Nassauische Allgemeine Zeitung.__
â SOS. Freitag -eu 31. December 1858
Neues Aboune ment
Auf das mit dem 1. Januar 1853 beginnende neue Quartal der „Nassauischen Allgemeinen Zeitung" und des mit der „Nassauischen Allgemeinen Zeitung" vereinigten im Anhang derselben erscheinenden „Kreisblattes für das Kreisanit Wiesbaden" laden wir hiermit zu geneigten Abonnements ein.
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Vie Vorgänge in Montenegro.
Wie der A. A. Z. von der oster re i chi sch-türkische« Gränze, Mitte Dcc. geschrieben wird, hat die Begeisterung für die Sache Montenegro's den Cnl- minatiouSpnnkt erreicht. Serbischerseits treten besonders in der Presse die Wünsche klarer hervor. Es wird geradezu aus Abtrennung der Montenegro nächstgelegenen serbischen Städte, auf Bereinigung des alten „Zenta" mit seinen früheren Gränzen und der Herzegowina angetragen um ein selbstständiges christlich-serbisches Für- stcnthum zu begründen. Man entledigte sich dadurch türkischerselts einer immer kampfbereiten, nimmer ruhenden Bevölkerung. In der That ist die Lage für die Türken um so gefährlicher, als in Albanien stete Widersetzlichkeiten an der Tagesordnung und selbst türkische Bauern auf Seite der Tschernagorzi sind. 5000 Montenegriner widerstanden einst den 35,000 Söldnern Mahmud Paschah's, und offen spricht man die (freilich kaum wahrscheinliche) Möglichkeit aus, daß auch Omer Pascha's Haupt wie das Mahmud's in Cettinjc auf der bekannten Schädelstätte prangen könnte. Die slavische Bevölkerung Albaniens und der Herzegowina ist, wie sich denken läßt, ziemlich aufgeregt.
Zu erwähnen ist, daß wie der Triester Zeitung von der Savemündung, 17. Dec. geschrieben wird, ein Adjutant des Fürsten von Serbien sich nach Sarajevo begeben hat. Der Zweck seiner Reise ist unbekannt. Nachdem die Kriegsoperationen von Seiten der Montenegriner gegen die Türken eröffnet worden sind, wendet man sein Augenmerk auch dem Fürstenthum Serbien zu, um zu erforschen, wie sich dasselbe in dieser Beziehung verhalten werde. Da sich selbst die Türken den - Montenegrinern ««schließen, so wäre dieß mit noch - größerm Recht von den Serben zu erwarten.
Die „OesterrcichischeCorrespoudcnz" findet, daß den Vorgängen in Montenegro mitunter eine größere Bedeutung beigelegt worden sei, als ihnen ihrer eigentlichen Beschaffenheit nach zukommen dürfte. Wenn auch die Zustände im türkischen Staate in Betreff ihrer Regelmäßigkeit, Festigkeit und inneren Stärke Manches zu wünschen übrig lassen, so ließe sich doch unmöglich an- nehmen, daß ein kleines, von allen Seiten eng umschlossenes Gebirgsvolk der Regierung eines großen, einst so gefürchteten 'Reiches Schwierigkeiten und Gefahren ernster Art über die Gränzen seines Gebietes hinaus zu bereiten im Stande sein sollte, wenn schon nicht in Abrede gestellt werden kann, daß die dortigen Terrainhindernisse die Besiegung und Unterwerfung der Montenegriner auf ihrem eigenen Boden außerordentlich erschweren. Sie bringt nach verläßlichen Mittheilungen Folgendes zur Aufklärung jener verwickelte« Zustände.
Allen Nachrichten zufolge scheint den nächsten Anstoß zur Unternehmung gegen die Veste Zabljak eine in der montenegrinischen Nahia (Bezirk) Piperie entstandene Gährung gegeben zu haben. Die überaus kriegerische Bevölkerung dieser Gegend soll vor einigen Jahren durch ein Mitglied der fürstlichen Familie Petrovicv eine Beleidigung erlitten und seitdem stets einen Groll gegen dieselbe gehegt haben, der durch die Türken geflissentlich genährt bei den PMnaneru eine Hinneigung zu dem Anschlusse an die türkische Sache besorgen ließ. Diese Besorgulß wuchs, seit mehrere Familien jenes Bezirkes in letzter Zeit bereits nach der Türkei übergegangen waren. In Folge dessen sah sich der junge Fürst Danilo Petrovich veranlaßt, die Nahia «ist 2000 Montenegrinern zu besetzen, und es gelang ihm, die bereits stark hervorgctrctmie Gährung zu dämpfen.
Während ihres Aufenthaltes daselbst wurden eie Montenegriner durch einen in der Fettung Zabljak weilenden Landsmann über den verwahrlosten Zustand derselben und über die außerordentliche Dürftigkeit der Besatzung in Kenntniß gesetzt. Dieser lockenden Versuchung zu widerstehen, war ihnen kaum möglich,. und so erfolgte denn jener bekannte Ueberfall, der so glücklich gelang, daß nur zwei steinerne, wie eS heißt, ziemlich starke' Blockhäuser (Kule), welche auf dem dem See zugekehrten Abhange des Hügels liegen, dessen Spitze Fabljak bildet, im Besitze der Türken verblieben. Diese Häuser stehen zu senkrecht unter der Feste, um von den drei darauf befindlichen Geschützen beschossen werden zu können. Längere Zeit beschäftigten fich die Montenegriner damit, diese Blockhäuser, welche ihnen theils den
Uebergang über die Brücke der Moraesa nach dem übrigen Albanien verwehrten, theils mit Hilfe ihrer Geschütze manche Verheerungen in den Reihen der monte- uegrinischen Geschützbedienungsmannschaft in Zabljak bewirkten, zur Uebergabe zu zwingen. Als sic sahen, daß sich dies nicht leicht bewerkstelligen ließ, und mehr «och weil sie fürchteten, zwecklos Zeit und gute Gelegenheit zu verlieren, setzten sie vom 11. auf den 12. d. Mts. sowohl unterhalb der Brücke und zum Theile über die nördlichste Spitze des Skntariuer See's, als oberhalb der Brücke in Kähnen und mittelst Führten über den Fluß. Obwohl nur 2000 Mann stark, griffen sie gleichwohl das aus 4000 Mann größlentheils irregulärer Truppen bestehende Lager das Pascha von Skutari au; mehrere Gefechte wurden geliefert mit abwechselndem Glücke, anfangs jedoch entschieden ungünstig für die Montenegriner. In dem ersten und wichtigsten dieser Gefechte soll der Verlust der Montenegriner nach Einigen gegen 18 Todte und 50 Verwundete, nach Anderen 200 Todte und Verwundete betragen haben. Auch auf anderen Punkten der Ebene ward ohne wesentlichen Erfolg gekämpft und bereits begann eine gewisse Eut- muthigung unter den Montenegrinern Platz zu greifen, als Fürst Danilo beschloß, die Mehrzahl seiner Leute nach Hause gehen zu lassen und nur eine auserlesene, fortwährend angemessen zu ergänzendeTruppe vor Zabljak zu behalten.
Hiernach stand die Sache der Montenegriner gegen die Mitte des Monats durchaus nicht so günstig als manche Zeitungsberichte sie bis dahin schilderten. Der Wahrheit zur Steuer muß noch erwähnt werden, daß eine starke Partei in Montenegro selbst mit aller Entschiedenheit gegen den Zug nach der „Ebene" eifert, weil sie davon schweren Schaden für Die Zukunft be- . fürchtet. Der FüM jOst ist nebstMem Meime Pe- trowich nach Cettigne zurückgckchrt.
Um den Ueberfall von Zabljak zu entschuldigen, machen die Montenegriner geltend, daß dem Fürsten die sichere Kunde zugekomme« war, unmittelbar nach seiner Ernennung habe die großherrliche Regierung beschlossen eine starke Expedition unter Omer Pascha zur Unterwerfung des czcruagorischen Gebirges zu entsenden. Außerdem machte es ihre Besorgniß rege, daß der Pascha von Skutari sich, ehe sie Piperi besetzt hatten, diesem Bezirke sich mit bewaffneter Macht zu nähern angcfangen hatte.
Diese Besorgniß scheint nicht ganz ungegründet gewesen zu sein. Es soll nämlich von Constantinopel aus an die Veziere von Bosnien, Herzegowina und Albanien die vorläufige Mittheilung von einem beschlossenen Angriffe auf Montenegro, welcher Mittheilung die weiteren Dispositionen folgen würden, ergangen sei. Dieser Befehl langte in Skutari am 9. December an, muß also in Constantinopel früher expedirt worden sein, ehe die Uebcrrumplnng der Veste Zabljak dort bekannt gewesen sein konnte. Dagegen scheint aber allerdings die 90t'1 dermetzlnng des Häuptlings Gjulek, der mit 200 Ar- nanten auf dem Marsche nach Gasko begriffen war, dem Entschluß der Pfortenrcgierung den entscheidenden Anstoß gegeben zu haben. Insoweit hätten sie die über ihr Land sich zusammenziehenden Gefahren selbst heranf- beschworen.
Die neueste über Triest gekommene Meldung lautet nun freilich dahin, daß die Mouteueginer bei Podgo- rizza einen bedeutenden Vortheil errungen, und die Für» ken zum Abschlusse eines Waffengiltitandes genöthigt haben, bis die Entscheidung des Sultans in Betreff ihrer Ansprüche erfolgt.
Die Oest. Corr. bezweifelt nicht die Wahrheit dieser Meldung, glaubt jedoch die Bestätigung derselben vorerst abwarten zu müssen. Indessen wird selbst der jetzt angeblich dem Pascha von Skutari abgenöthigte Waffenstillstand nicht als maß und ausschlaggebend be trachtet werden können, indem eine türkische Flolille mit Mannschaften und Kriegsmunition gegen Montenegro bereits ausgelaufen ist und bei Klech und Castelnovo landen wird, während gleichzeitig Omer Pascha an der Spitze seines Armeecorps den Marsch gegen das Gebirge antritt.
Wir verweisen auf die Artikel Triest und Zara in den neuesten Nachrichten.
Deutschland.
Wiesbaden, 30. Dec. Die in diesen Blättern
von Eltville ausgesprochene Befürchtung, daß Hr. Pfarrer Schlenger von Hattenheim die ihm übertragene Domherrstelle in Eltville nicht annehmen werde, entbehrt der Begründung. Derselbe wird seine neue Stel- lnng gegen Ende nächsten Monats antreten.
Aus Nassau, 27. Dec., wird dem Franks. Journal von einem nassauischen Industriellen folgendes geschrieben: Die Bemühungen im Herzogthume, einen Pelitioussturm für die Erhaltung des preußischen Zollvereins zu wecken, der eigentlich nie einen Sinn hatte, und jetzt, wo die Anwesenheit Herrn v. Brucks in Berlin eine allgemein befriedigende Lösung der Zoll- und Handelsfrage zu gewärtigen berechtigt, weniger als je Aussicht hätte, einen Sinn zu erhalten, werden immer fortgesetzt. In letzter Zeit hat man von Frankfurt aus eine Anzahl Druckschriften, wie z. B. Müller- Melchiors und Deningers Reden in der Kammer zu Darmstadt für Erhaltung des preußischen Zollvereins, Petitioussturm der Nassauer und Anderer für die Erhaltung dieses Vereins, gratis vertheilen lassen und voraussichtlich findet eine Verbreitung dieser Schriften auch in anderen deutschen Staaten statt. Der Zweck dieser kostspieligen Vertheilung, eine Agitation der unklaren Gemüther, eine Belästigung der Regierungen der CoalitisnSstaaten zu veranlassen, liegt dabei klar vor Augen. Die Zugabe der Rede des Freiherrn v. Schenk in der ersten Darmstädter Kammer sollte wohl nach der Ansicht des Verbreiters dazu dienen, eine ihren eigenen Zwecken entgegengesetzte, und denjenigen der Reden Müller - Melchiors und Deninger's günstige Wirkung hervorzubringen. Diese gehaltvolle Rede aber calmirt die sprudelnden Aufwallungen einer unklaren Auffassung des ersteren und stellt die egoistische Anschauung der Rede Deninger's, die nicht über die Gränzen der gegebenen Verhältnisse hinauszugehen vermochte, in ihr rechtes Licht. Es wohnt ihr eine besondere Ruhe, Umsicht und Klarheit inne. Sie paßt eben so sehr auf die Verhältnisse Nassaus, wie auf diejenigen von Hessen- Darmstadt. Darum ist ihr Studium allen Jenen zu empfehlen, welche sich an den Petitionen in Nassau be- theiligt haben, oder noch beteiligen wollen, und Schreiber dieses empfiehlt es hiermit allen seinen Landsleuten auf das Beste.
□ Gricöheèm, 30. Dec. Bekanntlich hat hier ein im Laufe des Sommers stattgehabter Hagelschlag bedeutende Verheerungen angerichtet, wofür weit und breit um milde Beiträge zur Abhilfe der hierdurch ent- steheudeu größern Noth, bei den ärmeren Besitzern, gebeten wurde, welche auch, im Vergleich zur allzugroßen Ausdehnung deö Unwetters reichlich genug gespendet wurde. Der auf unser Ort fallende Antheil soll nach Beschluß des Kreisamts nur den Bedürftigsten zugetheilt werden. Die größern, reichern Gutsbesitzer verlangen die Vertheilung desselben nach dem wirklich erlittenen Schaden. Der Gemeinderath unterstützt mit Ausnahme eines einzigen Mitgliedes diese Anforderung. Wie wir hören, geht eben eine Deputation nach Wiesbaden, um dem vom Herzog!. Kreisamt gefaßten Beschlusse entge- genzusteuern und dahin zu wirken, daß die colectirten Beträge nur nach dem wirklich erlittenen Schaden und ohne Betrachtnahme der größeren Armuth und des über einzelne Hereingebrochenen drückenderen Elendes »ertheilt werden. (Nach unserer Ansicht war cs die Absicht der mildthätigeren Geber, der durch den Hagelschlag verursachten Noth zu steuern, aber nicht den einzelnen Oeconomeu den mittleren Ertrag ihrer Ernte zu qarautiren.)
M Montabaur, 27. Dcc. Der Geburtstag Ihrer Hoh. der Herzogin Adelheid wurde auch hier gestern Abend unter großer Betheiligung unserer Bürgerschaft in dem mit dem Bildnisse der Hohen Frau geschmückten Sale deS Gasthauses zur Krone gefeiert.
8 Attö dem EngerSgau, Ende December. (Die Gewerbschule und" der Leseverein zu Ransbach.) Mil der industrielle» Entwicklung des Engersgau geht es stetig und nachhaltig voran, da auch der ideelle Stand, die Geistlichkeit mit den Lehrern in der Industrie eine Durchgeutigmig der -Mur, in ur kunstsinnigen Arbeit eine sittliche That erkennen. Bude ConfessioiM wetteifern in rühmlichster Weise Versittlichung, Veredlung und gewerblichen Erziehung ^ Gruizhausu mit feinem Pfarrer Moritz war darin