eine weitere Anfrage bei dem k. preußischen Landrath von Larisch in Zeitz, einem zwar noch jungen, aber in jeder Hinsicht sehr gutem Ansehen stehenden Beamten. Dieser har sich, wie wir hören, mit- den vorliegenden allseitigen Materialien vollständig vertraut gemacht imb dem Vertrauen Sr Maj. des Königs, sowie dem deS Herzogs nach Kräften zu entsprechen bereit erklärt. Er wird vermuthlich in den nächste» Tagen seine Entlassung erhalten und sein neues Amt antreteu.
Kassel, 22. Ja». (Kass. Z.) Seit vorgestern ist hier die Commission versammelt, welche im Auftrage ber Eisenacher Conferenz einen Entwurf eines neuen allge- meinen Gesangbuchs für die evangelische Kirche zusam- menzustellen hat. Es besteht dieselbe aus den Herren Pfarrer Dr. Geffke» aus Hamburg, Director Wackcr- «agel aus Elberfeld, Dr. Dèiniel aus Halle, Ministc- rialrath Bähr aus Karlsruhe, Consistorialrath Vilmar von hier und für die musicalisiche Seite der Aufgabe ist Herr Dr. Faißt ans Stuttgart, Dirigent der dort bc- stehenden und durch seine ausgezeichnete« Leistungen auch in weitern Kreisen bekannten Vereins für klassische Kirchenmusik, berufen. Ein Mitglied der Commission, Freiherr v. Tücher, Appcüatköüsrath zu Ncuburg a. d. Donau , bekannt durch seine Arbeiten ans dem Sehcte des Kirchengesangs, ist zum Bedauern ber übrigen Mitglieder nicht erschienen. — Die Sitzungen werden, will