Nassauische Allgemeine Zeitung.
M 5. Samstag ötu 8. Januar 1853.
Bestellungen auf die „Nass. Allg. Zeitung" für das erste Quartal 1853
Zwolle man in Wiesbaden bei der Expedition, auswärts bei der nächsten Postanstalt baldigst machen.
Die,, Nassauische Allqcmeme Zkttunq" mildem bcllerristischkn Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, tâqlich und beträgt der PrâuumeiationSpreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Possregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Cturn« and Taris'schen Vermal,ungSbe;lrkS mit Jubigriff des Possaufschlags 2 fL, für die übrigen Länder re« deutsch-österreichischen Possoereins, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. — Inserate werden die vierspaltig PeUtjcilc oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den nächstgclegeucu Postämtern, zu machen.
Amtlicher Theil.
Conceisw»
3ur Vermittelung des Transports von Auswanderern.
Dem Handelsmann Jean Blees zu Biebrich, als Hauptagent der HandinngSbänser I. M. Bielefeld zu Havre und A. Strauß zu Antwerpen, ist die Erlaubniß zum gewerbmäßigen Betriebe der Vermittelung des Transports von Auswanderern aus dem Herzogthum unter den in der Verordnung vom 31. Januar 1849 enthaltenen näheren Bestimmungen ertheilt worden.
Wiesbaden, den 31. December 1852.
Herzogliche Miuisterialabtheiluug des Innern.
F a b e r.
vdt. Grimm.
Nichtamtlicher Theil.
DieZnerKerrmmg des lrakrzösischettF-aiser- reichs.
Der gestern erwähnte bedcuisame Artikel der „Ocstcr- reichischen Correspondenz" über die Anerkennung des französischen Kaiscrthnms lautet seinem ganzen Inhalte nach, wie folgt:
Wir haben selten eine Nachricht mit größerer Befriedigung vernommen. Dieses Ergebniß der zwischen den Großmächten erzielten Vereinbarung ist uns ein Beleg, daß die Erhaltung des Weltfriedens das oberste leitende Princip ihrer Politik bildet. Dieser Friede wurde bisher (und zwar durch einen längeren Zeitraum als je vorher in der Geschichte dieses Welttheils) bewahrt durch die Aufrechthaltung der im Jahr 1815 zu Stande gekommenen Verträge. Durch die Heilighaltung dieses geschriebenen ^öffentlichen Rechtes der europäischen Staaten ist nicht nur ihr Bestand gesichert und für ihre Beziehungen eine feste, gesetzliche Unterlage gewonnen, sondern es hat sich auch das öffentliche Rechtsgefühl in einer Weise ausgebildet, daß cs der Willkür und der Leidenschaft einen Damm entgegensetzt und dadurch die wirksamste Bürgschaft des Friedens bildet. Unter der Herrschaft dieser Verträge hat die Welt große Segnungen genossen, Fortschritte gemacht und alle Völker haben an Macht, Reichthum und innerer Wohlfahrt zugeuommcu.
Wenn daher die Mächte in diesem Augenblick auf die Verträge zurückweisen, wenn sie vor jeder Verletzung derselben sich verwahren, so erfüllen sie nur eine heilige Pflicht. Man hat seit dem Jahr 1815 nicht mit Starrheit an einzelnen Bestimmungen gehalten. Man hat den Wortlaut von Verträgen, bestimmt den allgemeinen Frieden zu wahrcu, nicht zur KriegSfrage erhoben, wenn das allgemeine Interesse und die Besonnenheit der Kabinette andere Auswege erblicken ließen. Man hat deßhalb unter Wahrung des Bestandes der Tractate unabweisbare Thatsachen in das öffentliche Recht Europa's einregistrirt.
Das Kaiserthum in Frankreich ist eine solche Tbat- sache. Die Mächte haben nicht die Stellung dieser neuen monarchischen Institution zum französische» Volke und deren Rechtstitel in Bezug nach Innen, sondern nur deren Beziehungen nach Außen und die Bürg, schäften, die sie für die Fortdauer friedlicher Verhältnisse bietet, auf Grundlage der Verträge in offieiclle Erwägung zu ziehen.
Die Mächte mußten um so mehr den Nachdruck auf diese Verträge legen, als bei ihrem Abschlusse verschiedene, die Familie Bonaparte betreffende Stipulationen darin Aufnahme gefunden haben.
Es ist deßhalb auch formell nothwendig cs auözu- sprechen, daß durch die Anerkennung der Dynastie Napoleons die Verträge vom Jahr 1815 nicht als aufgehoben zu betrachten seien, sondern daß vielmehr die Anerkennung n u r unter ausdrücklichem Vorbehalt des u n v e r r ü ck t e n B e st a u d e s derselben erfolge.
Nun, wo diese Frage geordnet ist, glauben wir, daß man allerdings vertrauensvoll einer friedlichen Zukunft entgegensehen könne, und daß die Beziehungen aller Eontinentalmächte freundschaftlicher und allseitig befric- digei.der Art sein werden.
Wir wollen hier ohne Rückhalt unsere Ansicht über einen Punkt auSsprechen, der sich nicht im Wege der
Verhandlungen austragen läßt, aber als ein Element der öffentlichen Stimmung auf die Beziehungen der Staaten nicht ohne Einfluß ist. Nach der Ansicht Ei- Niger soll die Verschiedenartigkeit des Ursprungs der monarchischen Gewalt in Frankreich und den übrigen europäischen Thronen einen solchen innern Gegensatz in sich tragen, daß auf ein herzliches und rückhaltloses Zusaminvuwirkeu nicht zu rechnen sei. An diese Erwägung knüpfen sich Besorgnisse über eine Spaltung deS Kontinents in zwei getrennte Lager und über eine ans solcher Stellung der Mächte hervorgehende Unsicherheit der Verhältnisse, Besorgnisse, die wir auf ihr wahres Maß zurückznführen versuchen wollen.
Die Gleichartigkeit der Rechtstitel und der Natnr der Staatsgewalten begründet allerdings Sympathicen, es ist dies nicht zu leugnen. In Bezug auf das praktische Vorgehen aber sind nicht die Sympathieen, son- die Tendenzen und die Interessen der Regierungen entscheidend, und wir haben erbitterte Kriege zwischen Staaten gleichartiger Einrichtungen und Allianzen zwischen Staatsgewalten entgegengesetzter Art und Form ost gesehen.
Die kaiserliche Gewalt in Frankreich hat die Proben ihrer Dauerhaftigkeit erst abzulegen. Wir sagen damit einem Lande .gegenüber, das so viele Erschütterungen durchlebte und so oft zu Grundsteinlegungen neuer Verfassungsbauten schritt, nichts Verletzendes. Wir reden aber aufrichtig, wenn wir ihr Dauer, Glück und Ge- beiden wünschen.
Abgesehen von jenem Siegel der Dauerhaftigkeit, das jeder Staatsgewalt nur die Zeit aufzudrücken vermag, ist nichts in Frankreich geeignet, Mißtrauen oder Abneigung auswärts zu erregen. Zu keiner Zeit war dort die Staatsgewalt so gefestigt, das Princip der Autorität zu solcher Anerkennung gebracht, als unter der starken Hand seines gegenwärtigen Herrschers. Zum erstenmale steht die Revolution in Frankreich außerhalb der Verfassung, zum erstenmale kann und darf die französische Regierung loyal sein, ohne zu ungerechten Prä- tensionen durch das Bedürfniß, sich mit den Parteien abzufinden, gedrängt zu werden. Diesen mächtigen Umschwung der Dinge hat das Genie, der Muth und die Kraft des Maunes herbeigeführt, der jetzt als Kaiser der Franzosen herrscht.
Wenn unter seiner Hand Frankreich erstarkt und sein Ansehen schwerer in dieWagschale der europäischen Verhältnisse fällt, so ist cs natürlich, daß Frankreich auch mit aufmerksamern Augen beobachtet wird, als früher, wo es im Innern zerrissen und daher nach Außen schwach war. Aber wenn wir auf Oesterreichs und seinen Verbündeten Kräfte und Vertheidigsmittel blicken, so sind es nicht die Gefahren eines äußern Angriffs, vor denen wir Ursache haben, besondere Besorgnisse zu hegen. Wir erblicken in der gekräftigten Lage Frankreichs nur eine Mahnung an Deutsch- land, einig zu sein im Innern wie nach Außen. Deutschland muß seine Kraft in seiner Einigkeit suchen, und soll in Bezug auf seine Sicherheit sich nicht von dem guten Willen seines Nachbars abhängig machen. Mit der Angriffsfähigkeit von einer Seite muß die Widerstandskraft der andern Seite in das Gleichgewicht gesetzt werden. Es ruht in diesem Ebenmaße der Kräfte die Bürgschaft für die Erhaltung des Fliedens und für die eigene Sicherheit. Aber es liegt in dieser erhöhten Vorsorge nicht Herausforderndes, nichts was Empfindlichkeiten wecken oder das gute Vernehmen zu stören vermöchte.
Dcukschiattd.
* Wiesbaden, 8. Jan. Dem Vernehmen nach ist es im Werke, die Lahn mit Dampfschiffen zu befahren. Herr Winnen von Niederlabnstein hat um ein dics- j fälliges Privilegium bei der Herzogl. Regierung nach- I gesucht. Vor Erthcilung desselben resp, vor Einholung ■ ähnlicher von Seiten der königl. preußischen und großh. hessischen Regierung wird bem Unternehmet aufgegeben werden, eine Probefahrt zu machen. Die größte Schwierigkeit wird der Ausführung des ProjectS die Passirung der Schleichen bieten.
/X Wiesbaden, 2. Jan. Das Correspon- d'e n z - B l a t t des G e s a in m t v e r e i n s deut s ch e r Gcschichts- und Alterth ums-A e r e i n e, wovon in mehreren Artikeln dieser Blätter die Rede war, ist im November und December v. J. mit Dir. 1 und 2
erschienen, Dresden bei Arnold in Commission 1 Thlr. Archive, Bibliotheken, Gymnasien, Universitäten, Vereine und theilnehmcnde Private werden sich beeilen müssen, es anzuschaffen, da cs nur Probcblätter sind und von der Bestellung der Fortgang abhäugt. Außer dem Vorworte werden Nachrichten über die Verhandlungen und Beschlüsse der Kongresse zu Dresden und zu Mainz gegeben, dabei die im letzten Orte sestgestcllten ,,Satzungen des Gcsammt-Vereinö"; außerdem Nachrichten von erschienenen Vereins- und anderen Schriften, Fragen, Wünsche, Anträge und Besprechungen. Wir wollen mit dem Anfänge uns genügen lassen; vielleicht entwickelt sich daraus mit der Zeit der frühere von Professor Schmidt in Berlin projectirte und näher bezeichnete „Central-Jahresbericht über die Schriften und Thätigkeiten aller Vereine Deutschland". Es darf wenigstens jetzt nicht geklagt werden, daß es an einem allgemeinen Organe der Vereine fehle, welches Jedermann zu Anregungen und bergt. offen stehet. Herausgeber ist Professor Dr. M. L. Löwe zu Dresden, im Auftrage des Direktoriums des Gesammtvereines.
U Dillenburg, 4. Januar. Nicht so geräuschlos wie der Schluß des alten, war bei uns der Anfang des neuen Jahres. Mit dem Glockenschlage zwölf hörte man in allen Theilen der Stadt zahlreiche Flinten- und Pistolenschüsse, und ganze Gruppen junger Leute durchzogen jubelnd die Straßen. Zwar war das Schießen strenge untersagt, doch da unsere Polizei nur in einem Landjäger Qin anderer liegt schon längere Zeit krank) und einigen Nachtwächtern bestand, so konnte unmöglich dasselbe ganz verhindert werden; indessen sollen mehrere junge Leute dabei ertappt und zur Anzeige gebracht worden sein. Außer einer kleinen Rauferei, wobei jedoch der nicht ferne weilende Landjäger gleich einschritt, lief trotz dem Alles ziemlich ruhig ab. — Vom Winter haben wir hier, wie überhaupt auf dem ganzen Wcster- walde noch gar keine Spur. Es wurden sogar in Folge der gelinden Witterung ganz in der Nähe unser Stadt einige völlig reife Erdbeeren und frisch blühende Veilchen gefunden, was bei uns zu dieser Jahreszeit gewiß keine unerhebliche Seltenheit ist.
Frankfurt, 5. Jan. (Fr. Bl.) Das Presbyterium der deutsch-katholischen Gemeinde hat den Antrag einiger ihrer Mitglieder, insgesammt zur protestantischen Kirche überzutreten, aus dem Grunde zurückgewiesen, da statutengemäß ein solcher Antrag von achtzehn Mitglieder der Gemeinde auSgehen müsse. Aufgeschoben scheint uns übrigens nicht aufgehoben.
Frankfurt, 7. Jan. (Fr. Bl.) Gestern hat der Verwaltungsrath der Taunus - Eiscnbahngcscllschaft den seitherigen Bahninspector und Ingenieur, Herrn August W e r n h e r, zum Bahndirector ernannt. Derselbe hatte seit dem erfolgten Tode seines Vorgängers, des Dircctors Beil, zur vollen Zufriedenheit des Verwal- tilngsraths diese Stelle schon provisorisch versehen. — Unter der Verantwortlichkeit des Herrn geistlichen Raths Beda Weber (Redaction Hr. Kaplan Nicolay an der hiesigen Licbfraucukirche) erscheint künftig hier auch ein „kath. Kirchenblatt" wöchentlich einmal.
In der vergangenen Nacht erbrachen Kirchenräuber den Tabernakel des Hochaltars in der Pfarrkirche zum h. Bartholomäus, fanden aber nichts darin. Auch am Liebfrauenaltar wurde ein Versuch nemacht, den Tabernakel zu erbrechen, jedoch ohne Erfolg. ES wird bis jetzt in der Kirche nichts vermißt, weil die Räuber wahrscheinlich zu früh in ihrer Arbeit gestört wurden. Sie sind durch ein Fenster von den Fleischschirnen her in die Kirche gekommen.
Heilbronn, 5. Jan. Nach dem Heilbr. Tagbl. wurde dem Dichter Dr. JustinuS Kerner ein halbjährlicher Gehalt von 500 fl. von bem Könige ausgesetzt.
t München, 5. Januar. Vom Ministerium des Innern sind die Stadt' Kommissariate zu schärferer Ueberwachung der Presse angewiesen worden. Den Landgerichten ist eine Reihe von Blättern bezeichnet, denen sie keine Inserate mehr zuwenden dürfen. In Nürnberg ist der Redacteur des „Fränkischen Couriers", Herr M e y e r, ausgewiesen. — Der Hr. Ministerpräsident, Dr. v. d. P f o r d tje u, hat von Sr. Maj. dem König von Sachsen das Großkreuz des sächsischen Verdienstordens erhalten.
Der gestrigen Verloosung der Grundrenten - Ablö- sungs-Schnlbbritfe soll alsbald wieder eine weitere Ver- loosung der älteren baicrischen Staatsschuld folgen und