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Nassauische Allgemeine Zeitung.

TVr S Samstag dm 3. Januar 1853.

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Bestellungen auf dieNass. Allg. Zeitung" für das erste Quartal 1853

wolle man in Wiesbaden bei der Expedition, auswärts bei der nächsten Postanstalt baldigst machen.

DieNaffauisckk Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag« ausgenommen, tätlich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem steutn Postregulaiiv nunmehr auch für den flauten Umfang des Ihurn» und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Jnbtgriff des Postauffchlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostoereinS, wie für das AuSland 2 fl. 24 ft. ^fiferate werben die dierspaltig Petitieilc oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Montenegro.

Die türkische Regierung erklärt die albanesische Küste in Blokadezustand. Soll diese Maßregel einen Sinn haben, so müssen wir bei dem Divan den Verdacht voraussetzen, cs könne von der See her dem kleinen Montenegro ein Helfer erscheinen oder wo nicht ein Hel­fer, doch Zufuhren von Waffen und Kriegsbedarf ge­landet werden. Die beiden westlichen Mächte haben Montenegro weder anerkannt noch interessiren sie sich in erheblichem Grade für das kühne Räubervolk grie­chisch katholischer Religion. Wäre von England und Frankreich irgend eine Einmischung zu besorgen, so würde sie eher gegen die Unabhängigkeit Montenegro's gerichtet sein. England hat sich gegen die österreichische Uebcrmacht auf dem italienischen Meere sein adriatisches Gibraltar auf den jonischen Inseln gegründet. Es ging sogar mit dem Plane um, einen türkischen Freihafen im adriatischen Meere durch die Pforte eröffnen zn lassen. Also ist es klar, daß die Blokade nur gegen die öster­reichische oder russische Unterstützung und zunächst gegen Zufuhren von dort gerichtet sein kann. Nun hat zwar Oesterreich die Unabhängigkeit Montenegro's anerkannt, aber offenbar nicht aus Interesse für diesen Staat, son­dern um der Pforte eine Lehre zu geben für ihr Be­nehmen während des ungarischen Krieges. Wollte Oe­sterreich Montenegro unterstützen, so fruchtete die Blo­kade wenig. Wenn die Montenegriner von ihren Fel­sen herabstiegen, könnte ihnen Oesterreich in Cattaro Waffen und Kriegsbedarf verkaufen oder verschenken, während die ganze türkische Flotte im adriatischen Meere kreuzte. Oesterreich hat im Grund weder Freude an dem jetzigen Einfall der Montenegriner, noch an der Revolution, die in der Herzegowina unter den griechi­schen Christen ausbrechen soll. Es hat stets gegen die Bedrückung der Christen Einsprüche erhoben ans Rück­sichten der Humanität. Aber wenn die Rajah unter dem Steuerdruck erliegt, so dürfen wir nie vergessen, daß die Steuern, welche der Pope verlangt, eben so die türkischen Christen belasten, als die Zehnten, die an den türkischen Adel bezahlt werden müssen. Steuern drücken, mögen sie in die Tasche des Ungläubigen oder der Kirchenobrigkeit fließen. Wer Oesterreich in die montenegrinischen Händel verwickelt glaubt, vergißt ganz die Stellung des österr. Staates zu der orientalischen Kirche. Diese Stellung zwingt es von selbst znr Neutralität. Die Vorgänge in Jerusalem werden Jedermann aufgeklärt haben, wie lebhaft im Orient der coufessionelle Haß die Bevölkerungen trennt. Die österreichischen Staatsmän­ner müssen daher alle Kunst ausbieten, um im eigenen Lande, wo griechische Christen mit römischen untermischt wohnen, den Frieden aufrecht zu erhalten. Wie zwei­deutig benahm sich nicht die Hülfe, welche die Serben unter Knicanin im Jahre 1849 den serbischen Oester- reichern in der Bacska gegen die Magyaren brachten! Selbst als die Serben und Croaten den gemeinschaft­lichen Feind ihrer Race, den Magyaren, bekämpften, blieben sich doch beide von der Religion geschieden, ziemlich fremd, um nicht mehr zu sagen. Oesterreich hat mit Liberalität verstattet, daß die im Bürgerkriege verwüsteten griechischen Kirchen theilweise durch Peters­burger Geldgeschenke wieder aufgebaut würde, und es verstattete dieß, obgleich russischerseits die römischen Ka­tholiken der polnischen Gebictsthcile nicht weniger als tolerant behandelt werden. Oesterreich obgleich durch und durch katholischer Staat, hat sich doch in weiser Erkenntniß seiner Lage das Gebot besonnenster Maß- Haltnug auferlegt. Schon die zahlreichen Protestanten und Griechen, die es unter seinen Unterthanen zählt, nöthigen es zu konfessioneller Toleranz, aber offenbar würde cs sich selbst schaden, wenn cs die Befreiung großer Gebiete von der Türkei durch thätliches Ein­schreiten begünstigen wollte, denn jeder neue Abfall ist eine Eroberung der griechischen Kirche, deren Oberhaupt die Krone deS größten europäischen Reiches trägt. Wer diese bunten Mischungsverhältnisse von Sprachen, Völ­kern, Stammen und Religionen kennt, der wird sich zweimal besinnen, ehe er ein tadelndes Urtheil über Regierungsmaßregeln fällt, welche in Dalmatien, Illy­rien rc. allen Nationalitäten billige Rechnung tragen müssen. So wird der A. A. Z. aus Wien geschrieben.

Wie dieTr. Z." aus Montenegro vom 12. Dec. meldet, hat des denn doch den Anschein, als wäre eS den Bewohnern der Nahia Piperska mit ihrer Er­

hebung nicht sehr ernst gewesen. Nun haben sich alle Piperaiter dem Fürsten unterworfen und sogar zur Be­ruhigung der Uebrigen beigetragen. Der Besatzung von Zabljak fehlt es an Munition und Proviant, weshalb neue Geschütze aus Ccttiuje und Brodvorräthe auf Ver­anlassung des Fürsten den Cernajevic - Fluß hcrabge- bracht werden sollen. Es hatten sich Gerüchte von dem Verluste Zabljak's verbreitet, welche sich indeß auf ein Gefecht zurückführen lassen dürften, in dem viele Tür­ken und Montenegriner, besonders aus dem Stamme Njegosch, gefallen sind, und welches gegen den Willen des kriegskündigen Georg (der Oheim des Fürsten hat längere Zeit in Rußland gedient), begonnen wor­den. Der allzu heftige Feuereifer kann den Montene­grinern leicht verderblich sein. In eine Feldschlacht sich einzulassen, sollten sie um jeden Preis vermeiden. Der Pascha von Skutari hat an 20,000 Mann , und aus Bosnien soll alle disponible Mannschaft auf den Kriegs­schauplatz eilen. Jedenfalls beabsichtigen die Türken auch gegen die freien Bergbewohner von Grahova, Niksitsch und Pida einen Feldzug.

Die Rüstungen der Pforte übersteigen indessen bei weitem das Maaß des Nothwendigen, wenn es nur auf eine Unterwerfung der Gebirgsbewohner an der Westgrenze zu thun ist.

DerA. Z." wird hierüber aus Konstantinopel vom 16. Dec. geschrieben: Leere Kasse und Kriegsrüstungen! Sie meinen vielleicht, Das sei unvereinbar, das Eine schließe das Andere aus. Aber im Orient ist Vieles mög­lich, was das nüchterne Europa für unmöglich hält! Genug, es ist so, die Pforte rüstet. Kürzlich wurden von hier an die verschiedenen Landwehrstämme Waffen gesen­det. DaS Institut der Landwehr (Redif) besteht hier ganz nsch preußischem Vorbild schon seit einigen Jahren. Alle aus der Linie verabschiedeten Soldaten werden auf 7 Jahre in die Landwehr kingereiht. Ferner soll in Monastir eine Armee zusammengezogen werden. Lagerbedürfnisse, Zelte rc. wurden bereits dahin abgesen­det und auch Truppen sind, wie man versichert, vor drei Tagen von hier nach Scutari abgegangen. Nehmen Sie dazu, daß die vor einigen Wochen verabschiedeten Ma­rinesoldaten nicht wirklich aus dem Dienst entlassen, son­dern zurückbehalten wurden, so haben Sie eine Reihe von Thatsachen, die über die kriegerischen Absichten der Pforte keinen Zweifel lassen. Wem gilt es aber? fragen Sie. Traut der Padischah etwa auch Napoleon III. nicht? Oder rüstet er gegen Oesterreich, oder gegen wen sonst? Diese Fragen lassen sich noch nicht bestimmt beantworten. Man versichert hier zwar, diese Rüstungen gälten bloß dem winzigen Montenegro, nnv die Pforte habe Omer Pascha beauftragt, die Rebellen vom schwarzen Berge derb zu züchtigen. Sollte die türkische Regierund denn aber gar nicht bedacht haben, daß hinter dem Vladika der Zaar steht, und daß Kaiser Nicolaus, da er jetzt ein­mal die Unabhängigkeit Montenegro's anerkannt hat, es nothwendig auch in seinen Schutz nehmen muß? Beab­sichtigte aber die Pforte, wie Andere behaupten, bloß Montenegro abzusperren, so ist nicht recht einleuchtend, wozu man dann so große Rüstungen macht', warum die Redif bewaffnet wird rc. Es scheint also fast, als wenn die Pforte außer Montenegro auch noch Anderes im Auge hätte. DaS Zcrwürfniß mit Oesterreich? Die Türken sind in diesem Bezug in einer argen Täuschung befangen. Sie meinen, von dem Nemtze sei nichts zu fürchten, und Oesterreich könnte gegen die Türken gar keinen Krieg anfangen ohne die (größte Gefahr eines neuen Ausbruchs verderblicher innerer Kriege. Sie könn­ten eines andern belehrt werden. Over könnte man daran denken, gegen die zu rüsten, die hinter den Montenegrinern stehen?

Laut neueren Berichten der Triester Zeitung aus Montenegro fund Albanien ist Fürst Daniela wieder nach Zabljak zurückgekehrt, wo er alle strategisch wichti gen Punkte befestigen läßt. 2700 Mann aus der Herzegowina und dem Kadiluk von Dromiaki haben sich mit den Waffen in der Hand den Montenegrinern angeschlossen. Der Waffenstillstand wird von beiden Seiten nicht beachtet, denn fortwährend finden kleine Gefechte statt.. Eine am Vorgebirge Kerba des Scu- tarinersccs aufgerichtete Batterie hat eine daselbst beab­sichtigte Landung der Türken vereitelt und mehr als 600 derselben den Tod gebracht. Uebrigens war auch der Verlust der Montenegriuer bei dieser Affaire von Bedeutung. Der Oheim des Fürsten, Georg Petro-

vich, wird demnächst eine Reise nach Wien und Peters­burg antreten.

Man spricht von einer Reise des Fürsten Danilo nach Wien, auch verlautet von einem neuen Einfall der Montenegriner auf türkisches Gebiet. (Siehe u. Wien und Constantinopel in den neuesten Nachrichten.)

Zur Zull frage.

Was die auf Unheil und Verwirrung speculirenden Parteien über die neuesten Wendungen denken, wissen wir nicht. Sie beobachten im Ganzen ein verdrossenes Schweigen dazu und fangen nur ganz leise wieder an, ein Bischen zu hetzen. Dagegen freut sich gewiß jeder Freund des Vaterlandes, Jeder, dem an Ehre und Würde Deutschlands, an Erhaltung der werthvollen Güter unserer Civilisation und an der Möglichkeit ei­nes ruhigen Fortschreitens zum Bessern gelegen ist, der sichtbar neu befestigten Einigkeit der beiden deutschen Großmächte. In ihr liegt nicht blos die sichere Bürg­schaft, daß Deutschland mit Ruhe die von Außen etwa drohenden Stürme erwarten kann, die wahrscheinliche Hoffnung, daß diese Stürme in ihren Höhlen zürückge- halten werden, weil sie die Felscndämme scheuen, an denen sie sich brechen müßten, es liegt auch die noch segensreichere Aussicht darin begründet, daß ein einiges Vorschrcitcn im Innern Deutschlands an die Stelle ei­nes Zustandes treten werde, bei welchem eben nichts Allgemeines, selbst das im Princip aus allen Seiten als zweckmäßig, als wünschenswerth Erkannte nicht, zu Stande kam, weil man an einer ganz andern Stelle, als V den oben erwähnten Parteilagern, gleichfalls auf den Pessimismus speculirte, jedenfalls nichts zu Stande kommen lassen wollte, was als ein Werk der vermeint­lichen Gegner erschienen wäre. Und doch zu thun ist soviel, und doch würde nichts so sicher das Ansehen und die Kraft derjenigen Mächte des Staatslebens, von de­ren siegreicher Behauptung die Befriedigung der Ge­genwart, das Gedeihen der Zukunft abhängt, unerschüt­terlich festigen, nichts so gewiß den bewußten und un­bewußten Umsturztendenzen den Boden unter den Fü­ßen wegziehen, als ein recht einmüthiges und großarti- ges Vorgehen in solchen Reformen, welche, wenn sie auch nicht in den Programmen jener Parteien stehen, die Alles nur auf ihren Sieg und ihre Herrschaft be­rechnen, doch geeignet sind, wahrhaft empfundene Be­schwerden zu beseitigen, in weiten Kreisen ein Gefühl sicheren Wohlseins zu entzünden, die Blicke, die Stre­bungen auf neue Bahnen zu lenken und den weiteren wohlthätigen Entwickelungen der Zukunft die Unterla­gen, die Elemente und Bedingungen zu gründen, an deren Mangel diese ganzen Jahre daher so Vieles ge­scheitert ist. Freilich scheint eS, als hätten wir dieher- gestcllte Einigkeit um den Preis wenigstens der Verta­gung einer der schönsten Hoffnungen erkaufen müssen, die dem deutschen Volke werden konnte. Denn in ma­terieller Beziehung konnte nichts Großartigeres, nichts Segensreicheres eintreten, als die Ausdehnung der Handels- und Zolleinheit über ganz Deutschland und Gesammtösterreich, und Preußen namentlich dürfte sich eine seltene, merkwürdige Gelegenheit haben entgehen lassen, sich um Deutschland die ruhmvollsten Verdienste zu erwerben und seinem innern Laudeswohlstaud neuen Aufschwung zu bereiten, als eS diesen Einigungstenbcn- zen hartnäckigen Widerstand entgegensetzte, statt die Ini­tiative zu denselben zu ergreifen und sich an ihre Spitze zu stellen, das sicherste Mittel, ihnen auch noch den Stachel zu nehmen, den man ihnen anträumte. Doch das läßt sich nicht ändern und diese Hoffnung, diese Aufgabe bleibt der Zukunft, bleibt dem Gewicht der drängenden Verhältnisse anheimgestellt. Begnügen wir uns für jetzt mit der näheren Aussicht, daß doch eine Milderung hemmender Schranken, eine mehrere Annäherung und Verflechtung schvn in bet Gegenwart bereitet werden soll, und zürnen wir nicht, wenn auch hier die Entwickelung nur Schritt vor Schrit zum Ziele führt. Hoffen wir aber, daß über so manche, im Ge- dräug dieser Wirren vertagte Einigungsfrage nunmehr um so rascher Uebereinstimmung erzielt und z. D. das bekannteschätzbare Material" in allem Wünschenswer­theu nutzbar gemacht wird, zu 9iu^ und Frommen der Kraft und Sicherheit Deutschlands ebenso wie zur He­bung und Förderung seiner innern Zustände.

So wird der Leipz. Zeitung in einem Artikelvom