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Nassauische Allgemeine Zeitung.

Wr F«. Mittwoch dm 12. Januar ^ss.

Die,,N»ffau>sff>e Allgemeine Zeitung" mit dèm belletristischen BeiblattDer Wanderer" erschein!, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postrkgulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Lburn- und Taris'fcken BèrwaltungsbczirkS mit Znb, griff des Postausschlags 2 ft, für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen Postoeteins, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die »ierspaltig Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungkn beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasffe t2, auswärts bei den nâchstgelcgenen Postämtern, zu machen.

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Freiherr Prokesch von Esten.

Die vielen irrthümlichen Combinationen der Jour­nale über die Besetzung des Präsidialgesandtschafts- postens in Frankfurt sind nun durch die Ernennung des Herrn v. Pro'esch-Oste» berichtigt und gelöst. Man hat bei dieser glücklichen Wahl für den Frankfurter Posten vollen Grund zur Ueberzeugung, daß einerseits die wie­der eingetretene Einigkeit zwischen den Regierungen von Oesterreich und Preußen ungetrübt sortbestehcn, und daß sich dieses glückliche Verständniß auch auf die heil­same Leitung und Entwickelung der deutschen BundeS- angelegenheit erstrecken werde; denn mit Recht bemerkt dieOesterreichische Korrespondenz", daßdas er­probte Geschick und die achte deutsche Ge­sinnung des Frhrn. v. Prokesch ihn vorzugsweise ge- eiguet erscheinen lassen, den schwierigen und hochwichti­gen Posten zu Frankfurt zum bestell Nutzen sowohl Oesterreichs, als Deutschlands mit Auszeichnung be­haupten". Wir geben nachstehend einen kurzen äußern Lebensabriß des berühmten Mannes.

Geboren in Steiermarks schöner Hauptstadt, am 10. December 1795, entwickelte sich sein reichbegabter Geist sehr frühzeitig, uud er legte in vcrhältnißmäßig sehr jugendlichem Alter in Gratz die vorbereitenden Studien, dann jene der Rechtswissenschaft zurück. Mit großer Neigung und wirklichem Talente zur Dichtkunst begabt, hatte er bis zu seinem achtzehnten Jahre eine Menge Poesien verfaßt, darunter ein Heldengedicht, die Makkabäer", was Alles er aber unerbittlich verbannte. Auf seine Bildung nahm großen Einfluß der Professor der Gedichte, Schneller, ein genialer, für alles Schöne und Große glühender Mann. Als Oesterreich 1813 zum Kriege gegen Napoleon rüstete, wurde auch Pro­kesch von kriegerischer Begeisterung ergriffen, trat als Fähnderich in das Regiment Jordis und machte die Feld­züge von 1813 und 1814 gegen Napoleon mit. (Sr that eine kühne Fahrt über den mit Eisschollen gehen­den Rhein, vertheidigte mit 60 Mann eine Brücke, über den Jll-Kanal im Elsaß führend, gegen achthun­dert Franzosen; bis sein Regiment heran war, und gab bei jeder Gelegenheit Proben hohen Muthes und mili­tärischer Einsicht.

In Linz verweilte Prokesch nur kurze Zeit, und wurde, nachdem er seine Fähigkeit dazu bewiesen, zum Professor der höhern Mathematik au der Cadettenschule zu Olmütz in Mähren ernannt. In die Zeit seines Aufenthaltes daselbst fallen die meisterhaften Monogra­phien der Schlachten von Ligny, Quatrebras und Wa­terloo, und mehrere andere Aufsätze für die österreichi­sche Militärzeitschrift, die ihm einen geehrten schriftstelle­rischen Namen verschafften. Von dem Feldmarschall und Hofkriegsrathöpräsidenten Fürsten Karl zu Schwarzen­berg nach Wien berufen und seiner Person zngetheilt, begleitete Prokesch ihn 1840 nach Leipzig, wo der Fürst Linderung seiner körperlichen Leiden bei dem berühmten Arzte Hahnemann suchte, und harrte bei demselben bis zu seinem Tode aus. Die Denkwürdigkeiten ans dem Leben des Feldmarschalls Fürsten Karl zu Schwarzen­berg", welche Prokesch zu Wien 1832 heransgab, sind ebensowohl von historischem Werthe, als sie ein den Verfasser ehrendes Denkmal seiner Gefühle für den Feldherrn des Völkerkrieges sind. Zu geodätischen Ar­beiten seit 1821 in den Karpathen verwendet, ging er 1823 als Hauptmann im Regimente Priirz Leopold beider Sizilien nach Triest.

Im folgenden Jahre trat er seine längstersehnte Reise nach dem Orient an, wozu er sich durch Sprach- und andere Studien gründlich vorbereitet hatte. Groß und zahlreich waren die Fährlichkeiten, die er da zu Meer und Land bestand, aber nichts schreckte ihn ab, jene Meere, Inseln und festländische Provinzen genau kennen zu lernen, und wirklich ist er in der Kenntniß dieser Himmelsstriche und deren Bewohner noch von Keinem übertroffen worden. Im Jahre 1826 bereiste er Aegypten und Nubien, kam bis zu den großen 6a* tarakten und schiffte dann von Syene herab.

Im März 1827 war er in Kairo, wo er von Meh­med Ali Pascha mit großer Auszeichnung behandelt wurde, zurück, und hier traf ihn seine Ernennung zum Chef des Gencralstabcs der k. k. Escadre, die damals große Thätigkeit gegen den Seeraub in den Meeren der Levante entwickelte.

Im Jahr 1828 bewirkte er die Auswechselung grie­chischer und ägyptischer Gefangenen, und es verdanken ihm viele Familien in Griechenland, aber auch in Kan- dia (Kreta), Syrien und Smyrna ihre oder der ihn- gen Freiheit. Zu der gefährlichen Zeit, wo der See­

raub eine eben so große Ausdehnung gewonnen, als grausamen Charakter angenommen hatte, legte er mehr­mals Strecken von 100 und mehr Seemeilen in offenen Booten zurück. Da ihu die kaiserliche Regierung zum Residenten in Griechenland (sobald nämlich alles Diplo­matische geordnet sein würde) vorbestimmt hatte, kehrte er 1830, nach siebenjährigem Aufenthalte im Oriente, nach Wien zurück. Als Frucht seiner Reisen erschienen Erinnerungen aus Aegypten und Kleinasien", »Reise in das heilige Land",Das Land zwischen den Kata­rakten des Nil" mit einer von ihm selbst aufgenommc- nen, bis jetzt unübertroffenen Karte.

In denEuropäischen Annalen" von 1831 steht sein Aufsatz über die Insel Creta. Zu Wien hatte Prokesch Gelegenheit, sich dem Sohne 9£apoleonë, Her­zog von Reichstädt, zu nahen, und veröffentlichte nach dessen Tod ein Schreiben, worin er die albernen Lügen und schändlichen Verleumdungen, welche über die Art der Erziehung des frühvcrstorbencn Fürsten geflissentlich verbreitet worden waren, zu Boden schlug. In den Jahren 1831 und 1832 zu Bologna und Rom ver­wendet, blieb auch sein Aufenthalt in Italien nicht ohne edle literarische Früchte, die er in der Wiener Zeitschrift für Literatur und Kunst", in derSteyer- märkischen Zeitschrift" und imEcho" wiederlegte. Im Februar 1833 erhielt er eine Sendung an Mehemed Ali Pascha von Aegypten, die er mit Erfolg ausführte. Aus Aegypten zurückgekehrt, wurde er nach München- grätz, wo eine Zusammenkunft der Monarchen stattfand, berufen, und im nächsten Jahre als kaiserlicher Gesand­ter an den Hof des Königs Otto von Griechenland gesendet. Die ausgezeichnete diplomatische Einsicht und Gewandtheit, so wie die Charakterkraft, welche er auf diesem schwierigen Posten so viele Jahre hindurch ent­wickelte, bewog den kaiserlichen Hof, ihn unter noch schwierigern Verhältnissen als außerordentlichen Gesand­ten und bevollmächtigen Minister nach Berlin zu senden. Wie sein Wirken als solcher von Sr. k. k. Apostolischen Majestät beurtheilt wird, das beweist die Ernennung des Freiherr» Prokesch von Osten zum L k. Buudes- tagspräsidialgesandten.

DeutschLand.

* Wiesbaden, 11. Jan. Nach dem Dom Ver- waltungsrath des hiesigen Bersorgungshauses erstatteten Jahresbericht hat der Ertrag der zur Vermehrung deS Capitalsonds eingeleiteten Subscription so viel ergeben, daß außer dem ursprünglichen (Bibliotheksecretär Zim- mermanu'schen) Stistungscapital von 2000 fl. noch 1400 fl. als Capital verzinslich angelegt werden konn­ten. Dagegen haben die Beiträge zur Bestreitung der laufenden Unterhaltungskosten (ohne die noch nicht fäl­ligen Capitalzinsen) nur die Summe von 209 fl. er­tragen, wovon allerdings die Kosten für kleine Anschaf­fungen bestritten wurden, während das meiste nöthige Mobilar, einschließlich des kostspieligen Betkwerkes, von gütige» Wohlthätern hiesiger Stadt geschenkt wurde. Die Versorgungsanstalt konnte daher mit einem kleinen Ueberschuß der laufenden Einnahmen in das neue Jahr übergehen, der durch ein von unbekannter Hand in die­sen Tagen eingegaugenes Geschenk von GO fl. noch ver­mehrt wurde. Zur Zeit befinden sich vier alte Frauen in der Versorgungöanstalt. Vor dem Schl des ab- gelaufenen Jahres ist aber, nach Erweiterung des Lo- cals durch vorgesehene Miethe eines weitern Stocks in dem auf dem Heidenbcrge neben der Kleinkinderschule und der Suppenanstalt gelegenen Hanse, der Beschluß gefaßt worden, zu den bereits angenommenen vier Pfrüudncriune» weitere vier alte Leute, theils Männer, theils Frauen in abgetheilte Localitäten anfznnchmen. Dieser Beschluß ist im Vollzug begriffen.

* Wiesbaden, 11. Jan. Gestern Abend hielt die Polizei aus Anlaß mehrerer in letzterer Zeit vorgc- gekommener Dicsstähle eine Visitation in Wirthshäusern und anderen Localitäten. Arif Grund der bei dieser Gclegcnhcit gemachten Ermittelungen begab sich Herr Polizeirath v. Rößler in Begleitung des Herrn Accessi- sten Schenk und zweier Polizeidiener noch Nachts um 12 Uhr nach Sonnenberg, wo cs ihren Nachforschungen gelang, das am 5. d. M. hier in der Taunusstraße ge­stohlene Weißzeug in einer Scheune in einem mit Bret­tern zngcnagclten Wanbgefach zu entdecken.

X Aus den» Nhemgau, 9. Jan. Vor eini­gen lagen wurde dem Bürgermeister Fischer in Winkel eine Summe Geldes in einem Betrag von mehr als 2000 fl. gestohlen. Als des Diebstahls verdächtig sind bereits drei Personen eingezogen und an daS Criminal geriept in Wiesbaden abgeliescrt. Jenseits des RhcU

nes wurde vor Kurzem ebenfalls ein schweres Verbre­chen verübt. Am verflossenen Freitag, noch vor An­bruch des Tages, wollten zwei jüdische Viehhändler sich nach Kreuznach auf den dortigen wöchentlichen Vieh­markt begeben, und wurden zwischen den Dörfern Gau­algesheim und Ockenheim von zwei Männern angefal­len, die sie gleich festhielten und nach ihrem Gelde fragten. Dem Einen der Angefallenen gelang es, nach­dem er die beiden Straßenränder von sich abgewehrt hatte, zu entfliehen, und um dies leichter zu können, warf er die 200 fl., die er mit sich führte, fort, und machte in Gaualgesheim von dem Vorfälle Anzeige. Man begab sich gleich nach der von dem glücklich Ent­flohenen bezeichneten Stelle und fand dort den Zurück­gebliebenen jämmerlich zerschlagen und mißhandelt und seines Geldes beraubt. Die 200 fl. fanden sich noch unberührt vor. Der Unglückliche wurde nach Gaualges- gebracht, wo er hoffnungslos darniederliegt. Als der That verdächtig nahm man zwei Brüder aus Ockenheim in Gewahrsam.

Alls dem Amte Eltville, 9. Jan. Heute Morgen gegen 7 Uhr brach im Tiefenthäler Kloster bei Neudorf gelegen Fener aus. Ein Nebengebäude, wel­ches früher eine Knochenmühle war, ist Raub der Flamen geworden. Es wäre sehr zu wünschen, vaß von höherer Stelle über die Ereignisse während und nach dem Brande eine Untersuchung angestellt würde.

X Weilburg, 10. Jan. Es hat den angenehm­sten Eindruck gemacht, daß bei der heute dahier statt- gesundcueu Wahl zu KreiSbezirksräthcn die ehrcufesten Nameu der Gemeinderäthe Lommel und Bergmeister Winter von hier, sowie der Bürgermeister Rosen­kranz von Ernsthausen und Bender von Mevenberg aus der Wahlurne hervorgegangen sind, nachdem der Anfangs wiedergewählte bisherige Kreisbezirksrath, nun­mehrige Gemeinderath Strobel, die Wahl nachträglich abgelehnt hatte.

V Hadamar, 10. Jan. So eben ist die Wahl- verhandlung, welche zur Ergänzung des hiesigen Kreis­bezirkrathes von 10 Uhr Vormittags bis 3 '4 Uhr Nach­mittags im hiesigen Kreisamtslocale abgepalten worden war, geschlossen. Aus dem Scrutinium gingen die Herrn Bürgermeister Wagner von Hangenmeilingen, Peter Stahl, Landmann von Elz, Lehrer Stähler von Dorn­dorf und Joseph Siebert von Hadamar hervor. Die gewählten Mitglieder des Kreisbezirksrathes werden alle als loyale, einsichtsvolle Männer genannt. Letzterer ist aus seiner ständischen Wirksamkeit vor und nach 1848 bekannt.

Der an einem Leberleiden nicht unerheblich erkrankte Gpmnasialdirector , Herr Regierungrath K r e i z n e r, befindet sich fortwährend auf bem Wege der Besserung, und cs steht mit Grund zu erwarten, doß derselbe fom- mende Ostern mit neuer Kraft die Functionen seines wichtigen Amtes wieder antreten kann.

Aus Nheinbayern, 8. Jan. Mit dem 10. d. M. wird die bestellte Commission zur Abschätzung der Güterstückè für die Worms-Ludwigshafener Bahn­strecke ihr Geschäft beginnen und sichercur Vernehmen nach werden schon acht Tage darauf die Erdarbeiten energisch in Angriff genommen werden.

Muucheu, 9. Januar. Unser 7 Jahre alter Kronprinz hat die Stelle eines Ehrenvorstandes des katholischen Bcrcincs der heiligen Kindheit übernommen; der Verein besteht aus Kindern, die durch kleine Wochen­beiträge die Bekehrung von Negerkindern ermöglichen sollen. Auch für Liebig wird ans den 16. d. M. ein Festessen vorbereitet. Redacteur C- W. Vogt soll ausgewiesen sein. Der Herr Ministerpräsident Dr. v. d. Pfordten wird, der dringenden diploma­tischen Arbeiten wegen, das Portefeuille des Handels- Ministeriums erst int nächsten Monat wieder über­nehmen.

DerAllg. Ztg." wird ans München geschrieben: Zur Vermeidung einer irrigen Auffassung in Betreff der vom Bundestage über die Anerkennung des Kaisers der Franzosen gefaßten Beschlüsse verdient bemerkt zu wer­den , daß die Anerkennung als solche mit Stimmenein- Helligkeit erfolgte. Die 'betreffende Sitzung fand am 30. v. M. statt. In der Sitzung Dom 3. d. M. han­delte es sich um die Form der Anerkennung. Der be­treffende Beschluß kam nur mit Stimmenmehrheit zu Stande, und zwar ans dem Grunde, weil verschiedene Gesandte sich bei der hohen Wichtigkeit der Sache nicht für ermächtigt hielten, dem von dem stellvertretenden Präsidium vorgelegten Entwurf des AnerkennnngSschrci- beus ohne vorherige Jnstrnctions - Einholung bei ihren