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Nassauische Allgemeine Zeitung

â S. Dienstag den 4. Januar ^K«â.

Bestellungen auf dieNass. Allg. Zeitung" für das erste Quartal 1853 wolle man in Wiesbaden bei der Erpedition, auswärts bei der nächsten PostanstalL baldigst machen.

DilNaffamsche Allgemeine Zeitung" mit dem belle,rlstis»en BeiblattDer Wanderer" erscheint, Honntag« ausgenommen, täglich und betragt der PränumeralionSprei« für Wiesbaden und , nach dem neuen Posiregulativ nunmehr auc für den ganzen Umfang des Ldurn- und Taris'fchen BenvaUungSbezirk« mit Znb,griff de« PoffaNffchlagS 2 fl für die übrigen Länder deâ deutsch. âgerrkichlschen PostoereinS, wie für das Ausland 2 fL 24 kr. Inserate werden die Vitrspallis yetittrile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auSwärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Kann das ^stifcrmdj einen Krieg nach sich ziehen?

Unter dieser Aufschrift bringt der Constitntionnel einen Artikel, der obenbar unter höhèrm Einflüsse ge­schrieben wurde und deshalb ein besonderes Interesse erregt. Er lautet folgendermaßen:Das Kaiserreich ist proclamirt. Wir haben bereits gesagt, welche Be­deutung eS Frankreich, der Civilisation , der Religion und der Gesellschaft gegenüber haben wird. Wir wol­len jetzt erörtern, welche Bedeutung cs Europa gegen­über haben wird. ES gibt ein Wort, welches sich so oft unwillkürlich den verschiedenen Gedanken aufdrängte, wenn man vom Kaiserreiche sprach, ein Wort, das glücklicherweise seit der merkwürdigen Rede von Bor­deaux nicht mehr wiederholt wird, das aber noch lange Zeit wie ein Gemurmel des Vertrauens und der Un­ruhe, und als der unheimliche -Vorläufer einer großen Krisis unterlief, welche Europa erschüttern sollte. Die­ses Wort istder Krieg". Werden wir Krieg haben? Wird ein neuer Pilluitzer Vertrag gegen Frankreich un­terzeichnet werden? Ist Europa am Vorabend eines allgemeinen Zusammenstoßes? Befinden wir uns im Jahre 1804? Scheuen wir uns nicht, diese Fragen zu stellen. Wir können sie nicht mit Argumenten, sondern glücklicherweise durch Thatsachen lösen. Zum Kriege gehören vor Allem zwei Sachen: eine Ursache und ein Zweck. Was ist die Ursache, und was sollte der Zweck sein? Handelt cs sich darum, die Karte von Europa umzuändern? Streitet man sich um die Nachfolge deS Kaiserreichs zwischen zwei Thronen? Gibt es' einen Einfluß auf den Kontinent oder auf das Weltmeer zu wahren? Will England Acgytcu beherrschen? Will Rußland die Türkei in sich aufnehmcu? Rückt Preu­ßen schon gegen Neuenburg zu? Will uns Oesterreich auS Rom vertreiben? Nein, nichts von allem Dem läßt sich auf dem politischen Horizonte blicken. Alles ist ruhig und festgestellt« Die europäischen Regierun­gen , alle mehr oder weniger von den Stürmen, die über die Nationen hergezogen sind, erschüttert, verlan­gen gar nichts Anderes, als unter der Unverletzlichkeit ihrer Rechte und in der Sicherstellung ihrer Macht ruhig forstlichen. Warum sollte also Europa au's Kriegfüh- ren denken? Wir kennen die Zukunft nicht, welche Gott unserm Vaterlande vorbehalten hat. Wie aber auch diese Zukunft beschaffen sein mag, wir glauben sie von gewissen Besorgnissen und finstern Vorhersaguugen entlasten zu müssen. Nein, es ist nicht möglich, daß Frankreich je einen gemeinsamen Angriff wegen der le­gitimen Ausübung seiner Souveränetät zu befürchten hat. Was auch diese Sonveräuetär beschließen mag, sie ist dem Auslande gegenüber unantastbar; sie mag die Republik aunchmcn oder verwerfen, sie mag ihr Wappen mit einem Adler oder mit Lilien schmücken, sic hat Niemandem Rechnung darüber abzulegen, und Nie mand wird die Kühnheit haben, sie ihr abzufordern. Es gibt keine Verträge, die gegen diese Maximen auf kommen könnten, welche die unabänderlichen Grundla­gen der Unabhängigkeit und Würde eines Volkes sind. Außerdem, könnte wohl Europa ernstlich die Verträge von 1815 gegen Frankreich wegen eines beliebigen Ge­brauchs seiner Souveränetät geltend machen wollen? Was ist denn der politische Werth dieser berühmten Verträge? Um ihn gehörig zu würdigen, muß man sich die Verhältnisse vergegenwärtigen, die sie hervorge- rufen haben, und sich in die Epoche versetzen, deren Charakter sie markircu. Zu der Zeit trat Europa aus einer lange dauernden Erschütterung heraus; sein alter Organismus war durch die französische Revolution und durch das Kaiserreich zertrümmert. Napoleon hatte die Grenzen verändert, Dy. astien entthront, Könige einge­setzt, Notabilitäten vertheilt und Gebiete und Staaten mit seiner gewaltigen Hand gruppirt, wie die Figuren eines Schachbretts, die er nach Belieben jeden Augenblick anders stellen konnte. Das alte Recht von Gottes Gna­den war verschwunden, und es blieb nichts übrig, als das Recht der Souveränetät und der Ruhm Frankreichs in einem Manne concentrirt. Wie der Reise unter un­erhörten Anstrengungen seiner vereinigten Feinde und durch die Schlaffheit Frankreichs fiel, das vom Ruhme ermüdet und übersättigt war, regte sich gegen ihn eine ungeheure Reaction aller Kräfte, aller Ansprüche, aller Traditionen auf, die er gedemüthigt, umgestoßen und entwurzelt hatte. Auf den allgemeinen Krieg, dessen

Held er war, folgte die allgemeine Monarchie, deren Grundcontract die Verträge von 1815 waren. Die Könige, welche die Solidarität ihrer Principien zum Kriege aufgestachelt hatte, vereinigten sich in der Soli­darität ihrer Interessen. Sie haben sich darüber ver­ständigt, daß sie sich gegenseitig unterstützen wollen und daß Keiner von ihnen bcdroht'wcrden könnte, ohne daß er nicht gleichzeitig von allen Uebrizen beschützt swürdc AlS die Restauration in ihrem Interesse und für Rest- uumj Europas Ferdinand ML im Escurial cinsetzte, richtete sie sich strenge nach den Vorträgen von 1815. Der spanische Krieg war nicht blos ein französischer und bourbonischer Krieg, er war zuglesch ein Krieg der Monarchie. Es ist ersichtlich, daß, wenn zu dieser Ze t die Wittwe Napoleon's ihre HerzogSkrvne mit Verach­tung von sich geworfen und Kühnheit genug gehabt hätte, nach Frankreich zu kommen und die Krone ihres Sohnes zu holen, eine zweite Koalition und Invasion, im Falle sie réiiffiit hätte, unvermeidlich gewesen wäre. Das in seiner monarchischen Integrität wieder einge­richtete Europa konnte den Namen Bonaparte, der es bedrohte und erschreckte, nicht auskommen lassen. Bei jeder Wiederkehr von Elba föh iste man ein unvermeid­liches Waterloo vorausseheu. Besteht aber diese durch die Verträge von 1815 wieder eingerichtete Integrität der Monarchien auch heute noch? Ist der Erbe^Lud- wigs's XV111. in den Tuilerien? Ist Belgien unter dem Scepter von Nassau geblieben? Ist das Salifche Gesetz in Spanien rcspeclirt worden ? Mit welchem Rechte wollte man wohl Frankreich den Respect für die Verträge von 1815 ausdringen, wenn man sie selbst in ihren Principien und ihrer Bedeutung aufgegeben hat? Wie, die französische Monarchie ist gefallen, zweimal gefallen im Jahre 1830 und 1848, das erstemal ist sein traditionelles und das zweitemal sein constitnttonelles Recht umgestoßen worden, und man hat nichts gesagt! Wie, Belgien hat sich gegen seinen Souverän revoltirt, cs Hat die Baude, welche cs an Holland knüpften, gebrochen : cs hat selbst einen König und eine neue Constitution gege­ben, und man hat nichts gesagt! Wie, Spanien hat die Form seiner Regierung geändert; es hat frei im Jahre 1833 gethan, was man ihm nicht im Jahre 1823 durchge­lassen hätte, es hat ein Recht und eine Dynastie in'S Exil geschickt; cs hat sie aus der Hand eines unterge- hcndcn Königs gerissen und sie durch die Hand einer Mutter auf das Haupt eines Kindes gesetzt, und man hat nichts gesagt. Man hat die Verträge zerreißen lassen, und möchte heute die Fetzen davon zusammen- flicken, um Frankreich in den Bann zu thun und seiner Souveränetät ein Joch aufzulegen? Das will man nicht, das kann man nicht wollen. Europa will keinen Krieg führen, seine Klugheit verbietet eS ihm. Europa kann keinen Krieg führen, seine Interessen geben es nicht zu. Es kann und es will nicht. Hierin liegen die doppelten Garantien des Friedens. Und in der That, wenn Europa hätte Krieg machen wollen, so hätte es nicht bis zu diesem Augenblicke gewartet, um den Respect für die Verträge von 1815 zu reelamiren. Es hätte ihn im Jahre 1830 angefangcu, alö die alte Mo­narchie zusammenstürzte, als Belgien sich erhob, als Polen aufstand und Italien seine Wiedergeburt versuchte. Es hätte ihn im Jahre 1848 geführt, als selbst die eonstilutioneUen Monarchien verschwanden; alö der Auf­ruhr den Thron auf dem Lastillenplatze verbrannte, und als die im Stadthause etablirte Republik den Königen von ihrem hohen Balcon als eine Schreckens- und den Völkern als eine Hoffnungsgöttin erschien. Und in der That, wenn Europa hätte einen Krieg beginnen wollen oder können, so war die Gelegenheit dazu, in diesen beiden Epochen, besonders aber 1848, sehr günstig. Niemals konnte sein Mißtrauen einen bessern Vorwand finden. Brauchen wir daran zu erinnern, daß Hr. Ledru- Rollin im Stadthause regierte; daß Louis Blanc im Luxembourg predigte, daß die Clubs von Wuth- und Rachegeschrei widertönten; daß die Polen, Deutschen und Italiener öffentlich Propaganda orgamsirten; daß ganz Paris einem Heerlager glich, aus dem sich die Revolution über ganz Europa ergießen sollte? Europa blieb unbeweglich, Gewehr in Arm, vor dieser «Situa­tion ; es wartete, daß Frankreich selbst mit Hülfe seines gesunden Sinnes und im eigenen Interesse diesen Excessen und Tollheiten ein Ende mache. Von den Verträgen von 1815 war keine Rede. Es handelte sich da nicht um Verträge, es handelte sich um das Leben und um

das Heil der Völker. Der Krieg bedeutet Revolution! Das ist es, was ihn unmöglich macht. Jede europäische Regierung trägt in sich selbst ein Element des Verder­bens, das für sie ein Grund zur Klugheit werden muß. Oesterreich liegt zwischen Ungarn und Italien. Preußen reicht mit den Rheinprovinzen an Frankreichs Grenzen« Rußland hat an einem Polen und England an einem Irland zu tragen. Nur durch den Frieden können diese Völker im Zaume gehalten werden. Bei dem ersten am Ufer des Rheines abgefeuerten Kanonenschüsse wür­den sie ihr Joch abschütteln und man würde unfehlbar sich eine Koalition des französischen gegen den europäi­schen Geist bilden sehen. Wir wollen dieses verzwei­felte Spiel nicht spielen. Gott behüte uns, auf diese Weise die unsiegbare Kraft des neuen Rechts zu erpro­ben, dessen Fahnenträger Frankreich ist. Die gewalt­same Propaganda hat ihre Zeit gehabt. Nicht durch Siege, sondern durch seine Einrichtungen und durch den Fortschritt seiner Industrie will Frankreich vor den Völ­kern glänzen und sie an sich ziehen. Wir sind über­zeugt, daß der Prinz, der es beherrscht, seinen andern Ehrgeiz hat. 9tad) einem Napoleon dem Eroberer gibt es nur noch einen Plgtz für einen Napoleon des Frie­dens. Europa begreift cs bereits, wir sind es über­zeugt, und cs weiß, daß cs in Diesem großen Namen, den es nach einem großen Zwischraume wieder au der Spitze der Gewalt sieht, nichts Anderes finden kann als die Souveränetät eines großen Volks, das von Allen geachtet sein, Niemanden aber unterdrücken will."

Drutschland.

Wiesbaden, 3. Januar. Im Monat Decem­ber 1852 wurden auf der Taunus-Eisenbahn 41,150 Personen befördert. Die Summe der Einnahmen be­trug 24,297 fl. 34 kr. Während der Dauer des Jah­res 1852 wurden 1575 Militärpersonen auf der er­wähnten Bahn transportirt.

Frankfurt, 3. Jan. Die Mittheilung, daß hier eine BundeSkaserne erbaut werden sollte, deren Pläne- bereits vorlägen, ist nach derFr. P. Z." vollkommen uugegründet. Den betreffenden Behörden sei nicht das mindeste von einem solchen Projecte bekannt. Heute Abend findet in der PetcrSkirche eine Versammlung der Heidenmission statt.

Bei den Auftritten in der Neujahrsnacht war eS ausgefallen, daß die lärmenden Haufen zum größeren Theile aus fremden, der Stadt Frankfurt nicht ange­hörigen Lenken bestanden.

Die Anerkennung Napoleons III. von Seite des deutschen Bundes soll bereits in gegebener Form er­folgt sein. Marquis de Tallenay wird als Gesandter des französischen Kaiserreichs beim Bunde hier ver­bleiben.

Stultgart, 29. Dec. Gestern ist dem württcm- bergischen Ministerresidenten zu Paris, Freiherr» v o n Wächter, das neue Beglaubigungsschreiben zugefer­tigt worden , daß ihn in dieser Stellung auch unter dem Kaiserreiche beläßt, die er schon unter der Repu­blik einnahm. Von der nun gesicherten Gründung des Exportgeschäftes, welches unter der Firma:Würt- teKbergische Handelsgesellschaft" auf Amen gegründet wurde und wozu die crforderlichcu 100,000 fl. bereits gezeichnet sind, versprechen sich unsere Gewerbsleute viel Gutes. Doch ist dabei nicht zu Verkennen, daß, soll der Erfolg nachhaltig sein, sie selbst auch durch zeitige Lieferung der eingelaufeneu Bestellungen, sowie durch Solidität ihrer Fabricate die Handelsgesellschaft gehörig unterstützen müssen, worüber früher, wenigstens was zeitige Lieferung betrifft, öfter geklagt wurde.

Reutlinge»», 29. Dec. (St. Bl.) Das zur Zeit der Explosion im Dörrhaus vorhandene und das in der Mühle in Arbeit befindliche Pulverquantum be­trug zusammen ungefähr 25 Kentner, und diese haben die große Erderschülternng mit all ihren Folgen verur­sacht. Dcr im Gewölbe befindliche, glücklicherweise nicht zur Explosion gekommene Pulvervorrath beläuft sich auf etwa 23 Kentner. Zum vierten Male in 30 Jahren hat das gefährliche Etablissement Reißaus in die Lüfte genommen, früher nie mit solch furchtbar mächtigem, betäubendem Geräusch und solch ausgedehn­tem Schaden, wie diesmal, wohl aber edlere Opfer for­dernd. Der Schaden an Gebäuden und Mobilien, welcher durch die Explosion entstanden ist, berechnet sich nach der von Lanverständigen vorgenommenen Ab-