W erklären, den Geldmarkt mit neuen ZnduKnepapieren zu überraschen, in den ministeriellen Budgets die wich? tigsten Veränderungen vorznnehmen iuid sogar in der Praxis ein Ministerium durchs andere zu unterstützen, wodurch er die mächtigste» Plane fast ohne Jemandes Vorwissen vorbereitete kann. In dem Amendement, wo nach den „französischen Prinzen" blos mit kaiserlicher Bewilligung das Zugegen sein bei den Senats- und StaatSrathssitzungen freistcheu soll, scheint sich die nicht ganz versöhnliche Stimmung eines Theiles des Senats gegen den Prinzen Napoleon. Bonaparte abzuspiegcln. — Man erzählt sich, daß es dieser Tage zu Compiegne in Gegenwart des Kaisers zu einem ernsten Wortwechsel zwischen Fould und Persigvy gekommen sei. — Der päpstliche Nnncius wird unter großer Feierlichkeit tu den ersten Tagen der nächsten Woche seine neuem Accre- ditive überreichen. Wie cs heißt, wird Msgr. Garibaldi zu gleicher Zeit einen eigenhändigen Brief deS Papstes an Napoleon überreichen, in welchem Se. Heiligt, die Zusage gibt, zur Kröuung. nach Paris zu komme n.
Die Zollreform, welche Napoleon III. beabsichtigt, besteht in der Snbstituirung eines mäßigen Schutzsysteme s an die Stelle des bisherigen Prohibitivsysteme-, beiläufig in der Art, wie dies Anfangs des laufenden Jahres in Oesterreich der Fall war. Napoleon III. will vorzüglich die Einfuhr der rohen Urstoffe begünstigen, worauf zur Stunde schwere Zölle lasten, welche dann bei der Ausfuhr der Fabricake der Industrie als Draw- back (Abzugs - oder Nachlaßgcld, Ausfuhrprämie) ver. gütet werden, welche aber den doppelten Nachtheil haben, daß der-innere Eonfnmenk die Waare theuerer bezahlen muß (bekanntlich kann man z. B. in Brüssel das französische Tuch um 20 Procent billiger als in Paris haben, weil der Fabricant bei der Ausfuhr eine Prämie von 25 Procent als Draw-back erhält) und daß, indem die Draw-back vom Staate bezahlt wird, alle Steuerpflichtigen, selbst wenn sie nicht consumiren, zu Gunsten der privilegirten Industrie beitragen müssen. Durch die Ermäßigung der Zölle auf die Einfuhr der Rohstoffe, erwächst dem innern Eonfumenten der Vortheil, die Fabricate, deren er bedarf, billiger zu bezahle». Was die Fabricate und Mannfacturen anbelangt, so sollen dieselben nur durch mäßige Zölle geschützt werden, damit durch die fremde Concurrenz die franzö fische Industrie genöthigt werde, ihre Preise, die für die Mehrzahl der Franzosen sehr hoch sind, hcrabzusetzeu. Wie leicht zu denken, erzeugt die bevorstehende Revision des Zolltarifes viel Höses Blut unter den privilegirten Industriellen. Gar viele, welche für Orlea nisten sich ausgeben, sehne» sich nur darum nach der Juliregierung zurück, weil'damals die Blüthezeit des Prohibitivsyste- meS war,, welches Nap.oWvM. uneMllchP UPstoßcu will. Ungeachtet Luhwig Philipp Alles der Industrie gufgeopfert hat, war sie die erste, welche den König der Franzosen beim Ausbruche der Februar-Revolution im Stiche ließ. Um so weniger glaubt Ludwig Napoleon sich mit ihr genircu zu müssen oder durch ihr Geschrei von der Erreichung eines großen Zweckes sich abwendig machen zu lassen, ein Zweck, dessen Verwirklichung die wohlthätigste sociale Reform. Hierl andcö hervorbringen wird.
Ein Marseiller Blatt berichtet nachstehenden Vorgang, der sich während der Anwesenheit Abd-cl Kaders in dieser Stadt zugctragc», und im Hotel „Der Kaiser", wo der Emir wohnte. Eines der Weiber Abd-el Kaders, welches die Neugierde nicht bemeistern konnte und durch die Fensterscheiben die vor dem Gasthofe versammelte Menge betrachtete, wurde bei diesem verbotenen Vergnügen von dem Emir überrascht und sofort zur Strafe nach Algerien geschickt..
In den Salons spricht man viel von einem sehr bedeutenden Fund, welchen der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Hr. Drouin de Lbuys, in diesen Tagen gemacht. Er fand nämlich in einem alten Se- cretär seines Vaters, her ein außerordentlich reicher Mann gewesen, eine sehr große Summe, deren Betrag sich auf 400,000 FrS. belaufen soll, und von der er bei Antritt der Erbschaft nicht die mindeste Kenntniß hatte.
Die Schriftstellerin Rolland ist in Lyon gestorben. Sie war nach Algerien deportirt worden. L. Napoleon begnadigte sie. Der Gegenbefehl traf aber zu spät ein, und die heiße Sonne Africas, in Gesellschaft mit Sorgen uud Entbehrung aller Art, rieb die arme Frau, Mutter und einzige Stütze dreier Kinder, auf.
Schweiz.
Bvtt der Aar, 24. Dec. Das Falschmünzer- project der deutschen Flüchtlinge in England und America ist von älterem Datum, und scheint nur eine Erneuerung vielleicht von Seite der Partei selbst zu sein, entweder um von sich reden zu machen, oder sonst irgend ein Vorhaben auszuführen. Schon im Juni 1851 ließ sich die Neuporker Schnellpost aus Washington schreiben; „Das preußische Ministerium hat an seine diplomatischen Agenten ein Circular folgenden Inhalts erlassen: Es ist zu seiner Kenntniß gekommen, daß die suropäischk Umsturzpartei in den Vereinigten Staaten eine Papiermühle zu erwerben suche, um auf derselben das zum preußischen Papiergeld gebrauchte Papier nach- zumachen, und dann in einem fremden Staate den
Druck zn besorgen. Mit diesem neuen Papiergeld soll Deutschland überschwemmt werden, um die Besitzenden in Schrecken zu jagen und den Credit der deutschen Regierungen zu untergraben. Ein bedeutendes Capital soll für dieses Unternehmen bereit sein. Man sucht die Polizei der Vereinigten Staaten aufzubieten, um die Sache zu hintertreiben." Nun hat sich wohl seit anderthalb Jahren das „bedeutende Capital" nicht vermehrt, ja ein neueres Schreiben Kinkels an eine schweizerische Zeitung läßt durchblicken, daß das „klingende Resultat einer sogenannten deutschen Nationalanleihe" in die Hände einer kleinen Fraction (Oskar Reichenbach, Schimmelpfennig rc.) gerathen, und zu einer „persönlichen Subvention" geworden sei, was begreiflich nicht im Sinn der zeichnenden Amerikaner gelegen habe. Leicht möglich, daß obiges Gerücht nur die Absicht enthält, diese persönliche Verwendung durch eine verheißene zukünftige sachliche den Reclamatiouen der Mandatare zu entziehen.
SpotitetL
Madrid, 21. Dcc. Gestern wurde das Decret für die Canalisirung des Ebro's unterzeichnet. Die Junta der Actionäre hat bereits die Mitglieder der Di- rection für dieses Unternehmen ernannt. — Der neue Minister des Innern, Herr Llorente, hat an die Gouverneure der Provinzen ein Circular erlassen, in welchem er auf die Nothwendigkeit hinweist, einzelne Bestimmungen der Constitution zu vcränderu und den Glanz der Krone zu erhöhen. Gleichzeitig gibt er jedoch die Versicherung, daß nichts an der constitutionellcu Basis des Repräseutativsystems geändert werden solle. Dieses Circular, welches als das Programm der ministeriellen Politik angesehen werden kann, hat einen guten Eindruck auf die „öffentliche Meinung" hervorgebracht und dem Ministerium viele Mitglieder der Moderatos durch dieses zugewendet. Nachdem nun die Ernennung eines neuen Cabinetes erfolgt ist, soll die gemäßigte Opposition ihr Wahlcomite anflösen wollen. Die allgemeinen Wahlen werden wahrscheinlich am 1. Februar vorgenommen.
Die historische Akademie hat Herrn Martinez de la Rosa zu ihrcm Präsidenten wiedererwählt.
Vänennrrk.
Kopenhagen, 23. Dec. Einer Entscheidung des Kriegsministers zufolge soll denjenigen Unteroffizieren, welche früher in der schleswig - holsteinischen Armee gedient haben und jetzt im dänischen Heere stehen, zwar bei ihrer Kapitulation die Dienstzeit in jener Armee in Anrechnung gebracht werden, dagegen bei dem für jene Classe vorbehaltcncn Anspruch aus Civilversorgung (Beförderung zu Civilämtern nach der Verabschiedung) und auf das für wohlgediente Unterofficiere bestimmte Ehren-
October 1851 nicht mit der Berechnung kommen.
StoßbrUannie»
London, 25. Dec. Die neue Regierung ist fertig. Einige untergeordnete Stellen mögen noch unbesetzt sein. Die Hauptposteu aber haben bereits ihre Vertreter gefunden. Die Times gibt folgende Listen des Ministeriums Aberdeen-Russell: Erster Lord des Schatzes (Premier) Carl von Aberdeen (Peelit); Lord-Kanzler: Lord C r a u w o r t h; Schatz- kanzler : Gladstone (Peelit); Staatssecretär des Innern: Lord Palmerston; Staatssecretär des Auswärtigen; Lord John Russell; Staatssecretär für die Colonien: Herzog von Newcastle (Peelit); erster Lord der Admiralität: jSir James G r a h a in (Peelit); Conseilpräsident: Carl Granville; Ge- heim-Siegclbcwahrer: Herzog von Argyle; Kriegö- Sccretärj: Sidney H e r b e r t (Peelit); Präsident des vstindischeu Bureaus: Sir C. Wood ; ersterCommissär der öffentlichen Arbeiten: Sir C. M v l es w o rt h (der unermüdliche Colonial-Reformer). Der Marquis von Landsdowne wird einen Sitz im Cabinet cinnch- men, ohne einem besonderen Departement vorznstehen. Die vorerwähnten Personen bilden das Cabinet. Von sonstige» Mitgliedern der Regierung nennt die Times noch als Präsident des Handclsamts: Cardwell (Peelit); Attorney General: Sir A Cockburn; Sollcktor General: Sir W. P. Wood.
Den Besuch des Kaisers von Oesterreich in Berlin hat die Times freudig begrüßt als ein Pfand der deutschen Einigkeit, des europäischen Friedens und der Erhaltung der gegenwärtigen Territorial-Eintheilung Europas. Sie unterläßt aber doch nicht, Hinzuzufügen, daß es auch Seiten der preußischen Politik gebe, wo ein Zusammengehen mit Oesterreich nicht ratsam sei, vielmehr ein engerer Anschluß an England wünschens, werth erscheine.
Die „Plymouth. Mail" widerspricht der vielfach verbreiteten Nachricht, daß die Admiralität die Zulassung von Ausländern zur Besichtigung der Kiiegöschiffswerf- ten verboten habe. In diesem Augenblick halten sich in Plymouth mehrere Reisende vom Kontinente auf, welche von Hafcnbeamten mit gewöhnlicher Freundlichkeit in Docks und Arsenalen herumgeführt werden.
Lord Palmerston war nur mit Mühe dahin zu bringen, ein anderes Portefeuille als das des Auswärtigen zu übernehmen.
Wir haben Nachrichten vom Cap bis zum 20. November. Die Kastern pfiffcn angeblich aus dem letz
ten Loche. Doch ist es. imwer möglich, daß die Musik so bald noch nicht verstummt, und daß die Engländer theuer für den Tanz bezahlen müssen. Die Häuptlinge Sandilli, Stock und Tola waren flüchtig; allein, was heißt daö? Macomo war aufs Aeußerste reducirt. Auch das ist schon vvrgekommcn und der Krieg hat doch fort« gedauert. Der Häuptling Seyolo hatte sich imterworfen. Die Linie zwischen King William'- Town und dem Buffalo war ruhig, in Öliphant's Hoek jedoch hausten die Kaffer».
Ita iett.
Turin, 21. December. Der Senat hat den ersten Artikel des Gesetzes über die Civil-Ehe verworfen, was unfehlbar die Verwerfung des ganzen Gesetzes zur Folge haben wird. Es haben sich 38 Senatoren dasÜH und 39 dagegen ausgesprochen.
Rom, >8. Dec'br. Aus zuverlässiger Quelle bin ich in den Stand gesetzt, Ihnen zu berichten, daß die von Ihrem Pariser * Correspondenteii in Nr. 339 der Beilage der Allgem. Zeitung, als habe die Fürstin von Canino für sich und ihre Kinder auf jede Stellung im Kaiserreiche verzichtet, indem sie Italiener sein und bleiben wollten, durchaus der Begründung entbehrt. Wahr ist allerdings, daß die Fürstin an den Prinz-Präsidenten ein Schreiben gerichtet, dasselbe enthält aber gerade das Gegentheil, nämlich die Versicherung, daß sie und ihre Kinder nie aufgehört haben, französische Bürger zu feilt und bleiben zu wollen; und einen andern Schritt als diesen wird man auch bei unbefangener Betrachtung von einer Tochter deS ehemaligen Köiii'gs von Spanien füglich nicht erwarten dürfe».
Von Seiten des römischen Stuhles ist vor Kurzem ein Schreiben an die katholischen Großmächte Europa's gerichtet worden, in welchem die Nothwendigkeit ersichtlich gemacht wird, daß der katholischen Einwohnerschaft Bosniens und der Herzogowina, welche unter schwerem Drucke lastet, eine würdige, durch die Confessionsver- Hältnisse nicht feindselig gestaltcteBehandlungzu Theil werde.
Das Univers veröffentlicht ein Schreiben des Papstes an den König von Sardinien. Dasselbe ist aus C a st e l-Gan d v lf o vom 10. Sept, datirt und bespricht die verschiedenen Streitfragen zwischen Rom und Sardinicu. Wie aus diesem Docunrente hcrvorgeht, hat der König von Sardinien unter dem 25. Juli in einem Briefe den Papst um Aufschlüsse über das Civilehc-Gesetz gebeten. In seiner Antwort verdammt der Papst dasselbe. Jede eheliche Verbindung ohne die kirchliche Ehe sei ein Coucubinat, ein Gesetz, das bei Katholiken den kirchlichen Segen von dem bürgerlichen Contract trenne, sei den Doctrinen der Kirche zuwider, usurpire ihre Rechte und stelle in seiner Anwendung das Concubinat und das Sacra- ment der Ehe auf die nämliche Rangstufe. Se. Heiligkeit erklärt ferner, daß die zwei von den Ministern gestellten Bedingungen, wonach eine vor der Kirche regelmäßig gefeierte Ehe von dem Staate anerkannt und den Personen, die sich nur nach dem Civil-Gesetz ver- hcirathet haben, gestattet wird, sich später noch einmal nach dem Ritus der katholischen Kirche trauen zu lassen, die Rechte der Kirche nicht sicher stellen. Nach dieser Auseinandersetzung erklärt der Papst weiter, daß er keine Concessionen machen werde. Die Kirche werde ihr Recht, über die Gültigkeit- einer Ehe ihr Urtheil aus- zusprechen, nie aufgeben; der Staat habe erst dann ein Recht, einzuschreiten, wenn es sich um die Conse- qucnzen einer kirchlich abgeschlossenen Ehe handle. Merkwürdig ist die Stelle in dem päpstlichen Schreiben über die Länder, wo die Civil-Ehe bereits besteht. Per König von Sardinien hatte nämlich in einem Briefe auf Frankreich hingcwiesen, zu welchem der römische Hof in den besten Beziehungen stehe. „Darauf antworten Wir" — heißt es in dem Schreiben —, „daß der heilige Stuhl niemals dicsen Thatsirchen gleichgültig angesehen und er immer, von dem Ailgenblicke an, wo diese Gesetze zu seiner Kenntniß kamen, reclamirt hat. Die Docnmente mit derartigen Protestationeir werden in Unseren Archiven aufbewahrt. Dieses wird Uns jedoch nie verhindern, die Katholiken derjenigen Länder zu lieben, die sich diesen Gesetzen habe» unter» werfen müssen. Es ist uns aber deshalb unmöglich, nicht die große Pflicht zu begreifen, die Uns die Ver- Hinderung des Uebels, so viel es in Unseren Kräften steht, auferlegt, und Wir erklären Ew. Majestät, daß, wenn der heilige Stuhl schon mehrere Male gegen Gesetze ähnlicher Art reclamirt hat, er es Piemont gegenüber mit aller Macht thun und seiner Reclamation die größte Feierlichkeit geben muß, und dieses besonders deshalb, weil das Ministerium Euerer Majestät das bcdauernSwcrthe Beispiel anderer Staaten anruft und weil man wegen der übrigen vorliegenden Streit fragen an eine Mitschuld Seitens- des heilig.cn Stuhles glauben könnte."
America.
New-Nork, 12. Dee. Der Kongreß bat bis jetzt nur die Summe von 600,000 Dollars für laufende Ausgaben bewilligt und den Beschluß gefaßt, einen ehemaligen Minister wegen Hochverraths i» Anklagezustand zu versetzen.
Die califoruische Stadt Sacramento ist schon wieder durch eine Feuersbrunst fast ganz in Asche gelegt worden.