Nassauische Allgemeine Zeitung.
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Kaiser Franz Joseph in Berlin.
Der Besuch des Kaisers von Oesterreich am Hofe zu Berlin ist, namentlich unter den obwaltenden 23er hältnissen ein Ercigniß von der größten Wichtigkeit. Die „Neue Preußische Zeitung" weiß dieselbe nach Gebühr zu würdigen. Sie spricht am Vorabend der Ankunft des erlauchten Gastes ihre bei einem solchen Anlaß unabweiSlich sich aufdrängeuden Betrachtungen in dem folgenden Leitartikel aus: „ES ist das erste Mal, daß Preußens Residenz sich der Auszeichnung erfreut, einen Kaiser von Oesterreich oder überhaupt einen Kaiser aus dem Hause Habsburg iu ihren Mauern begrüßen zu können, und wir glauben die Bedeutung dieser Thatsache nicht zu überschätzen, wenn wir dieselbe als ein für Oesterreich wie für Preußen gleich ehrenvolles und freudiges Ercigniß feiern. Ehrenvoll und erfreulich für Oesterreich, weil der Kaiser!. Besuch keinen Zweifel darüber läßt, daß die persönlichen Gefühle der Monarchen und die bewährten Traditionen der Geschichte den Sieg daSvugetragen über den Egoismus und den gereizten Ehrgeiz der Diplomatie, wie über die Machinationen einer kurzsichtigen Politik; weil er auch den sichern Beweis dafür bietet, daß die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit deS Einverständnisses Oesterreichs und Preußens ebenso wie daS persönliche Regiment des jugendlichen Kaisers gereift und stark genug sind, jener Ueberzeugung sofort einen thatsächlichen, nach allen Seiten verständlichen Ausdruck zu geben, und dadurch jene ganze Classe von Menschen, deren Name der Wiederhall der Schmach und Zerrissenheit unseres deutschen Vaterlandes, auf ihren wahren Werth zucückznführcu. Erfreulich aber auch, und ehrenvoll in noch höherem Malje für uM .âMrland Preußen, —* ehrenvoll, weil es in der That ein nicht Geringes ist, daß der Kaiser Oesterreichs überhaupt und gerade in dieser Zeit unsern Königlichen Herrn durch einen Besuch erfreut, — jetzt, wo so mancher Kammerschwätzer daraus die Ueberzeugung schöpfen dürfte, daß die Achtung und das Ansehen Preußens doch nicht ganz so tief gesunken sind, als er seinen Wählern gern Vorreden möchte, — jetzt, wo so mancher Ansländer daraus die Lehre ziehen wird, daß das linke Rheinufer doch leichter zu wünschen, als zu erobern ist. Nicht daß wir uns damit auf eine fremde Macht verlassen wollen, doch werden wir allerdings dem gemeinsamen Feinde nicht anders, als mit gemeinsamen Kräften begegnen können, und es ist mehr als erfreulich, daß heute, nachdem die Nebel des Mißtrauens und dcS Mißverständnisses vier lange Jahre schwer auf unS gelastet, die kaiserliche Reise wir mit einem Schlage alle die Hoffnungen zertrümmert, die man in der Nähe und in der Ferne auf die Uneinigkeit der beiden Deutschen Großmächte gebaut. Wir hatten uns nie der Täuschung hin gegeben, Preußens Ruhm und Größe in der Schwäche und Erniedrigung Oesterreichs jsuchen zu können, und wir freuen uns heute doppelt, daß der Kaiser von Oesterreich, Angesichts der Gefahren, die Europa bedrohen, die Rathschläge einer verblendeten Diplomatie kurzen Entschlusses dahinter gelassen. ES wird Ihn nicht gereuen."
Ueber die Ankunft, die Empfangsfeierlichkeiten und die sonstigen zu Ehren des allerhöchsten Gastes veranstalteten Festlichkeiten brachte die 9!. Pr. Ztg. unterm 15. d. M. folgendes Nähere: Se. Maj. der Kaiser F r a n z Joseph von Oesterreich, werden nach einer in dieser Nacht hier eingetroffeuen telegraphischen Depesche erst int Laufe des heutigen Tages Wien verlassen, die Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag in Prag zubriu- gen und am Donnerstag Allerhöckstihre Reise nach Dresden fortsetzen. Die Nacht vom Donnerstag zum Freitag werden Se. Maj. in Dresden schlafen und am Freitag Mittag um 12 Uhr auf dem Anhaltischen Bahnhof hier eintreffen. Im Gefolge Seiner Majestät des Kaisers Franz Joseph befinden sich der erste General- Adjutant, Feldmarschall-Lisntenant GrasCarl v. Grünue, Geh. Rath und Commandant der Garde. Gendarmerie, die Flügel-Adjutanten Oberst Graf O'Donnel v. Tyr- conell und Major v. Bocksberg, der Oberst Müller von der Milktär-Canzlei und der Adjutant Rittmeister Prinz Carl v. Liechtenstein Durchlaucht. Zur Dienstleistung bei des Kaisers von Oesterreich Majestät sind commau- dirt Sc. Excellenz der General-Lieutenant und General-
Adjutant Sr. Maj. des Königs v. Neumann, der Commandant der 2. Gardc-Jnfanterie-Brigade Oberst von Schlichting und der Flügel-Adjutant Sr. Majestät des Königs, Major Hiller und Baron v. Gaertringen. Das Kaiser Franz-Grenadier Regiment, dessen Chef Seine Maj. der Kaiser von Oesterreich bekanntlich sind, gibt die Ehrenwache im Königlichen Schlosse. Seine Maj. der König werden des Kaisers Majestät zuerst an der Grenze von deut commaubireuden General des 4. Ar- meecorps, General-Lieutenant Fürsten Wilhelm V. Radziwill, Durchlaucht und dem Ober-Präsidenten der Provinz Sachsen, v. Witzleben, begrüßen lassen; überhaupt wird der officielle Empfang genau in der durch die Cabinets-Ordre vom Jâbre 1818 vorgeschriebenen Form stattfinden. Seine Majestät der Kaiser werden sich von dem Anhaltischen Bahnhöfe sofort an das königliche Hoflager in Charlottenburg begeben und in den daselbst für Allerhöchstdieselben bereit gehaltenen Appartements absteigen. ■ Se. Majestät der König, unser Allergnädig- ster Herr, werden, wie wir vernehmen, des Kaisers von Oesterreich Majestät Allerhöchstselbst am Sonnabend nach Berlin geleiten. Die Majestäten werden zn Pferde mit den Prinzen und Allerhöchst- resp. Hochstihren Suiten durch das Brandenburgerthor einreiten und die Linden hinunter, wo sämmtliche Regimenter der Berliner Garnison in Parade aufgestellt sein werden. Der Ober- kammerherr und Minister des hohen königl. Hauses, General-Lieutenant Graf zn Stollberg-Wernigerode Erlaucht wird den Ehrendienst bei des Kaisers von Oesterreich Majestät übernehmen, neben ihm der Oberjäger- meister Graf von der Affeburg - Falkenstein fungiren. Sonnabend Mittag ist große Ceremonialtafel im königl. Schlosse, Abends wahrscheinlich eine Festvorstellung im königl. Opernhause. Des Kaisers von Oesterreich Majestät werden dem Vernehmen nach Allerhöchstsich auch nach Potsdam begeben und die dortige Garnison in Parade sehen.
Deutschland.
II: || Bonr Laude, 10. Dec. Für den historischen L a n d e s v e r ei u zn Wiesbaden haben diese Blätter zu verschiedenen Zeiten so manche, jetzt größ- tcntheils erfüllte, Wünsche ausgesprochen. Daß Einiges davon auch noch unerfüllt zurücksteht, ist eben so leicht zn erklären, als zu entschuldigen; hat doch der neue Vorstand in den zweckmäßigen „Mittheilungen" wenigstens den guten Willen dafür bekundet und an Anregungen cs nicht fehlen lassen. Dahin gehört die Bildung von „Sectionen" zur besseren Bearbeitung und speciellen Leitung einzelner Theile der Thätigkeiten des Vereins. Zu bedauern ist besonders, daß die Anfforde- rung zur Bildung einer Sectio» für „Landesgeschichte" bis jetzt noch ohne allen Erfolg geblieben ist, nachdem sie für „römische Alterthümer" und für „Siegel" Statt gefunden hat, wie für die „ Denkmäler dcS Mittelalters."
Was aber die frühere Verwaltung eine lange Reihe von Jahren hindurch gänzlich verabsäumte, das läßt sich nicht in einem Jahre plötzlich Herstellen, wir meinen die Beschaffung der Arbeitskräfte.
Die „Zahl der Mitarbeiter an den Annalen", worauf man sich sonst beschränkte, war sehr klciu^ fast nur persönliche Speciale, Freunde des frühern L-ecre- lärs, diesseits und jenseits des Rheines. Besondere historische Schriften, außerhalb der Annalen, wie sie jetzt erscheinen und wie sie in den „Mittheilungen" Nr. 3 vom Vorstände näher bezeichnet wurden, gab man sonst gar nicht. Der massenhafte Austritt vieler Mitglieder bei der Unzufriedenheit mit den früheren Mängeln störte das Ganze, und wenn auch, nach den „Mittheilungen" Nr. 4, die Zahl derselben wieder bis auf 230 sich erhöht hat, so fehlt doch noch das allseitige Vertrauen in die stetige Fortdauer des jetzigen besseren Zustandes der Vereinsangelegenheiten, um größere Anziehungskraft zu äußern. Wenn Jemand sich die Mühe geben wollte, eine Statistik der Thcilnchmcr aufzustellen und nachzn- weisen, welchen Ständen und Beschäftigungen diese 230 Mitglieder int Einzelnen angehören, so würde sich bald finden, w o noch die meisten Lücken übrig bleiben. Man dürfte eben nur Rubriken machen, und z. B. Nachweisen, wie viele Individuen Mitglieder wären aus den Archiv-, Bau-, Berg-, Cameral-, Forst-, Justiz-, Medi-
cinal-, Militär- und andern Lerwaltungsbeamten des Landes, so wie aus der Reihe der Geistlichen beider Coufesfionen, und aus dem zahlreichen Stande der Lehrer an den verschiedenen höheren und niederen Untcr- richtsanstaltcn. Eine solche Zusammenstellung würde selbstredend darthun können, ob alle diejenigen Branchen, welche man bei einem Vereine für Älterthums- kunde und Geschichtsforschung, zur Beschreibung und Erhaltung aller, besonders baulichen, Monumente des Landes namhaft beteiligt erachten muß, auch zahlreich genug vertreten sind. Wir wünschen sehr, daß Jemand diesen Gegenstand in diesen Blättern näher analysiren möchte.
Ein anderer Wunsch, den der jetzige Vorstand auch hervorgchobcn hat, ist die Bildung von Filialver- einen, wie §.11 der neuen Statuten beabsichtigt und wörtlich sich ausdrückt: „Es soll wo möglich in jedem Kreisbezirk des Landes ein ordentliches Mitglied deS Vereines als Berichterstatter vom Vorstande ernannt und öffentlich namhaft gemacht werden, an welches sich die Bewohner des Kreises zur Abgabe etwa aufgefundener Alterthümer, sowie zu Anfragen in Angelegenheiten des Vereins zunächst wenden können." Diesem Paragraphen klebt die frühere einseitige Beschränkung des Vereins auf „Alterthümer" noch ganz sichtbar an; von „Geschichte" ist nicht die Rede und doch hat jeder Theil , oft sogar jede Stadt des Landes eine eigene Geschichte, welche eben von den Eingesessenen zunächst am besten und am liebsten cultivirt wird. Wir wollen nur in kurzer Andeutung die Städte nennen, um dies zu beweisen: Dietz, Dillenburg, Eltville, Hachenburg, Hadamar, Höchst, Idstein, Königstein, Langenschwalbach, Limburg, Montabaur, Nassau, Rüdesheim, Runkel, Usingen, Weilburg, Westerburg, Wiesbaden. Es ist uns noch nicht bekannt worden, ob der Vorstand zur Verwirklichung dieses Planes Schritte gethan, mit einzelnen bekannten Personen in diesen Orten für die Specialgeschichte der Umgegend in Beziehung sich gesetzt hat. Diesen Berichterstattern ihren Eifer vorausgesetzt, muß man es dann überlassen, die in ihrem Umkreise befindlichen Mitglieder des Vereins zu solchem Zwecke besonders cinznladen, mit ihnen näher zu verkehren, Besprechungen auf speciellen Versammlungen _zn veranlassen u. s. w. Wenn nicht sofort in allen genannten Orten die Ausführung möglich ist, so wird es doch wenigstens an einigen geschehen können und das vorhandene Beispiel wirkt dann weiter. In den benachbarten beiden Hessen bestehen solcher Filialvereine seit langer Zeit mit großem Nutzen. Wir haben drei Archive im Lande, welche schon von Amtswegen sichere Haltpuncte bilden; wir haben mehrere Gymnasien und Realschulen, deren Personal sich dazu eignet. Dazu kommen 2 geistliche und 2 Schullehrerseminarien, denen die Pflege des Patriotismus ganz besonders obliegt. Das Baupersonal ist an sich auf die Erhaltung der vielen Monumente aller Art angewiesen, und die ge- sammte Geistlichkeit stehet zu Kirchen und Schulen in der nächsten und förderlichsten Beziehung. Die verschiedenen Kreisblätter bieten für alle Einzelheiten der Umgebung das bequemste Organ*). Es kann also kaum an Erfolgen fehlen, wenn nur recht lebhafte Anregung vom Vorstande ausgchet, um seine Zwecke in größerem Umfange zu popularisircn. (Forts, folgt.)
ch Limburg, 15. Dec. Vorgestern ist Herr Pfarrer Schlenger von Hattenheim zum Pfarrer und Domherrn von Eltville erwählt worden. In der Wahl waren außer Herrn Schlenger noch: 1) Pfarrer Schneidcr von Eibingen , 2) Pfarrer Hartmann von Hadamar und 3) Pfarrer Wehrs ritz von Cam- berg. Bei der Wahl fungirte Herr Ministerialrat!) v. Trapp als landesherrlicher CommissariuS. Gegen die Herren Pfarrer Schneider und Hartmann machte derselbe das Recusationsrecht der Regierung geltend.
A Dillenburg, 12. Decbr. Heute machte der hiesige Herr Decan K e i in von der Kanzel die officielle Mittheilung, daß (die in diesem Blatte schon genannten) ‘ Carl Richter, Philipp Richter und Phikipp Thielemann von hier, am 8. d. M. bei dem herzoglichen Decanate
*) Auch das zweckmäßigste? Würde dadurch der Zweck des Herrn CorreSronvcnten die Thäiigkclt aller literarischen Kräfte des Landes wie in einem Brennpunkte zu sammeln, nicht geradezu vereitelt? Die Red.-