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Nassauische Allgemeine Zeitunq.

E 4. Milvoch den 5. Januar 1853»

Bestellungen auf dieNass. Allg. Zeitung" für das erste Quartal 1853

wolle man in Wiesbaden bei der Expedition, auswärts bei der nächsten Postanstalt baldigst machen.

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Dik,,Naffams.1>e Allgemeine Zettimg" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, sonntafld ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch für den nanzen Umfang des Ddurn. und TailS'scheu «erwaltuugsbeztrks mit Znb«griff des Postaufschlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-ösierreichischen PostoereinS, wie für das Ausland 2 ff. 24 kr. Inserate werden die »ierfpaltig 'iJrtitirilr oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nâchstgelegencn Postämtern, zu machen.

z - Ä Bit Bedrängnisse der Pwrte

Die Türkei hat sich in eine Sage versetzt, wo sie nicht mehr unabhängig handeln kann, und dieß ist um so schlimmer, als die Nachrichten aus Süden und Westen gleich fatal lanten. In Syrien und Mesopo­tamien gehen die Sachen immer schlechter. Die Paschas yuu Mul und Bagdad sollen so von Araberhorden eingeschlossen sein, daß sie sich nicht aus den Mauern entfernen können, und in Syrien hat der Pascha einen sehr schlecht ausgefallenen Herbstfeldzug gegen die Kru­sen gemacht, Die jetzt den Winter benützen, um zu plündern und das yatiD in Unrnhe zu erhalten. Koimnt nicht bald eine starke Macht aus Enropa au, so möchte es im nächsten Frühjahr in Syrien und Meso- potamieu sehr trüb anssebcn; zum Gluck sollen die Wähabiten noch unter sich uneins sein, sonst waren wohl die Kriegszüge auS dem Nedschd heraus nach dem Eu­phrat und Tigris, wie zu Sunds Zeit vor 50 Jahren, schon gehörig im Zuge; allein wenn es gilt die türkische Macht zu beunruhigen, so werden die hadernden Stämme oft schnell einig. Mit der Hinsendung von Truppen aus Konstantinopel sieht cs schlecht aus, denn man kann weder die Stadt, noch Kleinasien, und am allerwenig­sten Rumili entblößen, und mit der Werbnug von Al­banesen geht es nicht mehr wie sonst. Vor zehn Jahren machte man in Salonichi und in Thessalien viel Lär­men von einem bevorstehenden Zuge gegen Griechen­land, und Anmuten, die sich früher gern dort Sold und Beute geholt hatten, strömten ziemlich zahlreich herbei, um in dem nahegelegenen Griechenland ihrer Beutelust freien Lauf lassen zu können ; als sie aber in gehöriger Anzahl versammelt waren , war der zum Schein ange­regte Strait mit Griechenland beigelegt, und man schiffte die, Betrogenen nach Syrien ein; zum zweiten Mal möchte das Manöver kaum gelingen, und zu dem fehlt das Geld. * v _s

Jetzt ist ganz Albanien mißvergnügt, der Suden war durch das in Monastir aufgestellte Heer genugsam im Zaum gehalten, aber Die nördlichen zum Theil nie ganz bezwungenen Stämme sind in großer Aufregung, ja in Aufstand, besonders die katholischen Stämme der Mir- diteu, Clementi und Malasorcu. Ein Blick aus Die Karte zeigt, was das zu bedeuten hat. Diese Stämme wohnen südlich und nördlich vom Drin, dessen Thal der einzige Landzugang nach Montenegro von Der Süd- Ostseite her ist. Ans Der Ost- und Nordseite schützen Montenegro fast unzugängliche Gebirge, wo an Fort- bringnng einer Armee kaum zu denken ist. Daraus er­klärt sich Die neueste Nachricht ans Konstantinopel , daß die Expedition gegen Montenegro ausgelaufen sei; man muß sie nämlich znr See schicken, um nach Scutari zu gelangen, gegen welches die Montenegrinerin Bewegung sind. Die Feste Svusch liegt etwas links an Der aus den Bergen Monteucgro's herabkommenden Bojana, und sollte als Vorposten dienen gegen Die unbändigen Bergstämme; schon weiter gegen Süden, gleichfalls auf dem linken Ufer Der Bojana, liegt Podgorizza; wo Die Montenegriner kürzlich ein glückliches Treffen bestanden. Auf Dem Wege von Podgorizza welcher Name Die unter dem Berg gelegene Stadt bedeutet_ g'gen Scutari haben nun Die Montenegriner rcchts Ccttiuje, wohin die Türken seit Jahrhunderten nicht mehr vorgc- drungen sind, links die Clementi niiD Malasorcu, und noch südlicher die Mirditon. Da diese im Aufstand sind und Den Türken den Landweg versperren, so ist Scu- lari abgeschnitteu, und Der Pascha auf seine eigenen Kräfte beschränkt, bis die See-Expedition kommt, daraus läßt sich seine Bereitwilligkeit erklären, einen Waffenstill­stand einzngehen. Dieser Waffenstillstand bis Der Sultan die Entscheidung gegeben habe ist sichtlich eine List der Montenegriner, welche Zeit gewinnen wol­len, um ihre Kräfte zusammenzuziehen; denn daß Die Entscheidung dcs Sultans gegen sie ausfallen muß, falls er nicht aus politischen Gründen bewogen wird, im Augenblick zn tcmporisiren, ist von selbst klar. Ge­länge es den Montenegrinern , Scutari zur Uebergabe zu nöthigen , so wäre Die türkische Herrschaft in ganz Oberalbanien bis Durazzo hinab vernichtet, und Die Montenegriner könnten ihre Kräfte nordostwärts wenden, um die Herzegowina in Aufstand zu setzen. Dann brauchen die Slawenstämme, für welche, wie wir in allen Zeitungen lesen, die Serben außerordentlich en- thusiasmirt sind, nur noch Novibazar zu nehmen , und

der schmale Weg, der jetzt nach Makedonien und Die übrige europäische Türkei mit Bosnien und Der Herze­gowina verbindet, ist geschlossen, die beiden letzten, Pro­vinzen also faktisch verloren. Es handelt sich somit bei Der jetzigen Bewegung um nichts mehr und nichts min­der als Bosnien, türkisch Croatien, Herzegowina, Mon­tenegro und Nordalbanien vom türkischen Reich abzu- reißen, ein Bündniß zwischen diesen verschiedenen Län­dereien zu stiften, und dann wieder auf dem Amselfelde (Kossowo Polje), wo einst Die große Serbenschlacht ge­schlagen wurde, den Türken entgegenzutreten. Die Macht, welche Der Türkei aus eigenem Interesse Bosnien und Die Herzegowina hätte erhalten können, Die Macht Der großen Capetanis, überhaupt des slavisch-türkischen Adels von Bosnien, hat die Pforte selbst gebrochen, und er würde ein cm Aufstand der Rajahs ohne türkische Hülfe jetzt kaum widerstehen.

Das ist gewiß eine sehr ernste Krise Der Türkei, aber noch nicht das Ende. Lord Malmesbury hat im englischen Oberhaus von Der alten Unabhängigkeit Mon- tencgro's gesorochen, was so viel heißen will, als daß England aus dieser Frage keinen Kriegsfall machen und sich nicht auf Die zweifelhafte Abhängigkeit Moutene- gro's von Der Pforte stützen will. Das alte griechische Reich hat sich Jahrhunderte in einem weit engern Um­kreis gehalten, als jetzt das türkische Reich entnimmt. Der Zustand dieser fernen Provinzen ist ein Gegenstand ernster Berathung für Die Nachbarn der Türkei, wozu auch England durch seinen Besitz der jonischen Inseln zu zählen, aber entscheidet nicht über das Leben und den Tod derselben. Diese Frage liegt in Konstantino­pel, das sich nicht theilen läßt, und wo jetzt noch das Leben des türkischen Reichs, das in den Extremitäten mehr und mehr erkaltet, oft fieberhaft pulsirt. In die­ser Beziehung ist cs viel wichtiger zu fragen: erstens, was ans Den ganz russisch exereirten und uniformirten moldo-walachischen Truppen wird, zweitens, was Die Bestimmung der neulich vom Kaiser inspicirten russischen Flotte sein soll, Die, im schwarzen Meer eingeschlossen, eigentlich keinen Feind vor sich hat, und ihre Bedeutung nur entfalten kann, wenn sie in's Mittelmeer hinans- segelt, was jetzt kraft der Verträge, Die keinem fremden Kriegsschiffe den Durchgang durch die Dardanellen ge­stattet, nicht möglich ist; und drittens, welcher Einfluß in Konstantinopel überwiegen wird, Der englische oder Der russische, denn Die Zerrüttung des Reichs im Sü­den und Westen macht auch, wie natürlich, Den Par­teikampf in Der Hauptstadt reizbarer und schwankender, weil man nach allerlei Rettungsmitteln hascht. Die Angelegenheiten des Anlehens, das Verbot Der Küsten­schifffahrt für die fremden Dampfboote und Die Ver­ordnung über Die Münzen, geben sämmtlich Veranlas­sung zu Einmischungen und internationalen Streitigkei­ten. Mit Dem Anlchen des Pascha's von Aegypten an England, hat man sich vollends Dem fremden Einfluß verpfändet, und das Secret der Pforte, das dem Paschn verbietet, zur Erbauung Der Eisenbahnen fremdes Capital herbeizuzichcn, ist dadurch sactisch aufgehoben; England hat also im südlichen Theile des Reichs ein wahres hvpothccarischcs Recht, und wenn es ihm gelingt, ein ähnliches Recht in der europäischen Türkei zu erwerben, so wird cs Rußland bald nicht an einem Vorwand mangeln, seiner Flotte im schwarzen Meer Beschäftigung zu verschaffen und einen der beiden Ein- oder AuSgäuge seines Reichs zu besetzen, nämlich den Bosporus.

Den neuesten Nachrichten zufolge beabsichtigten Die Türken über Grahowo in Montenegro einzuhrechen.

Da Die Festung Zabljak das Centrum Der montene­grinischen Operationen gegen Die albanesischeu Türken geworden ist, so dürften einige historische Andeutungen über dieses Fort in diesem Augenblicke nicht ohne In­teresse sein. Es liegt an den Grenzen Albaniens am See von Skutari, und hat, rund vom Wasser umgeben, hohe strategische Wichtigkeit. Es wurde 1423 am Flusse Moraca von Stephan DemSchwarzen" erbaut. Ste­phan war Herr von Montenegro und Zenta. Sein Sohn Ivan residirte daselbst als Gouverneur Montene- gro's, und schlug im Jahre 1478, als er der Republik Venedig Hülfe leistete, auch Die Türken. Im Jahre 1480 rächten sich, bereits im Besitze von Skutari, Die Türken, und nahmen Zabljak im Sturme. 1482 er­oberte eS Ivan zurück. In demselben Jahre belagerten es die Türken von Neuem. Ivan suchte bei der vene- tianischen Republik um Hülfe an, indem er nachwies,

wieviel er von den Türken aus Anlaß der mit dem ve- netianischcn Senate geschlossenen Bündnisses zu leiden habe. Venedig entschuldigte sich jedoch unter Hinwei­sung auf den mit Sultan Bajazet am 16. Jan. 1482 abgeschloffenen Frieden. Hierauf verließ Ivan die Fe­stung, wohin er seine Residenz verlegt hatte, und floh nach Cettinje in Montenegro, in der Hoffnung, in die­ser wahren und großartigen natürlichen Feste sich besser vor türkischer Oberherrschaft schützen zu können. Seit jener Zeit blieb Zabljak in türkischen Händen. Im Jahre 1835 erneuerten die Montenegriner zur Zeit, wo Hafis Pascha Commandant von Skutari war, einen jener gewöhnliâfl nie lange andauernden Waffenstillstände. Sie stiegen zu den Bazars des Moracafluffes hinab, und sandten ihre Heerden aus türkisches Gebiet zur Weide. Sie wurden indeß von den Türken verrathen, Die 17 Montenegriner töbteleu, ihre abgeschnittenen Köpfe nach Scutari schickten, und 4000 Stück Vieh raubten. Die Montenegriner brannten vor Wuth und schwuren Rache. Durch zwei albanesische Wachen grie­chischen Bekenntnisses, welche des Nachts das Thor der Festung Zabljak offen ließen, die damals unter Jakop Agâ's Befehl stand, bemächtigten sie sich am 25. März 1835 dieses Forts. Hafis Pascha eilte mit zahlreichen regulären und irregulären Truppen herbei, und die Montenegriner verließen es, nad)Dem sie es nach Kräf­ten ausgeplündèrt, wieder. Endlich gelang es am 23. November 1852 den Montenegrinern wieder, es einzu­nehmen, und nach allen Berichten, die vom Kriegs­schauplätze ein laufen, ist wohl anzunehmen, daß sie dies­mal Die Flucht richt so leicht ergreifen, und die Festung blos der Gewalt weichend abtreten werden.

Wie derStaatsanz. f. Württemb." meldet, werden die nr o n t e n e g r i u i s ch e u Angelegenheiten in kurzer Zeit geschlichtet sein, indem Rußland und Oesterreich vermittelnd einschreiten werden.

Deutschland.

* Frankfurt, 4. Jan. Morgen und Montag den 10. Januar kommen hier die Mobilien und das Hausgeräthe Der Frau Gräfin v. Ho henthal, vor­herigen Gräfin v. Bergen, zur Versteigerung.

Nach DerA. Z." hat der vor einigen Tagen von Gotha hierher zurückgekehrte Herzog von Augustenburg unter Vermittelung jdes preußischen Bu'chestagsge- sandten Hrn. v. Bismark-Schönhauseu mit dem königl. dänischen Bundestagsgesandten Hrn. v. Bülow über den Verkauf seiner schleswig'schen Güter an die Krone Dänemark abgeschlossen. Der Herzog bekommt 3 Mill. Thaler in Obligationen und 350,000 Thlr. baar. Die Abschlüsse sind gestern nach Kopenhagen durch Courier abgcgangkn.

Ifaftatt, 3. Jan. (Fr. Pztg.) Der allgemein geschätzte Commandant des hiesigen österreichischen Trup- pencontingentS, der k. k. österreichische Oberst V. Hoff­mann, hat bei Der NcnjahrScour in Karlsruhe aus der Hand Sr. k. Hoh. deS Regenten das Commandeurkreuz des Zähringer Löwcnordcns erhalten. Gestern machte aus diesem Anlaß Has großherzogliche Offiziercorps hie­siger Garnison dem Neubccorirten Corpsvisite und gra- tulirte Demselben. Man freut sich hier allgemein, daß einem so hohen Offizier Der österreichischen Armee diese Auszeichnung zu Theil geworden, Da das Wirken des­selben in militärischer Beziehung und sein Streben, die freundlichsten Verhältnisse zwischen beiden hiesigen Trup- pencontingentcn aufrecht zu erhalten, eben so Hobe Ach­tung verdient als der WöhlthätigkeitSsinn, mit dem er und sein Offiziercorps hier bei allen Gelegenheiten sich anSzeichncn, ihm den Dank der Bcwohneer hiesiger Stadt vielfach erworben hat. So hat erst kürzlich hier bei einem Brand das österreichische Offiziercorps Den Beschädigten Die Summe von 200 fl. zugestellt. Aus Bruchsal erfährt man nachträglich zum Schluß der dor­tigen letzten Quartalsitzung der Geschwornen einen Act der Wohlthätigkeit letzterer, der um so anerkennenswer-- ther ist, als das Amt eines Geschwornen ohnehin große pccuniäre Opfer auferlegt. Unter den abznurtheilcnden Straffällen war auch der eines Vaters, der sein 6 Jahre altes Mädchen in unnatürlicher Weise mißhandelt hatte. Der Vater wurde zu der wohlverdienten Strafe verur- theilt, für das Kind aber wurde unter den Geschwornen sogleich eine Sammlung veranstaltete, deren nicht unbe­trächtliches Ergebniß zur weiteren Erziehung und znm Unterrichte des Kindes sicher angelegt wurde.