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Nassauische Allgemeine Zeitung

â AOL. Montag den 27. December 1832

Neues Ahonne m e n t.

Auf das mit dem 1. Januar 1853 beginnende neue Quartal der ..Nassauischen Allgemeinen Zeitung" und des mit derNassauischen Allgemeinen Zeitung" vereinigten im Anhang derselben erscheinendenKreiSblattes für das Kreisamt Wiesbaden" laden wir hiermit zu geneigten Abonnements ein.

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Montenegro.

Die türkisch-montenegrinischen Wirren werden in den weitesten Kreisen ungctheilte Aufmerksamkeit erregen, am wichtigsten indeß, ja entscheidend sind sie für Albanien und die Herzegowina. Die Montenegriner fühlen es seit geraumer Zeit, daß ihnen ohne eine Erweiterung der Gränzen keine staatliche Zukunft blüht, selbst dann, wenn sie in Europa allgemeine Anerkennung gefunden. Man muß gestehen, daß der Momentzum Losschlagen" nicht günstiger erfaßt werden konnte, und eS ist sehr leicht möglich, daß ein guter Theil Albaniens bei dieser Gelegenheit verloren geht. Omer Pascha ist nun die einzige, ja letzte Hoffnung der Pforte, der einzige, der mit dem Bergvolke etwas richten könnte, aber es schwer­lich vermögen wird, da ihm kaum hinreichende Trnppen- krâfte zn Gebote stehen, während die der Montenegriner immer mehr anschwellen. Es läßt sich denken, mit wel­cher Begeisterung der Cernagore zu den Waffen greift, da er in einenlanger» Kampf" geht, wie denn schon zu öfternmalen darauf hingewiesen wurde. Seit Jahr und Tag dauerten die Rüstungen und Vorbereitungen. Würde man es wohl für möglich gehalten haben, daß ein Ländchen von 56 bis GO Ouadratmeileu, noch da­zu abgeschnitten von jedem Verkehr, und jeder besseren Vegetation bar, die einst so mächtige Türkei so lange int Schach halten könne? Bei all' dem nimmt man, besonders in Deutschland, die Montenegriner zn poetisch. Im Leben verhält sich gar manches prosaischer, als es deutsche französische und englische Touristen geben, und wir können uns versichert halten, daß bei einer langern Dauer des Kampfes man genug von begangenen Grau­samkeiten zu erzählen haben werde. Die barbarische Sitte des Kopfäbschncidens, der ungemesscne Hang zur Blutrache, Plünderung u. s. w. lassen den Mouteue- griuer eben nicht in einem vgetiidU'UU £i&te als die gefürchtete Miliz unserer Anlauten odek die andern Türken. Was den Montenegrinern indeß zu statten fbmmf, ist die christlich moderne Anschauung ^deö Abendlandes, und weil man eben in ihnen die Träger wenigstens einer halben Cultur erblickt, gönnt man ihnen Ausbreitung und Zuknuft. Noch besser kommen ihnen die Zustände Albaniens zu statten. Das Volk weigert sich' Geeinten zu stellen, und der Messier Os­man Pascha verstand cs viel zu wenig, das Interesse seiner Regierung zn wahren. Er wollte cs ans keiner Seite verderben, und die Montenegriner beschnidlgen ihn gar des gebrochenen Waffenstillstandes, währenddem sie doch nur vorübcrlcgt gehandelt haben. BaMpt und Spus waren die ersten Puncte, deren sich k>ie Monte- uegriuer bemächtigen mußten. Spus konnte sich keine 14 Tage mehr halten. Von mehreren Seiten bitten Stämme, wie die Sccancr, um Aufnahme, die sie schon im Jahr 1832 angesucht hatten. Offenbar haben die Montenegriner heute weit mehr Vortheile, als sie zur

Mahmud Pascha's hatten, und bei der Waghalsig­keit des jetzigen Fürsten geht es wohl an, dag die Wünsche der Serben erfüllt werden, die am meisten bei der montenegrinischen Sache berührt sind, und die ihre Freude über das Gelingen der ersten Schritte nicht verhehlen können. Es ist ganz gut möglich, bau Mon­tenegro seine alten Gränzen erhält und das gan^ ein­stige ,Scta" dazu kommt. Das alte Seta oder teiltet war das im kleinen, was einst das Serbenreich unter Czar Dusä-an dem Starken im großen gewesen war. Es hatte seine eigenen Fürsten, die von weiblicher Sette aus dem Hause der Nemanic stammten, cs hatte wei­tere Gränzen als heute. Seit Dalmatien unter Oesterreich gekommen und dort ein tüchtiges, dem wil- Ccrnagorcn imponirendcs Regiment ciugcführt ist, bliest er lüstern auf die türkischen Triften. Zabljak war schon in frühern Jahrhunderten der Schauplatz häufiger Kämpfe und hat für Montenegro traditionelle historische Erinnerungen. Es heißt adgememcin, daß die Montene­griner Absichten gegen die Inseln am See von Srutan im Schilde führen, und daß sie Vranina und Lesendra nehmen wollen, auf welche, wenn ich mich recht entsinne, schon der verstorbene Vladika häufig Ansprüche erhob, wenigstens war ihre Besetzung durch Osman Pascha im Jahr 1844 keine ganz berechtigte. Er benützte damals die Fehde zwischen Montenegro und dem Ali Pascha Stolcewitsch von Herzegowina. Entschlossenheit kann man dem Fürsten Daniel nicht absprechen, cs bedurfte

wohl anch derselben, wenn er sich erhalten wollte, und so soll er denn seine Leute in drei Abtheilungen ausge­stellt haben. Er selbst führte die eine und Pero nud Georg Petrowitsch, feine Verwandten, die beiden andern. Mit den Bewohnern der Nahia PiperSka soll cs zu Mißhelligkeiten gekommen sein, da diese sich nicht gutwillig den Anordnungen des Fürsten unterwerfen wollten. Es hieß, sie sollen sich dem Pascha von Skutari williger gezeigt haben, da ihnen die aufgelegten Steuern allzu- hoch geschienen hätten, und es soll deshalb zwischen ei­nem Abgeordneten der PiperSkaner und dem Fürsten im Senat sogar zu herben Worten gekommen sein. Cs scheint indeß, und hat sogar große Wahrscheinlichkeit für sich, daß Alles nur ein Prätext war, um die Tür­ken desto sicherer zu machen, und den Handstreich in aller Stille mit Vermeidung deS Aussehens vorzuberci- ten. Das beweisen beinahe die spätern Nachrichten, die blos von einer Auflehnung eines geringern Theils der PiperSkaner melden, und daß sie sich bereits alle un­terworfen hätten. Der Fürst soll auch anbefvhlen ha­ben, daß Alles, was nur irgend Waffen zn tragen im Stande fei,. unter einer Strafe von 5 Ducaten aus den Kampfplatz eile.

Nach den neuesten Nachrichten, welche die Triester Zeitung über die Vorgänge in Montenegro bringt, fand am 12. und 13. d. M. bei Podgorizza ein lebhaftes Gefecht statt, in welchem die Türken anfangs mit Hilfe ihrer leichten Artillerie int Vortheile waren, bis die Montenegriner durch starke Zuzüge sie in die Flucht trieben und zu einem Waffenstillstand nö­thigten, der dauern soll, bis die oberste Entscheidung des Sultans über die Ansprüche der Montenegriner eingetroffen sein wird. Die Festung Zabljak wird von diesen in starken Bcrthcidigungsstaud gesetzt, wohl ver- proviantirt und hat neuestens eine Besatzung von 800 Mann erhallen. , öW Danilo ist nach Moureuegro zurückgekehrt, wohin ihm sein Onkel Petro bereits vor- ausgegaugen war. Von Wichtigkeit ist ferner, daß, wie demSrb. Dnev. änö der Herzegowina geschrieben wird, die Gemeinden der zwei Districte von Roche und Dubrovnik den Entschluß gefaßt haben, dem ge­malt hätigcn Vorhaben der Pforte ernsten Wider­stand zu leisten, ja sogar sich die daselbst wohnhaf ten Muselmänner den Christen angeschlossen und erkärt hätten, keine Recruten zu stellen. Die Herzegowina ist ganz überfüllt von Emissären der Pforte, und obschon sie kein- Mühe sparen, das Volk gegen die Montenegriner zu erbittern, dürfte doch die Herzegowina mit Anfang des Frühjahres große Umstaltungen erhalten, wenn der Fürst von Montenegro bei seinen gefaßten Entschlüssen fest bleibt. Als Cuzac Ccruojevic, Selbstherrscher in Mon­tenegro im Jahre 1816 nach Neapel abgereift war, er­klärte dcr damalige Gouverneur von Skadar, FrisuS- Bcy, jenem der Bocche, daß er daS von Ccruojevic verlassene Land erobern werde, worauf er die Antwort erhielt, daß die Türkei keine Rechte an dieses Land be- sitze, daher möge er diese unerreichbaren Wünsche auf- geben. Die Montenegriner geben sich nun der Hoff­nung hin, der neue Fürst werde die alten Grenzen wieder herzustcllen vermögen.

Dcutschiarrd.

Frankfurt, 24. Dec. Der Graf von Chambord hat unterm 11. d. dem Präsidium des Bundestags eine Protestation gegen daS französische Kaiserreich überreicht; dieselbe ist, wie demH. C." geschrieben wird, einfach zu den Acten genommen worden. (Das Frankf. Journ. erklärt diese Nachricht für grui.dloS.)

Stuttgart, 21. Dec. Der Schwäbische Merkur erzählt folgende ergötzlich Historie: Gar oft findet man die tollsten Mährchcu von der wirklichen Einbildung der Leute übertroffen. Dieser Gedanke drängte sich uns auf bei der Geschichte einer seiuwollcnden Braut sch ast mit dem Kaiser von Frankreich. Die höffnüngsvolle Braut war Magd bei einem hiesigen Kaufmanne , und vertraute ihren sehnlichen Wunsch (den möglicherweise auch noch andere Mädchen mit ihr theilen) einem Man- rertaglöhner an, der die Sache für leicht ausführbar erklärte, und zwar durch sympathetische Mittel, die hier angeweudet zum Ziele führen würden. Die künftige kaiserliche Majestät war ihrer Sache so sicher, daß sie die bisherigen Ladcnjungser des Kaufmanns zu ihrer OberkamiNerjungser ernannte. Diese, obgleich bisher im

Dienstrange weit über der Magd stehend, begnügte sich gern mit der bescheidenen Stellung der kaiserlichen Ober­kammerjungfer. Die Reise nach Paris sollte nicht mit der ordinären Eisenbahn, sondern mittels sympatheti­scher Kräfte gemacht werden. Die groben Kleider dcr Mädchen waren nicht mehr am Platze^ da ehestens die kaiserlichen Prachtgewänder sammt reichem Geschmeide ankommcu würden, und die beiden Bethörteu verschwan- den schon vor 14 Tagen, ohne daß man bis jetzt eine Spur von ihnen hat.

Stuttgart, 24. Oct. Die hiesige Polizei erhielt, obgleich von Eßliuger ans Telegraph und Eisenbahn Hieber führen, auf dem Privatwege die erste Kuude von dem (gestern gemeldeten) in Eßlingen an bem Cafetier Schmidt versuchten Raubmord und entwickelte augen­blicklich ihre Thätigkeit. Heute Nachmittag hatte sie bereits einen Menschen in Händen, von dem nachge­wiesen ist, daß er diesen Morgen noch in Eßlingen war, und sich in das Schmidt'sche. Haus eingeschlichcu hatte. Blutspuren wurden nur unbedeutende an ihm gefunden. Es ist ein Schuhmacher Namens Ulmer.

München, 23. Dec. Ministerialrath Dvnni- g e s wird mit dem König nach Italien reisen. Prof. Moritz Carriere von Gießen ist als Professor hono- rarius der Philosophie an hiesige Universität berufen.

Koburg, 20. Dcc. Der Herzog von Augusten­burg hält sich mit seiner Familie seit einiger Zeit zum Besuche bei unserm Herzoge auf. Die Herzogin von Augustenburg wird in diesen Tagen mit unserm Her­zoge Pathenstelle bei dem jüngsten Kinde des neuen Regierungspräsidenten Franke (bekanntlich früher Mit­glied der Statthalterschaft in den Herzogthümern) ver­treten. Die beiden anderen Pathen des Kindes sind Hr. v. Bethmann - Hollweg und Moritz Arndt. Beth­mann-Hollweg ist deshalb heute hier eingetroffen; Mlrndt'L Stelle aber wird fein Parteigeuofse im Frank­furter Parlament, Hofrath Briegleb, versehen. Mit dem Beginne des folgenden Jahres soll in dem uns benachbarten Hildburghausen, unter der Redaction des Dircctors der dasigen Handels- und Gewerbeschule, Dr. Amthor, ein neues Journal:Generalanzaiger für Thü­ringen und Franken" erscheinen/ Der Inhalt dieses Journals soll ein sehr umfassender sein, da nach dem Programme nicht allein die politischen, sondern fast alle gewerblichen. mercantilen und literarischen Tagesneuig. keilen besprochen werden sollen.

Kassel, 23. Dec. Die heutige Kasseler Ztg. bringt die kurfürstliche Verkündigung vom 16. d. M. des am 28. Sept. d. J. abgeschlossenen und am 14. Oct. rati- ftcirten Vertrags zwischen Knrhesscu und dem Königreich der Niederlande wegen gegenseitiger Auslieferung der gemeinen Verbrecher, die eigenen Staatsangehörigen ausgenommen.

Köln, 24. Dec. Von dem im Communistenpro- ceß vernrthcilten Bürgers ist Nachricht ein gelaufen, wo­nach er auf der Festung Kosel sich befindet; in Betreff der klebrigen vernimmt man noch nichts Näheres.

Oldenburg, 20. Dec. DieOldb. Z." schreibt: Nach zuoerlässtgeu Mittheilung aus Brake sind am 16. Nachmittags die DampsschiffeGroßherzog von Olden­burg,"Bremen,"Lübeck,"Frankfurt" undHam­burg" von der dortigen Rhede abgefahren. Ihnen folgte das TransportschiffLeith-London". Die engli­schen Ingenieurs und Maschinisten zweiter Klasse, welche bisher auf den Schiffen der deutschen Marine thätig waren, haben in derselben Eigenschaft auf obigen Schif­fen Anstellung gefunden.

Hamburg, 23. Dec. (N. Z.) Nach einer zwei­tägigen stürmischen Ueberfahrt ist das (sonst zwischen Kopenhagen und Wismar fahrende) DampfbootObo- trit" gestern Abend, mit etwa 300 Mormonen, von Kopenhagen in Kiel angelandt. Die Mormonen selbst sind heute Vormittag hier eingetroffen.

Altona, 21. Dcc. DerAlt. Merk." schreibt: Wie wir vernehmen, ist vor Kurzem die Gräfin von Schimmelmann ans Ahrensburg, geborne Freiin von Lützerode, von der römisch - katholischen Kirche zur lutherrschen übergetreten.

Aus Schleswig, 21. December. Ueber Capi­ta» du P l a t vom Ingenieur - Corps ist von der in Schleswig niedergesetztcn General-Kriegs - Commission wegen seines Verhaltens während des Krieges, welches auf seinen eigenen Wunsch und sein desfallsiges Gesuch