teils eingefangen, und in Kurzem werden Alle für ihre Schandthat büßen.
Dem Franks. I. wird berichtet: Ich schrieb Ihnen tieulich, als eö noch unentschieden war, ob Hert von Bruck nach Berlin gehen werde, daß man einer Erklärung Preußens entgegenschen zu dürfen glaube, und daß es von derselben abhängen werde, obHr. v. Bruck eine Mission für Berlin erhalte oder ob er nach Triest ^nrückkehre. Wie man von glaubwürdiger Seite ver- tiimmt, hing die Sache wie folgt zusammen, Während die Conferenzen Oesterreichs mit den CoalitionSstaaten im besten Gange waren, machte der konigl. preußische Gesandte nm hiesigen Hofe, Graf v. Arni m, in mündlichem Verkehre die erfreuliche Mittheilung, daß seine Regierung zu Verhandlungen, welche eine’ allgemeine Verständigung zum Ziele 'hätten, bereit sei. Darauf hin wurde Hr. v. Bruck von Triest hierher beschie- den, damit er alsbald abgehen könne, wenn man sich über bie Grundlage der Verhandlungen verständigt hätte. Man wollte durch die Absendung dieses Staatsmannes nach Berlin das freundliche Entgegenkommen Preußens in Wien erwidern. Als die Grundlage, auf welche hin Oesterreich verhandeln würde, wurde daS schon seit der Münchener Couferen; modificirte Programm Oesterreichs und der Koalition angenommen, welches dahin geht, daß der Zollverein reconstituirt, der Steuerverein in denselben ausgenommen und ein Handelsvertrag mit Oesterreich abgeschlossen werde, welcher keine bindenden formellen Stipulationen über die Durchführung der Zolleinigung enthalte. Das ist daS Programm, mit welchem Hr. v. Bruck nach Berlin gegangen ist. Daß Preußen geneigt sei, es anzunehmen, dafür dürfte wohl schon der Abgang Hrn. v. Brucks für sich allein sprechen. Man lebt wenigstens der Hoffnung, daß man sich nicht gn Berlin gefunden, um unverrichteter Dinge wieder auseinander zu gehen.
Frankreich.
Paris, 15. Dec. Der Verfasser des gestern erwähnten Buches: „Frankreichs Grenzen" bespricht zuerst die augenblickliche Lage der französischen Grenzen und kommt zu dem Schlüsse, daß Frankreich jetzt einem Angriffe der nordischen Mächte durchaus bloßgèstcllt und es für das Land eine Lebensfrage sei, sich andere Grenzen zu verschaffen. Belgien, Savoyen und die Rhein- provinzen sind nun nach des Verfassers Ansicht Frankreich nothwendig, und wenn das erstere Land es entschieden in seinem Interesse sehen müsse, Frankreich ein« verleibt zu werden, so würden auch sicher Savoyen und die Rheinprovinzen aus vielen Gründen nicht bedauern, ihre jetzigen Herren gegen Frankreichs Kaiser zu vertauschen. Seine natürlichen Alliirten hat Frankreich in Svanieu und Italien zu suchen, das letztere Land durch Vertreibung der Oöstärelcher so zu einem kräftigen und einigen Reiche machend, und wenn eine solche einige Allianz bewerkstelligt, hat es seine Blicke nach dem Norden zu richten. Dort findet es Rußland und Schweden und Dänemark, welche drei Staaten nicht wie Preußen, Oesterreich, das übrige Deutschland und England ihm feindliche Interesse haben. Aber um sich Rußland zu nähern, darf Frankreich keine Politik adop- tiren, welche eS in Gefolge eines so gefährlichen Alliir- ten stellen und welche seinen Einfluß im Oriente schwächen würde. „Innige Verbindung mit Spanien und Italien, Neutralität Hollands und der Schweiz, Allianz mit Rußland, dahin muß das entschiedene Ziel der französischen Politik gehen . . ." Der Verfasser schließt: „Die natürlichen Gränzen und vor Allem die Rhein- linie, das ist die Lebensfrage Frankreichs . . . Glaube man ja nicht an die Utopie deS Friedens, mit welcher gewisse Leute (darunter Se. Maj. Kaiser Napoleon III.?) welche aus der Politik eine Gefühlssache machen, die Welt beglücken wollen. Der Krieg ist eines der Uebel der menschlichen Gesellschaften, welche zu ihrer Gr^ße beitragen und niemals verschwinden. Wenn Frankreich auf alle Plane der Eroberung und Vergrößerung verzichtet, wenn eS einschläft und abstumpft, so würde das ein sicheres Zeichen seines Unterganges sein. Jede Nation, welche keinen Ehrgeiz mehr hat, ist eine Nation, die abdankt. Hoffen wir, daß cs mit Frankreich nicht so weit gesammelt ist, daß es seine Vergangenheit nicht vergessen hat und nicht vergessen wird die Sorge für seine Zukunft."
Der Kaiser besuchte gestern Nachmittags, von Per- signy und dem Polizeipräsecten begleitet, indem er — der Erste — die verlängerte Rivolistraße durchfuhr, das Stadthaus, an dessen Eingänge ihn der Seine- Präfect empfing, der ihn namentlich in den neuen Sälen umherführte. Den Baumeistern der Rivolistraße verlieh der Kaiser Orden und begab sich dann nach dem hinter dem Stadthause gelegenen neuen Casernen- bau, wo er den Militär-Arbeitern 1000 Frs. schenkte. Ueberall wurde der Kaiser von der Menge mit Vivats begrüßt. — Heute Mittags fand im JnvalidewHotcl die kirchliche Feier des Jahrestages der Ankunft von Napoleons Asche statt. Der Marschall Jerome, ein zahlreicher Stab und viele alte Krieger des Kaiserreichs wohnten der Ceremonie bei. Eine Ehrengarde von 100 Invaliden bildete Spalier vom Chor bis zur Kirchenthür. — Die „Köln. Z." widerruft heute ihre Nachricht in Betreff der Hcirath der Prinzessin Wasa; nach dem Eingeständnisse der nächsten Umgebung des
Kaisers sind aÜe Unterhandlungen in dieser Beziehung abgebrochen. Der „Constitutionnel" wird morgen die Anzeige von der baldigen Heirath der Prinzessin Wasa mit dem Prinzen Albert von Sachsen bringen.
Wie verlautet, ist allen hiesigen höheren Beamten, die 10- 20,000 Frs. Gehalt beziehen, im Namen des Kaisers bedeutet worden, daß sie mindestens einen Einspänner halten müssen. Die Staatsräthe, Senatoren, Generaldirectoren rc. sind zum Unterhalten von Equipage und zwei Pferden verpflichtet, während die Marschälle, Minister rc. sogar sechs Pferde halten und bei amtlichen Gelegenheiten vierspännig fahren müssen. Der Wagen des Kaisers wird an Fest- oder Galatagen stets mit acht Pferden bespannt, und das Geschirr, welches gegenwärtig in der Arbeit ist, ganz jenem des Kaiserreichs und des Königthums gleichen. — Der Director der Patrie, Delamarre, tritt an die Spitze einer Gesell- schäft, welche die den ärmeren Klassen nöthigen Kleidungsstücke, Lebensmittel und sonstigen Bedarf zu ermäßigten oder vielmehr fast zum kostenden Preise zu verkaufen beabsichtigt. Den Anfang wird sie mit Errichtung eines ungeheuren Kleiderbazars machen, wo man sich angeblich für 30 Fr. vom Kopfe bis zu den Füßen soll anständig kleiden können. Dieser Bazar, an dessen Einrichtung man jetzt arbeitet, soll in dem an das Local der Patriè anstoßenden Hause baldigst eröffnet werden.
Das „Pays" verherrlicht heute weitläufig die Einheit in der Gewalt, augenscheinlich in der Absicht, gewisse Aenderungen in der Verfassung zu rechtfertigen. Auffallender Weise spricht daS Pays von bedeutenden Aenderungen des jetzigen Zollsystems, die in Aussicht stehen, und die nur durch eine starke, nicht von Privat- Jntcreffen beherrschte Regierung in Ausführung gebracht werden können. — In den Salons circulirt die folgende Aeußerung, welche Thiers in den Mund gelegt wird: „Vor zwei Jahren sagt ich; das Kaiserreich ist fertig, heute behaupte ich, der Krieg ist erklärt." — Abd-el-Kader ist bereits zu Marseille angelangt. Zu Lyon, wo er sich einen Tag aufhielt und der Präfect ihn bei der Landung empfing, besuchte er den Marschall Castellane und den Cardinal Bonald, speiste Abends bei dem Marschall und wohnte am anderen Morgen einer Revue bei, worauf er seine Dampfboot - Reise sörtsetzte.
Der ausgewiesene Ex-Repräsentant Chavoix erklärt im Siecle, daß er einem Gnadengesuche, das die Rc- gierungsorgane als von ihm an den Kaiser gerichtet unlängst veröffentlichten, völlig fremd sei. Chavoix lebt gegenwärtig zu Figueras.
Der Senat hat gestern und heute Sitzungen gehalten. Gestern beschäftigte sich der Senat vornemlich mit der Frage, ob dem Kaiser die Bestimmung der Eingangs- und Ausgangszölle ohne alle und jede Controlle der Staatskörperschaften überlassen werden solle. — Darf man den umlaufenden Gerüchten glauben, so besteht der èenat auf Abänderungen des Entwurfs, und es ist sogar vom Vorschlag einer Transaction über die streitigen Punkte die Rede: letztere bestehen in dem Votum des Budgets durch den gesetzgebenden Körper, in den Handelsverträgen und Zolltarifen, und in dem Gehalt für die Mitglieder des gesetzgebenden Körpers. Uebrigcns soll Napoleon entschieden au dem ursprünglichen Entwurf des Senatusconsultums festhalten. Gewiß ist, daß die gestrige Sitzung des Senats ungewöhnlich lange gedauert hat und nichts in derselben entschieden worden ist. Die Opposition deS Senats verleiht dem Gerücht einige Consistenz, nach welchem der Kaiser in der Meinung, daß er in der alten conservativen Partei die rechte Stütze nicht finde für die Steuerungen, die er int Gang der Regierung einführen will, sich an Männer der liberalen Partei gewendet und insbesondere mit Carnot eine lange Unterredung gehabt habe. Car- nats Freunde stellen dies zwar durchaus in Abrede, aber man glaubt ihnen nicht überall. In den Centralver- waltungen und Prâfecturcn soll eine große Epnration bevorstehcn. Vorläufig sollen die Departements Nord, Rhone und Rhonemündungen neue Präsecten erhalten.
Ein kaiserliches Decret verfügt, daß das SenatuS- Confultum in Betreff der Civilliste in die Getzsamm- lung ausgenommen und allen Gerichtshöfen mitgethcilt werde.
Fürst S t o u r d z a ist in Paris angekommen. Er überbringt dem Kaiser einen Apfelschimmel von ausgezeichneter Race, als Geschenk des Hospodars der Walachei.
Spanien.
Madrid, 10. Dec. Die amtliche Zeitung veröffentlicht daS Budget von 1853 in der Form eines der Kammer vorzulegenden Gesetzentwurfes. Die ordentlichen Ausgaben betrugen 1,209,708,742 Realen, worunter 47,350,000 Realen für die Civilliste, 213,271,423 für die Staatsschuld, 39,000,233 für die Justiz 278,646,248 für den Krieg, 85,165,000 für die Marine, 72,000,000 für die Polizei, 142,270,390 für die Finanzen, und 119,050,568 für das geistliche Budget. Die außerordentlichen Ausgaben sind auf 13,587,788 Realen festgesetzt. Die Gesammteinnahme beträgt 1,233,497,550 Realen, übersteigt also nm etwas die Ausgaben. — Gestern Abends um 5 Uhr (nach einem andern Berichte schon gestern Morgen) erhielt General Narvaez den Befehl zur sofortigen Abreise nach Wien.
Wie eS heißt, beschloß der Ministerrath nach einer la gen Sitzung diese Sendung des Generals. Gleich na Empfang des Befehls zur Abreise eiltè Narvaez zu Kriegsminister und erklärte, er sei bereit, den Befehl« der Königin nachzukommen z er verlange jedoch 2 Stunden Vorbereitungszeit, die ihm auch bewilligt wu den. Er begab sich heute früh nach Aranjuez, wir um 4 Uhr wieder hier sein und noch diesen Abend ak reisen. Die Negierung hat 60,000 Piaster und eine Adjutanten zu seiner Verfügung gestellt. Man glaub daß Navarez' Sendung nur ein Vorwand sei, um bk seit einflußreichen Mann aus Spanien zu entferner Er hatte sich an die Spitze der Opposition gestellt, ur die Wahloperationen zu leiten, und die Regierung ha ihn deßhalb in diplomatischer Form verbannt. — Wi die Kölner Ztg. wissen will, soll jedoch Narvaez nui zum Scheine die Wiener Sendung angenommen uni die Absicht haben, ganz offen gegen Murillo aufzutreteu Wie immer, sind auch heute Gerüchte über eine Veo ânderung des Ministeriums in Umlauf. Von Barce> lona sollen scklimme Nachrichten cingelaufen sein. — Der englische Gesandte Lord Howden ist heute hier an- gekommen.
Madrid, 12. Dec. (F. I.) Es geht daS Gerücht, die Königin Isabella habe den General Lersundi mit der Bildung eines neuen Cabinets beauftragt. — Der Opposition ist definitiv jeder Zusammentritt verboten worden. — Die Demission deS Generals Urbino ist gewiß. Mehrere Generale haben die Annahme des Portefeuills des Krieges verweigert.
Großbritannien.
London, 15. Decbr. Die Meetings gegen die Ausdehnung der Haussteuer oder, wie sie kurzweg genannt werden, die Anti-Budgets-Meetings mehren sich in der Hauptstadt nnd in der Provinz. In London fanden deren zwei Statt, bei denen es eben nicht sehr ruhig zuging, und wo der Namen Derby und Disraeli nichts weniger als in schmeichelhafter Weise gedacht wurde; aus der Provinz höen wir von stürmischen Meetings derselben Art in Liverpool Und Southampton. Andere sind in Bedford,Buckingham, Worcester u. f. w. angckündigt.
London, 17. Dec. (F. I.) Unser Ministerium ist in der heute erfolgten Abstimmung über das Budget (die von Disraeli beantragte Steuer) unterlegen. Für das Ministerium erklärten sich 286, gegen dasselbe 305 Stimmen; daher oppositionelle Majorität: 19 Stimmen.
Neueste Nachrichten.
* Wiesbaden, 18. December. In der letzten Sitzung des Directoriums des laudw. Vereins wurde die durch den Rücktritt des Herrn MinisterialratheS Trapp erledigte Stelle des Vicepräsidenten dem Hrn. Forstrath Dr. Genth übertragen. Da derselbe ebenfalls Ministerialbeamter ist, so dürften wohl andere Gründe als die vom „Frankfurter Journal" f. Z. angegebene Unverträglichkeit der dienstlichen Stellung mit dieser Würde den Rücktritt des früheren Herrn Vicepräsidenten veranlaßt haben.
In derselben Sitzung soll das Directorialmitglied Postmeister Werle aus Hattersheim energisch gegen, die erfolgte Annahme unb erbetene Befürwortung des in der Versammlung des zweiten landwirthschaftlichen Bezirkes in Bezug auf die Erhaltung des Zollvereins gestellten Antrages, als zu dem Ressort des Vereines nicht gehörig, protestirt und die Mehrzahl der anwesenden Mitglieder diesem Proteste beigestimmt haben.
Mainz, 17. Dec. Heute Morgen wurde auf höhere Verfügung hin die sehr zahlreich besuchte Mädchenschule (Privatinstitut) der Frl. E m b t geschlossen.
Berlin, 17. Dec. (Fr. Pztg.) Se. k. k. apostolische Majestät, Kaiser Franz Joseph von Oesterreich, ist heute Mittag um 12 Uhr mit unseres Königs Majestät, welcher seinen allerhöchsten Gast bis Jüterbogk auf der Eisenbahn entgegen gefahren war, hier e i n g e t r o s f e n.
Leipzig, 16. Decbr. Es heißt, die Verlobung des Kaisers von Oesterreich mit der Prinzessin Sidonie, Schwester des Prinzen Albert, werde nächstens erfolgen.
Dresden, 16. Dec. Das officielle „Dresdener Journal" bestätigt heute, daß Se. königl. Hoh. Prinz Albert mit Ihrer königl. Hoh. der Prinzessin Carola von Wasa ein Verlöbniß geschlossen habe.
Paris, 17. Dcc. (F I.) Die bisherigen Gerüchte von einer Modifikation deS Ministeriums werden heute officiell widerlegt. Sie seien nur verbreitet worden, um die Handlungen der Regierung zu schwächen.
t Turin, 13. Dec. Die Kammer beschloß die in Betreff der Einziehung der geistlichen Güter eingelaufenen Petitionen zu prüfen. Auf eine Aeußerung des Abgeordneten Borclla erklärte der Ministerpräsident, daß die Regierung in jedem Augenblicke bereit sei, die Discussion dieses wichtigen Gegenstandes aufzunehmen.
^Florenz, 11. Dec. Eine Deputation aus Bastia hat von den Erben des Bildhauers Batolini eine Sta- tue Napoleons um 32,000 FrS. an gekauft, welche in Bastia aus der der Insel Elba gegenüberliegenden Küste ausgestellt werden soll.
Verantwortlicher Mdactcur: Dr. 71. Doczek.