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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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Montag den 20. December

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Auf das mit dem 1. Januar 1853 beginnende neue Quartal derNassauischen Allgemeiner; Zeitung" und des mit derNassauischen Allgemeinen Zeitung" vereinigten im Anhang derselben erscheinendenKreisblattes für das Kreisamt Wiesbaden" laden wir hiermit zu geneiatcn Abonnements ein.

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Kaiser /ranz Joseph in Verlin.

DieNeue Preußische Zeitung" feiert die Anwesen­heit Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph in Berlin in folgendem Leitartikel:

Oesterreichs Kaiser in unserer Mitte, das ist Politik ohne Worte, eine stumme Kaiserrede, zwar wenigerherzlich" als die des Lord Malmesbury, doch verständlich genug, daß man jenseits des Rheins den Text auch ohne Noten finden wird. Oesterreichs Kai­ser in Berlin, was wird man in Dresden und Mün­chen, was wird man in Kassel und Mainz, was wird man in allen jenen kleinen Depots deutscher Bundes- freundlichkeit und qualistcirter Dankbarkeit darüber den­ken und womit wird man sich helfen, diesen Rechnungs- fehler wieder in's Gleiche zu bringen? Doch wir wol­len den hohen Gast nicht mit Politik behelligen; wir wollen ihn begrüßen, wie er kommt, ein Freund und Blutsverwandter unseres königl. Hauses, ein deut­scher Bundesfürst, die andere Säule deutscher Macht und Einigkeit, der jugendliche Kaiser, in dessen kräftiger Hand das Wohl und Wehe des ältesten und größten deutschen Bundeslandes ruht, der Erbe des Ruhmes und der Größe seiner Ahnen. Preußens König neben Oesterreichs Kaiser eintretend durch das Siegeskhor, das ist, auch ohne schwarz-roth-goldene Fahne, leibhaftig Deutschlands Einigkeit, und freudig begrüßen wir den neuen Bundestag, vor wel­chem mancher trüber Schatten und all die alten Nacht­gespenster von Frankfurt, Erfurt rc. auf Nimmerwieder­sehen Abschied nehmen. Wollten wir uns rühmen, wir könnten sagen, daß wir erreicht, was wir erstrebt. Denn hat man uns auch früher hier und später dort verkannt, den Ruhm wird Niemand uns verkümmern dürfen, daß vor Allem wir cs gewesen sind, die niemals müde wur­den, Deutschlands Einigkeit und Macht in dem zu su­chen, worin sie jetzt gefunden ist, und über allen Zwist der Cabinette den heiligen Beruf der deutschen Fürsten hoch empor zu halte». Haben wir damit einfach ange­stoßen heute mit Denen, wo man nach der Melo­die des alten Arndt sein Vaterland noch immer vergeb­lich sucht und den Fürsten, dessen Väter Jahrhunderte die deutsche Kaiserkrone trugen, um keinen Preis in Deutschland dulden will; morgen dort, wo man wie Oesterreichs so Deutschlands Ruhm und Stärke in Preußens Schmach und Schwäche suchte wir sind befriedigt, wenn das Ende unser Streben krönt, wenn der Erfolg die Gegner nach und nach verstummen läßt, und wir heißen mit vollem Herzen Den willkommen, dessen bloßer Anblick uns die Bürgschaft gibt, daß Deutschlands Einheit nicht auf halbem Wege stehen bleiben, und daß es dem Feinde, er komme von Innen oder Außen, nicht mehr gelingen wird, die Pfeile ein­zeln zu zerbrechen. Oesterreichs Kaiser ist in unserer Mitte wir grüßen ihn mit vollem Herzen, wie Oester­reich durch ihn deu König Preußens grüßt und Deutschlands Gruß und Dank wird nicht dahinten bleiben.

Se. Maj. der Kaiser von Oesterreich bewohnen im Charlottenburger Schlosse die Zimmer unter den Gc- Gemächern Ihrer Maj. der Königin. Einem vielvcr- breiteten Gerichte zufolge würde Se. Maj. der Kaiser Franz Joseph über Breslau in die kaiserl. Staaten zu­rückkehren; nach der N. P. Z. wird Se. Maj. der Kaiser auch den Rückweg über Dresden nehmen, be­sonders auch weil die resp. Compagnien des königl. 20. Infanterieregiments Befehl erhalten haben, vorläufig in Jüterbogk und Herzberg behen zu bleiben. In Beglei. tung Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich befindet üch Se. königl. Hoheit der Erzherzog Ferdinand Maxi- milian, Bruder Sr. Majestät.

Se. Maj. der Kaiser Franz Joseph fuhr am 17. Dec., Mittags nach 2 Uhr, von Charlottenburg nach Berlin, nm Sr. kön. Hoh. dem Prinzen Carl einen Besuch zu machen. Se. Maj. der Kaiser verweil­ten über eine halbe Stunde am Krankenbette und tra­fen daselbst mit Sr. Majestät dem König wieder $ii= sammen. Der zweite Besuch Sr. Majestät des Kaisers galt Ihrer Durchlaucht der Frau Fürstin von Lieg- n i tz. Derauf kehrten beide Majestäten nach Charlotten­burg zurück.

Heute Vormittag um 10 Uhr marschirte» sämmtliche

Truppentheile der Garnisonen von Berlin und Charlot­tenburg zur Parade zu Ehren Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich auf. Se. Maj. der König commau- dirte die Parade in höchsteigener Person.

Beim Dcfilircn führte Se. Naj. der König den ersten Zug des Kaiser Alexander-Grenadier-Regiments Sr. Maj. dem Kaiser vorüber Des Kaisers von Oesterreich Majestät führte als Ches des Regiments den ersten Zug vom Kaiser Franz- Grenadier -Regiment vor Sr. Majestät dem König vorüber. Ter Jubel und die Begeisterung der Bewohner Berlins über die Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers die Erkenntniß der tiefen und erfreulichen Bedeutung des allerhöchsten Besuches ist allgemein.

Die allerhöchsten und höchsten Herrschaften begabeu sich nach beendigter Parade in das königliche Schloß, woselbst um 3 Uhr im weißen Saale ein Galadiner zu Ehren Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich stattfand; am Abend Gala Oper (Olympia). Se. Maj. der Kaiser Franz Joseph wird die Nacht im hiesigen kön. Schlosse schlafen, Sonntags früh die Messe in der St. Hedwigs- kirche hören, die Kasernen des Kaiser Franz-Grenadier» Regiment und des zweiten Garde - Regiments zu Fuß, das königliche Zeughaus und wohl noch andere Sehens­würdigkeiten Berlins in Augenschein nehmen und dann mit II. MM. dem König und der Königin nach Pots­dam fahren.

Sonntag um 4 Uhr ist im Stadtschloß zu Pots­dam Familiendiner, Abends Theater. Montag Morgen wird Se. Majestät der Kaiser eine Pirschfahrt im Wild­park machen, darauf Parade der Potsdamer Garnison; am Abend werden Ihre Majestäten der König und die Königin mit Sr. Majestät dem Kaiser nach Berlin fahren und die Vorstellung des Lâts -AatauM . Mit Allerhöchstihrer Gegenwart beehren. Dienstag Vor­mittag kehrt Se. Majestät der Kaiser nach Wien zurück.

Deutschland.

2[ Wiesbaden, 18. Dcc. Der hohe Cassations- Hof hat in seiner öffentlichen Sitzung vom 1. d. M. die in diesen Blättern bereits augczeigte Nichtigkeitsklage der Staatsbehörde gegen das Berweisungserkenntniß des Criminalsenats dahier, in der Untersuchung gegen En­gelbert Abel, von Arzell im Kurfürstenthum Hessen verworfen.

Wiesbaden, 19. Dec. Den Gegenstand der Unterhaltung der Refidenzstadt bilden -dermalen zwei Tagesgespräche. Das eine ist, daß bereits vor mehre­ren Tagen einige Engländer die 10,000 Lib. Sterling, welche von dem bekannten Niellon als Caution für die Ausführung der sogenannten Westerwälder Eisenbahn bei dem Ministerinn deponirt worden waren, zurückver­langst haben! Wenn wir hierdurch auch auf der einen Seite um eine schimmernde Hoffnung ärmer geworden, so sind wir auf der andern Seite um eine große Er­fahrung bereichert worden, daß wir nämlich das nahe liegende Gute und Reelle nicht über fern schwebenden Chimären in den Hintergrund drängen lassen. Leider bleiben aber nur zu ost iu unserem lieben Deutschland die ruhigen und reellen Bemühungen unbeachtet, wäh­rend ein Schreier offenes Gehör findet.

Den andern Gegenstand der Unterhaltung bildet die Thatsache, daß der Domänenrath Henoch um seinen Abschied aus dem öffentlichen Dienst und der ihm als Ausländer bei seinem Eintritt sehr beneideten Dienst­stellung , welche er ungefähr acht Jahre mit Auszeich­nung bekleidet hatte, gebeten und, wie wir hören, unter schmeichelhafter Anerkennung seiner Verdienste erhalten hat. Sein Abgang wird in Wahrheit sehr schmerzlich empfanden. Selten hat sich aber auch wohl in einer Stadt ein Fremder während so kurzer Zeit die allge­meine Liebe und Achtung in so hohem Grade erworben. Außer seiner dienstlichen Stellung als Mitglied deS Finanzministeriums, in welcher er die höhere Verwal­tung des Berg- und Hüttenwesens und der Mineral­quellen mit ausgezeichneter Geschäfts- und Sachkenntnis führte, wurde er zu mancher wichtigen Sendung seiner Gewandtheit und der Vielseitigkeit seiner Kenntnisse und Erfahrung wegen für besonders geeignet erachtet. So wohnte er z. B. als Regierungscommissär der Londoner Ausstellung bei. Seine Mitbürger ehrten ihn, indem sie ihn zum Mitgliede des Gemeinderathes und des

Bürgerausschusses der Stadt Wiesbaden ernannten. Ein Kenner und Freund der Künste war er Mitglied des Vorstands des Kunst- und Alterthums-, des Verschöne- rungs- und des katholischen Kirchengesang-Vereins. Von einer seltenen und wahren Wohlthätigkeitsliebe beseelt, war er unermüdlich thätig, das Loos der Bedürftigen und der unteren Stände zu erleichtern und zu verbes­sern; so war er Armenpfleger, Mitglied des Vorstands der Kleinkinderschule , des Kranken- und Sterbevereins der Handwerker, des Pius- und Vincenz-Vereins und des zur VeriheiluiiI von Preisen an gute Dienstboten.

Der Fürst und das Land verlieren an ihm einen treuen und erfahrenen Diener, die Stadt einen werk- thätigen Mitbürger und die ihm näher standen, einen wahren Freund. Möge seine Zukunft so beglückt sein, als er in Wahrheit verdient! Unsere Wünsche be­gleiten ihn.

[|: Vom Lande, 10. December. (Schluß.) Mehrere Correspondcndcn derNass. Allgem. Zeitung" haben in den letzten Jahren dem Vereine wandernde Versammlungen empfohlen, nach dem Beispiele anderer Landesvereine, zur Erhöhung der Wirksamkeit und zur Gewinnung größerer Theilnahme. Wir theilen diese Ansicht und haben dabei noch besondere Wünsche. Wie alle Wissenschaft in das Leben eingehen muß, wie sie Folgen und nicht blos auf eineu kleinen Kreis ihrer Jünger sich beschränken will, so muß auch der historische Verein dieS berücksichtigen, was er bisher noch nicht ge­than hat. Die diesjährigen Congresse der Alterthums- sorscher zu.Dresden und Mainz haben durch ihre persönliche, gleichsam concrete und leibhafte Erscheinung an beiden Orten eine Menge Theilnehmer sofort an sich gezogen. Unser Verein wird ähnliche Erfolge haben,

der zu halten und besonders da, wo größere und anzie­hende Monumente vorhanden sind, ihre Erklärung an Ort und Stelle mündlich eintreten zu lassens wobei für Jedermann Zutritt gestattet sein muß. (In Frankreich hält derarchäologische Verein", unter Anführung des verdienstvollen Herrn de Caumont, seit vielen Jah­ren solche Wanderzüge bis ins Ausland. Er war 1846 zu Trier, und darüber erschien von dem ungenannten Baron de 91 o i f i n aus Belgien die Schrift: Le con- grès archéologique de France â Trèves (Trier bei Linz 1846) mit eingedruckten sauberen Holzschnitten von den historischen Denkmälern Triers.) Zum Ziele können dabei bald die keltischen Steinringe aus dem Taunus, bald die römischen Castelle an dem Pfahlgraben, bald die vielen und prächtigen Kirchenbauten des Mittelalters gewählt werden. Aber immer muß Jemand dabei vor­handen sein, welcher einen erklärenden Vortrag hält, und der Vorstand muß hieraus seine besondere Aufmerk­samkeit lenken.

Wir möchten, aus äußeren Gründen, wünschen, daß der Beginn mit den Baudenkmälern des Mittelalters gemacht würde, und wir schlagen unbedenklich ohne Weiteres eine solche Versammlung für Limburg auf das Jahr 1853 vor. Die dortige Domkirche ist ein so berühmtes Werk, daß Jedermann gern zu seiner Be­trachtung verweilt, und daß namentlich Mitglieder des historischen Vereines eine nähere Kenntnißnahme nicht versäumen werden. Aber es fehlt Allen meist die tech­nische Kenntniß und damit das gehörige Verständniß. Der Vorstand müßte also dafür sorgen, daß ein Sach­kundiger den Versammelten einen gehörigen Vortrag an Ort und Stelle hielte und als Hierophant gleichsam handgreiflich alle bauliche Schönheiten nachwiese. Zur Verherrlichung des Ganzen würde der rühmlichst .be­kannte Domchor in einer sogenannten Hora mehrere alte (ja nicht neue!) Kirchengesäuge aussühren und die Anwesenden dadurch lebhaft in die Vergangenheit ver­setzen können. Der königl. sächs. Prinz Johann zu Dresden ließ, als gewählter Präsident des Congresses, den Alterthumsforschern Aehnlichcs in seinem Palais produciren und ärndete dadurch reichen Dank. Die Ge-- schichte der Stadt und ihrer geistlichen Stiftungen gibt Stoff zu verwant ten Vorträgen, und es würde auch da­zu an geeigneten Männern nicht fehlen. Die Stadt ! liegt im Mittelpuncte des Landes, und bequeme Stra- I ßen und Eilwägen führen die Historiker von allen Sei- > tcu rasch und wohlfeil dahin. Die Einwohner sind als