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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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Die Schmarzenbetge.

Von Adolf Franz Berger ist so eben ein historisches Werk, dasLeben des Fürsten Felix zu Schwarzenberg" betitelt, erschienen. Der erste Band enthält hauptsächlich die Hausgeschichte der Schwarzenberge, und bringt eine Menge neuer und interessanter Angaben über die Abstammung und die Vorfahren des großen österreichischen Staatsmannes. Als Curiosum mag erwähnt werden, daß ein gelehrter Benedictiner die Ahnherren der Schwarzenberge nicht allein über Karl den Großen, sondern hinauf zu An- tcnor dem Trojaner geführt hat. Hr. Dr. Vehse da­gegen, als leichtfertiger Buchmacher und von unsern Biographen vieler grober Nachlässigkeiten überführt, läßt die Schwarzenberge gar einem tschechischen Geschlecht, derCzernahora" verdeutschtSchwarzenberg", ent­springen, und man darf, wenn ein deutscher Historio­graph sich ähnliche Dinge zu Schulden kommen läßt, nicht mit dem Constitutionnel rechten, der in seinem Nekrolog den Fürsten Felix un slave â peine germa- nisé nennt. Diese in unserm Jahrhundert kaum gcr- manisirten Slaven gehörten aber einer Seitenlinie des alten bayerischen Adels der Seinsheimc an. Die Seins- Heime stammen aber von den Allemannen-Herzogen Er- kinger und Berthold, die, auf dem Reichstag zu Mainz (915) zum Tod verurthcilt, wegen eines Attentats aus den Bischof von Constanz im Thurgan hingerichtet wur­den. Erkiugers Wittwe flüchtete mit ihrem Sohn in den Saigerwald, wo dieser, Konrad mit Namen, an der Gränze des ArdennenwaldesSein ireues Heim" (Seinsheim) gründete. Die Abstammung der Seins- Heime von den Allemannen - Herzogen ist später in kai­serlichen Urkunden anerkannt worden. Die Seinsheime ^erichÈu ichorz als turnierfähig _ ausMemZurnier zu Magdeburg, und schon damals hatte der Sachsen- kaiser Heinrich der Finkler adelige Geburt der Groß­eltern (quatuor auctorum . . . gentiliciis insignis...) für die Turnierfähigkeit erfordert. Auch sagt ein ural­tes Sprüchwort in Ostfranken von dem fränkischen Adel die Einheimer seien die Hoffärtigsten, die Grumbacher die mächtigsten, die Seckendorfer die zahlreichsten, die Seinsheime die ältesten". Erkinger von Scinsheim, vom Stephensberge, später Erkinger I. von Schwarzen­berg , war der Ahnherr der jetzigen Fürsten, die also dem fränkischen Adel angehören. Die Scinsheime tre­ten bei allen großen Thaten des deutschen Volkes auf. Sie fechten auf dem Lechfelde gegen die Ungarn, sie ziehen mit Conrad III. nach dem heiligen Grabe, strei­ten gegen die Welfen unter Barbarossa, gegen Walden­ser und Albigenser, im deutschen Ritterorden gegen die Preußen, mit Rudolph von Habsburg gegen Ottokar. Denselben Erkinger von Seinsheim, der sich zuerst Hr. ».Schwarzenberg schrieb, finden wir im Beginn des 15. Jahrhunderts neben den Burggrafen von Nürnberg, deren Fehde mit den Bambergern er schlichtet. War den Schwar- zenbcrgen nicht das Emporkommen der Hohenzollern beschie- dcn, so erfüllt ihr Name doch die fränkische, bayerische, nie­derländische, österreichische und die Geschichte des Deutsch- herrnordeus. Jeuem Erkinger entsproß schon im Enkel einer unsrer berühmtesten deutschen Landsleute Johann Schwarzenberg, der große Kriminalist, der Verfasser der Bambergensis, die bekanntlich der Consliiulio criminalis Carolina, nach Kaiser Karl V. so benannt, zu Grunde lag. Luther hatte ihn 1539 ausgezeichnet. Man sollte sich, schreibt er, an wohlmeinende, rechtlich denkende Gelehrte halten.Als wie Er Hans von Schwarzen­berg lebete, dem müßte man vertrauen." Die bayerische Linie der Schwarzenberge hielt sich, wie es scheint, mehr zu den Protestanten, einer davon focht mit den Schmalkaldischen Fürsten, doch starb dieser Zweig bald aus. Die überlebende Linie, war die niederländische, der auch das jetzige Fürstengeschlecht entsprungen ist. Die Söhne des Stammvaters Erkinger 1. waren dem Kaiser Max nach Flandern gefolgt, und das Fürsten­diplom der Schwarzenberge gedenkt ausdrücklich, daß sie dem Kaiser Maximilian 1488 bei dem Pöbel zu Brügge nicht allein in Schimpf, Angst und Noth , sondern auch mit Leibs- und Lebensgefahr beigestanden, als ihn bekannt­lich jene Stadt eingesperrt hatte, um ihm neue Privi­legien abzudringen. Welcher historische Reiz haftet also an diesem Namen, und wie gehört er so ganz der deutschen Geschichte an! Aus der niederländischen Linie

entsprang eine Reihe von herrlichen Heldengestalten, die wir aber stets aus katholischer Seite jstreitend finden, mit Karl V. gegen den schmalkaldischen Bund, als Mal- teserrittcr im Castel S. Elmo gegen die Türken, unter den Guisarden gegen den Coligny. So nämlich ein berühmter Ahnherr des Hauses Adolph, der nicht allein der Ligue, sondern Philipp II. gegen die Niederlande diente. Er hat seinem Wappen, neben den weiß und blauen Balken der Scinsheime, den Türkenkopf, dem der Rabe die Augen aushackt, hinzugefügt. Sein Epitaph sagt von ihm Vivus castra, morluus astra penetravit, mit Anspielung auf die Eroberung von Raab. Mit seinem Siege über die Türken wendete sich überhaupt das Kriegsglück der Osmauen, sie waren nicht mehr glücklich, sondern wurden seitdem mehr und mehr zurückgedrängt. Mit Johann Adolf wurde das Schwarzenbergische Geschlecht am 14. Jül. 1670 von Kaiser Leopold gefürstet, und als reichsunmittelbare ge­fürstete Grafen v. Schwarzenberg und Hohenlandsberg nahmen sie auf der Fürstenbank bei den fränkischen Kreistagen Platz. Durch Vermählung der Erbtochter von Sulz kam die Landgrafschaft Kleggau und mit ihr Sitz und Stimme im schwäbischen Kreistage auf die Schwarzeuberge, die seitdem auf den Fürstentagen eine Virilstimme und zwei Curiatstimmen führten« Das waren diese Slaven â peine germanisés des Con- stitutionnel! Durch Schenkung und Ankauf hatte außerdem unter Johann Adolf die Familie die Herr­schaft Wittingau und Frauenberg in Böhmen erworben, die eine 15, die andere 8 Quadratmeilen im Umfang. Durch die Schwester des Fürsten Ferdinands Ernestine, die an den Fürsten Johann Anton von Eggenberg ver­mählt war, sollte durch Erbvertrag später nach Auslö­schen der Eggenbergischen Linie das Herzogthum Krumau den Schwarzenbergen zufallen. Dieser Fall trat un- vermuthet im Jahre 1717 wirklich ein. Die nachfol­genden Schwarzeuberge sind insofern unähnlich ihren Nachfolgern, als sie weder zu hohen Kriegs - noch Staatswürden gelangen. Sie leben haushälterisch, durch weise Sparsamkeit verdreifacht ein Schwarzenberg sein Vermögen von einer Million in 20 Jahren. Sie ster­ben als Ritter des Vließes, im Besitz von Hofämtern und der geheimen Nathswürde, sammeln Bibliotheken und Galerien, stiften Kirchen, heben die Landwirthschaft, vermehren das Familienvermögen, stellen sich an die Spitze von Actien-Unternehmungen re. Mitunter wird das Geschlecht von einem Schicksalsstreiche heimgesucht. Wegen des jähen Todes des Grafen Adam (f 1641), Directors des geheimen Raths des Kürfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg, hat die Sage Glauben ge­wonnen, er sei heimlich wegen Felonie hingerichtet, den Kopf vom Rumpfe getrennt beerdigt worden. Ein an­derer Adam Franz wurde 1732 aus Versehen von sei­nem Gönner dem Kaiser Karl VI. auf der Hirschjagd in Brandeis erschossen. Die Mutter des Ministerprä­sidenten Fürsten Felix endlich kam bekanntlich bei dem Brande des Ballsaals zur Vermählungsfeier des Kaisers Napoleon um. Sie war dem Fürsten Joseph Johann Nepomuk vermählt, der 1833 als Chef des Hauses starb, und dessen' Sohn Felix neuerdings dem alten Namen der Schwarzenberge seiner Ahnen würdig einen historischen Klang gegeben. Seines Vaters jüngerer Bruder Fürst Karl Philipp war der erste Besitzer des nach Böhmen übertragenen Fideicommisses der Schwar- zenbergischen Secundogenitur. Er ist der Generalissi­mus, der bei Leipzig focht und der in Hrn. v. Prokesch seinen Biographen gefunden. Seine Söhne (fälschlich für Brüder des Fürsten Felix ausgegeben) sind Fürst Friedrich Karl, Majorathsherr, Malteserritter (Lands­knecht"), Fürst Karl Borromäus, der frühere Statthal­ter in Mailand, jetziger Gouverneur in Siebenbürgen, und Fürst Edmund Leopold, Commandant des vierten Aimeccorps. Die eigentliche Biographie des Fürsten Schwarzenberg im ersten Bande geht nur bis zum Jahre 1824. Der zweite Band soll nächstens erscheinen.

Deutschland.

* Wiesbaden, 27. Dccbr. Heute Vormittag ist Se. Hoheit der Herzog mit I. Hoheit der Frau Herzogin nach Dessau abgereist, um dort gegen vierzehn Tage zu verweilen. Höchstdieselben wer­den heute bis nach Eisenach fahren und von dort aus morgen die Reise fortsetzen.

* Wiesbaden, 27. Dec. Nach dem uns vor­liegenden Bericht der hier errichteten Spargesellschaft, betrug die Zahl der Sparer am Schlüsse der diesjähri­gen Sparpcriode (31. Octobcr) 115 Spargesellschafts- Mitglieder. Diese bestanden aus circa 70 Familien­häuptern hiesiger Stadt, der Rest aus ledigen Personen, worunter eine Anzahl von Dienstboten. In wöchentli­chen Beiträgen von 6 kr. bis zu 2 fl. ersparten diesel­ben im Laufe her diesjährigen kurzen Sparperiode von 21 Wochen eine Summe von 725 fl. 28 kr. Diese Summe war in Raten von mindestens 50 fl. successive bei dem BanquierhauseC. Kalb Sohn" dahier zu 4 pCt. verzinslich angelegt worden und betrugen die auf diese Weise für die Gesellschaft erworbenen Zinsen/ einschließlich der Zinsen eines von dem Herrn Spiel­pächter Guntz dahier der Spargesellschaft gemachten und in gleicher Weise verzinslich angelegten Geschenks von fünfzig Gulden, die Summe von 5 fl. 51 kr. Das Gesammtsparcapital beträgt 780 fl. 40 kr. und wird unter die Gesellschaftsmitglieder nach Maßgabe der Ein­lagen, sei es in baarer Summe, sei es in einem Aequi- valente an Naturalien, vertheilt werden. Der Vorstand der SpargcseUschaft wird im Anfänge des Monats März 1853 wiederum z rsammentreten, um die Vorarbeiten für die mit dem dritten Sonntage des Monats April be­ginnende Sparperiode pro 1853 in die Hand zu neh­men. Diese wird eine gewöhnliche, d. h. wie dieselbe in den Statuten vorgesehen ist, sein, und 29 Wochen um­fassen. Die Betheiligung an diesem Institute durch frei­willige Beiträge war sehr gering, es blieb das obener- wähnte Geschenk des Herrn Spielpächters vereinzelt.

Der Vorstand beabsichtigt, das Unternehmen nament- sich auch durch Einführung einer Brodcasse, vermittels welcher den Geschäftsmitgliedern unbeschadet durch Zei ten der Theuerung und durch Machinationen der Frucht speculante» während des ganzen Jahres die Lieferun eines gesunden Brodes zu einem festen Preise gesicher werden soll, zu fördern. Eine allseitig rege Theilnahm wäre diesem Unternehmen allerdings zu wünschen.

O JdsteiU, 25. Dec. Ein größeres und bessere Weihnachtsgeschenk konnte der hiesigen Stadt, nach s vielen bekannten nachtheiligen Schicksalen, kaum ver liehen werden, als die sichere Nachricht, welche sich heut verbreitete, daß mit dem neuen Jahre der seit undenl lichen Zeiten vielfach ersehnte, petitiouirte, versprochen und verhandelte Postwagen für Personen und Gepä zwischen hier und Neuhof endlich gehen wird. D Stadt selbst hat in den letzten Monaten Alles aufq boten, um die Straßen ihres Bereiches mit Kostc schnell und gut herrichten zu lassen. Die Chaussee vc hier bis Eschenbahn, die Hälfte des Weges nach Nei Hof, ist schon seit längerer Zeit auf Staatskosten sei gut gefertigt und unterhalten worden. Möchten m die guten Folgen, die man von dieser Einrichtung si verspricht, auch nun recht reichlich eintreten! T Wahlen neuer Mitglieder des GemcinderatheS sind ruh vollzogen worden und mit überwiegenden Stimmenmeh Heiken auf geachtete Männer, sogar Staatsdiener, g fallen. Mehrfache Straßenbauten und Anrodung wüster Plätze haben im Laufe des Jahres die arbeiten Klasse nützlich beschäftigt und der Stadtkasse kleine C pitale beim Verkäufe der Stücke eingetragen. Noch g cs in dieser und anderer Hinsicht Manches zu thun j den neuen Gemeinderath, um, wie bisher, die Erhcbu städtischer Steuersimpel auch ferner abzuwenden, da di eben schwer auf dem nahrungslosen Orte lasten würd Denn wenn auch die eine Lederfabrik, welche wir a früherem Schiffbruche gerettet haben, wieder schwur Haft geht; so hängt dies allzusehr von schwanken! Zeitumständen ab, und obendrein dient es zunächst im nur geringen Handarbeitern.

§ Aus dem Camberger Gr«»»de, 24. Dec. Die jüngsten Zeitungsnachrichten über unsere Eisenbal angelegenheit haben in hiesiger Gegend die größte S< sation und Besorgniß hervorgerufen. Man ist überzeu daß wenn entweder längs des Rheins oder aber v Siegen über Dillenburg nach Gießen eine Eisenba gebaut wurde, die Hoffnung, eine Bahn durch das £ nere des Herzoglhums zu bekommen, für ewige Z ten abgeschnitten und somit der Ruin des grö ten Theiles unseres Landes unvermeidlich

*) Der Redaction zugekommen am 27. December mit D