Nassauische Allgemeine Zeitung.
â Z». /nitaq dm 14. Januar 1853.
Die „Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dèm belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumeratlonâpreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch fâk den ganzen Umfang des Thurn» und Taris'fchen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postausschlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PossvereinS, w,t für das Ausland 2 fl. 24 kr. — Inserate werden die Vierspaltiz Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nâchstgelegenen Postämtern, zu machen.
Amtlicher Theil.
Dienstnachrichten.
Der mit Versetzung drr fLehrgetzilfenschule zu Holzhausen ü./A. beauftragt gewesene Carl Zoll m a n n ist zum Letzrgehilfen daselbst ernannt worden.
Der mit Versetzung der Lehrgchilfenschule zu Oberursel seither beauftragt gewesene Joseph F ü h r e r ist zum Lehrgehilfen daselbst ernannt worden.
Den mit Versetzung der 2ten Lehrgehülfenschule zu Niederselters seither beauftragt gewesene Franz Keul ist zum zweiten Lehrgchülfèn daselbst ernannt worden.
Nichtamtlicher Theil.
D è c £4 hn-Da mpssch Ma hrt.
In Nr. 7 dieser Blatter wird berichtet, daß Herr Winnen von Nicderlahnsteiu um ein Privilegium zur Befahrung der Lahn mit Damvfschiffen nachgesucht haben. Da ein solches Privilegium sehr nachtheilige Folgen für den kaum in der Entwicklung begriffenen Verkehr auf der wichtigsten Straße unseres Landes, bim Lahn haben könnte, so möge es uns gestattet sein, diese Angelegenheit in nähere Erörterung zu bringen.
Die bisher bei uns bekannten Dampfschiffe des Rheins, der Mosel und selbst die deS Mains und Neckars würden sich zu einer erfolgreichen Beschiffung der Lahn wenig oder gar nicht eignen. Dagegen erscheinen unS die seit einiger Zeit von den Hrn. Gebr. Elsner zu Coblenz gebauten kleinen Dampfschiffe, die gegenwärtig den Localdicust an einigen Punktendes Rheins, wie z.' B. zwischen Coblenz und Vallendar, versehen und ohne Zweifel bald einen großen einträglichen Wirkungskreis erlangt haben werden, mit kleinen Abänderungen in ihrem Bau zum Dienst auf der Lahn vollkommen geschickt. Diese niedlichen, schmalen Dinger, die gegen 50 Fuß lang und mit den Radkasten 73 Fuß breit sind und Hochdruckmaschiucn von 16 bis 18 Pferden enthalten, gehen mit Kohlenvorrath und einer schönen Anzahl Passagiere (60 bis 80) nicht viel mehr als 1 Fuß im Wasser und kostet jetzt ein solches Fahrzeug 1500—2000 Thaler, welcher Preis aber gewiß noch ermäßigt werden kann, wenn die Erbauer größere Aufträge erhalten.
Sobald nun die Schleusen an der Lahn alle fertig sind, was nicht mehr lange währen kann, ist für diese Schiffchen kein ernstliches Hinderniß mehr vorhanden, die Lahn von ihrem Ausflüsse bis nach Gießen, selbst bei dem kleinsten Wasserstande zu befahren. Die Schleusen selbst können von denselben mit Leichtigkeit passirt werden und ist dabei nur der Aufenthalt, der bei jeder Schleuse nicht unter 10 Minuten betragen wird, zu berücksichtigen. Dagegen wird es schwieriger fJn, die vielen vorhandenen Stromschnellen zu bewältigen, welcher Anstand aber auch nicht zu sehr ins Gewicht fällt, da die Dampfkessel die Einrichtung erhalten können, daß sie für diese Fälle hinreichend mit stark gepreßtem Dampf versehen sind.
Die Dampfschiffchen der Herren Gebrüder Elsner sind wegen ihrer flachen Bauart und ihrem geringen Tiefgang geiguet, an ziemlich seichten Stellen des Flusses anzulegen, ohne daß besondere Vorrichtungen zum Einund Aussteigen der Passagiere und dem Aus- und Einladen von Gütern nöthig wären — und das Aulage- und Betriebs-Capital ist so mäßig und ein namhafter Verlust sd wenig zn fürchten, daß cs gar keines Privilegiums bedarf, um die Lahn dieses angenehmen, sichern Verkehrsmittels theilhaftig zu machen. Es ist dann auch — wenn wir nicht irren, von den Herren Gebrüdern Elsner selbst — schon vor einiger Zeit der Gedanke aufgefaßt worden, die Lahn im nächsten Sommer von Coblenz aus vorläufig nach Ems mit ihrem Dampf- schiffchen zu befahren, welchem Unternehmen, da cs be- sondeeö für Passagiere berechnet sein wird, allerdings den Aufenthalt an vier Schleusen von Lahnstein bis Ems nicht zum Vortheil gereichen kann.
Größeres Gewicht legen wir dagegen auf die weitere Beschiffung der Lahn mit eilenden Gütern und weniger beeilten Passagieren, welche letztere zum Theil gewiß in den großen Naturschönheiten des Lahnthales und einer bequemeren Fahrt, als auf dem Landwege, bis Wetzlar und Gießen, hinreichende Entschädigung für ein kleines Opfer an Zeit finden werden. Der größte Vortheil wird jedoch ans der Benutzung der Dampfkraft für die Frachtschifffahrt auf der Lahn hervorgehen, da die Fortschaffung der Frachtschiffe flußaufwärts mit großem Zeitauswande, bei gewissen Wässerständen mit
großen Hinderissen und immer mit beklageuöwerthcr Menschen- und Pferdcschiudcrei verknüpft ist, mit zweckmäßigen Vorkehrungen, jedenfalls viel leichter, schneller und wohlfeiler zu bewerkstelligen sein wird. Hierdurch wird es neben der vollkommenen Schiffbarmachung nur alleiu gelingen können, auf der Lahn einen regelmäßigen Verkehr für sogenannte Kaufmannögütcr herzustcllen.
Deuilchtattd.
4- Wiesbaden, 14. Jan. Gestern Nachmittag ist Herr Pfarrer H a n n appe 1 in Frauenstein gestorben. Der Altertbumsvercin verliert an ihm ein eifriges nnd sehr verdientes Mitglied.
J’ Jdstcèn , 10. Jan. Ans der heute dahier vorgenommenen Wahl der Kreisbczirksräthe sind die Herren v. Schütz zu Camberg, Factor Brütz zu Nie- derfelters, Ludw. Müller zu Niedernhausen und Bürgermeister Klein zu Idstein hervorgegangen Die drei Ersteren sind durch ihre Wirksamkeit als bisherige Kreis- bezirksrâthe bereits bekannt, und der Letztere neu hin- zugetreten.
e Aus dem KreisamLe Hachenburg, 12. Januar. Auf die -f- Correspondenz vom 9. d. Mts. von Selters möchte gvohl zur Ehre der bisherigen Kreiöbezirksräihe, jedoch ohne den Neugewählten in irgend einer Beziehung zu nahe treten zu wollen, zu erwiedern sein, daß auch bisher schon die vom Correspow denten gerühmten Eigenschaften: Einsicht, Kraft u. s.«. im Kreisbczirksrathscolleg vollständig vertreten waren. (Wir glauben nicht, daß der 4- Korrespondent mit seiner Bemerkung den früheren Kreisbrzirksräthen nahe treten oder überhaupt eine Parallele zwischen diesen und den ncugewählten ziehen wollte. Die Red.)
Frankfurt, 10. Jan. (L. Z.) Die dänische Regierung hat, wie in gutunterrichteten Kreisen mitgetheilt wird, die Erklärung abgegeben, daß cs ihr genüge, wenn die Adhäsion zn dem die Thronnachfolge in dem Ge- sammtstaate Dänemark regelnden Verträge, welcher auf der Londoner Conserenz vereinbart worden ist, von Seiten der Regierungen der deutschen Bundesstaaten einzeln ertheilt würde. Zn diesem Behufe sind die Adhäsionsurkunden an die verschiedenen Bundesregierungen vor einiger Zeit versendet worden, und es gehen deren Adhäsionen an den BundeötagSgesandten Sr. Majestät des Königs von Dänemark für die Herzog- thümer Holstcin-Laucnburg, den Baron von Bülow, welcher sich nach Kopenhagen eingeschickt. Es soll demnach diese Adhäsionsangelegenheit nicht im Kreise der Bundes - Versammlung selbst zur Erledigung gebracht werden. Mehrere Bundes - Regierungen übrigens haben, wie bereits verlautet (außer Bayern wird unter anderen auch Sachsen-Coburg-Gotha genannt) , die Ausfertigung der Adhäsionsurkuuden abgelehnt, weil sie der Ueberzeugung sind, daß die Adhäsion zu jenem Vertrage förmlich als Bundessache behandelt, demnach in der Bundesversammlung selbst, und zwar mit Stimmcneinhelligkeit geordnet werden müsse. Die Consequenzen, welche ans diesem Umstände gezogen werden könnten, liegen nahe.
Mannheim, 10. Jan. Im verflossenen Jahre sind über hier 36,282 Personen, wobei 7011 Kinder, nach Amerika ausgewandert.
Freiburg, 12. Jan. Die neueste Schrift von Gewinns: „zur Einleitung in die Geschichte des 19. Jahrhundert", ist auch hier, wie wohl im ganzen Lande, mit Beschlag belegt worden. Die abgegebenen Exemplare wurden sogleich zurückgefordert. Die Sache macht natürlich auch bei uns viel zu sprechen.
Pforzheim, 9. Jan. Die hiesige deutschkatholische Gemeinde wird sich nächstens auflösen. Sie zählt nur noch wenige Köpfe.
Aus Baden, 11. Jan. (St.-Anz. f. W.) Auf unserem Schwarzwald trägt die immer allgemeiner werdende Einführung der Strohflechterei viel zur Verminderung der Armuth bei Aber auch im Odenwald hat man sie mit Glück versucht, und neuerdings wurde sie in Schönau, unweit Heidelberg, eingeführt. Schönan ist der Hauptort im vordem Odenwald.
Stuttgart, 10. Jan. Der französische Gesandte Herzog von Guiche-Grammont überreichte heute Mittag dem König seine neuen Beglaubigungsschreiben.
Die jetzt schon zum dritten Male in dieser Woche vargekommene Confiscation des „Beobachters" fängt an, einiges Aufsehen zu erregen, zumal nicht unbekannt geblieben ist, daß solche wegen beharrlicher Angriffe auf die kaiserliche Regierung in Frankreich jedesmal erfolgt ist. Da dasselbe bei der Confiscation des „Eulcnspie- gels," so wie bei früheren Confiscationen beider Blätter
drr Fall gewesen sein soll, auch die ausgegebenen Blätter stets voll Bitterkeit und Gehässigkeiten gegen Frankreich sind, so geht daraus recht deutlich und unzweifelhaft hervor, wir tief eingewurzelt der Haß unserer Rothen gegen dasjenige Regiment ist, welches ihnen die Hoffnungen auf den Mai 1852 so gründlich im December 1851 verdorben hat, wie sicher aber auch die Hoffnungen gewesen sein mußten.
* München, 11. Januar. Nach der Augsburger Postzeitung ist Hr M. Carrière „nur einstweilen der Aufenthalt als Honorarprofessor in München bewilligt", in welcher Eigenschaft er im nächsten Sommersemester Literaturgeschichte dociren darf. Das Jndiginat habe er noch nicht und solle er auch nicht erhalten. Ueber- Haupt sei seine Anstellung noch nicht ausgemacht. Vielleicht wird sich diese Nachricht besser bewähren, als die neulich über die erst in einiger Zeit zu erwartende Uebernahme des Finanzministeriums durch Herrn v. d. Pfor- dten gebrachte. Nach der Würzb. Ztg. hat nemlich heute der Hr. Ministerpläsid. v. d. Pfvrdtcn auch das Portefeuille des Staatsministeriums des Handels und der öffentlichen Arbeiten wieder übernommen. — Die Verurtheilung des Fürsten Wrede wird in unserer Stadt allenthalben besprochen. Gegen das Urtheil steht dem Fürsten zwar die Einsprache zu, allein wenn diese von Erfolg sein sollte, so müßte er bei der zweiten Verhandlung, die dann stattzufinden hätte, selbst erscheinen, was derselbe aber eben so wenig beabsichtigt, als er gestern erschien, mithin wird es bei dem gestrigen Urtheil sein Verbleiben haben. Frhr. v. Lerchenfeld ist in dieser leidigen Angelegenheit in so ferne nicht ohne Bestrafung hinweggekommen, als er in der Voruntersuchung jede Aussage verweigerte und deßhalb zuerst zu 5 fl. und dann bei wiederholt verweigerter Aussage steigerud bis zu 100 fl. Geldstrafe verurtheilt wurde.
Der französische Gesandte, Herr v. Meneval, wird heute sein Beglaubigungsschreiben dem Hrn. Ministerpräsidenten überreichen. Der Ueberbrivger desselben, Legationssecretär Graf v. Breda, verbleibt in dieser Eigenschaft bei der hiesigen französischen Gesandtschaft.
Gotha, 11. Jan. Unter den Vorlagen für den nächsten gemeinschaftlichen Landtag beider Herzogthümer befindet sich zuvörderst ein Volksschulgesetz, welches die Betheiligung der Gemeinden bei der Anstellung der Volksschullehrer, sowie die Rechtsverhältnisse der letzteren, welche nach unserer Verfassung staatsdienerliche Eigenschaft haben, regelt. Die Local -. und resp. Be- zirksinspectiou wird jedoch auch nach dem neuen Gesetz der Geistlichkeit verbleiben. Sodann ein Gesetz gegen den Mißbrauch der freien Meinungsäußerung durch Wort, Schrift, Druck und bildliche Darstellung; über die Art und Weise, wie durch bewaffnete Mannschaft zur Anfrechthaltung des gesetzlichen Zustandes einzcschrit- teu werden darf; über den Nachdruck; über die Ver- äußerlichkeit und Theilbarkeit des Grundeigcnthums, sowie über die Zusammenlegung von Grundstücken; über die Ausübung des JagdrechtS; über die gleichmäßige Ordnung der Besteuerung; über den Umfang der allgemeinen Wehrpflicht; über Verfassung der Gemeinden; über Reorganisation der Behörden durch Trennung der Verwaltung von der Rechtspflege; über Aufhebung der privilcgirtcn Gerichtsbarkeit; über die Grenzen der polizeilichen Strafgewalt nnd über die Einführung der Oeffentlichkeit und Mündlichkeit nebst deut Institut der Geschwornen und der Staatsanwalt in Strafsachen.
Trier, 10. Jan. (Saar - u.^M.-Z.) In den hiesigen Buchhandlungen ist von Seiten der Policei wegen einer Schrift Nachsuchung gehalten worden, die den hiesigen evangelischen Pfarrer Beyschlag zum Verfasser hat. Die Broschüre unter dem Titel: „Evangelische Beiträge zu den alten und neuen Gesprächen über Kirche und Staat", bespricht das bekannte Werk des Generals v. R a d o w i tz vom entschieden evangelischen Standpunete.
Köln, 12. Jan. (K. ZI Sicherem Vernehmen nach haben Bürgermeister, Beigeordnete und Gemeinde- vcrordnetc unserer Stadt, die augendlicklich in der zweiten Kammer nicht vertreten ist, sich an des Herrn Ministers des Innern Excellenz mit einem in rheinisch- freimüthiger, bündiger und kräftiger Sprache verfaßten Gesuch um Beibehaltung der Gemeindeordnung von 1850 gewandt. (Die erste Kammer hat sich bereits in ihrer Sitzung vom 9. d. M. für die Aufhebung der Gemeindeordnung entschieden. Die Köln. Zeitung bringt nichtsdestoweniger noch einen ihr von „geschätzter Hand ^gegangenen Leitartikel für die Gemeindeordnung; am Schluß desselben wird eine Stelle auS einer diesfalls von der Stadt Elberfeld