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Nassauische Allgemeine Zeitung.

7V!i S« Montag den 24. Januar â«.I.

DieRaffauisLs SUIqemeink Zeitlin«" mit b*m belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntast- ausgenommen, täglich und beträgt der PränumeratienSv eiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Posttegulaiiv nunmehr au» für den ganzen Umfang deS LUiru- und TariS'schen BerwallungSbezirkS mit Inbtgriff deS PostansschlagS 2 fl., für die übrigen Länder des brutfdvöfterreidnftüen PgstuereènS, w>e für daè Ausland 2 ff. 24 fr. Anserate werden die Sirrfbaltig Petitzeile oder deren^Lsattm mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen

Die nassauische Eisenindustrie- (Schluß.)

Unsere Eisenindustrie hat sich in mancher Hinsicht eine neue Bahn gebrochen. So zum Beispiel wird das emaillirte Kochgeschirr, werden die emaillirten Krippen für Ställe immer allgemeiner werden; da eine gewöhnliche eiserne Krippe in 1214 Jahren fast immer vom Roste durchfressen war, dazu kommt die große Reinlichkeit, welche die Emaille möglich macht. Näder aller Art und von jeder Größe, Herrichtung gro­ßer Mühlen, kleine Aepfclmühlcn, .Kartoffelnmühlen für- größere Gutsbesitzer und Branntweinbrenner werden ein stets wichtigerer Zweig unserer Eisenfabrication; denn hierbei kommt cs auch wieder recht auf die Trefflichkeit des Materials an. Riesige Kühlschiffe für Bierbrauereien werden gegossen, wovon Proben in Frankfurt, Kitzingen u. s. w. zu - finden sind. Diese eisernen Kühl­schiffe werden immer mehr in Gebrauch kommen , da sie sehr viel wohlfeiler als die kupfernen sind. Für Gärtner werden geschmackvolle Geländer, Stacketen, Thüren, vielarmige Pyramiden zum Tragen der Blu­mentöpfe gegossen. Das Material des Eisens erlaubt die reichste und kühnste Pflanzenoruamcutik, in welcher ein Haupttriumpl) aller Tectonik gesucht werden muß. In vielen Gemeinden fängt man an, eiserne Bru n- nenstöcke zu errichten, welche sich ganz anders aus­nehmen als die früheren hölzernen Pfosten. Nur in manchen Gegenden zieht man marmorne Brunnenstöcke vor; denn auch dieses Material besitzt Nassau in reich- llchcm Maße.' In Landgemeinden schließt sich an den Brunuenstock der eiserne Trog zur Tränkung des Viehes. Der emaillirte Trog bildet einen großen Fortschritt in der Reinlichkeit, sowie drs emaillirte Brunnenbecken, die Brunuenschale in Mnsckelform, von Außen schwarz und im Innern glänzend weiß das helle Wasser umschlie­ßend, einen gar erquickenden Anblick gewährt. Die Ortstafeln mit dem Namen der Gemeinde in er­habener Schrift sind ebenfalls in manchen Gegenden in Gebrauch gekommen und nehmen sich stattlicher aus als die früheren ärmlichen Tafeln aus Holz mit verwischter Schrift. Dasselbe gilt von den Wegweisern, welche die Familie Buderus zum Theil unentgeltlich eingeführt hat und zwar mit der sinnreichen Erfindung der durchbrochenen Schrift, welche auch in der Nacht leserlich ist, gewiß keine geringe Wohlthat ,für den Wandersmann. Mit der steigenden Entwickelung der Gießereien ist auch die davon nicht zu trennende Schlosserkunst sehr gefördert worden, welche sinnreiche Schlösser, kunstvolle, feuerfeste Schränke mit reichster Verzierung rc. liefert. Der erwähnte Artikel deS Bre­mer Handelsblattes schließt wie folgt:

Betrachten wir nach den kurzen Andeutungen des stets zu erweiternden Gebrauchs des Eisens für Haus und Gcmeindelebeu noch vorübergehend seine Anwen­dung für die Kirche und den Kirchhof. Eine Reihe eiserner Kirchenstühle mit kunstreichem Chorgestühl gibt dem Innern einer Kirche ein gar feierliches Ansehen. Hieran reiht sich die eiserne Kanzel. Die kunstreichen aus Holz geschnitzten Kanzeln, auf welche manche Kirche mit Recht stolz ist, werden leicht und mit wenigen Ko­sten in dem dauerhastern Eisen nachgebildet. Die Ei­sengießerei schmückt mit reicher oder einfacher Ornamen­tik, je nachdem cs der konfessionelle Geist liebt, die Orgel nach der dekorativen Seite ihres Baues hin. Die durch ihren künstlerischen Werth berühmtesten Tanf- steine, Sacrameuthäuschen, Krucifixe u. s. w werden leicht nachgebildet, so daß auch arme Kirchen sie besitzen können. Der Eisenguß tritt so für den Gips in Wett­eifer mit dem Stahlstich, für die Plastik erfüllend, was dieser für die Malerei leistest Am meisten haben sich, auch in Landgemeinden, eiserne Altäre Bahn gebrochen. Die schwarzen eisernen Sarkophage mahnen uns an den Friedhof, welcher sich überall immer mehrmit eisernen Kreuzen und Denkmälern schmückt, welche die leicht verfallenden hölzernen und oft schnell sich zer­bröckelnden steinernen Erinnerungszeichen verdrängen."

An die erwähnten Gegenstände schließt sich nod) eine ganze Reihe solcher, welche bisher ans zerbrechlicherem und oft sehr theurem Material gemacht wurden, über aus Eisen gegossen werden sollten. Die Formen unse­rer Geräthschaften sind gegen diejenigen des Alterthums und Mittelalters kahl und ärmlich. Die Gegenwart sucht nach einem festen Styl in ihrer Tectonik, wird ihn aber erst finden, wenn die Architektur, von welcher die Tectonik im engern Sinne abhängt, den ihrigen fcstgestellt haben wird, und zwar als höhere Einheit und Vermittelung des antiken und mittelalterigen. Einst­

weilen müssen wir die vorhandenen Formen früherer Zeiten uns rcproducirend aneiguen und von dem festen Boden des Bedürfnisses ausgehend einen neuen Styl anbahnen. Dies muß schon auf dem Gebiete geschehen, wo Kunst und Gewerbe sich berühren, wie denn immer allgemeiner anerkannt wird, wie die Kunst erst in die­sem Bunde wieder zu einem selbstständigen, kräftigen Leben durchdringen werde. So läßt sich z. B., um noch einmal auf unsere Oefen zurückzukommeu, aus dem Zweck der Feuerung ein Reichthum charakteristischer, künstlerischer Motive entwickeln. Es muß nur die rechte industriell künstlerische Erziehung der Jugend angebahnt werden, für welche unsere Realschulen neuerdings schon viel thun; dann wird auch die Nacktheit und Oede un­seres Lebens überwunden werden. Von unserer Eisen­industrie ist schon Manches in dieser Hinsicht geschehen. Sie leistet Alles, was bei ihr bestellt wird; denn sie ist auf Alles eingerichtet. Aber es bleibt immer noch viel zu thun übrig, besonders in schöpferisch-crfiudender Hinsicht, worin es indessen auch in den letzten Jahren bedeutend vorangegangen ist.

Auf dem künstlerischen Gepräge der deutschen In-? dustrie beruht eine Haupthoffnung ihrer Zukunft. Wir besitzen das reckte Capital künstlerischer Einsicht und Tüchtigkeit; lassen wir dasselbe aber nun auch unseren Gewerben zu Gute kommen. Auf der letzten Leipziger Messe hat cs Beifall gefunden, daß jeder Sckweizer Canton vorherschend mit einer besondern Industrie auf den commerciellcu Kampfplatz tritt. Jeder Gau concen- trirt seine ganze Kraft vorzugsweise auf Einen Indu­striezweig, leistet dann aber auch das Höchste in demselben. So ist das Lahngebiet durch die Naturverhältnisse selbst auf die Eisenfabrication angewiesen. Dieser Gedanke sollte seine ganze Bevölkerung durchdringen; hierauf soll­ten schon die Schulen ihr Augenmerk richten; die Män­ner der Wissenschaft und der Kunst sollten dasselbe Ziel ins Auge fassen. Unter den .nassauischen Männern hat als Landstand und eifriges sowie thätiges Mitglied des deutschen Vereins für vaterländische Bildung der Ober- bcrgrath Lossen, selbst Besitzer eines trefflich einge­richteten Hüttenwerkes, die Bedürfnisse der heimathlichen sowie allgemein deutschen Eisenfabrication seit einer Reihe von Jahren mit ächt staatsmännischem Sinne ins Auge gefaßt, so daß seine nassauische Heimath auf ihn stolz sein darf. Die nassauischen Hüttenherren kämpfen red­lich, daß ein mehr als tausendjähriger Industriezweig unserer Gegend nicht zu Grunde gehe. Bei dengegeu- wärtigen Verhältnissen hoffen sie indessen auch auf die Beihülfe des Staates, wie dieselbe anderwärts schon eiugelrcten ist. Wenn sie auch keinen Anspruch machen auf besondere Prämien, wie dieselben in anderen Staa­ten ertheilt werden und nicht auf eine -billigere Ucbcr- laffnug des Brennmaterials, so müssen sie doch vor Allem die Herstellung eines bessern Transportsy- stems wünschen, da manche Hüttenwerke größere Gnß- waareu gar nicht aus ihren Thälern herausbrlngen kön­nen. (Das Bremer Handelsblatt schlägt die Einfüh­rung der Plauc-Roads, d. h. Bohlenwegen, Brelter- straßen, vor, von welchen die Nordamerikaner während der paar lctztverflosscnen Jahre manches Hundert englische Meilen angelegt haben? Für ein Land wie Nassau wären sie allerdings geeignet, da Holz in Fülle vorhan­den ist, und diese Plankenwege ganz außerordentlich billig herzustellen sind.) Manche unreife Gemeinden sorgen nicht hinlänglich für die sogenannten Vicinal­wege und die Behörden glauben sie nicht dazu zwingen zu' können; die Kreisbezirksräthe sollten hier eifriger einwirken. Die Gewerbe werden verhältnißmäßig etwas hoch bei uns besteuert. So lange Preußen seine Mo­selweine durch eine besondere Uebergangssteucr gegen die süddeutschen Zollvereinsweine ^u schützen sucht, könnte man wohl auch von anderer Seite das niederrheinische und Moselsteinkohleneisen einer leichten Uebergangssteucr unterwerfcu nach der Ansicht mancher Hüttenmänner, welche übrigens gar keine Freunde binnenländischer Zoll- linien find; sie haben mir die Gerechtigkeit im Auge. Auch könnte man dcn Sckiffcu, welche eine gewisse Menge von Steinkohlen zur Roheiscnfabrication rc. zu Berg führten, die Schleusengelder, welche sehr hoch sind, er­lassen. So lange wir indessen unsere Eolonialwaaren noch in den Häfen des separatistischen Holland mit baarem Gelde bezahlen, statt sie durch deutsche Ha­fen gegen unsere Eisenwaaren rc. cinzutanschen, sind wir eigentlich keiner Theilnahme werth. Es fehlt bis jetzt den Deutschen, an dem rechten Organisations- und Associationsgeist. Wird deS Triester Handelsherrn Mis­sion nach Berlin der Industrie neue Thatkraft erwecken helfen? Wird die Südbahn und Main-Weserbahn uns

in förderliche Verbindung mit der deutschen Nordsee­küste setzen? Unsere erste und nächste Lebensfrage ist indessen die Lahneisenbahn mit der entsprechenden S a- ßeuverzwcigung durch die Nebenthäler der Lahn.

Deutschland.

Mainz 20. Jan. (Fr. Pstz.) Das hier stehende k. k. österreichische Linieninfanteric RegimentErzherzog Rainer", dessen hoher Inhaber bekanntlich dieser Tage zu Botzen in Tirol verschieden, wird aus Anlaß dieses Sterbefalles eine sechsw 'ckentliche Trauer anlegen und in der St. Peterskirche ein feierliches Todleuamt ver­anstalten ; den Namen deS Verstorbenen wird das Re­giment fortführen, da nach dem österreichischen Militär- reglement ein Regiment, wenn es fünfzig Jahre demsel­ben Inhaber angehörte, auch nach dem Tode deS In­habers dessen Namen beiznbchalteu hat. Das Regi­ment trägt den NamenErzherzog Rainer" nun seit 1801, also zweiundfüufzig Jahre. Vor einigen Mo­naten wollte eine junge Dame ihren in das Bassin des Altmünster Weiherö gefallenen Hund herausholen und stürzte bei diesem Versuch selbst hinein; schon war die­selbe dem Ertrinken nahe, als ein österreichischer Sol­dat ins Wasser sprang und die Dame rettete. Für diese aufopfernde That wurde dem Soldaten von Sr. königl. Hoheit unserm Großherzog die Rettungsmedaille verliehen und ihm diese heute bei der Parade von dem großherzoglich hessischen Rcgierungspräsidenteu Schmitt überreicht, worauf die Mannschaft vor dem Neudeco- rirten, der an der Seite der höhern Militärbehörden stand, dcfilirte.

Frankfurt, 19. Januar. Nach der Leipz. Ztg. ist an den betreffenden Stellen das Project in Anre­gung gebracht worden, eine directe elektrische Telegraphen- verbindung von dem Bundespalms aus mach Wien und den Haupstädten aller größeren Bundesstaaten Hezustel- len. Es hat dieser Vorschlag großen Anklang gefunden, und seine baldige Ausfuhr wird für sehr wahrscheinlich gehalten.

Die Ueberschuldung des CigarrenhandlerS Dammaß ist nicht so bedeutend, als man geglaubt hat;, sie be­trägt nur 10 Procent. Damaß hat seine Rückkehr an­gemeldet. Der gegen ihn erlassene Lerhaftsbefchl ist sistirt.

Heidelber-g, 21. Januar. Es verlautet, Ger- vinus fei entschlossen, wie auch der Ausgang seines Processes sein möge, Stadt und Land zu verlassen und Bonn oder Berlin zu seinem künftigen Wohnorte zu wählen.

Baden, 19. Januar. Trotz der lebhaften Concur- renz soll auch die fernere Spielpacht in Baden-Baden Herrn Benazet so gut wie gesichert sein.

München, 20. Januar. Die Habèrfeldexe- c u t i i o n hat nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Die Leute sind so organisirt, daß trotz aller Maßregeln Nie­mand verrathen wird.

Kassel, 20. Januar. Die Enthebung des Herrn v. Bischofshauscn von dem Posten eines Vortragenden Raths im kurfürstlichen geheimen Cabinet soll erfolgt sein, weil sich unter den Unterschriften dergemeinsamen Beschlüsse sämmlicher politischen Vereine zu Hanau in Betreff der Errichtung eines Freicorps zum Schutze der Reicksverfassung", welche durch den Abgeordneten Rühl der Nationalversammlung in den ersten Tagen des Mai 1849 übergeben wurden, auch der Name des Herrn v. Bischofshansen befindet. .

Luxemburg, 14. Jan. (^.- u. M.-Z.) Unsere Depütirtcnkammer hatte am 11. d. M. wieder zusam. mentreten sollen; weil aber wegen der Reise des Prin­zen Heinrich, Statthalters, nach Weimar die Regierungs- Vorlagen nicht bereit waren, so hat der Kammer - Prä­sident/ im Einverstäudniß mit der Regierung, den Dc- putirlen durch ein Circular vorgeschlagen, sich erst am 25. d. M. zu versammeln. DasLuxemburger Wort" und derPatriot" hatten die Handlungsweise des Kammer - Präsidenten als einen Eingriff in die Präro- qative der Krone dargcstcllt und die Deputirten aufge- ' fordert, trotz der Mittheilung ihres Präsidenten sich am 11. d. M. zu versammeln. Der Präsident begab sich deßhalb mit dem Greffier (dem Reglement gemäß) am 11. in den Sitzungssaal, wo kein einziger Dcputirter sich eingefunden hatte. Als nach halbstündigen Warten sein Depulirtcr kam, ließ der Präsident hierüber daS Protokoll anfertigen.

Magdeburg, 20. Januar. DemM. C. zu­folge wird der hiesigen deutsch -katholischen Gemeinde der fernere Gbrauch der St. Sebastiani Kirche entzogen werden.