hat er selbst wenigstens bei aller Abenteuerlichkeit seines Geistes niemals gehabt, daher derselbe wohl unter die speculativen Zeitungsenten gesetzt zu werden verdient. Zu Avignon war es auch, wo er sich zuerst dem Publicum durch Gründung und Herausgabe eines Journals unter dem Titel: „La Liberty" bekannt machte. Einer Partei gehörte dasselbe nicht eigentlich an, es war das Journal des Hru. v. Raousset, und soll seinem Namen durch große Freiheit in Bezug auf Grammatik und Orthographie alle Ehre gemacht haben. Nicht gehörig ge- würdigt, ging cs zu Grunde, und Herr v. Raousset wandte sich nach Paris, dem Sammelplatz so vieler in ihrer Heimath mißverstandenen Genies. Hier lebte er mit seinem nicht unbedeutenden Vermögen ein freies Leben als Seine-Schiffer (Canotier), als Kunst-Boxer, als Liebling der beliebtesten Hetären und als dramatischer Dichter-Aspirant. Sie kennen das berühmte Geschlecht der Pariser Canotiers, dieser Seine-Fahrer in Seemannstracht, von deren segelbedeckten und buntbewimpelten Dreibretter-Boten es an Sonn- und Festtagen vor allen Uferschenken, wo nur ein gebratener Fisch und eine Flasche Rothwein zu haben ist, wimmelt. Herr v. Raousset war einer der Kühnsten dieser Kühnen, hatte gar auf einer der Inseln bei Paris ein Häuschen, um sich näher bei seinem Kahngeschwader zu befinden, und erwarb sich eines Tags ewigen Ruhm bei allen Genossen vom Fach, indem er in seinem Canot, bloß von einer seiner Freundinnen, der schönen Diana, begleitet, die ganze Seine hinunter bis Rouen segelte! Als Knust- Boxer war er im Saal Montesquieu allgemein bekannt, und forderte ein Hercules das Publicum zu trotzig heraus, so konnte es sicher sein, von Hrn. v. Raousset glänzend gerächt zu werden. Aber dieß Feld war ihm zu klein, und er nahm bald die Gewohnheit an, auf allen Jahrmärkten und Kirchweihen in die Runde Rauferei zu suchen. Zu St. Cloud, Auteuil, Courbcvoie, Argeuteuil konnte man ihn bei jedem Fest auf dem Platz erscheinen sehen, meistens provocirend, in der Regel siegreich, zuweilen unter der Zahl unterliegend, stets gefürchtet und stets furchtlos. Ueber feine dramatischen Leistungen hat mir sein Bekannter keine Aufschlüsse geben wollen, obschon oder vielleicht, weil er selbst eines Tags eine Raousset'sche Tragödie sich hat vorlesen lassen müssen. Indessen läßt sich erwarten, daß es an pikanten Beigaben nicht fehlte. So brachte der Held von Sonora die Jahre 1846 und 1847 hin, bis die Februar- Revolution auch in ihm Meuschenbeglückungsplane entzündete und ihn nach Afrika führte, um zur Colonisation desselben mitzuwirken. Er mußte aber leider seine guten Absichten mit seinem guten Gelde bezahlen, und war endlich beim letzten Heller angekommen. Da mußte ihm natürlich Californien wie für ihn entdeckt Vorkommen — keinen Augenblick zauderte er, die östliche Halbkugel, die ihm bis dahin nur Gold verschlungen hatte, mit der westlichen zu vertauschen, um es wieder auszugraben. Aber da letzteres nicht so leicht und nicht so schnell von statten ging als ersteres, so war Herr von Raousset alsbald wieder genöthigt, auf andere Hülfs« quellen zu denken. Er erinnerte sich zum Glück seiner Pariser Thaten, und stellte sich rasch entschlossen an die Spitze einer — Lastträger-Gesellschaft, die in drei Compagnien organisirt wurde, und wo er einen Landsmann Ramens Pindray (der zu Paris manchmal an ihn verlorenes Spielgeld mit der Pistole in der Hand einge- trieben), und einen andern „General" von demselben Kaliber zu College» hatte. Wie endlich Hr. V. Raousset Obergeneral wurde und seinen Feldzug nach Sonora unternahm, ist bekannt. Dieß ist der Mann, der durch seinen verwegenen Freischaareuzug, in einem Welttheil, wo dergleichen Unternehmen noch nicht acclimatisirt sind, so viel von sich reden gemacht hat, im Augenblicke aber vielleicht schon ein Raub der Vögel geworden ist: tapfer bis zur Tollkühnheit, abenteuerlich, unteruchmeud, durch alle Leibesübungen geschult und gestählt, körperlich und geistig gewandt,' zu allem fähig, sonst ein rechtschaffener Mensch.
Portugal.
Lissabon, 6. Jan. Die Cortes sind am 2. d. durch eine aus den Staatsministern gebildete Commission eröffnet worden. Die Königin war an diesem Tage unwohl, aber am folgenden wieder vollkommen hergestellt. Die Eröffnungsrede, von Saldanha ver- lesen, enthielt nichts, was der Mittheilung besnnders werth wäre. Der neue Zolltarif ist veröffentlicht; der Zoll für mehrere englische Fabricate ist zwar ermäßigt, dagegen aber für andere erhöht.
Dänemark.
Kopenhagen, 8. 3™. (Kass. Z) Aus völlig verläßlicher Quelle erfolgt die Mittheilung, daß Seine Majestät der König von Hannover dem Londoner Tractate in Betreff der Integrität der dänischen Monarchie beigetreten ist. Die Mehrzahl der deutschen Regierungen, mit Ausnahme Bayerns, Braunschweigs und wenigerer anderer, hat bereits der von unserem Gouvernement ausgegaugeuen Einladung zu einem solchen Beitritte Folge gegeben. Diese Beitrittserklärungen involviren naturgemäß auch die Anerkennung der Puuc- tationeu jenes Vertrages.
Großbritannien
London, 12. Jan. Der Vicckanzler der Universität Oxford hat — wie dcr Standard meldet — ent
schieden , daß der „Poll" im Ganzen 15 Tage offen bleiben soll, wofern nicht einer der beiden Candidaten früher freiwillig .zurücktritt. Die Vahl begann am Dienstag voriger Woche und kann sich demnach bis in die folgende Woche hinüberschleppcu. Von den 3600 Wählern haben bis jetzt wenig über 1300 gestimmt. Gestern sank Gladstone's Majorität von 111 auf 105 herab und hob sich bis Abends wieder um 2 Stimmen. Für die Universität scheinen Dampf und Telegraphie noch nicht erfunden. — Die Nachrichten vom Cap reichen bis zum 1. December mithin um eilf Tage später, als die zuletzt erhaltenen. Die Macht der rebellischen Kaffern- und Hottcntotteu-Stämme ist gebrochen; aber eben so gewiß ist es, daß hier und da der Friede noch auf sich warten läßt. General Cathcart hatte mit 2000 Mann den Orangebezirk erreicht und daselbst eine Pro- clamation erlassen, worin er den Bewohnern anzeigt, er sei nicht als Mann des Kriegs gekommen und wolle die Streitigkeiten friedlich schlichten. Zu diesem Zwecke möge Jeder ruhig seinem Geschäfte uachgcheu. Ruhestörer würden von der Strenge des Gesetzes getroffen werden u. s. w. Bis jetzt hat die Anwesenheit seiner imposanten Macht den Bezirk in Ruhe erhalten; in anderen Landestheilcu dagegen kommen noch immer Viehdiebstähle und blutige Scharmützel vor. — Die in Plymouth gestern endlich eingelausenc Australia (sie wurde durch widrige Winde, kleine Unfälle und nament lich durch den Mangel an tüchtiger Mannschaft lange aufgehalten) entschädigt für ihr langes Ausbleiben durch die mitgebrachtc ungeheure Goldffacht. Es besteht dieselbe aus 8% Ton Gold. Im Hafen von Adelaide allein lagen, als die Australia am 5. Octbr. von dort absegelte, 12 bis 14 Fahrzeuge aus England und den britischen Colonien, die aus Mangel an Matrosen nicht von der Stelle konnten. Letzteren wird oft 5 bis 7 L. Wocheulohu und auch dann meist vergebens geboten. Von der Australia selbst waren alle Matrosen und Heizer davongelanfen; nur der Capitän, die Offiziere, der Hochbootsmann und die Schiffsjungen waren geblieben. Unter den Passagieren sollen sich einige Leute'befinden, die in den Minen ihr Glück gemacht haben und in die Heimath zurückgekommen sind, um ihr Erworbenes in Ruhe zu verzehren.
Man will wissen, Lord Palmerston intriguire, um seinen Freund, den Lord Clarendon, in's Cabinct zu bringen, und zwar solle Letzterem das Departement der auswärtigen Angelegenheiten zugetheilt, Lord John Russell aber im Hause der Lords begraben werden. Ja cs soll sogar die Zeit nicht fern sein, in welcher man Lord Palmerston an Earl Aberdeens Stelle Premierminister werden sieht. — Dem Morning Herald zufolge wird befürchtet, daß die Directoren der Bank von England in ihrer nächsten Versammlung den Disconto abermals erhöhen werden.
Italien.
Mailand, 9. Jan. (A. A. Z.) In meiner Cor- respondenz vom 5. d. M. theilte ich Ihnen die kurz zuvor in einem Weinhause des Stadtviertels Porta Co- masina erfolgte Aufhebung eines demokratischen Clubs mit. Die Zahl der eingezogencu und in kriegsrechtlicher Untersuchung befindlichen Personen beläuft sich jetzt auf einige zwanzig, darunter zwei oder drei Beamte der k. k. Giunta Lombarda di Censimcuto, Gutsbesitzer, Kaufleute, Künstler und Handwerker. In Folge des eröffneten Processes wurden viele Haussuchungen augestellt und Waffenbcstandthcile, sowie verpönte Schriften aufgefunden. Doch soll sich der Verdacht, daß dem aufgehobenen Verein hochvcrräthcrische Tendenzen zu Grunde liegen, noch nicht klar herausgestellt haben. — Am letztvcrflossenen Sonntag löste sich auf dem hohen Thurme der St. Carlo-Kirche, während des Läutens der Schlägel der großen Glocke von seinem Gebinde und stürzte auf ein benachbartes Haus, in dem er die Bodenräume im obersten Stockwerke desselben ohne weitern Schaden durchbrach. Wer den großen Personenverkehr kennt, der täglich, besonders aber an Soun- und Festtagen, auf dem Corso der Porta Orientale um die in neuester Zeit zu Ehren des Heil. Carlo Borromeo eröffnete Kirche stattfindet, wird begreifen, welches große Unglück durch die gütige Vorsehung bei diesem Vorfall verhütet worden.
Griechenland.
Syra, 5. Jan. Am 31. Dec. langte hier auf dem französischen Regierungs- Schraubendampfer „Labrador" aus Marseille und Messina Abd-el-Kader mit seinem Gefolge an, und setzte gestern seine Reise fort. Während seines Aufenthaltes hatten den Emir alle Localbehörden begrüßt, und cingeladen, an'ö Land zu steigen; er gab es jedoch nicht zu, uud blieb immer am Bord des Schiffes. Man hatte hier schon vor mhrc- ren Wochen angekündigt, daß Abd - el - Kader hier au» kommen werde, und glaubte, der Dampfer würde sich hier mit Kohlen und Lebensmitteln versehen. Da jedoch dieß während seines längeren Aufenthaltes nicht geschah, so vermuthen Viele, daß der Emir hier den großherrlichen Firman erwarten mußte, der ihm die Erlaubniß ertheilt, sich in Brussa aufäßig zu machen.
Ilegypten
Von der Adria, 7. Jan. (L. Z.) Briefen aus Alexandrien zufolge rückt der Bau der Eisenbahn mit schnellen Schritten vorwärts und dürfte noch vor der festgesetzten Zeit, 1856, vollendet sein. Es wird auf
allen Stationen zugleich gearbeitet, und die Kellahs, welche vorzugsweise verwendet werden, zeigen viel Fleiß und Anstelligkeit. Obgleich die Löhne gering sind, so sind sie doch für Aegypten die höchsten, welche bezahlt werden, und daher ist der Andrang der Arbeitssuchenden von allen Seiten sehr groß. Zwar sind die Arbeiten an die Regierung verpachtet, aber die Gesellschaft hat sich das Recht vorbehalten, ein Minimum des Tag- lohnes zu bestimmen. Sclaven bleiben ganz ausgeschlossen. Man muß es den Engländern nachrühmen, daß sie auch der Humanität Geltung verschaff haben, und ihre Popularität hat dadurch nicht wenig gewonnen. Es bleibt ohnedies noch genug übrig, um die Privatkasscn Abbas Pascha'S zu füllen. Der schwierigste Theil des Baues ist durch bas eigentliche Delta des Nils. Denn hier läuft die Bahn meilenlang auf einem Damme, dessen Niveau von dem höchsten Wasserstaude der Ueber« schwemmung nicht erreicht werden darf. Bei dem fetten Boden ist eS schwer, festen Grund zu erhalten, und es muß daher an den meisten Stellen Rost gelegt werden. Außerordentliches Leben hat die Eisenbahn in die Nilschifffahrt und zwar bis in das obere Thal hinauf gebracht, denn fast sämmtliche Baumaterialien kommen aus Oberägypten, Holz sogar aus Nubien. Die Steine sind denselben unerschöpflichen Brüchen bei Theben entnommen, die bereits vor viertausend Jahren zu den Pyramiden dienten. Wichtig ist die Entdeckung von Kohlenlagern, wenige Stunden oberhalb Kairo, in den das Nilthal von der Wüste scheidenden Bergketten. Die Engländer lassen bereits graben und Alles zum Betriebe der Gruben entrichten. Eine Zweigbahn soll sie mit der Hauptbahn verbinden. Von Kairo nach Suez werden die Vermessungen und Terrainuntersuchungen eifrig betrieben, denn die Eisenbahn, welche drei Welttheile verbindet, wird erst dann vollständig sein, wenn sie in einer ununterbrochenen Linie vom Mittelmeere bis zum rothen Meere reicht. Das Haupthinderniß für die Passage durch die Wüste ist der Wassermangel; die Besorg- uiß wegen des Flugsandes ist unbegründet, indem die Wüsten auf dem rechten Nilufer festeren Boden haben, als links, wo sie mit deni inneren Africa zusammenhängen und von dorther durch die sogenannten Samums überschüttet werden. Dieser gefährliche Wind herrscht hier nicht, wie überhaupt die Wüste an verschiedenen Stellen culturfähig wäre, wenn sich dazu Menschen fänden und der Lohn der Arbeit entspräche. In Betreff des Wassermangels wird man sich durch sorgfältig angelegte Cisternen oder durch Transport von Vorrathen helfen; auch ist hier eine Strecke des atmosphärischen Systemes vorgeschlagen. Für Suez selbst sind umfassende Hafenbauten im Project, natürlich Alles unter englischer Leitung und für englisches Geld. Die bisher etwas unsichere Einfahrt soll erweitert und vertieft werden. Zum Schutze so vieler dabei vertretener englischer Interessen wird ein Kriegsschiff dauernde Station in Suez nehmen; auch soll mit dem Vicekönig die Befestigung des Platzes und englisches Besatzuugörecht verabredet sein. So im Besitze von Suez am Eingänge und von Aden am Ausgange wird das rothe Meer einem englischen Binnensee gleichen, und bei solchen Vorbereitungen kann cs kaum zweifelhaft sein, wohin bei Lösung der orientalischen Frage einmal die ägyptische Erbschaft fällt.
America.
Bombay, 17. Dec. Die brittische Expedition hatte sich am 21. Nov. bei Pegu ausgeschifft; nach lebhaftem Geschützfeuer der Birmanen war die Brustwehr mit Bajonnetten erstürmt, die Birmanen wurden verjagt und die Stadt von den Engländern wieder eingenommen. Die Zahl der kämpfenden Birmanen betrug mehr als 5000; die Britten zählen 5 Todte und 34 Verwundete, worunter 3 Offiziere. Capitän Phayre ward zum Commissär ernannt, um die Einverleibung Pome's und Pcgu's in die indo-brittischen Besitzungen zu bewerkstelligen. Man fürchtet jedoch, daß der dortige Krieg sich in Folge dieses Erwerbungsactcs in unabsehbare Länge ziehen dürfte. — Die Bevölkerung von Caudeisch hatte die Steuerreguliruugs-Commissäre aus Furcht vor Erhöhung der Steuern mit Gewalt vertrieben. In Folge dessen ward Candeisch militärisch besetzt; eine Proclamation brachte Aufklärung über die eigentliche Absicht der Regierung. — Der Feldzug nach Hagarah ward durch die Gefangennehmung des Rebel- leuhäuptlingS Mackesou glücklich beendet.
Neueste Nachrichten.
Berlin, 2. Januar. Die Plenar-Berathungen der zweiten Kammer werden, nach der „Preußischen Ztg.", vor den ersten Tagen der künftigen Woche nicht ausgenommen werden.
London, 12. Jan. Lord John Russell hat dem diplomatischen Corps osficiell angezeigt, er habe das Portefeuille des Aeußern nur provisorisch übernommen, dasselbe werde in die Hände des Grafen Clarendon übergehen, sobald das Parlament wieder beisammen sei.
Haag, 16. Jan. Der „Neuen Rotterdamer Zeitung" zufolge, wird der Herzog Bernhard von Sachsen- Weimar nach der Vermählung seiner Tochter mit dem Prinzen Heinrich der Niederlande wieder nach Indien gehen, um das Oberommaudo des Heeres auf Java zu übernehmen.__________________