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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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Wr /S Samstag deu 15. Jaaaar 1853.

Die ,,Naffaiiis»c ANffemeine Zeit»»»" mit dem bettelristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonnlaffs ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr arch für den ganzen Umfang des Lburu« und Taris'scheu BermaitungSbezirks mit Inbegriff deS PostaufschlagS 2 ft, für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostoereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die »ierspalieg Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedr, ch, Langgasse 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

(Die SegititHatioM der Reisenden durch Paßkarten betreffend.)

Unter Bezugnahme auf die Verordnung vom 12. Februar 1851, die Legitimation der Reisenden durch Paßkarten betreffend, wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der wegen Einführung von Paß­karten zur Erleichterung des Reiseverkehrs zwischen dem Herzogthum Nassau und mehreren anderen deutschen Staaten bestehenden Uebereinkunft nunmehr auch die Fürstlich Waldeck'sche Regierung beigetreten ist, und mithin die Vorschriften der gedachten Verordnung auch auf das Staatsgebiet dieser Regierung Anwendung finden.

Wiesbaden, 24. December 1852.

Herzoglich Nassauisches Staatsministerium. Wittgenstein.

vdt. Bismark.

(Verordnungsblatt Nr. 2 vom 8. Januar 1853.)

Nichtamtlicher Theil.

Das britische Prirlitment.

In diesen Tagen tritt das britische Parlament wie­der zusammen. Die bevorstehende Session verspricht in mehrfacher Beziehung interessant und wichtig zu werden. Das Gefühl, daß England in eine ernste Periode sei­nes Bestandes eingetreten sei, und daß namentlich die Behandlung seiner auswärtigen Angelegenheiten außer­gewöhnliche Vorsicht und Mäßigung bedinge, scheint sich dort aller Parteien bemächtigt zu haben. In dieser Richtung, meint die Oesterr. Korrespondenz, dürften wir daher eiuer gewissen Solidarität mit ziemlicher Zuver­sicht entgegensehen. Ohnedies ist bekannt, und jetzt mehr als je anerkannt, daß Englands auswärtige Po­litik, mögen Tory's oder Whig's am Ruder der Ge­schäfte sich befinden, einen unverkennbaren Typus der Gleichartigkeit und Kontinuität an der Stirne trägt. Die ausgezeichnete Schrift des Herrn Grasen, von Fic- quelmont hat dieser Tage den entsprechenden Ausdruck verliehen, zn ihrer tieferen Begründung zahlreiche, un­angreifbare Belege geliefert. Auch die Interessen des P r o te et i o n i s m n s werden sich für längere Zeit zur Ruhe begeben und vielleicht erst in späterer Zeit eine zweckmäßige Form suchen, um sich zur Geltung zu bringen. Von diesen zwei Seiten her also dürften dem neuen Koalitionsministerium eben keine Hindernisse in den Weg treten. Weiterhin dürften selbst die reli­giösen Differenzen durch ihre eigene Intensität nicht wieder in früherem Maße auftanchen, es sei denn bei Gelegenheit der beantragten Erziehungsreform, wo­bei freilich Graf Aberdeen die tröstliche Versicherung gab, daß der Kirche der gebührende Einfluß auf die Volksschule gewahrt werden soll und nur noch zu wün­schen übrig bleibe, es möge dieser au sich tüchtige Grundsatz auf die specifisch katholischen Verhältnisse Ir­lands im Geiste gleich abwägcuder Gerechtigkeitsliebe angewendet werden.

Größere Bedenken erregt dem officiellcn Blatt indessen die Stellung, die sowohl das Cabinet als die verschiedenen Färbungen angehörenden einzelnen Mitgliederdesselben und die Parteien des Unterhauses zur Frage der Parla­mentsreform einnehmen werden. Während Graf Aber­deen sich nicht ganz dagegen erklärte, ja sogar die Ueberzeugung aussprach, daß das Repräsentativsystem allerdings einer Verbesserung fähig sei und bedürfe, ging Lord Russel in der bekannten Ansprache an seine Wähler noch einen guten Schritt weiter, und Moles­worth, der Minister der öffentlichen Arbeiten, nahm fo> gar keinen Anstand, sich gelegeuheitlich seiner Wieder­wahl in Southwark dahin zu außer», daß er noch im­mer für den Grundsatz der geheimen Abstimmung ein­genommen sei.

Allen aufmerksameren Beobachtern der englischen Zustände kann die Wahrnehmung nicht entgehen, daß durch die fortschreitende Bewegung in dem britische» Wahlsystem die alten Unterlagen der Verfassung etwas verrückt wurden und die Vertretung nach der Kopfzahl der früheren Vertretung naturwüchsiger, ständischer und gesellschaftlicher Interessen substituirt zu werden beginnt. Jedes Fortschreiten in dieser betretenen Richtung schließt daher eine Gefahr und einen Grund des ernsthaftesten Bedenkens für Englands Staatsmänner mehr in sich.

Es ist möglich und wünschcnswerth, schließt das er­wähnte Blatt, daß dieser zarten Frage in den folgenden Sitzungen des Parlamentes ausgewischen werden könne. Denn das Koalitionsministerium in seiner jetzigen Z».

sammensetzung scheint eben nicht geignet, dieselbe durch­greifend zu erledigen, weder im Sinne erhaltender Ab­wehr gegen die radicalen Strömungen des Tages, noch selbst dann, wenn es sich für die Erweiterung des Wahl­rechtes im Allgemeinen erklären wollte, in irgend einer festen, einheitlichen Richtung.

Das jetzige Parlament hat noch über eine wichtige Frage, nämlich über Erneuerung des Freibriefes der ostindischeu Compagnie zu entscheiden. Das Unterhaus hat wie üblich ein Comite niedergesetzt, worunter sich, wie die Frage es verdient, sehr bedeutende Staatsmänner und Parteihäupter, Lord John Russel, Sir James Graham, Cobden, Hume, Sir William Molesworth, Sir Robert Inglis, Mr. Gladstone, Mr. Laboucherc rc. befinden. Dieses Comite hat verschiedene Ofsiciere, Beamte und Privatleute, die im ostindischen Dienst standen vor ihre Schranken geladen und verhört. Die Acten darüber und einige Documente der indischen Aemter füllen Tau­send und etliche Foliosetten eines Parlamentsberichtes oder einblaues Buch" über Indien. Der Inhalt beschäftigt sich meistens mit der finanziellen Lage, das heißt mit dem prosperirenden Dèficil der Compagnie, nebenbei aber erhalten wir Angaben über die politis.be Lage des Landes. Die britischen Besitzungen umfassen einen Flächenraum von 677,752 engl. Meilen (an­nähernd 30,000 geogr. Q Meilen) mit 99,409,902 Köpfen. Die Staaten der Eingeborucn unter britischen Schutz haben einen gleichen Flächenraum 690,361 engl. Meilen, jedoch mit der halben Bevölkerung, nämlich mit 52,359,051 Köpfen, so gut sich diese Zahl hat ermitteln lassen. Sagen wir also 150 Mill. Ostindier. Gegenüber diesen Ziffern kann man sich die Anzahl Europäer nicht klein genug vorstellen. In den drei Präsidentschaften betrug die Anzahl solcher Europäer, die weder im Dienst der Compagnie noch der Königin standen, Männer und Weiber zusammen, 10,000 und einige hundert. Wir werden nun unbedingt vermuthen, daß das britische Heer in Indien um so größer sein müsse. In der That bestand es 1835 schon aus 183,760 Mann , im Jahre 1851 aber aus 289,529 Mann. Allein in diesem ansehnlichen Truppenkörper befanden sich im letzteren Jahre nur 49,408 Mann (also der sechste Theil) Europäer und von den 240,000 Eingeborenen gehörten 50,000 Mann zu den irregulä­ren Truppen. Fünfzigtansend Europäer angelsächsischer Race reichten also bisher hin, eine viertel Million ein« geborner Truppen neben sich in Disciplin zu halten; mit beiden zusammen regiert England ein Gebiet mit 100, oder da die indischen Staaten auch überwacht werden müssen, ein Gebiet von 150 Mill. Köpfen.

Diesen ungeheueren Triumph der europäischen Kriegs­kunst, schreibt derLloyd" aber nur dem Umstand zu, daß die Eingeborneu die furchtsamste Race der Welt sind. In dem Buche über die Pflichten zieht Cicero eine merkwürdige Parallele zwischen den Hellenen und Germanen seiner Zeit. Die Griechen flohen und er- schracken vor gezückten Schwertern und blutigen Wunden, aber die peinigendsten Krankheiten ertrugen sie mit un­erschütterlichem Glcichmuih, den Tod selbst erwarteten sie auf dem Sterbebette Mit größter Fassung. Anders die Germanen. Sie kannten keine Furcht vor Feinden, Waffen und Wunden,, aber das geringste Fieber schüt­telte sie jämmerlich 'zusammen. Diese Parallele läßt sich nach Ansicht desLloyd" in einem Puncte auch zwischen den Angelsachsen und Indiern ziehen, denn die Eingeborneu besitzen gerade dieselbe stoische Feigheit wie die Hellenen zu Ciccro's Zeiten.

Als die Engländer nach Indien kamen, fanden sie schon Sieger und Besiegte, muselmännische Fürsten und indische Unterthanen, eine unterjochte und eine unter­jochende Race. Der Europäer, mit als den Werkzeugen seiner Civilisation ausgerüstet, gestählt von dem rauhe­ren Klima, kann hier leicht beide Racen beherrschen, aber es fragt sich, wenn er einem Heer von 240,000 Eingeborneu abendländische Disciplin und Kriegstüch­tigkeit anerzieht) ob er sich nicht damit seinen eigenen Feind groß füttert?

Indessen sorgen die Engländer auf andere Weise dafür, sich das Übergewicht über die Eingeborneu zu erhalten;

Earl Ellenborough, der im vorigen Jahrzehend unter den Peel'schen Ministerien den Vorsitz in den indischen Board of Control geführt hatte, erzählte vor einem Comite folgendes:Eine neue Gefahr scheint mir zu drohen bei der vorwaltenden Neigung des Parlaments, Kenntnisse und Bildung unter den indischen Eingeborucn zn verbreiten. Ich erinnere mich noch deutlich eines Besuches des verstorbenen Dwarkanauth Tagore, des

gelehrtesten Hindu, der jemals nach England gekommen, und eines der gelehrtesten im eigenen Lande. Eben hatte ich am Morgen in den Zeitungen eine Rede ge­lesen, die Dwarkanauth Tagore über die Erziehung der Indier gehalten; als er bei mir einsprach, sagte ich ihm daher:Da lese ich eben ihre Rede über Erzie­hung."Ist sie gedruckt worden?" fragte et mich. Ja wohl; hier wird Alles gedruckt doch wir können in diesem Zimmer frei mit einander sprechen, ohne Furcht vor Veröffentlichung. Sie wissen, daß einige meinet Landsleute den Indiern Erziehung zu geben wünschen. Ich glaube aber, wenn ihre Absichten bis zur Grenze ihrer Wünsche erfüllt würden, die Engländer nicht drei Monat länger in Ostindien blieben."Nicht drei Wo­chen", fiel er mir ins Wort, und er hatte vollkommen Recht. Der ehrenwerthe Karl of Ellenborough gibt dem Comite zu bedenken, wie gefährlich es sei, den Hin- duh Anstellungen in der indischen Administration zu geben, wie gefährlicher cs sei, ihnen Schulen zu errich­ten.Kämen dann noch Eisenbahnen dazu," fährt er fort, wie wäre es Möglich, daß wir bei unsern jetzigen oder überhaupt bei irgend welchen Staatseinrichtungen unsere Herrschaft über jene Länder erhalten könnten? Das wäre gegen den gesunden Verstand. Kein gebil­detes Volk wird sich unserer Regierung unterwerfen." No intelligent people will submit to our Govern­ment. Das heißt mit andern Worten: Laßt sie in ihrer Ignoranz, damit sie in britischer Knechtschaft bleiben.

Deutsch innd.

Wiesbaden, 14. Januar. Gestern ist Sr. Ho­heit der Herzog mit I. Hoheit der Frau Her­zogin im erwünschten Wohlsein von Dessau wieder hier eingetroffen.

Aus dem Rheingau, 12. Jan. Die Nach­frage nach Wein hat sich in letzter Zeit vermindert, doch nur ans dem Grunde, weil die Käufer den nahen Ab­stich abwarten. Die schon früher erwähnte Localdampf­schifffahrt zwischen Lorch, Bingen, Rüdesheim, Oestrich und Eltville soll nächstens ins Leben treten und sollen schon die Concessionen nachgesucht sein. Hr. v. Beth­mann, der bedeutende Weingüter im mittleren Rhein­gau besitzt, soll einen großen Weingutkauf in der Cham­pagne abgeschlossen haben.

Frankfurt, 14. Jan. Der französische Bevoll­mächtigte am deutschen Bundestage, Hr. Marquis von Tallenay, hat die neuen Crcditive seiner kaiserlichen Re­gierung erhalten, deren Ueberreichung in den nächsten Tagen stalthabeu wird.

Der (seitdem mm Christenthum übergetretene) is­raelische Arzt in Frankfurt, Dr. Schiff, welcher sich in einem öffentlichen Vortrage eines unziemlichen Aus­drucks über Christus bedient hatte und deßhalb beim Polizeigerichte angeklagt worden war, ist durch Urtheil dieser Behörde vom 29. December v. I. freigesprochen worden.

Darmstadt 12. Jan. Nachdem der hiesige Ad- ministrativ-Jnstizhof die jüngste GemeiuderMhswahl von Mainz als formell giltig bestätigt und die dagegen vor­gebrachten Einwendungen verworfen hatte, ist dieser Tag gegen die Entscheidung des Administrativ-Justizhofs Re- cnrs erhoben worden/ so daß die Giltigkeit jener Wahl von neuem in Frage gestellt ist.

Stuttgart, 13. Januar. (S. M.) Nachdem der Gesetzentwurf, betreffend die Ausschankoabgabe vom Wein- und Obstmost, bei dem ständischen Ausschuß ein: gebracht und von der k. Staatsregierung gegen diesen die Absicht ausgesprochen morden ist, die Stânvever- sammlung bis Mitte Februars einzubernfcn, wurde von dem Ausschüsse die Einberufung der Commission der Kammer der Abgeordneten für Gegenstände der inneren Verwaltung auf den 26. d. M. und der Ablösnungs- Commission auf den 2. Februar angeordnet. Die Ein­berufung der Finanzcommission hängt von der Bearbei­tung einiger Gesetzentwürfe durch die betreffenden Be­richterstatter ab.

München, 11. Januar. GervinuS neueste histo­rische Schrift wurde auch in den hiesigen Buchhandlun­gen mit Beschlag belegt.

DerNürnberger Kurier" ist seit dem 4. Januar dieses Jahres achtmal mit polizeilichem Beschlag belegt worden.

Der wegen seines Duelles mit dem Baron Köster flüchtige Gutsbesitzer Conradi wurde in Ulm verhaf­tet, gegen Erlegung einer Kaution aber alsbald wieder auf freien Fuß gesetzt.

Am vergangenen Sonntag Abend ist die Mannschaft des tön. LeibregimentS, welche zur Exekution in die