Nassauische Allgemeine Zeitung^ ^
M F. Sokntag den 2. Januar ^^^A
Bestellungen auf die „Nass. Allg. Zeitung" für das erste Quartal 1853 wolle man in Wiesbaden bei der Expedition, auswärts bei der nächsten Postanstalt baldigst machen.
Dir ,,Nassauische SUßemrine ZeituuA" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulariv nunmehr auch für den ganzen Umfang deS Iburn- und Taris'schen Verwaltungsbezirks mit Jnbtgriff des Postausschlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen Postrereins, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. — Inserate werden die Vikrspallig Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaste 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.
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Das Jahr, auf welches wir nun zurückblicken, war an bedentnngsvollen Ereignissen reich. Staaten, welche von den Stürmen des Jahres 1848 verschont blieben, bildeten größtentheils den Schauplatz wenn gleich nicht ebenso gewalttätiger, doch nicht minder erschütternder Kämpfe. Die nationalen Bestrebungen, welche den Bestand einzelner Staaten gefährdeten , die Physiognomie des continentalen Staatencomplexes zu verändern drohten, scheinen aufgegeben oder vertagt. Die Bewegungen beschränken sich auf die Gränzen der einzelnen Staaten und haben die Umgestaltung des inneren Staatslebens zum Gegenstände; national - ökonomische und confessionelle Fragen geben ihnen Anstoß und Rückhalt. Wir wollen nur jener Ereignisse gedenken, die unsere Aufmerksamkeit im besonderen Grade verdienen oder geeignet sind, die Hoffnung auf eine baldige und glückliche Lösung der uns am nächsten berührenden Fragen zu vermehren.
Das erste wichtige Ereigniß ist die Wiederherstellung deS französischen KaiserthumS. Die RegierungSform eines benachbarten Landes kann uns eigentlich gleich- giltig sein, das wicdererstandene französische Kaiserthum ist aber mehr als ein Regierungswechsel, der bei dem wetterwendischen Volke der Franzosen nicht zu den Seltenheiten gehört. Das französische Kaiserthum ist von tieferer Bedeutung-, als die Restauration der Bourbons, die Einsetzung des Bürgcrköuigs, cs ist der Sieg des mo- n arischen Princips über die Republik, ein'Sieg, der die größte Stabilität der Zustände verheißenden und gewährenden Staatsform über theoretische Probleme, ein Sieg des historischen Rechtes, eine Anerkennung des Rechtes war ehedem und um so höher anzuschlagen, weil ihn die Monarchen, die Repräsentanten dieses Hiechtcs, von unumwunden ausgesprochenen Wille» des Volkes, dem allgemeinen Stimmrecht verdanken. Von ungleich größerer Wichtigkeit ist dieses Ereigniß für uns durch die Vergangenheit des BonapartiSmus. Wird Louis Napoleon der Versuchung oder gar der Nothwendigkeit widerstehen können, in die Fußtapfcn seines Oheims zu treten? Vielleicht findet er es, wie die December-Rundschau der Kreuzzeitung meint, wirklich schwieriger Kaiser zu sein als Kaiser zu werden. Wehe den Negierungen, — sagt Montalembert, — die ihre Völker langweilen! Um sie zn amüsiren, müssen ste manchmal statt des Tribünen-, Parteien- und Por- tcfeuillckricges zum wirklichen Kriege ihre Zuflucht nehmen. Freiheit und Ruhm sind die Götzen zwischen denen Frankreich schwankt. Das mittelländische Meer ein französischer See und der Rhein die Ostgränze Frankreichs, das würde hinreichcn, um wenigstens etwas für den Ruhm zu thun. Indessen wünscht Louis Napoleon vielleicht eben so sehr Kaiser zu bleiben, als daß seine Friedensversicherungen nicht als aufrichtig gemeint anzuscheu wären. Findet die Diplomatie auch keinen Grund zur Besorgniß, an Gründen zur Vorsicht wird eS nicht fehlen.
Ein anderes wichtiges Ereigniß ist die Einsetzung eines neuen Ministeriums in England. England zählte in diesem Jahre drei Ministerien. Die Whigsmachtcn einem Toryministerium Platz, dieses einem Ministerium, das auS Whigs und Peeliten znsammemgesctzl ist, in seinem Programme beinahe ganz die Grundsätze des abgetretenen Ministeriums adoptirt hat, und dessen Mitglied abermals Lord Palmerston ist, so daß man wirklich die Frage stellen kann, wozu das Land durch die immerwährenden Parteikämpfe zwischen den Whigs und TorryS durch die Frage: Freihandel oder Schutzzoll? in unausgesetzter Bewegung und Spannung erhalten, wozu die eclatante Desavonirung des Lord Fcuerbrand? Palmerstons Wiederberufung in das Cabinet, seine Betrauung mit dem Ministerium des Innern läßt zweifeln, daß den Elementen und Kräften, welche so sichtlich an der allmäligen Auflösung der englischen Verfassung arbeiten, mit Energie werde entgegen gewirkt werdens daß er, der allenthalben, der Revolution auswärts bereitwillig die Hand bot, den in Folge der Reformbill und des erschütterten Einflusses der Aristokratie auf die Wahlen int Unterhause schwankenden Verhältnissen im Innern größere Festigkeit geben werde, und ob seine Grundsätze über auswärtige Politik nicht abermals zur Geltung kommen. Mitglied des neuen Ministeriums ist ferner Herr- Gladstone, der durch seine schriftstellerischen Versuche über
Italien zu Genügen bekannt ist; die Thätigkeit, welche- i Lord John Russel vor seinem Rücktritt im April d. J. entwickelt hat, ist auch nicht geeignet, Vertrauen einzu- flößen. Ist gleich der Name und der höchst acktungs- ! werthe Charakter des Premiers, Lord Aberdeen, Bürge, i daß er diese Elemente seines neuen Ministeriums in den l Gränzen weiser Mäßigung zu halten wissen werde, lautet gleich das Programm des netten Ministeriums in Bezug auf die auswärtige Politik sehr beruhigend, so liegt doch in allen oben erwähnten Umständen wie in den Vorgängen in Frankreich eine Aufforderung mehr zur Einigkeit und zum festen Zusammenhalte» der beiden deutschen Großmächte.
Deßhalb erscheint uns auch der Besuch des Kaisers Franz Joseph in Berlin als das denkwürdigste Ereigniß des Jahres 1852.
Wir haben die tiefe Bedeutung desselben wiederholt hervorgehoben. Als am vierten Jänner dieses Jahres die Wiener Zollconferenzen zum Behuf der Herbeiführung einer deutschen Zolleinigung einberufen wurden, da brach eine trübe Zeit herein; was allein von Sachverständigen geschlicht werden konnte, wurde von Parteien, die in einem Zerwürfniß Deutschlands ihren Vortheil finden, auf das Gebiet der Politik und der Confessio» gedrängt, die Verstimmung wuchs bis zur Unbehaglichkeit und Trostlosigkeit. Da machte der jugendliche Kaiser von Oesterreich, der auf seinen SiegeSfahr- ten durch seine Staaten der Welt schon ein staunens- werthes Bild von Energie und Willenskraft gegeben hatte, den bedauerlichen Zuständen ein Ende. Sein Besuch war die Antwort auf Preußens Anerbieten, in der handelspolitischen Frage auf Verhandlungen eingehen zu wollen, die passendeste und ehrendeste Anerkennung des Wunsches, das herzliche Einvernehmen der beiden Großstaaten herzustellen. Der Besuch des Kaisers in Berlin ist der Ausdruck^iner versöhnlichen, begründeten Rechten Rechnung tragenden Gesinnung und seine nächste und schatzenswertheste Folge Erstarkung des Bundes durch die Einigkeit der Glieder ■— der Abschluß handelspolitischen Differenzen, ein Schritt zur Lösung und Abschwächung der confessionelle» Wirren.
Deutschland.
△ Wiesbaden, 24. Dec. Ein Artikel der „Nass. Allg. Ztg." in Nr. 300, welcher dem Nassauischen historischen Vereine den Vorschlag macht, wandernde Versammlungen zu halten und zunächst die Domkirche zu Limburg zu besuchen, erwähnt dabei das Ersprießliche, zugleich einige alte K i r ch e n g e s ä n g e von dem dortigen D o m ch o r e vertragen zu lassen, und mit Bezug auf das, was kürzlich bei dem Congresse der deutschen Alterthumsforscher und Historiker zu Dresden geschah. Vielleicht intercsstrt cs manche unserer Leser, das Nähere davon zu hören, und wir knüpfen daran die Anregung der Frage, ob nicht bei uns dahier einmal die Aufführung eines förmlichen m u s i c a l i sch - h i st o r i s ch e n Concertes, wie sie anderwärts mit großer Befriedigung der Zuhörer geschehen, auch möglich und reichlich sein sollte.
Der erwähnte Congreß beschloß, unter Führung des königl. Prinzen Johann, von Dresden einen Sinkflug auf der Elbe nach Meißen zu machen, um den alten Prachtbau der dortigen Albrechtsburg, worin bisher die berühmte Porzellanfabrik noch sich befindet, nebst der anstoßenden Domkirche, in Augenschein zu nehmen.
Beim Eintritte der Congreß-Mitglieder in den Dom, welcher die Gräber der alten sächsischen Fürsten nnd Fürstinnen enthält, erklang zuerst die Orgel, und von Mitgliedern der Dresdner und Meißner Liedertafeln wurden darauf drei alte Gesänge vorgetragen, a) das bekannte puer natus, b. ein dreistimmiger Passions- Gesang von Ant. Lotti, c. das Osterlied „Christ ist erstanden."
Bei dem Schlüsse des Kongresses im königlichen Palais des großen Gartens zu Dresden wurden in den Zwischenräumen der Sieben vom Cäcilienvereinc vorgetragen : a. der WeihnachtShymnuS des Sedylius, A solis ortus cardine, b, das Marienlied deS l5. Jahrh. „Es ist ein ros entsprungen", nach dem vierstimmigen Tonsatze des Mich. Prätorius, c. die vierstimmige Motette Palestrina's Adoramus le Christe, d. ein vierstimmiges Madrigal Th. Morlcy'S, auS der Kapelle der
Königin Elisabeth, e. das heitre sechsstimmige Lied „der gutzgauch auff dem goutier saß", von L. Lemblin, Kapellmeister des Pfalzgraten Wolfgang am Rhein, f. das fünfstimmige Festlied von Joh. Eccard „Ueberg Gebirg Maria geht", g. der Pasfionsgesang von H. Schütz „Dank sei unserm Herrn". Im Programme waren die Texte enthalten und mit historischen Anmerkungen erläutert.
Die vorstehende Anführung soll nur beispielsweise geschehen, nicht maßgeblich, da die Auswahl überall verschiedene Rücksichten haben kann. Die mannigfachen und guten Kräfte, die bei uns zur Verfügung stehen, lassen eine doppelte Befriedigung, in Musik und Gesang, getrennt oder vereint, erwarten. Auch haben einzelne Gesangs-Prodnetionen unter uns schon gezeigt, daß die Leiter seine Geschichte hinreichend kennen und practisch versucht haben, um Auswahl und Ausführung mit Erfolg unternehmen zu können. Wäre der rein musicalische Theil, wozu freilich streng genommen auch historische Instrumente gehören, wie wir sie jetzt nicht mehr haben, unausführbar; so möchte doch der historische Gesang um so leichter dargestellt werden können. Wir überlassen Andern gern, das flUhere zu crörten.
Frankfurt, 27. Dec. (L. Z.) Es sind sicherem Vernehmen nach nunmehr alle Anordnungen in der Art getroffen, daß sämmtliche Geschäfte in Bezug auf die Veräußerung dèr Resttheile der aufgelösten deutschen Nordsee-Flotte bis zum nächsten Frühjahre, beendet sein werden. Die Revision und Superrevision des Rechnungswesens wird, wofern sie in Bremerhafen mit der Thätigkeit fortbetrieben wird, die jetzt darin eingetreten, bis zu dem angegebenen Zeitpuncte zum Abschlusse gebracht sein. Die Arsenalvorräthe sind nicht mehr von großen: Belange. Ein Angebot auf die Kanonenboote ist zwar erfolgt, beläuft sich aber nur auf 9000 fl., es ist daselbe nicht annehmbar befunden worden» Es werden diese Fahrzeuge, wie auch das Dampfboot „Erzherzog Johann," im nächsten Februar oder März mittelst öffentlicher Versteigerung verkauft werden. Die Anerbietungen Oesterreichs, die Dampffregatte „Hansa" zu aquiriren, dürften voraussichtlich von der Bundesversammlung demnächst angenommen werden. Einwendungen gegen den Vorschlag, den gebotenen ansehnlichen Kaufpreis von den Forderungen in Abzug zu bringen, welche Oesterreich für Ausgaben zu BundeSzwecken geltend zu machen hat, würden, wie verlautet, eine Zurücknahme jener Anerbietungen herbeiführen; in diesem Betreffe wird österrcichischerseits auf den allerdings triftigen Umstand hingewiesen, daß Oesterreich, wenn es Baar-Ausgaben für Acquirirung dieses Schiffes machen solle, ein solches Fahrzeug zu weit billigerem Preise aus seinen Werften am adriatischen Meere würde herstellen lassen können. — In der Sitzung der Bundesversammlung vom 23. d. brachte, äußerem Vernehmen nach, der Ausschuß für Militärangelegenheiten den Antrag ein, für die von einem hannoverschen Offiziere dem Bunde überlassene Erfindung einer Shrapnellverbesse- rung dem Erfinder eine seinem Verdienste entsprechende Summe (man spricht von 60,000 fl.) zuzuerkennen. Es wurde die Einholung von Instructionen bei den Bundesregierungen über diesen Antrag beschlossen. Ein weiterer Antrag des Ausschusses, eine Matrieularumlage von 3000 fl. für die Kosten, welche die mit dieser Erfindung in der Bundesfestung Mainz angestellten Proben gemacht, auszuschreiben, wurde sofort zum Beschluß erhoben. — Unsere Handelskammer hat sich, jedoch nur mit einer Majorität von einer Stimme, gegen das Pro- ject ausgesprochen, auf hiesigem Platze eine Discouto- bank mit einem Gesellschaftscapital von zwei Millionen Gulden zu errichten.
In Frankfurt haben die hervorragendsten Mitglieder der sogenannten deutsch-katholischen Gemeinde, die Herren Dr. Burkard, Belli - Senfferheld und Dr. Renner bei dem Aeltestenrathe den Antrag gestellt, die ganze Gemeinde solle zur protestantischen Kirche übertreten.
Darmstadt, 30. Dec. Professor Schenkel ans Heidelberg hat am Montage de» 27. d. Abends seine Vorträge begonnen und solche vor einem so zahlreichen als ausgewählten Publicum täglich fortgesetzt. Heute Abend wird er solche beendigen. Auch Se. Gr. H. der Prinz und I. K. H. die Prinzessin Karl beehrten die Vorträge mit Ihrer Gegenwart.
Baden, 28. Dec. (S. M ) Dem Vernehmen nach