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Der berühmte Komponist Äuber hat sich geweigert, die Würde eines Senators anzunehmen, die ihm be­stimmt war. Uebrigens ist Ander zum Maitre de Cha­pelle und Haley zum Directeur de la Chapelle des Ho­fes ernannt worden. Auch Berlioz steht eine Ernennung bevor; bloß Adam wird beim Feuilleton der Assemblee Nationale bleiben.

Der Marineminister hatte den Jngenienr Legrand nach Algerien geschickt, um Nachforschungen in den Wäldern dieser Kolonie allzustellen, in wie weit diesel­ben der Marine HülfsgueUen für Holz liefern können. Aus einem von Legrand eingesandten Berichte geht her­vor , daß allerdings nutzbare Waldungen in Algerien vorhanden sind, aber nur an schwierigen Stellen, wo sie den Verheerungen der Araber haben entgehen können, und daß man weder auf der einen Seite verzweifeln darf, Holz für die Marine aus Algerien zu ziehen, noch auch auf der andern Seiteprächtige Bäume zu suchen hat, wo es nur Rinnen von Wäldern gibt."

Ueber Havre hat man Nachrichten von der Expedi­tion des Grafen Ra oussel-B on lbo n. Er soll eine Niederlage erlitten haben und von den mexikanischen Truppen so umzingelt sein, daß er nur noch nach der Wüste entkommen kann, wo ihn und seine Kameraden unvermeidlicher Tod erwartet.

Lord Cowley hat angeblich eine Note vom englischen Cabinet erhalten, in welcher das neue Ministerium er­klärt, daß cs das Kaiserthnm mit derselben Bereitwillig­keit, wie das Ministerium Derbv, anerkannt haben würde. Die Note fügt hinzu, daß die Anerkennung in derselben Weise statt gefunden haben würde, ohne irgendwie den guten Beziehungen Englands zu den nordischen Mächten Eintrag thun zu wollen. Lord Cowley überreichte diese Note dem Minister des Auswärtigen. Dieser drang jedoch darauf, chaß der englische Gesandte sie dem Kaiser selbst überreiche, was denn auch geschah. Der Gesandte hatte eine lange Zu­sammenkunft mit dem Kaiser. Uebrigens soll England über die Absichten des Kaisers in Betreff seiner nicht mehr beruhigt sein, als durchaus nöthig ist.

Der Ausgang des Vermählnngöprvjccts mit der Prinzessin Wasa soll, wie man sich hier erzählt, den französischen Gesandten in Wien, Hrn. v. Lacour, bei­nahe seine Stelle gekostet haben. Dieser diplomatische Agent scheint bis zum letzten Augenblick mit der ungün­stigen Wendung, welche die Dinge genommen hatten, völlig unbekannt geblieben zu sein und nicht gewußt zu haben, daß ein zweiter Bewerber um die Hand dcr Prinzessin Carola der bevorzugte sei. Ein hier aus Wien eingelanfener Brief erwähnt, daß eine dem dor­tigen Hofe sehr nahe stehende Person vor etwa zwei Monaten an den französischen Gesandelt schrieb, um denselben auf die Borgänge aufmerksam zu machen, daß aber dieser warnende Brief, sei es durch Zufall oder Absicht, seine Bestimmung nicht erreichte. Die Sache wurde mit so viel Borsicht und Geheimhaltung betrie­ben, daß der dabei am meisten interessirte Theil nichts davon erfuhr, und der französiche Gesandte bis zur letz­ten Minute in der Prinzessin Wasa die zukünftige Kai­serin der Franzosen erblickte. Aus Brüssel hier ein gelaufene Privatschreiben melden, der belgische Kriegs­minister habe den in belgischem Dienst stehenden franzö­sischen Offizieren Kenntniß gegeben, daß man sie mit einer Pension für die abgelcistcte Dienstzeit in ihre Heimat werde zurückkehren lassen; nur diejenigen, welche naturalifirte Belgier geworden sind, dürfen im Dienst bleiben. Man wird sich erinnern, daß vor einiger Zeit eine ähnliche Maßnahme gegen die polnischen Offiziere in Belgien zum Bollzug gekommen ist.

Proudhon hat ein sclbstverlegtes Werk als Macula, tur einem Gewürzkräuter um 4 Sous das Pfund ver­kauft. Dasselbe ging, als Proudhons Name bekannt wurde zu gesteigerten Preisen in diesen Händen, zuletzt in die eines Buchhändlers über, der eS wieder als Buch verkauft. Proudhon klagtewegen verletzten Eigen­thums", wurde jedoch abgewiesen. Die Inschrift auf dem Pantheon: Den großen Männern das dankbare Vaterland , deren Belassung der Erzbischof von Paris ungeordnet hatte, wird nun beseitigt werden.

Paris, 10. Jan. Heute haben der Repräsentant der Union und die Gesandten einiger der kleinern deut­schen Staaten in üblicher Form dem Kaiser ihre neuen Kreditive überreicht. Morgen wird der Graf von Hatz­feld, der Gesandte Preußens, und übermorgen, wie man sagt, Hr. v. Hübner, der Gesandte- von Oesterreich, in den Tuilcrien zu gleichem Zweck empfangen; nach an­dern Angaben überreichen diese beiden Repräsentanten ihre neuen Beglaubigungs-Briefe unmittelbar nach einander. Es soll dabei von Seiten derselben der größte Glanz entfaltet werden. Die Kreditive selbst sind jedes in der Sprache des betreffenden Landes, das von Oesterreich aber in lateinischer Sprache abgefaßt. Die Ansprache im russischen Creditiv lautetan den sehr hohen, sehr mächtigen, sehr trefflichen Herrn, unsern sehr lieben und vollkommenen Freund rc." Znletzt hat noch der türkische Gesandte seine neue Beglaubigung zu übergeben.

Spanien.

Madrid, 30. Dec. Die heutige amtliche Zeitung bringt einige diplomatische Ernennungen. Arnaud, bis­her Minister in Brüssel, geht nach dem Haag; der

dortige spanische Gesandte ist nach Mexico versetzt wor­den. Dcr bisherige Gesandtschaftssecretär in Rom kommt als spanischer Minister nach Brüssel und Gerardo de Souza, bisher Beamter im Ministerium des Aeußern, wird Spanien an den Höfen von Florenz und Parma repräsenliren.

Madrid, 6. Januar. Die Gaccta veröffentlicht heute das neue Preßgcsetz. Bezüglich des Geschwornen- Gerichts sind die Hauptbestimmungeu dem von dem Minister Pidal 1845 erlassenen Gesetz entlehnt.

(^rp^brihinnien.

London, 8. Januar. Die Aussichten Gladstone's bei der Oxiorder Universitätswahl haben sich heute we­sentlich gebessert. Er hatte um 11 Uhr eine Majorität von 38 Stimmen und um 12 Uhr eine solche von 67 Stimmen, denn während nach den letzten Nachrichten Gladstone 515 Stimmen zählt-, hatte sein Gegeucandi- dat Perceval nur 348; der Poll ist noch nicht beendigt.

Mehrere englische See-Offiziere, die unter Capitäu Ross gedient haben, sind von dcr Admiralität aufge- fordcrt worden, sich zu melden, falls sic geneigt wären, an einer neuen Fahrt nach dem Eismeere Theil zu nehmen. Es scheint, daß im Frühjahre zwei neue mit Dampf- und Segelkraft gehörig ausgerüstete Nordpol- Geschwader auslaufen sollen ; das eine unter dem Kvm- mando des durch seine vorjährigen Entdeckungen bekann­ten Capitän Jnglefield, ist nach dem Smith's und Jo­nes' Sund bestimmt; das andere wird nach der Bch- ringsstraße gehen, um die Expedition von Capitän Col­linson zu unterstützen, von dessen Ausdauer man sich eine endlich Aufklärung über das Schicksal Sir John Franklin's verspricht. Zufällig taucht, nachdem diese Unternehmungen beschlossen sind, wieder eine merkwür­dige Franklin-Sage auf. Die Cork Constitution näm­lich erzählt, daß im letzten Sturme die See einen von Franklin unterzeichneten Brief (in einer Metallflasche) ans Ufer spülte. Das Schreiben ist von Capitän Bat­hurst vom 12. Januar 1850 datirt und spricht von Mangel an Lebensmitteln; die Mannschaft habe zuletzt mit dem Fleische eines gefangenen Seehundes ihr Leben gefristet 20.

Italien.

t Turin, 6. Jan. Ein königl. Dekret genehmigt das neue Reglement über den Seesanitätsdienst. Vor­gestern hat die Abgeordnetenkammer das Ausgabsbudget der Artillerie, des Festungs- und Fortificatiousdienstes geprüft, und alle Kategorien desselben angenommen; auch die Generaldebatte über das Marinebudget ward geschlossen. Dem Senate wurden die von der Abge­ordnetenkammer angenommenen zwei Gesetzentwürfe über die Reform der Centraladministration und die Genueser Eisenbahn vorgelegt.

Die Deputirtenkammer hat das Gesetz zur Regelung der politischen Centraladministratiou mit 92 gegen 16 Stimmen angenommen.

In Turin hat der Hof die Erziehung der könig­lichen Prinzen, welche bisher immer in der Haud der Geistlichen gelegen, jetzt plötzlich einem Militär über­geben. Rossi, General der Artillerie, ist zum Erzieher der Prinzen ernannt worden. Diese Ernennung ist na­türlich ganz im Geschmacke der Gesinnung der Liebera- len Piemonts, die in Majorität und im Besitze der Gewalt sind.

ch Florenz, 6. Jan. Se. Maj. der König von Bayern ist soeben hier eingetrogen,

Türkei.

Sarajewo, 1. Januar. (Ll.) Die Fahnen des Propheten sind auf verschiedenen Plätzen aufgesteckt, um Freiwillige gegen Montenegro anzuwerben. Es pflegt dies gewöhnlich in solchen Fällen zu geschehen, wo das Volk zum Kampfe gegen die Ungläubigen aufgerufen wird. Obwohl die Zahl der freiwilligen Kämpfer, welche unter den Fahnen Mahomeds angeworben werden, nicht gering ist, so denkt doch die bosnische Regierung daran, ein Zwangsaufgebot ergehen zu lassen. Omer Pascha, und der Pascha von Scutari in Albanien, Osman Pascha, sollen von dieser Stadt aus, und die Generale Ismael, Ibrahim und Derwisch Pascha von Mostar aus gegen Montenegro vorrücken. Die unter den Be­fehlen dieser drei letzteren Generale stehenden Truppen können höchstens 8000 Mann reguläre die oben er­wähnten Freiwilligen ausgenommen betragen. Vor drei Tagen ist Derwisch Pascha, von hier nach Mostar abgerückt und hat alle verfügbare Mannschaft an sich gezogen. Die Gegend von Focscba soll, wie wir ver­nehmen, durch Streifungen der Montenegriner bereits unsicher geworden sein. Allen bis jetzt eingelangten Nachrichten zu Folge dürften die Sachen für die Tür­ken noch nicht am Besten stehen; verwundete Nizams sowohl als irreguläre Mannschaft sind bereits hier ein« getroffen. Die Vorbereitungen jedoch, welche die Pforte im großartigsten Maßstabe trifft, lassen erwarten, daß sich daS Blatt bald wenden werd; von allen Seiten rücken die Truppen vor, und der Fanatismus der Tür­ken ist nicht geringer als der der Montenegriner. Sollte es auch gelingen, in die schwarzen Berge cinzu- dringen, so ist es doch mehr als wahrscheinlich, daß bei dem gänzlichen Mangel aller, selbst der nothwendigen Bedürfnisse und der' Unzugänglichkeit des Landes an ein Behaupten desselben nicht gedacht werden kann. Unter den irregulären Truppen, welche in Albanien ste­

hen, befinden fich mehrere aus der ungarischen Revo­lution wohlbekannte Renegaten, welche unter MahomedS Fahnen gegen ihre ehemaligen christlichen Brüder zu Felde ziehen werden.

Aus Montenegro, Mitte December) rèirb ge­meldet : Zwischen Türken und Montenegrinern war cd wirklich zu einem blutigen Treffen gekommen, welches einen ganzen Tag anhielt Die Monteuegriner hatten den Kampf eröffnet. Ohne Wissen des Fürsten folgten sie ihrer Kampflust und griffen schon am fr'ühen Morgen eine Schanze und mehrere befestigte Blockhäuser in der Nähe Zabljaks an, während eine dritte Abtheilung mann­haft das Lager des Paschas überfiel. Der Kampf soll äußerst erbittert gewesen sein. Ein furchtbares Hand­gemenge entspann sich. Die beiderseitige Wuth und Verwirrung war groß, daß Türken an Türken und Montenegriner an Montenegriner gerieten. Die Cer- nagorzen nahmen die Schanze und ein Geschütz, ohne daß jedoch der Tag im Ganzen etwas besonders Ent­scheidendes brächte. Alle Türken, welche in die Hände der Montenegriner gericthen, wurden schonungslos nieder^ gehauen.

America.

New-Aork, 25. December. Zwei Posten auS Mexiko bestätigen den Aufstand Boülbon's, enthalten eine Proklamation des Gouverneurs von Sonora, ein officiellcs Schreiben an den Gouverneur von Cabillas, einem Militärkommandanten in Sonora, mit der Bitte um Verstärkung; einen Brief au Boulbon von General Parede, mit der Erklärung, daß er sich ihm nicht an­schließen will; Zeitungen und Briefe, die voraussagen, daß Boulbon und die Franzosen sicherem Verderben ent­gegengehen; aber dabei wird eingeräumt, daß Blanco schweren Verlust erlitt. Boulbou und Genossen haben sich den TitelFreiheitsapostel beigelegt. Eine wunder­liche Nachricht ferner ist, daß der Obercommandant allen Schiffen in GuyamaS (einem Hafen in Sonora) den Befehl sandte, auf die hohe See zu gehen, damit sie nicht dam Rousset de Boulbon in die Hände fallen, der aus seinem Hauptquartier Hercasita mehrere flam­mende Aufrufe erlassen und starken Zuzug von Sonö- riauern erhalten habe. So uneNtwirrbär widersprechend ist dcr gewöhnliche Inhalt mexikanischer Posten. Der Capitän eines französischen Kauffahrers, der eben I aus St. Domingo in New-Jork angelangt ist, berichtet, daß die französische Flotte sich im unbestrittenen Besitz des Hhfens von Semana befindet.

Ein Kriegsdampfer ist von Cuba nach Dominica mit einem Boten an den Präsidenten Baez gegangen; Cuba spricht die Erwartung aus, der Präsident werde die stipulirte Colonisation seines Gebietes durch mehrere Hundert Amerikaner nicht dulden, da dieselben nichts als Flibustier seien und einen Angriff aus Cuba im Schilde führten.

Briefen aus Washington vom 22. Dec. zufolge ist die Angabe, daß Kongreßmitglieder von der demokrati­schen Partei eine ansehnliche Summe zu votireu ge­dächten, um sie dem Präsidenten Pierce für den Schatz des Landes gegen etwaige Angriffe von Europa her zur Verfügung zu stellen, durchaus unwahr.

Buenos-Ayres. Das Gesetz, welches den Pa­ranastrom allen Nationen eröffnet, ist im Repräsentau- tenhause angenommen; ebenso der freie Verkehr zwischen Buenos-Ayres und Paraguay für die Flaggen aller Nationen zugestanden.

Neueste Nachrichten.

Augsburg, 10. Jan. Die gestrigePostzeitung" ist abermals, wegen zweier starken Artikel über Prof. Carriere, mit Beschlag belegt worden.

In Tournay kam am 5. Jan. die ProdigalitätS- klage der Familie FougnieS gegen Lydie FougnieS, die Wittwe des Grafen Bocarmè, vor dem Tribunal erster Instanz vor. Ans den Reden der Advocaten ging her­vor, daß die Frau allerdings seit der Hinrichtung ihres uuglücklichen Gemahls ein Leben geführt, das in An­betracht der Umstände ein höchst skandalöses genannt werden muß. Der Entscheid in der Sache wurde aus 14 Tage ausgesetzt.

Kopenhagen, 6. Jau. Von Seiten des hiesigen Pöbels sollen Excesse gegen die holsteinischen Soldaten vorgefallen sein.

Warschau, 30. Dec. (H. N.) Das Gerüchtder aus­ländischen Blätter von der Reise der Kaiserin von tiuß- land nach Venedig wird an gut unterrichteter Stelle als ein unbegründetes bezeichnet. Der Gesundheitszu­stand der Kaiserin ist sehr befriedigend.

* Nach der Triester Zeitung ist der Mangel an Er­folg, welchen dcr Feldzug der Türken gegen die Drusen hatte, dem Verrath und de» Intriguen des unter dem Obergeneral Mehemed Pascha stehenden Generallieute- iiants Daud Pascha zuzuschreiben. Der ungarische Exgeneral Guyon (Churschid Pascha) und der englische Konsul Wood sollen ein förmliches Wucher« und Aus- saugungssystcM in Damaskus organisirt haben. Sie übernehmen die Zahlung der Steuerquoten gegen UN- gehcucre Procente.__,

Verantworkticher Redacteur: Dr. 3. VoczeK.

Lheater-HnLeige.

Donnerstag, 13. Januar. Zessonda. Große romanti.schk Oper in 3 Auszügen von F. Gche. Musik von L. Spohr.