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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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Donnerstag hm 30. December

18&9

Neues Abou n e w e n t.

Auf das mit dem 1, Januar 1853 beginnende neue Quartal derNassauischen Allgemeiner? Zeitung" und des mit derNassauischen Allgemeinen Zeitung" vereinigten im Anhang derselben erscheinendenKreisblattes für das Kreisamt Wiesbaden" laden wir hiermit zu geneigten Abonnements ein.

Die MMafia»! fair Allgemeine Zeitung«' mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, SonntaqS ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postreg ulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Llurn- und Taris'schen Verwaltungsbezirks mit Du begriff des Postaufschlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr, Inserate werden die vierspaltig Petitzeile oder deren .Naum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auswärts beiden nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

Di e n ll n a ch r i ch te n.

Lehrer Sauerbor» zu Baumbach ist auf sein Ansuchen aus dem Schuldienste entlassen, Lehrer Kraus zu Ransbach zum Lehrer in Baumbach, Lehrgehilfe Schwarz zu Frickhofen zum Lehrer in Ransbach er­nannt, an die Lchrgehilfcustelle zn Frickhofen der nach Saynscheid bestimmt gewesene Schulcandidat Adam Becker von Erbach, Amts Idstein, und an dessen Stelle nach Saynscheid der Schulcandidat Lorenz Löhr von Herschbach dirigirt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Iur deutschen Seschichts- und Hlter- jhumofarschung.

Derkönigl. sächs. Verein für Erforschung und Er­haltung vaterländischer Alterthümer zu Dresden", wel­cher, seines NamenS und des dadurch bedingten Zwecks streng eingedenk, seit einer Reihe von Jahren, unter dem thcilnehmenden Präsidio des Prinzen Johann, thätig wirkt, hatte bekanntlich, auf mehrfache Veranlas­sung, im August L I. eineallgemeine Versammlung deutscher Geschichts- und Altertumsforscher", besonders durch Abgeordnete der betr. Local-Vereine berufen. Waren auch Abgeordnete von nur 17 dieser Vereine aus der großen Zahl von 50 erschienen', so fanden sich doch sonst noch eine Reihe sachverständiger Männer aus allen Gegenden ein, welche durch den Ruf ihres Na­mens, wie durch Eifer und Kenntniß, die Zahl ersetzten und Nützliches besprachen und cinleiteten. Der Nassauische èreiu -war., dabei durch den Deputirten des Mainzer Vereins, Herrn Professor Kl ei n, vertreten. Bisher kannten wir den Prinzen Johann nur ans seinen ge­haltreichen Vorträgen in der ersten Kammer des säch­sischen Landtages und in engeren Kreisen als geistreichen und sprachgewandten Uebersetzer italienischer Klassiker; hier lernen wir ihn als AltcrthumSforscher und Kunst­verständigen kennen, so wie als thätigen Beschützer der Listenschafte« überhaupt. Die öffentlichen Sitzungen des Congresses wurden unter seinem Vorsitze in seinem Palais gehalten, und er leitete als erwählter Präsident die Geschäfte. Am 17. August lud der Prinz alle An­wesende zn einem Souper in sein Garteupalais, welches festlich geschmückt und, wie der ganze Garten mit allen Alleen und Bosqncts, feenmäßig erleuchtet war. Die Schlußfeier des Congresses wurde in den Räumen des Vereins gehalten, bestehend aus mehreren Sälen im Erdgeschosse dcS königlichen Palais im sogenannten großen Garten. Anwesend dabei waren der König, die Königin, die Prinzessinnen Amalie, Augusta nud Anna, sowie Prinz Georg. Die Pansen der einzelnen Vor­träge wurden durch weltliche und kirchliche Lieder deS Mittelalters ausgefüllt, welche der Cäcilienverein mit gewohnter Meisterschaft auSführte. Der Prinz Johann eröffnete die Schlußscier von der Rednerbühne mit fol­genden Worten.^)

Hochgeehrte V ersammlung!

Zur Einleitung dieser unserer letzten feierlichen Sitzung, bei der uns ein so zahlreicher,Kreis hochge­stellter' und chreuwcrthcr Zuhörer und Gäste umgibt, dürfte ich nichts angemesseneres thun können, als einen kurzen Rückblick auf die Zwecke unserer Vereinigung und die bei derselben gewonnenen Resultate werfen.

Als einige für vaterländische Alterthumskunde cr- wärmteMännerden Aufruf zu gegenwärtiger Versamm­lung erließen, konnte ihr Zweck kein anderer sein, als den zerstreuten Bestrebungen so vieler einzelnen Männer und getrennten Vereine zur Erforschung deutscher Alter­thümer einen Mittelpunkt zu schaffen , von dem aus sie, ihre allzu locale Natur abstreifend, eine allge- meinere Richtung erlangen und sich gegenseitig zu ge­deihlicher Wirksamkeit die Hand reichen können. Man hätte sich aber in Selbsttäuschung gewiegt, wenn man von dieser ersten Zusammenkunft schon bereits wesent­liche wissenschaftliche Resultate hätte erwarten wollen.

*) Wir geben unsern Lesern diese Rede vollständig mit den eigenen Worten, um ihnen in Kurzem die Resultate nützn- theilen, welche der Congreß gewann und welche in der Rede übersichtlich zusammengcstellt sind.

Es kam vielmehr nur darauf an, den Weg zu solchen anzubahnen und sicher zu stellen. Und in diesem Sinne glaube ich, daß der Zweck unserer Vereinigung ans eine erfreuliche Weise erreicht worden ist.

Mit Dank haben wir cs zu erkennen, daß aus allen Gegenden Deutschlands ein Kreis auserlesener Männer sich hier versammelt hat und in der Mitte derselben ein Geist der Eintracht, ein Geist ächter, fremdartige Be­strebungen auSschließende Wissenschaftlichkeit gelebt hat, der die schönsten Hoffnungen für die Zukunft begründet.

Das wichtigste in diesem Geiste erzielte Resultat ist gewiß die Begründung eines dauernden Or­ganes und jährlich w i c d e r k e h r e u d e r ört­lich wechselnder V c r s a m in Jungen für unsere Zwecke. Die Art, wie diese Einrichtung beschlossen wor­den ist, scheint den doppelten Vortheil zu gewähren, daß sie sich an die bestehenden Vereine anschließt, ohne hier selbe» in ihrer Autonomie zu beschränken und zugleich allen für Kunst uiib Alterthum begeisterten Männer» die freieste Theilnahme gestattet.

Wenn demnächst der erste Anreger unserer heutigen Vereinigung, der Freiherr von A u f s e ß, durch seinen Vorschlag zu der Gründung eines deutschen Mu­seums sich ein neues Verdienst um die vaterländische Alterthumskunde erworben hat; so gab die Versamm- lnng, indem sie seine Bestrebungen durch einstimmigen Beschluß gleichsam mit dem ihrigen identificirte, ihm ein glänzenderes Anerkenntniß seines Verdienstes. Zahl reiche Beschlüsse wurden demnächst gefaßt, um die noch vorhandenen K u n st d c»km ä l c r und Alter- t h ü m e r unter den Schutz der Regierungen zu stellen und bei diesen letzteren Maßregeln zum Besten der Alterthumskunde zu bevorworten.

SH nenne unter ihnen vor allen den Antrag an liche deutsche Regierungen, die bereits nicht früher ähnliche Einrichtungen getroffen haben, E o n s e r Va­loren zur Bewahrung der vorhandenen Denkmäler zu ernennen, ferner auf Anfertigung eines Verzeichnisses der vorhandenen alten Kunstwerke und mo n u = mentalen G egenstände, sowie auf Beförderung der Kenntniß der Kunstdenkmäler unter den Hand­werkern. Auch die Verbreitung der Kenntniß der christ­lichen Kun st unter den Theologen, durch die so viel für Erhaltung und Erforschung der Knnstdenk- mäler gewirkt werden kann, beschloß man den Regierun­gen ans Herz zu legen.

Endlich wurde auch ein Antrag an dieselben ans Heraussgabe der älteren Urkunden beschlossen, so wie man eines der schönsten Knnstdcnkmäler Sachsens (Albrechtsburg in Meißen) noch besonders der Berück­sichtigung der königl sächsischen Staatsregiernng zu em­pfehlen beschlossen hat. Nächst dem ging das Bestreben dahin, die Aufmerksamkeit der einzelnen historischen und Alterthumsvcreine auf gewisse, besonders wichtig schei­nende Gegenstände zu richten. Hierher gehört nament­lich die Sammlung, aller vereinzelten Notizen zu einer Statistik der u n t e r i r d i sch e n G r ä b e r w e l t der Völker, die früher auf deutschem Boden gelebt, um dadurch über ihre Verbreitung endlich mehr in's Klare zu kommen.

Das neu begründete Central-Organ des Ver­eins wird Überbein mit Vorbereitung zu Herausgabe eines Handbuchs deutscher Kun st und A11 c r = t h u msknnbe, und Begründung eines Journals für die Zwecke unserer Vereinigung beauftragt.

Hub' so hoffe ich, meine Herren, wir haben mit Gottcö Hülfe ein gutes Werk begonnen, ein Werk, daö von günstiger Einwirkung auf den Geist des deutschen Volkes zu werden verspricht. Denn jedes Volk steht auf seiner Vorzeit, und dasjenige, welches sie kennt und ehrt, wird sich selbst besser erkennen uiib ehren lernen. Und namentlich Deutschland braucht sich seiner Vorzeit nicht zu schämen. Zwar hat es keine weiten Eroberun­gen aufzuweisen, keine Entdeckungen um Colonisirung fernerer Welttheile; zwar fehlt ihm Englands hoher Gemeinsinn und Frankreichs compactes Zusammenhal­ten. Dafür kann cs sich vielfacher Entdeckungen auf dem Felde der Wissenschaft rühmen und eines reichen Kunstlebens, wie keines dieser beiden Länder, und deutsche Sitte und deutsche Biederkeit ist in der gan­zen Welt bekannt. Betrachtet man seine gcwerbthäti- ge», kunstgeschmückten Städte, seine ritterlichen Burgen, seine blühenden Residenzen, welche Fülle zahlreicher

Lebensentfaltungen zeigt sich da allenthalben! Und wo wäre eine Regentenreihe, die an großen und zugleich edlen Charakteren den Vergleich mit der Reihe der deutschen Kaiser aushalten könnte.

Darum sei unser Bestreben dahin gerichtet, diese Vorzeiten immer deutlicher unserm Volke zum Bewußt­sein zu bringen und ihre Denkmäler zu ehren und ehren zu lehren.

Ich schließe mit dem Ausdrücke des Dankes für die Bemühungen der Männer, welche mit mir der Einlei- tung und glücklichen Durchführung dieser Versammlung sich unterzogen haben und für das Vertrauen, das Sie, meine Herren, uns geschenkt haben; mit dem heißen Wunsche endlich: Gott segne unser gemeinsames, Gott segne daö besondere Vaterland eines Jeden aus uns."

Was in Dresden begonnen wurde, setzte man in Mainz beharrlich und einmüthig fort. Der längst von vielen Seiten vorgeschlagene Sammelpunkt für vereinte Wirksamkeit ist in dem Correspondenz-Blatte oder Journale für die Geschichts-Vereine Deutschlands, wovon der Anfang noch im Laufe dieses Jahres erscheinen wird, und zwar unter der Re­daction des Vereins zu Dresden, zur Ausführung ge­bracht. Auch das von Hrn. v. Aufseß gegründete germanische Museum besteht bereits zu N ü tu* berg, wohin die nächste Generalversammlung verlegt ist, und dasselbe wird ebenfalls für sich und seine cen­tralen Bestrebungen ein besonderes. I o u r n a l heraus­geben. Möchten diese wissenschaftlichen Einheitsbestre- bungen für das deutsche Gesammtvaterland endlich gute Früchte bringen!

Deutschland.

* Wiesbaden, 30. Dec. Im heutigen ^Frank­furter Journal", läßt ein Hochheimer seine Ansicht über die Zollfrage hören. Er wiederholt die bekannten breitgetretenen Phrasen über das Verbleiben bei dem Zollvereine, indem die Bitten und Gutachten der In­dustriellen und Producenten des ganzen Herzogthunrs dahin lauten, daß Aller Existenz in dem Bestehenden so gesichert ist, wie umgekehrt der systematische Ruin beider Branchen constatirt wäre.In demselben Artikel schildert er aber die mißlichen 'Verhältnisse, mit denen die Wein- production kämpft. Er sagt: Ein guter Herbst muß für viele Mißjahre Entschädigung geben und durchschnittlich brin­gen Capitalien, in Weingütern angelegt, nicht mehr wie 3 und ausnahmsweise 4 pCt. Zinsen. Die guten Herbste sind so selten, wie 1 zu 10, und wenn die aus unseren Weinen haftende Auögleichungssteuer von 40|fl. per Stück schon den Absatz nach Preußen und Sachsen behindert, so ist es factisch, daß der Zollsatz mit 1854 für ausländische Weine (von Preußen durch den Sep- tembcrvcrtrag mit Hannover) auf 5 Tblr. oder fl. 8% per Centner (also per Stück 27 Rentner fl. 236y4) sestgestellt, die Unmöglichkeit herbeiführt, gegen die gänz­lich zollfreie Weinproducrion Rheinpreußens zu concurri­ren." D e Ansgleichungssteuer dessegensreichen" Zoll­vereins hat also den Absatz nach Preußen behindert und die Tarifsätze deS Septembervertrages machen die Con- currcuz der Weinproducenten gänzlich unmöglich!! Der Hochheimer Natianolökonom hat wie es scheint vergessen, daß wir bei dem Verbleiben im Zollverein die Bestim­mungen deS Scptembcrvcrtrages mit in den Kauf neh­men müssen, er iguorirt, was wir Hundertmal versichert, daß die Regierung eine Abtrennung des Herzogthums, eine Zersplitterung des Zollvereines nicht beabsichtige, und daß ihre bisherige Haltung in dieser Frage nur beabsichtigte, die für den Aufschwung unserer Industrie und unseres Wohlstandes hemmenden Bestimmungen des Zollvereinövertrages günstiger zn gestalten. Da abge- lehcu von allem anderen der auf unserer Weinproduc- tion lastende Druck leider unläugbar besteht, so läßt sich von dieser Hochheimer Probe auf den Gebälk der übrigenKundgebungen" in der Zollsrage schließen.

Eltville, 26. Dec. Die anhaltend warme Witterung in der schon weit vorgerückten Jahreszeit macht uns schon glauben, als kämen wir ganz um den Winter nnd gewährt in der Natur eigenthümliche, sel­tene Erscheinungen, llkicht allein, daß überall duftende Veilchen ihren Wohlgeruch verbreiten, eS treiben auch die Knospen der Bäume und werden uns in wenigen Tagen Blüthen und junge Blätter bringen; das Wun­derbarste ist aber doch, daß man in hiesiger Gemarkung