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Nassauische Allgemeine Zeitung.

TVr 9/. Dienstag den 25. Januar 1853.

Ä>Nassauische Allflemeine Zeitung" mit dein bellet rWfdirn BeiblattDer Wanderer" erscheint, sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der P änumerat^cnSpvciS für ZilieSbaden und , nach bem neuen Poilregulativ nunmehr ai ch für den ganzen Umfang des £turu< und TariS'scheu BerwalluugSbezirkS mit Jnbigriff deS Postaufschlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch.österreichischen PossoeveinS, wie für bad Ausland 2 ft. 21 fr. fjaferate werden die dikrspaltig Petitzeilcoder deren Raum mit 3 tr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Vesierrcicho Stellung zu den Ereignissen in Montenegro.

Der gestern erwähnte anscheinend officielle Artikel des Lloyd' über Oesterreichs Stellung zu den Ereignissen in Montenegro lautet:

Die Psorte concentrirt bedeutende Truppenmassen um das kleine Ländchen Montenegro, und es ist vor- auszusehen, daß ein ernster, die Existenz dieses Gebirgs­volkes bedrohender Angriff nächstens erfolgen werde. Oesterreich wird durch die sich vorbereitenden Kriegs- sccnen im Nachbarlande sehr in'S Mitlciden gezogen, und befindet sich deshalb keineswegs in der bequemen Lage eines theilnahmsloscu Zuschauers. Die Nothwen­digkeit, das österreichische Gebiet von Cattaro zu Land und zur See vor jeder Terrirorlalverletzung zu schützen, hat die Ergreifung von Vorsichtsmaßregeln in jenem entlegenen Landestheile zur Folge. Das voraussicht­liche Einströmen von Flüchtlingen jedes Alters und Geschlechtes, die, um Omer Pascha's schonungslosem Schwert zu entrinnen, Heimath und Habe verlassen und Zuflucht auf unserem Gebiete suchen werden, die ge­ringfügigen kaum dem regelmäßigen Bedarfe der Ein­wohner genügenden Hülfsqucüen des armen und ent­fernten Kreises von Cattaro, und die Rauheit der Jahreszeit, werden cs zu einer schwierigen Aufgabe der Regierung machen, den Pflichten der Menschlichkeit und der Gastfreundschaft für unsere unglücklichen christlichen Nachbarn zu genügen. Namhafte Auslagen, Beunruhi­gung der Bevölkerung und Beeinträchtigung ihres Ver­kehrs scheinen aus den bevorstehenden blutigen Auftrit­ten auch für den österreichischen Käiserstaat erwachsen zu sollen. Aber auch abgesehen von diesen unser eige­nes Interesse betreffenden Erwägungen können wir nicht verhehlen, daß wir in Erinnerung an das Blutvergießen, die Plünderungen und rohen Gewaltthaten gegen die Bekenner christlichen Glaubens, womit das Einrücken der Truppen Omer Pascha's in Bosnien begleitet war, nicht ohne ein peinliches Gefühl die Scenen von Greuel und Grausamkeit uns vergegenwärtigen, die den Thä­lern Montenegros bevorstehen. Dieses Gefühl wird erhöht durch die Betrachtung, das es Christen sind, denen eine so schwere Heimsuchung droht, und daß die regellosen Schaaren in Albanien und der Herzegowina unter der Fahne des Glaubenshasses zum Kampfe gegen Montenegro aufgerufen wurden. Aber eben unter sol­chen Eindrücken 'ist es doppelt nothwendig , die tracta- teumäßige Stellung Oesterreichs gegenüber diesen Er­eignissen mit erhöhter Gewissenhaftigkeit in's Auge zu fassen. Keine Macht in Europa hat die mit der Pforte geschlossenen Tractate, so wie das öffentliche Recht im Allgemeinen, so heilig und unversehrt eingeritten als eben Oesterreich. Es hat bei wiederholten Anlässen dem positiven Rechte gegenüber den natürlichsten Sym­pathien Schweigen auferlègt, und jeden partiellen er­reichbaren Vortheil verschmäht. Es lag' in diesem Ver­halten ebenso viel Gerechtigkeit und Mäßigung als Weisheit. Die Politik Oesterreichs erkannte zu allen Zeiten klar, daß jede Abweichung vom Status quo zu gefährlichen Folgerungen führen, und dadurch den Be­stand der Türkei erschüttern müsse. Denn die Türkei besteht nicht sowohl durch sich, als durch die wechsel­seitige Verpflichtung der Mächte, sie bestehen zu lassen und ihren thatsächlichen Bestand nicht anzutastcn. Bei dieser Politik der Erhaltung ist Oesterreich zunächst be- theiligt, denn es würde durch eine Erschütterung der Verhältnisse des türkischen Reiches die wichtigsten In­teressen zu schützen haben, und dadurch zu einer unab­sehbaren Reihe von Anstrengungen und Opfern ge­drängt werden.

Die Erhaltung der Türkei ist daher für Oesterreich nicht blos eine öffentliche Pflicht, sie ist auch fein wohlverstandenes 3 Ute reffe. Es ist beinahe unbegreiflich, wie einer so klaren Lage gegenüber die P f o r t en r e g i e r ung sich zu ihrer gegenwärtigen Halttung bestimmen lassen konnte, wie sie cs mit ihrem Interesse vereinbar finden mochte, sich ihren natürlichsten Freunden und Verbündeten zu entfremden. Und doch bildeten die letzten Jahre eine Reihe nicht nur übelwollender Schritte von Seite der Pforte, sondern thatsächlicher Vertrags­verletzungen. Die langwierige Verhandlung in der FlüchtÜngssrage endete damit, die stattgcfundcne Verletzung zu constatireu, und die seitherige Haltung der Pforte hat nichts dazu beigetragen, diese unange­nehme Erinnerung zu verwischen. Flüchtlinge und Re­negaten füllen die Reihen der türkischen Truppen und befehligen sie, während doch der gewöhnlichste Anstand

die Verwendung von politischen Verbrechern eines be­freundeten Staates an der Spitze von Truppeukörpcrn untersagen sollte. Es genügte der Pforte, daß ein In- divibuum sich als Feind Oesterreichs legitimirte, um ihm Ansprüche an den erschöpften türkischen Staatssäckel zu verleihen. Solche Vergeudung von hohen Gehalten und Würden an ausländische politische Abenteurer muß wie eine absichtliche Verletzung der Oesterreich und Rußland schuldigen Rücksichten erscheinen. In der neueren Zeit hat die Pforte convnlstvische Anstrengun­gen gemacht, um unter Zerrüttung ihrer Finanzen und Entvölkerung ihrer Provinzen Truppcnkörper aufzu- bringen, und damit jene Provinzen, die gestützt auf Herkommen und Privilegien, sich einer gewissen Unab­hängigkeit und Selbstständigkeit erfreuten, der unbe­dingten Botmäßigkeit ihrer Statthalter zu unterwerfen. Dieses Schicksal traf zunächst die an Oestereich grenzenden, größten theils vonChristcn bewohnten Provinzen, und es wurde dadurch ein Maß von Elend und Unglück über diese Landestheile verbreitet, das nicht verfehlt hätte, die Humanisten und Menschen- bcglücker deS Auslandes zu den lebhaftesten Teclama- tionen zu entflammen, wenn nicht eben Oesterreich die Aufgabe in die Hand genommen hätte, sich für die Un­glücklichen zu verwenden, die Verhungerten zu unter­stützen und chie Flüchtigen und Obdachlosen zu beher­bergen. So aber fand das liberale Europa kein Wort der Theilnahme für die verheerten christlichen Gemein­den, teilt Wort der Mißbilligung für Unthaten , zu de­nen polnische und und ungarische Freiheitskämpfer in türkischem Solde verwendet wurden In dem Maße nun, als die türkische Herrschaft sich festsetzte, vermehr­ten sich an unsern Grenzen die feindseligen Schritte türkischer Machthaber gegen österreichische Interessen. Dem Handel wurden ungerechte Lasten und vertrags­widrige Zölle abgepreß, alle Beziehungen, und sogar der Grenzverkehr zum eigenen Nachtheile der türkischen Unterthanen erschwert und theilweise unmöglich gemacht. Der Betrieb von Unternehmungen wurde unterbrochen, geschlossene Geschäfte willkürlich" cafsirt, Einschüchterung und Verfolgung gegen Jene in Anwendung gesetzt, die sich zu österreichischen Handelsleuten in Beziehungen einließen.

Wir wollen es einer ernsteren Gelegen­heit vorbehalten, alle diese Gravamina zusammenzu­fassen, wogegen die kaiserlichen Konsuln vergebens Vor­stellungen erhoben, alle die Winkelzüge, Vorwände und Ausflüchte darzustellen, die den gerechtesten Reclama- tionen entgegengesetzt wurden. Dieses in der Herzego. wina zur Geltung gebrachte System war für Dalmatien mit schweren Nachtheilen verknüpft, und Oesterreich wird früher oder später einen kräftigen Entschluß fassen müssen, eine Abänderung desselben zu bewirke n.

Die Unterjochung Moutencgro'S stellt daher für die Handelsbeziehungen von Cattaro mit dem Nachbarlande keine Verbesserung in Aussicht, was im Interesse der österreichischen Unterthanen um so mehr zu beklagen ist, als Montenegro und Cattaro nach den eigenthümlichen dortigen Verhältnissen sich zu einer Subsistenz wechsel­seitig bedürfen, und eine Störung des Grenzverkehrs mit einer Störung der primitivsten Lcbcnsbcdingungeu beider Volksstämme beinahe gleichbedeutend ist. Die Veränderung des Status quo in Montenegro verspricht daher für Oesterreich keineswegs vortheilhaft zu werden, und man muß die Invasion Montenegro's durch türki­sche Truppen jedenfalls als eine Veränderung des fac* tischen Bestandes ansetzen. Es war der Türkei bisher noch nie gelungen, ihre nominelle Herrschaft über daS Gebirgsland zur Wahrheit zu machen. Die Montenc- griuer genossen einer bisher ungestörten Unabhängigkeit in Bezug auf ihre innere Verwaltung, auf ihre admi­nistrativen und religiösen Einrichtungen. Die Montene­griner hatten in frühern Zeiten eine feindselige Haltung gegen unser Gebiet von Cattaro angenommen. Räube­rische Einfälle waren keine seltenen Ereignisse. Dasselbe geschah in den Zeiten der vormaligen veuetiauischcu Herrschaft. Die Türkei war zu keiner Zeit im Stande, das angrenzende Gebiet einer befreundeten Macht gegen die Verletzungen Derjenigen zu schützen, die sie jetzt als ihre Unterthanen reclamirt. Sie hat dafür weder die Verantwortlichkeit übernommen, noch Entschädigungen geleistet. Die Stellung Montenegro's hat durch einen solchen Zustand der Dinge eine internationale Bedeu­tung ereilten, bei der auch andere Mächte und nicht die Pforte allein interessirt sind. Man war genöthigt, mit Montenegro sich in einen unmittelbaren Verkehr einznlassen, denn die Pforte konnte über das Betragen

Montenegro's keinerlei Bürgschaft leisten. 2Xr Verkehr mit Montenegro wurde auch wirklich auf eine befriedigende Weise geordnet, und die Völkerschaften auf beiden Seiten der Grenze genießen jetzt die Früchte der hergestellten friedlichen Verhältnisse, die nun abermals durch das Einschreiten der Pforte eine Unterbrechung zu erfahren drohen. Vom Standpunkte einer christ- l i el? e u Regierung, deren Aufgabe cs ist, ihre Hand schützend über die Bekenner des christlichen Glaubens im Oriente zu halten, ist es endlich wohl keineswegs gleichgiltig, nun auch in Montenegro die Bedingun­gen freier R e l i g i o u s ü b u n g a u f g e h o b e n zu sehen.

Wir haben mit dieser Darstellung uns bemüht, die Interessen Oesterreichs in dem bevorstehenden Conflicte zur Anschauung zu bringen. Wir wissen recht wohl, daß die österreichische Politik sich nicht ausschlicßcnd von dem Interesse des Augenblickes leiten läßt, und sie hat mehr als einmal den Beweis geliefert, daß sie unwan­delbaren Principien gegenüber das Interesse in die zweite Linie zu setzen weiß. Aber jedenfalls glauben wir, daß eS nothwendig ist, sich den Standpunkt und das Jutc- resse des Landes klar zu machen, es mag sich um ein Urtheil über geschehene Dinge oder um zu fassende Entschlüsse handeln."

Deutschlaud.

O Vom Westerwald, 23. Jan. Die seit­herige Fortführung der Stcuercatasicr durch die Feld­gerichte hat mitunter üble Resultate geliefert. Häufige Omissionen in den Büchern, namentlich in den Zahlen- colmnnen, Außerachtlassung und Vernachlässigung der vorgefchriebenen, zur Erhaltung der Deutlichkeit und der Uebersicht nothwendigen Formen, gänzliches Unterlassen des Ab- und Zuschreibens vörge kommener Besitzwert sei, oder nur theilweise Besorgung der deßhalb erforderlichen Einträge, Pd Mängel, welche seit der kurzen Zeit des Bestehens der jetzigen Einrichtung in den meisten Ge­meinden der hiesigeu^Gcäcud vorgekammew-LtL-ider vielen undeutlichen Handschriften in den Büchern und Verunreinigung der Letzteren gar nicht zu gedenken. Wenn diese Buchführung auch bei den mit -vielem Kostenaufwand angelegten Stockbüchern in derselben Weise Anwendung findet, so wird die nächste Folge da­von sein, daß diese wichtigen öffentlichen Urkunden bald weniger Sicherheit gewähren, als solches bei der frühe­ren Einrichtung der Fall und eS werden dieselben in kurzer Zeit in einen unbrauchbaren Zustand gerathen. Da den Herzog!. Landobcrfchnltheißen ohnehin die Con­trolle über die Fortführung der Düplicat-Stockbücher gesetzlich übertragen ist, was nur an Ort und Stelle geschehen kann, so möchte eS zur Verhütung der ge­dachten Unzuträglichkeiten zweckmäßig sein, daß denselben auch die Fortführung selbst, wenigstens von den Dupli- caten der Gemeinden, deren Bürgermeister und Feld- gerichtsschösien oft zu diesem Geschäfte notorisch untauglich sind, vorläufig übertragen wird und daß, da das Gc- meindegtsetz wohl noch int Laufe dieses Jahres Aende­rungen erleidet, dabci Vorsorge getroffen werde; daß die Führung der gedachten Duplicate solchen Händen an­vertraut wird, welche damit umzugehen befähigt sind. Dasselbe gilt auch hinsichtlich der in vielen Gemeinden bestehenden Lagcrbüchcr; denn so e'nfach auch die Fort­führung der Letzteren ist, so sind unS deren doch schon vorgckommcn, welche, obgleich erst vor Kurzem neu ge­fertigt, dennoch schon dermaßen be- oder vielmehr ver­arbeitet worden, daß deren Fortführung nach Verlauf von wenigen Jahren nicht mehr möglich sein wi;d. Möchte das Gesagte hinreichen, das Augenmerk der Behörden auf diesen wichtigen Gegenstand zu lenken und Anordnungen hervorrufen, welche den Hezeichuetrn Mängeln abzuhelfen geeignet sind.

Frankfurt, 23. Jan. Der Senat der freien Stakt Frankfurt hat, wie man vernimmt, der Bundes­versammlung einen Ausweis über die gesammten, von ihm dem Bunde geleisteten Baarvorschüfle vorlegen lassen, die sich über eine Million Gulden belaufen sollen. Die Vorlage geschah in einer der letzten Bnndestags- jtyungcU

Gervinus ist auf seiner Rückreise nach Heidelberg heute durch Frankfurt gekommen.

Der Frkf. Korrespondent derPreuß. Zeitung." wiederspricht der Nachricht von einer bald wieder bevorstehenden Veröffentlichung der Bundestags-Ver­handlungen.

* Karlsruhe, 28. Jan. Es heißt, daß die Herren Blanc und Be na zet die Pachtung des SpiclS in in Baden-Baden gemeinschaftlich übernehmen werden.