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heiraten unb ben Prinze» Napoleon Bonaparte adop- tiren werde. Diese Nachricht hat sich heute als falsch heraus^estellt. Die Verheirathung LouiS Napoleons mit Fräulein von Montijo wird im Gegentheile öffent­lich am 29. d. M. vollzogen werden. An demselben Tage wird sich Napoleon Bonaparte, Vetter des Kai­sers, mit der Prinzessin Wagram vermählen. An diesem Tage wird auch eine allgemeine Amnestie statt, finden. In der Kirche Notre Dame in Paris wer­den schon großartige Vorbereitungen für die Vermäh­lung deS Kaisers getroffen. Nach den von dem Kaiser genehmigten Plänen für die Ausschmückungen der Kirche wird der Hochaltar in deren Mitte errichtet , über ihm ein prachtvoller Baldachin; auf beiden Seiten werden amphitheatralische Estraden für die großen Staatskör- perschaften erbaut, am großen Chore zwei Tribünen für die Hofdamen. Der Erzbischof von Paris wird den Trauungsact vollziehen. Die Kaiserbraut wird bis zum Tage ihrer Vermählung im Elysee wohnen. Die Gräfin von Persigny wird, wie man versichert, zur ersten Ehrendanie der Kaiserin ernannt werden. Im heutigen Min sterrathe wurde die Rede vorgeleseu, welche der Kaiser nächsten Samstag den großen Staatskörpern halten wird. Sie ist kurz und energisch. Sie beginnt damit, daß die politische Vermählung, welche der Kaiser beabsichtigt hatte, nicht abgeschlossen werden konnte, weil die Gefühle der Nation dadurch verletzt worden wären (?)." Der Kaiser habe daher den Entschluß gefaßt, in dieser Angelegenheit blos seine Neigung zu Rathe zu ziehen. Er wolle daher, daß kein Glück mit der Nothwendigkeit, eine Dynastie zu begrün­den, vereinigt werde. Der Kaiser habe die Ueberzeu­gung, in seiner künftigen Gemahlin die Bedingungen der Abstammung und des Häuslichen Glückes zu finden, welche ihm nothwendig seien, und er erwarte von den großen StaatSkörpern eine große Treue und Ergeben­heit für sich und seine Familie. Die neue Kaiserin sey aus dem Blute der Cäsaren, und sie sei nicht unter ihrer Bestimmung. Dies ist der Sinn der Rede, welche der Kaiser halten wird und es geht daraus her­vor, daß Louis Napoleon seine Heirath für eine durch, aus fürstlich-ebenbürtige hält.

Die Gerüchte, daß in Folge der Vermählung des Kaisers Modifikationen im Cabinet eintreteu werden, gewinnen Bestand. Herr v. Persigny, der sich am heftig­sten gegen das Project ausgesprochen hat, (?) soll durch Herrn v. Morny ersetzt werden. Auch Fould und Saint- Arnaud werden aus dem Ministerium scheiden.

Der Herzog von Ossuna, welcher sich 'einst um die Hand der Mlle. de Montijo beworben hat, ist hier an­gekommen.

Gestern stattete der Kaiser dem schwer erkrankten Senatsmitgliede, Hru. Vieillard, einen Besuch ab. Vor dessen Haus erwartete ihn, als er sich entfernte, eine dichtgedrängte große Menschenmenge, so daß sein Phae­ton nur im Schritt fahren konnte. Louis Napoleon wurde mit den lebhaftesten ZurufenEs lebe der Kai­ser" begrüßt.

Der Kölner Zeitung wird von ihrem Scheeren-Cor- respondenten geschrieben: Seitdem Lord Palmerston wieder zur Macht gelangt ist, rühren sich die Feinde L. Napoleons in England. Ich habe Ihnen schon ein­mal gemeldet, daß eine Annäherung zwischen den Or­leans und den revolutionären Flüchtlingen stattfinde. Heute erfahre ich aus sicherer Quelle, daß eine Confe- renz zwischen Ledru-Rollin und dem Prinzen von Join­ville stattgefunden habe. Auch zwischen Duvergier de Hanranne und der Herzogin von Orleans hat eine Zu­sammenkunft stattgefunden. Thiers, der die Herzogin sprechen wollte, wagte nicht, nach Claremont zu gehen. Die portugiesische Regierung hat, um, wie die Pa­trie sagt, Frankreich einen Beweis des guten Einver­nehmens zu geben, das sie zwischen den beiden Regie­rungen herrschen zu sehen wünscht, ein zu Lissabon er­scheinendes Journal unterdrückt, welches sich der Her­stellung des Kaiserthums feindlich gezeigt hatte.

Der bekannte Revolutionär Sobrier hatte sich mit einem UnterwerfungS - und Gnadengesuch, welches der Moniteur wörtlich mittheilt, an den Kaiser gewendet.

Die Regierung hält den Plan fest, Cherbourg zum Hauptpunkt sämmtlicher transatlantischen Dampfschiff- fahrtsverbiudunge» Frankreichs zu machen. Es werden bereits die erforderlichen Vorstudien gemacht.

Die ofstciellcn Blätter erklären die Mittheilung der Augsb. Allgem. Ztg." für völlig unbegründet, daß in R v M 87 Personen verhaftet worden wären, die im Verdachte gewesen siien, Caricaturen gegen den neuen Kaiser der Franzosen an den Straßenecken angehcftet zu haben.

Die erste Auflage des vielbesprochenen Werks Le Masson's:Die Grenzen Frankreichs," ist bereits vergriffen und es ist sofort eine zweite Auslage veranstaltet worden.

Paris, 21. Jan. Die Nachricht von der Empö­rung der deportirten Sträflinge in Cayenne hat sich bestätigt. Der dortige RegierungS -Commissär Sarda- Garriga ist zurückberufen, neue Truppen sind hingesandt worden. DiePatrie" dagegen enthält folgende, obgleich nur indirecte Widerlegung der Angaben über einen Auf­stand der Sträflinge in Cayenne: , Die Regierung hat Nachrichten aus unserer Straf - Colouie von Guyana

(Cayenne) empfangen. Diese Nachrichten lauten fort­während befriedigend."

Schweiz.

Bern, 20. Jan. Der Proceß gegen den gewese­nen Grimselwirth Zybach wird mit allem Eifer betrie­ben, dürfte sich aber etwas in die Länge ziehen. Das Signalement des verschwundenen Herrn Dr. Wohlfarth hat der hiesige Negierungsrath von der Frankfurter Behörde erhalten und dem betreffenden Untersuchungs­richter eingesandt. Der neue Grimselwirth Frutiger hat das Spital für 4400 Fr. gepachtet.

Zürich, 20. Jan. So eben, 9 Uhr, hat die Ac- tieuzejchnung für die Zürich-Bodensee-Bahn begonnen. Bis jetzt, halb 10 Uhr, sind hier in Zürich bereits gegen 4000 Aktien, also ein Capital von 2 Mill. Fr. gezeichnet.

Eroßtzritanttien

Loudon, 20. Jan. Die Bank von England hat heute ihren Discontosatz auf 3 pCt. erhöht. In Folge davon wichen auf der heutigen Börse fast alle Fonds mehr oder weniger. In Oxford hatte gestern, als am 14. Wahltage, Gladstone 1004, Perceval 885 St., und in Carlow ft md gestern der conservative Alexander mit 97 Stimmen dem Rcgieruiigs - Candidaten Sad- leir gegenüber, welcher nur über 89 Stimmen zu verfü­gen hatte.

Der Herzog und die Herzogin von Wellington wer­den Ende März über Spanien nach Portugal reisen. In Dublin haben die Orangisten einen Irländer, Namens Cahill, auf offener Straße angegriffen und er­schlagen. Drei der Thäter sind verhaftet worden.

Das von mehreren Blättern gebrachte Gerücht, DiSraeli wolle für zwei Jahre außer Landes auf Reisen gehen, wird heute von der Times als falsch er­klärt. Der Ex-Schatzkanzler befinde sich wohler als je, und denke nicht einen Augenblick daran,' seine parlamen­tarische Thätigkeit zu unterbrechen.

Italien.

Wie die Zeitung von Savoyen meldet, ist General Kalb er matten wegen Werbens von Necruten für die päpstliche Armee aus dem Königreiche Sardinien ausgewiesen worden. Die amtliche Zeitung von Parma vom 15. Januar zeigt an, daß Parma zwei Po-Inseln an Oesterreich abgetreten und dafür die kleine Insel Fossa Caprara erhalten hat.

Cürkei.

Zara, 13. Jan. DerOss.Dalm" melbet: Zwi­schen den Montenegrinern und Albanesen ist cs zu kei­nem weiteren Kampfe gekommen; wohl aber werden von beiden Seiten energische Anstalten zur Fortsetzung der Feindseligkeiten getroffen. Omer Pascha ist bereits in Seutari; sein Heer zählt 12,000 Mann regulärer Truppen und 5000 Arnauten.

Der Verlust der Montenegriner bei Zabljak wird auf 60 Verwundete und 42 Tode angegeben. Massau Petrovich's Wunden sind nicht tödtlich. Das Gerücht, daß der Fürst Danilo den Priester Rajacic zum Bi­schof von Montenegro ernannt habe, wird widerlegt.

Beirut, 5. Jan. Der von Jaffa hierher zurück- gekehrte französische Regierungsdampfer ist nach Con- stantiuopel mit dem Berichte über die Hindernisse ab­gegangen, auf welche die Lösung der die Heiligen Orte betreffenden Frage infolge der neuen türkischen Gegen­befehle stößt.

DaS französische Geschwader in der Levante unter dem Commaudo des Contre-Admirals Romain DeSfos- sös ist gegenwärtig folgendermaßen stationirr: Zu Smyrna die Dampf-FregatteGomer" und die Dampf-Brigg Sentinelle," 'zu Coustautiuopel dle Dampf-Brigg Ajaccio," zu Piräus die DampfcorvetteChaptal," zu Beirut der DampfavisoHeron" und zu Alexan­drien der DampfavisoNarval."

Im Laufe der vorigen Woche wurde auf dcu Mast­baum des französischen Cousulats in Smyrna die Kai­serkrone und ein mächtiger vergoldeter Adler aufgepflanzt.

Coustautiuopel, 8. Jan. (Triester Zeitung.) Die neueste Verordnung deS Großveciers, zufolge wel­cher jedem Pascha daS Recht zusteht, die ihm unterge­ordneten Kaimakams, Mudire, Agas u. s. w. selbst zu ernennen und auch wieder abzusetzen, wird in unseren neuesten Berichten aus Coustautiuopel als ein Rück- schritt bezeichnet, mit welchem zugleich alle von den bis­herigen Fortschrittsministerien cingeführtcn Verbesserun­gen in der Verwaltung über den Haufen geworfen wer­den! Der Zweck, den der Großvezier dabei im Auge gehabt hatte, soll der sein, eine größere Geschäftseinheit zu erzielen. - Die Beziehungen der Pforte zu Persien gestalten sich freundlicher, und nächstens erwartet man in Constantinopel Hassan Ali Kahn in der Eigenschaft eines bevollmächtigten Ministers deS Schachs. Dem Blockadegeschwader ist abermals eine Dampf - Fregatte, dieMedschidiche," nach Albanien gefolgt.

Zmerica

Mew-Nork, 8. Januar. Dei einem Eisenbahn­unfall wurde der Sohn des Präsidenten Pierce ge- tödtet; der Präsident selbst entkam mit genauer Noth. Durch die Schuld eines schlafenden Condncteurs ge- rlctheu zwei Züge an einander, sechs Wagen wurden zertrümmert. Die osficiclle Corresp. über die vorge­schlagene Tripel-Allianz zu Gunsten der spanische» Herr­schaft in Cuba ist veröffentlicht worden. Eine außer­

ordentliche Botschaft in Bezug auf die Beziehungen der Mosquito-Küste und England ist an den Cougreß gelangt.

Heuchle Nachrichten.

Wiett, 21. Januar. Freiherr Prokesch v. Oste« wird im Laufe der nächsten Woche nach Frankfurt ab­reisen, und es sind ihm bereits die nöthigen Instructio­nen mitgetheilt worden. Ueber die Abreise des Hrn. v. Hülsemann nach Washington ist bis jetzt im hiesigen Ministerium des Aeußeren noch kein günstiger Entschluß gefaßt worden.

t Triest, 21. Jan. Am 12. find die türkischen Truppen in die montenegrinischen Nahien von Reiska und Czernizza eingedrungen. Um den 15. herum scheint eine entschicdeude Operation stattgefunden zu haben, worüber indeß die Berichte der Triester Zeitung etwas verschiedenartig lauten. Nach einem derselben hätte« die Türken Grahovo mit Sturm eingenommen und be­drohte»^ Cettigne. Der gewöhnliche Correspoudent die­ses Blattes aus Montenegro meldet hingegen, am 15. habe die starke türkische Armee die Montenegriner an­gegriffen, sei jedoch von ihnen zurückgedrängt worden. Am 17. d. M. sollte der Angriff erneuert werden, das Ergebniß ist noch unbekannt. Die herzegowinischen Di- stricte von Lubiue, Kulassin, Zupanis, Jkka, Zubze und Kruscevice haben sich für die Montenegriner ausgespro­chen. Der Wojwode von Grahowo Jakob Wujatich erwiederte einen Befehl Omer Pascha's Quartiere für die türkischen Truppen bereit zu halten, mit einem An­griffe, den er an der Spitze von 1000 Mann im Ge­biete von Banjani eröffnete.

Paris, 22. Jan. (F. I.) Der Kaiser hat ein Manifest erlassen, worin er seine Vermählung mit Fräu­lein von Montijo aukündigt. Das Manifest ist im We­sentlichen nachstehenden Inhalts: Es sei diese Vermäh­lung zwar nicht in Uebereinstimmung mit den Ueber­lieferungen der alten Politik; aber eS sei dies gerade ihr Vortheil; es müsse wohl die Aufgabe einer jeden vernünftigen Regierung sein, Frankreich wieder in daS Geleise der alten Monarchie zurückzuleiten; aber dieses Resultat werde sicherer erreicht durch eine aufrichtige und loyale Politik, als durch königliche Ehebündnisse, als welche eine nur trügerische Sicherheit schaffen und daS Familien - Interesse an die Stelle der nationalen Interessen setzen; der Kaiser hält dafür, nicht dadurch, daß man ein Wappenschild älter mache, sichere man sich dauernde Anerkennung, sondern dadurch, daß man an seinen neuen Ursprung erinnere und mit völligem Frei- muthe die Stellung eines Emporkömmlings (parvenu) Europa gegenüber nehme, als welches ein glorreicher Titel sei, wenn man emporkomme durch die Wahl eines großen Volks.

Paris, 23. Jan. Die Gerüchte von Zwistig­keiten, welche unter den Ministern ausgebrochen wären, sind falsch. Die Angabe, daß eine ministerielle Modi« fication bevorstehe, wird widerlegt. Die Feier der Ver« Mahlung des Kaisers findet am 30. Jan, statt.________

Beraiiiworllicher atenacteur: Dr.

Frachtpreise.

Mainz, 21. Jan. Im Getreldegeschâft ist eS hier momentan ruhig; vic Preise behaupten sich jevoch ziem­lich und man behält gute Meinung für die künftige Hal­tung derselben, m der anhaltende Regen namentlich bett' Roggenfeldern nachtheilig zu werden scheint. Unsere heutigen Notirungen sind: Walzen effectiv 10/4 zr» 10'/2 fl. per März 10% zu 10% st,; Roggen effectiv 9 '/j fl., per März 9% fl., Gerste 7 zu 7*/, fl., alleS per netto 100 Kilogr. Hafer 3% fl. per Malter, Erbsen und Linsen unveränderr, Kohlsamen 14 fl., Mohn­samen 18 fl. per Maller. Kleefarnen deutscher 25 zu 27 % fl, nach Qualität, ewiger 18 zu 22 fl. per 50 Kilogr. In der Fruchthalle wurven heute zu folgen­den Durchschnittspreisen verkauft: 225 Säcke Walzen zik 10 fl. 7 kr. per Sack von netto 200 Pfund, 64 Sack« Korn zu 8 fl. 26 kr. per Sack von netto 180 Pfund, 58 Säcke Gerste zu 5 ff. 4 kr. pon netto 160 Pfund, 85 Säcke Hafer zu 3 ff. 20 kr. per Sack von netto 120 Pfund; vorher außerhalb derselben: 99 Säcke Wal» zen zu 9 fl. 53 kr. per Sack von netto 200 Pfund, 7$ Säcke Körn zu 8 fl. 24 lr. per Sack von netto 180 Pfund, 92 Säcke Gerste zu 5 fl. 24 kr. per Sack von- netto 160 Pfund. Mittelpreise während der Woche: Walzen 10 fl. 2 kr. , Korn 8 fl. 25 kr., Gerste 5 fl. 16 kr. Der Preis des Welßmehls wurde auf 9 fl. 20 kr. per Malter von netto 70 Koligr. ermäßigt, Roggenmehl und Bro tare blieben unverändert. Hirse galt 11 zu 11 % fl. per Malter nach Oulitât. Rüböl, an allen ausländischen Märkten in namhaftem Steigen begriffen, erregt in Folge dessen nun auch hier mehr die Aufmerk­samkeit der Speculanten, welche der Artikel bei einem sehr niedrigen Preisstande auch verdient. Von Kleesamen, der tbenfacks mehr Frage genießt, wird namentlich seiner deutscher gesucht, welcher in dieser Qualität am seltensten vorkoinmt. Rüböl effectiv 34 zu 34'/2 Thlr. per 290 Pfund leicht Gewicht ohne Faß, 33'/, zu % Thaler per 280 Pfund leicht Gewicht mit Faß, per Mai 35 Thlr., per Oktober 36 Thlr. Mohnöl 31 ff. per 50 Kilo, ohne Faß. Talg 23 fl. per Ctr. ohne Packung. Brannt­wein und Spiritus unverändert. (Rh. H. A>)