Nassauische Allgemeine Zeitung.
Wr aos. Mittwoch den 29. December INAS
Neues A b o u u e m e n t.
Auf das mit dem 1. Januar 1853 beginnende neue Quartal der „Nassauischen Allgemeinen Zeitung" und des mit der „Nassauischen Allgemeinen Zeitung" vereinigten im Anhang derselben erscheinenden „Kreisblattes für daS Kreisamt Wiesbaden" laden wir hiermit zu geneigten Abonnements ein.
Die,,Nassauische 9( tigern eine ZeUiMA" mit bem beâeiristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, SönntoqS ausgenommen, täglich und beträgt der PläuumeratiouSpreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregnlaiiv' nunmehr auch für den ganjen Umfang deâ Llurn» und TartS'schen S>erwaItungsbe;irkS mit Jnbigriff des PostaufschlagS 2 ft, für die übrigen Länder des dentsch-bsierrelchischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. — Inserate werdet! die vierspaltig
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Amtlicher Theil.
Dienst« ach richten.
Seine Hoheit der Herzog haben den Forstmeister Blum zu Wiesbaden zum Obcrforstbeamteu zu Hachenburg gnädigst zu ernennen geruht.
Nichtamtlicher Theil.
Kaiser /rarrz Joseph in Berlin.
Die „Ocsterr. Corr" spricht sich folgendermaßen über den kaiserlichen Besuch in Berlin aus: „Der Besuch, den Sc. Majestät der Kaiser seinem königlichen Oheim abstattete, hat in dem gegenwärtigen Augenblicke die Aufmerksamkeit aller Staaten in weit höherem Maße, als dieß sonst der Fall gewesen wäre, auf sich gezogen und hat die Welt mit einer Anzahl von Vermuthungen über den eigentlichen Zweck dieser Reise und ihre allfälligen Ergebnisse erfüllt. Die Bande naher Verwandschaft und persönlicher Freundschaft, welche die beiden erhabenen Monarchen verknüpfen, die engen Beziehungen beider Staaten und die Waffenbrüderschaft der beiden Armeen sind an sich wohl hinlängliche Anlässe, um den kaiserllichen Besuch zu erklären. Der Hinblick jedoch auf die noch nicht zum Schluffe geführten Verhandlungen über die deutschen Zollverhältnisie und auf die in Frankreich vor sich gegangene Veränderung der Regierungsform legten es nahe, der Zusammenkunft der zwei Monarchen eine größere politische Bedeutung beizumessen. In ersterer Beziehung glauben wir die Bemerkung machen zu sollen, daß Verhandlungen über Zollverhältnisse, wobei eine große Zahl
^^^ ^in^eifyeiten unb von speciellen ^ niete ff e ii ^ut SpraM und Bèrücksichtigun g kommen, an sich nicht geeignet sind, durch eine persönliche Intervention der Sonveraine ihre Erledigung zu finden. Daß aber dieser Besuch stattfand, ungeachtet die Verhandlungen über diese wichtigste aller deutschen Fragen noch im Zuge sind, mag uns immerhin als ein Beleg dienen, daß es gelungen sei, sich über die letzten Zwecke derselben zu verständigen und jenen Geist der Gereiztheit und des Mißtrauens von denselben zu scheiden, der ihre Lösung erschwerte und auf die Ausbildung aller deutschen Verhältnisse einen hemmenden und störenden Einfluß ausübte. Angesichts deö französischen Kaiserthums glaubt man ferner in der Zusammenkunft der zwei mächtigsten der deutsche Fürsten ein Wiederaufleben einer wider gewisse Eventualitäten sich rüstenden Allianz zu erblicken.
Wir antworteten hierauf: eine Allianz zwischen den beiden Großmächten war nicht erst zu schließen, denn sie hat stets bestanden. Sie ist auf die Bundesverträge gegründet, die einen Theil des europäischen Staatsrechtes bilden, sie wurzelt in der traditionellen Politik beider Höfe, ihn ihrer gemeinsamen deutschen Gesinnung und in ihrem gemeinschaftlichen Interesse. Sie ist endlich die Frucht der Erfahrungen der letzten KriegSjahre. Diese Allianz ist aber keineswegs gleichbedeutend mit einer Coalition für bestimmte aggressive oder defensive Zwecke. Die Allianz, wie wir sie auffassen, bildet einen dauernden Leitfaden der Politik großer Reiche, aus ihr beruht die Gruppirung und das Gleichgewicht der Mächte, die den Frieden der Welt verbürgen. Dagegen besteht kein Anlaß zu einer abzusch lie ß enden Coalition für einen unmittelbaren Zweck. Niemand wird wohl voraussetzen, daß dieCabiuete, deren oberster Zweck ist, den allgemeinen Frieden durch die Achtung der Verträge und der bestehenden Gränzen zu wahren, ehrgeizigen Plänen ans Machtvergrößcrung oder Gebietserweiterung nachhängen. Agressive Zwecke gegenüber von Frankreich sind daher selbst von der Vermuthung ausgeschlossen; aber selbst zum Behufe der Vertheidigung liegt kein Anlaß vor, über die gewöhnlichen und laufenden Bedürfnisse der Bundcseinrichtungen hinausgehende Vorsorge zu treffen, oder Beschlüsse zu fassen. Der Friede ist durch das in Frankreich begründete K a i s e r t h u m n i ch t bedroht; kein Schritt, keine Aeußerung desselben fordert dazu heraus, gegen dasselbe zu waffnen, oder auch nur eine sondere als durch die Bundesverhältnisse selbstverständliche Stel
lung zu nehmen. Die Reise unseres erhabenen Monarchen ist uns als ein feierliches Pfand der innerlichen Einigkeit des deutschen Bundes allerdings ein Ereigniß, wie die preußischen Blätter sagen, aber wir glauben, das öffentliche Urtheil würde irren, wollte es ihr den Charakter einer Demonstration oder einer Drohung beb messen".
Die Kasseler Ztg. findet darin Ursache zur größten Befriedung, daß die Freude über das große Ereigniß eines österreichischen Kaiserbesuches sich nicht blos auf die erlauchte Familie des königlichen Wirthes beschränkte, daß sich vielmehr das preußische Volk selbst dabei bethei- ligt hat. Dadurch hat sich im deutschen Väterlande die Ueberzeugung von der Möglichkeit geltend gemacht, den bisher schon so oft zu seinem Nachtheile vorgeschobenen politischen Gegensatz zwischen Oesterreich und Preußen endlich als abgethan betrachten zu dürfen. Eine Wiederaufstachelung desselben kann fortan nur im Dienste ausländischer Interessen versucht werden. Das Ausland selbst dürfte aber nunmehr kaum noch eine Hoffnung in dieser Richtung nähren, und in so fern ein derartiges Resultat sich an die Reise des Kaisers knüpft, wollen wir nicht bestreiten, daß die Wahl des Momentes zu ihrer Ausführung von einer weisen politischen Absicht geleitet worden ist. Um so mehr müssen aber auch die Herzen aller wahrhaften Patrioten dem Kaiser sich zum Danke verpflichtet fühlen. Eine aufrichtigere Bürgschaft für den festen Willen, nur Deutschlands Größe und Wohlfahrt im Auge zu haben, konnte wohl nicht gegeben werden, als durch eine so großartige Erhebung über alle Erinnerung an das kleinliche Getriebe, die Verdienste des Kaiserhauses um Deutschland zu verdunkeln oder zu verdächtigen. Alle künstlich hervorge- rufenen Besorgnisse, als ob die österreichische Politik preußischen Staate seine durch den Geist seiner Herrscher und mit dem Blüte seiner Unterthanen erworbene hohe Stellung zu verkümmern, an demselben Rache für längst vergessene Unbilden zu nehmen, müssen schwinden, seitdem das jugendliche Heldenherz des Kaisers an der Brust des Königs von Preußen geschlagen hat. Denn eine solche wegen ihres hohen Edelmuthes bewunderte Natur ist keiner Täuschung fähig. Die dadurch von aller Welt von Neuem besiegelte Freundschaft zwischen den beiden deutschen Großmächten reiht sich den schönsten Siegen an, die Deutschland jemals erfochten, Wird diesem aus dem Bedürfnisse deutscher Einigkeit hervorgcgangeuen Bunde die Treue bewahrt, dann lösen sich alle innern Schwierigkeiten von selbst, während den äußern wir mit zuversichtlichem Muthe entgegensehen können.
Die „Neue Münchener Zeitung" hebt in einem Artikel über den Besuch des Kaisers von Oesterreich in Berlin hervor, daß bei der innigen Gegenseitigkeit, welche zwischen Oesterreich und dessen Verbündeten in der Handelsfrage herrscht, von ersterem kein Schritt in dieser Angelegenheit gethan wird , der nicht die volle Zustimmung der letzteren hätte, und daß demnach eine mit Gewißheit zu erwartenden Verständigung zwischen Oesterreich und Preußen auch die Verständigung des letzteren Staates mit den Verbündeten des ersteren involvirt.
Nach einer Correspondcnz des Frankfurter Journals auö Wien wurde die Reise des Kaisers nach Berlin von der Diplomatie nicht nur sehr gerne gesehen, sondern auf das Wärmste befürwortet. Der Besuch, welchen der Kaiser seinem königlichen Oheim abstattcte, hatte, wenn auch keine ausgesprochenen besonderen politischen Zwecke, so doch einen allgemeinen Zweck von hoher Bedeutung. Die deutsche Politik Oesterreichs brauchte einen deutlichen, aller Welt verständlichen Commentar, der alle falschen Commentare, welche ihr reichlich zu Theil geworden waren, mit einem Male widerlegte. Diesen Commentar gab leicht, rasch und.wirksam der Besuch des Kaisers in Berlin. Hunderte von Noten und sonstigen Kundgebungen über Oesterreichs deutsche Politik hätten nicht bewirkt, was das bloße Erscheinen des Kaisers in Berlin durch seinen moralischen Eindruck in wenig Tagen mit einem Schlage bewirkte, und Niemand konnte mehr an einer solchen Wirkung gelegen sein, als jener Diplomatie. Die nun vollbrachte Reise hat gezeigt, daß man sich über ihre voraussichtliche Wirkung nicht täuschte. Seitdem der Kaiser von Oesterreich in der Hauptstadt Preußens mit anderen Worten seine
Macht Preußen zur Verfügung gestellt, (und Niemand .wird die Bedeutung solcher Worte aus solchem Munde verkennen) wird es Niemanden mehr beikommen, zu behaupten, die innere und äußere deutsche Politik Oesterreichs sei kein Ausfluß einer freundschaftlichen Gesinnung für Preußen, einer Achtung für Preußens Ehre. Wenn Etwas jedes Mißtrauen in die Gesinnungen Oesterreichs für Preußen zu beseitigen geeignet war, so waren es die denkwürdigen Worte des Kaisers in Berlin. Jene Worte machen es fühlbar, daß bei einer allgemeinen freundschaftlichen Gesinnung der deutschen Monarchen auch Etwas gethan werden müsse für Deutschlands Wohlfahrt, für die Consolidirüng seiner inneren Verhältnisse. Das fühlte Jeder, der diese Worte vernahm, und weil man es so allgemein fühlte, mag matt sich wohl mehr als je der Hoffnung hingeben, daß die Sendung Herrn v. Bruck's nach Berlin keine vergebliche sein werde, daß sich die Zeit nahe, da bewiesen werden solle, daß die deutsche BundeSacte kein bloßes Stück Papier ist.
D,aS Preußische Wochenblatt bespricht in seiner neuesten Nummer auch den Besuch deS Kaisers von Oesterreich. Es betrachtet denselben als ein „hocherfreuliches Ereigniß", erblickt darin auch seinerseits ein „unzweideutiges Anzeichen dafür, daß das Wiener Cabinct sich von der Schwarzenbergischen Politik losgesagt habe," und stützt darauf die zuversichtliche Hoffnung, „daß die deutschen Großmächte den von jenseit des Rheines her sie beide und das übrige Dentschland gleichmäßig bedrohenden Gefahren wie Eine Macht entgegentreten werden." Weiter sagt der Artikel: „Wir haben nie daran gezweifelt, daß dieser Moment eintreten werde, und deßhalb stets von unserer Regierung verlangt, daß sie nicht mit einseitigen Opfern zu erkaufen suche, was die Macht der Verhältnisse und der natürliche Verlauf der Dinge seiner Zeit von selbst herbeiführen würden, und was im Interesse der äußeren Sicherheit des Staates vergleichungsweise doch noch geringer anzuschlagen ist, als die Pflege eines lebendigen preußischen Nationalgefühls durch kräftige Wahrung der Ehre Preu» ßeus. Einen gleichen Anspruch stellen wir auch jetzt. Wir verlangen das volle Bewußtsein der preußischen Regierung, daß das Bünduiß mit ihr für Oesterreich denselben Werth habe, als das Bündniß mit Oesterreich für Preußen. Wir brauchen in dieser Beziehung nur an die handelspolitische und an die beim Bundestage schwebenden Fragen zu erinnern. Preußens Stellung zu diesen Fragen darf jetzt so wenig wie bisher ungerechten Anforderungen Oesterreichs weichen; es ist aber zu erwarten, daß das österreichische Cabinet auf die Geltendmachung ungültiger Ansprüche verzichten werde, seitdem es im Hinblick aus die europäischen Gefahren den Werth der Freundschaft Preußens erkannt zu haben scheint." Wir gönnen dem preußischen Wochenblatt das Vergnügen, diese Sprache selbstgefälliger Beschaulichkeit zu führen.
Die Begeisterung der „N. Pr. Ztg." hat sich bald abgekühlt. See sagt: „Unsere aufrichtige Freude über die Anwesenheit Seiner Maj. M Kaisers von Oesterreich in Berlin darf nicht dahin wirken, unsererseits die Freundlichkeiten der österreichischen Diplomatie zu überschätzen. Am wenigsten wäre dies angebracht in einer Angelegenheit, so vorwiegend materiellen Interesses wie die Zol lfrage. Je mehr wir gerade hier einer aufrichtigen Verständigung zwischen den beiden Großmächten das Wort reden, um so entschiedener müssen wir nach den gemachten Erfahrungen den Grundsatz fest« halten, daß Preußen in keine Uebereinkünfte eingehe, welche die Landesinteressen mit einer Benachtheiligung bedrohen könnten. Die Verhandlungen zwischen den beiderseitigen Commifsarieu nehmen ihren Fortgang. Sie werden zu einem gedeihlichen Ergebniß führen, wenn auf beiden Seiten von allen Anforderungen Abstand genommen wird, welche dem einen Theile empfindliche Opfer in Bezug auf die seither eingenommene Stellung znmnthen. Preußen war, das darf nicht aus den Angen gesetzt werden, von Anfang her der angegriffene Theil, welcher fremde Uebergriffe abzuweisen hatte. Bis jetzt gestalten sich Ne Aussichten für eine Verständigung im Ganzen günstig."
Deutschtaud.
* Nass Ul, 27. Dec. Heute Morgen wurden die Einwohner von Nassau durch Feuerlärm erschreckt. Nach