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Nassauische Allgemeine Zeitung.

VW; S Freitaq hcu 7. Januar ^SLS.

Bestellungen auf dieNass. Allg. Zeitung" für das erste Quartal 1853

Zwolle man in Wiesbaden bei der Expedition, auswärts bei der nächsten Postanstalt baldigst machen.

DirsRaffauifdie Allgemeine Zeitung" mit dem bellkiriMscheu BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumeratio^spreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulâliv nunmehr auch für den ganzen Umfang des klurn- und Taris'schen Verwaltungsbezirks mit Jub, griff des Postausschlags 2 fl., für die übrigen bänder des deutsch-öfferreichischen Postvereins, wie für das Ausland 2 fl. 24 tr. __ Inserate werden die »ierfpaltig Petitzeile oder deren Raum mit 3 tr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, banggaste 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

Dit unterzeichnete Stelle findet sich veranläßt, be­lobend öffentlich anzucrkenneu, daß Bürgermeister Schleudt zu FlörKheim in der Untersuchung wegen der Ermordung der Ehefrau des Eisenbahnwärters Adam Appel von Flörsheim durch seine rasche und umsichtige Thätigkeit zur schnellen Entdeckung und bal­digen Üeberführuug dcö Verbrechers wesentlich bcige- tragcn hat.

Wiesbaden, den 31. December 1852. Herzogliche Ministerialabtheilnng des Innern. F a b c r.

vdt. S ch m i d t.

BcKairttt-nachnng.

Die Prüfung in den Rechts- und übrigen Smatswiffenschaften betr.

Es wird hierdurch zur allgemcineu Kenntniß ge­bracht, daß die nächste ConcurSprüfung in den Rechts- nud übrigen Staatswissenschaften erst im Monat Octo- ber L I. stattfinden wird.

Wiesbaden, den 4. Januar 1852.

Herzoglich Nassauisches Staatsministerin»!, Abtheilung der Jnstiz.

Lex.

vdt. ® tim nh

Di c n ß II a ch richt c it.

Johann Wolf von Eschelbach, Emil Brück von Wiesbaden, Johann Peter Roth zu Eltville, Ludwig Anthes zu Nassau, Gustav Diehl von Idstein, Hermann R e i ch m a n n von Hadamar, Wilhelm C o u - rädy zu Samberg und Carl Deubel von Wallau sind in Folge der im Herbste vorigen Jahres stattge- fundeuen theoretischen ConcurSprüfung in den Rechts- nud übrigen StaatSwissenschaften in die Zahl der ge­prüften Canbidaten der Rechts- und übrigen Staats- wissenschasten ausgenommen worden.

Theil.

Nosttien, die Herzegowina und Monte­negro.

DieOesterreichische Corrcspondcnz" veröffentlicht vom 3. Januar ein Privatschrciben von der türkischen Gränze, worin manche interessante Details über die kriegerischen Bewegungen in Bosnien und der Herze­gowina, die zunächst durch den montenegrinischen Anfi stand veranlaßt erscheinen, enthalten sind. Demzufolge war Ferik Ismail Pascha bereits zu Mosiar ein getrost fen; am 18. December setzte sich ein Bataillon türkischer Infanterie, am 20. ein zweites Bataillon aus 200 Mann bestehend in Bewegung. Diese Mannschaft scheint bestimmt, die aufständischen oder doch widerspenstigen Rajah's von Pera, Dobroejak, Banjani und Grahowo zu bezwingen. Es hat sich namentlich in diesem Ge­biete die ziemlich unverkennbare Tendenz des Anschlusses an Montenegro kundgegeben und der Bojwode von Grahowo, ein alter erfahrener Gegner der Türken, soll sich diesfalls mit ziemlich bedeutenden Plänen tragen.

Auf den Wunsch Ismail Pascha's hat die griechische Metropolit die dortigen Bevölkerungen anffordern lassen, in Treue und Gehorsam gegen die Pforte auszuharren, allen denjenigen aber, welche feindliche Schritte gegen Vic bestehende Ordnung der Dinge sich hätten zu Schul­den kommen lassen, sollten, im Falle sie ihr Benehmen zu ändern versprächen, volle Amnestie und Vergessenheit filr alles vergangene erlangen. Ungeachtet dessen fürch­ten die CompronutNrten dieser Nachricht kaum theilhaf­tig zu werden, indem der Nachfolger eines Pascha's das von dem Vorgänger gegebene Wort in ähnlichen Fällen nicht immer gehörig respectirt, derlei Vergesscn- heitSgelöbuisse schon oft gegeben, allein nicht immer ge halten worden sind.

Einige Wirkung hat indessen der zu Gunsten der bosnischrn Auswanderer von dem Divan er­lassenen Amnesticact jedenfalls gehabt. Der Brief­steller bemerkt hierbei , daß sehr viele der nach Oester­reich ausgcwandcrten Familien zurückzukehrcu beginnen. Wir können aus verlässiger Quelle beifügen, daß bereits die Hälfte jener Einwanderer mitunter zu großer Er­

leichterung der Gemeinden, in welchen sie sich auf- h leiten, nach Bosnien über die Gränze zurückge- treten ist.

Weiter wird in dem erwähnten Schreiben berichtet, daß eine namhafte Eoncentration regulärer und irregu­lären Truppen in Bosnien und der Herzegowina sich wahrnehmeu läßt. Ein reguläres Bataillon ist von Mostar nach Stolacz abmarschirt; nach Mostar sind von Serajevo auch Mehrere schwere Geschütze geschafft worden.

Diese Vorsichtsmaßregeln scheinen vor Allem darauf berechnet, den revolutionären Geist in einigen Distrikten der Herzegowina niederzuhalten, andererseits aber die Expedition gegen Montenegro, soweit sic von der Land- kite ansgeführd werden wird, zweckentsprechend zu un­terstützen.

Diese humane Maßregel Cburscbid Pascha's, wel­cher den Christen die Abhaltung feierlicher Leichenbe­gängnisse mit öffentlichem Gepränge gestaltete, hat bei den Türken die größte Erbitterung bewirkt und unter­hält eine fortdauernde Aufregung, welche möglicherweise sogar in gewaltsamen Szenen sich Lust machen könnte. Die grundlose Mähre, daß die Montenegriner bei ihren Unternehmungen von zwei großen Mächten Unterstützung erhalten, wird von den Türken beharrlich geglaubt und verbreitet. Unser Berichterstatter fügt hinzu, daß auch gegen Oesterreich eine gewisse feindselige Stimmung von Seite der Türken sich kundgibt. Daß hierfür durchaus kein stichhaltiger, ja nur erträglicher Grund vorliege, ist wohl jedem Verständigen von selbst einleuchtend. Oesterreich achtet die Integrität eines jeden völkerrecht­lich festgestellten Staatsgebietes; es wendet diesen Grund­satz überall, wo er anwendbar ist, an. So wenig da­her die Türkei von Oesterreich irgend eine Gefahr zu besorgen hat, so sehr muß es darauf halten, daß sein Name und sein Ansehen geachtet und geheiligt in je­nen Gegenden bleibe, und nicht Angriffen ausgesetzt werde, die ernste und nachdruckvolle Abwehr erheischen würden.

Wie man aus Konstantinopel berichtet, ist dort eine in der montenegrinischen Angelegenheit vermittelnde Note Rußlands eingetreffen, welche aber von der Pforte ablehnend beantwortet wurde, da der Sultan, wie der Lloyd" berichtet, seine vermeintlichen Rechte und An­sprüche, soweit sie Montenegro betreffen, entschieden znr Geltung bringen will.

Nach Handelsbriefen aus Dalmatien wäre die türki­sche Flotille, welche bestimmt war, der Expedition gegen Montenegro sich anzuschließen, an der Küste bei Dul- cigno aus Konstantinopel eingetroffen. Die Schiffe sol­len ungewöhnlich stark bemannt sein.

Deutschland.

Wiesbaden, 6. Jan. Bei der heute staktgchab- teii Wahl des Kreisbezirksraths, wobei 118 Wahlmän- ncr zugegen waren, wurden mit absoluter (Stimmern Mehrheit zu Kreisbezirksrächen gewählt: 1) Herr H. L. Freytag mit 98, 2) Hr. Philipp Zollm an n mit 97, 3) Hr. Bürgermeister Dresler zu Schier­stein mit 95, 4) Hr. Feldgerichtsschöffe Ph. Wep- gandt mit 94, 5) Herr Christian Bertram mit 93, 6) Hr Forstmeister Dr. Gent h mit 84, 7) Herr G. Rnß zu Biebrich mit 71, 8) Hr. Schreiner Dietrich zu Bierstadt mit 67 Stimmen.

< Biebrich, 5. Jan. Es gereicht einem Jeden, dem das Wohl seiner Mitmenschen recht innig am Her­zen liegt, zur wahren Freude, wenn er vernimmt, wie der liebende Vater überall und zu allen Zeiten Men­schenherzen erweckt, die sich der Noth der Armen und Bedrängten so liebevoll annehmen und mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln derselben abzuhelsen suchen. Hier in Biebrich fehlt es an solchen Armen und Nvthleidendeu nicht; aber, Gott sei Dank , auch nicht an Menschenherzen, die die Seligkeit des Gebens ken­nen. Mit vollem Rechte kann man sagen, daß von jeher hierselbst die Armenpflege in einem recht lobens­wertheu Grade besorgt worden ist Dessenungeachtet hat man aber auch stets recht lebhaft gefühlt, daß noch mehr geschehen müsse in dieser Beziehung, wenn die Gaben auf die rechte Art verwendet und von segen- bringendem Erfolge werden sollen; daß es nicht mit dem Geben genug sei, sondern daß auch die Armen in ihren Häusern besucht werden müssen, um sie zu trösten, zn belehren und was man nicht hoch genug anschia-

I gen kann ihnen das Wort Gottes in ihre Hütten und Herzen bringen. Daß dieses Letztere erst dem Er- steren den Erfolg sichert, bedarf kaum der Erwähnung.

Um mm eine erfolgreichere Einheit in die Unter­stützungen zu bringen, und um den Hauptzweck dersel­ben M erreichen, hat man seit schon einigen Wochen wie dem Schreiber Dieses genau bekannt ist über die Mittel nachgedacht und darüber berathen, wie dieser Zweck am sichersten zu erreichen sein dürfte. Heute nun ist der erste officicUc Schritt in dieser Beziehung ge­schehen , indem Sr. Hochwürden der Herr Kirchenrath Dilthey etwa fünfzig Damen zu einer Berathung über einen zu bildenden Fraucnverein einge- lqdcn hat. Ueber das, was in dieser vorberathenden Versammlung verhandelt und beschlossen worden ist, sowie über den Fortgang der so guten Sache, werde ich Ihnen baldigst ausführlich berichten. Möge der liebe Vater im Himmel zu dem Werke, das in feinem Na­men begonnen worden ist, seinen reichlichsten Segen geben, und möge es den Armen und Dürftigen nicht allein zum körperlichen, sondern auch zum geistigen Wohle gerathen. Daß die Betheiligung der Damen Biebrichs an diesem Werke des Herrn eine recht große und zahlreiche werden wird, sobald die Sache einmal mehr publik ist, unterliegt bei deren bekannten WohE thätigkeilssinn keinem Zweifel.

§ Bad-EmS, 5. Jan. Die Gesellschaft für va­terländische Cultur in Breslau hat den Hrn. Hofrath Dr. Spengler dahier zum correspondirenden Mit- gliede ernannt.

Mainz, 5. Jan. (Mainz. I.) Die erste für unsere LndwigSeifenbahn in Eßlingen, erbaute Locomo- tivc hat den NamenFreiherr von Dalwigk" erhalten, ein Zeichen des Dankes für die vielen Verdienste, welche unser Ministerpräsident sich um dieses vaterländische Unternehmen erworben.

Frankfurt, 4. Januar. Der Kölnischen Zeitung wird geschrieben: Die hiesige Postzestung glaubt das gefaßte Project des Baues einer großen Bundes-Caserne dahier in Abrede stellen zu müssen. Es ist indessen dennoch Thatsache, daß es gefaßt wurde. Der dahin zielende Antrag soll aber Oesterreich und Preußen die Kostenübernahme für den Bau, und Frankfurt die un­entgeltliche Ueberlassung des nöthigen Bauplatzes an- muthen, und befindet sich noch in vertraulicher vorbe­rathender Besprechung, wodurch sich die einstweilige Desavouirung des Projectes erklärt. Neuerem siche­rem Vernehmen nach wird Graf Thun von Hohenstein wahrscheinlich erst in einigen Monaten von hier abbe­rufen werden und zuvor auch kein Wechsel des königl. preußischen Bundestags-Gesandten eintreten, wenn die Feststellung der Umgestaltung der Dinge (?) wirklich die Abberufung des Herrn von Bismark - Schönhausen von hier bedingen sollte.

Heidelberg, 5. Jan. (F. Bl.) Gestern wurde von der hiesigen Polizeibehörde die neueste bei Engelmann in Leipzig erschienene Schrift von Gervinus:Einlei­tung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts," mit Beschlag belegt. Wie uns aus glaubwürdiger Quelle versichert wird, ist das Werk bezichtigt,in maßloser Sprache den Umsturz des Bestehenden, Für­stenhaß und offene Revolution zu Gunsten der Repu­blik predigen."

München, 3. Jan. Herr v. Wendland hat seine neuen Creditivc für Paris bereits am 27. v. M. er­halten, mit der Weisung, dieselben zu überreichen, so­bald von den Gesandten Oesterreichs und Preußens dieselben Schritte geschehen. Ministerialrath Dr. v. Hermann ist nicht zu den Feiertagen aus Wien hier­her gekommen, obschon er noch in den jüngsten Tagen erwartet worden ist. Daraus darf wohl mit Recht ge­schlossen werden, daß die Zollconferenzmitglüder in Wien unausgesetzt in Thätigkeit sind, und dies gewiß im Ein­klänge mit den in Berlin gepflogenen Untcrhandlungeu durch Herrn v. Bruck.

Die Begnadigungsgesuche der verschiedenen politisch Berurtheilten und Jnhaflirten in Rheinbayern werden wohl alle abschlägig beschieden werden. Ein Hauptgrund davon ist der Pfälzer Land rath, nach dessen Wahl und oppositioneller Haltung während der Ver­handlungen .mau in München die Gesinnung der Pfalz beurtheilt und sie demgemäß auch behandelt.

ÄnS Thüringen, 4. Januar. Die gestrige Mittheilung der Frankf. Postztg. über die Selbstauflö-