' RElmische Allgemeine Zeitung.
IVr 994.
Montag dm 13. December
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Dir ,,Raffau-sI>t ?l tluein ei ne Akitiinq" mit dem betlrmflitoro Beiblatt „Der Wanderer" r.Mwitt, Sonntags au-jienonimen, «HW »Nr tetr« et der Prâüümerationoprei« für Wieobaden und , nach tritt neuen Pakregulativ nunmehr auch sâ den «aujen Umfang deS Eluriir und Lar^'ichen eisiwSIklnlkSbk^nkS nirt Jnbignn re« Pofiausichlaaa 2 fl., lür tir ü^>!gen i/änker deS deutsch.dkenèichifchen Paftvereiu«, wie für kaS Ausland 2 ff. 21 kr. — Inserate werden die sieispaliige Petitikile ofer deren Nanin mit 3 k. berechnet. — Be0rllun„en beliebe man in der Buibdaadcâug von W. Fr ikdriw , Langgafse 12, auSiväriS bei den nächst,,!legenen Pastämtein, ju machen.
ntaSDVÄHTO’MTSa
Nassau und lein Verkehr mit Preußen. *)
III. DaS Petition 8 wesen iin guten.
Vom Mittelrherr» Zum Schlüsse behielt ich mir ein Wort über jene Petitionen vor, welche um die Erhaltung des Zollvereins an die Regierungen gerichtet werden. Alle diese Petitionen, nicht nur ans Nassau, sondern auch ans dem ganzen Süden, und namentlich jene aus unserm benachbarten Darmstadt, ruhen aus derselben Grundlage, verfolgen dasselbe Ziel, haben dasselbe Gute und besitzen denselben durchlaufenden Hauptfehler. Kaum trat nämlich die erste Gefahr für den Fortbestand des Zollvereins am politischen Horizonte auf, so bemächtigte sich Aller und Jeder eine allgemeine Besorgniß für Hab und Gut, denn nicht leicht gab es Jemand, der bei dem Fortbestände nicht betheiligt war, und der nicht diesen Fortbestand als räc Duelle Rshc rißen Wohlstandes betrachtet hätte. Aber selbst jene Klassen, die außerhalb des peenniären Interesses standen, und welche früher den Zollverein für den Grund der Verthcucrung ihrer Bedürfnisse hielten, nahmen jetzt an seiner Forterhatung lebhaften Antheil, weil bwhr Verein ihnen mitten in der Zeit politischen Zersalls als der letzte Rest staatlichen Einverständnisses erschien. So war cs also der Zollverein, welcher, hervorgegangcn unter dem heftigsten Gegenkampfe der Oppositionen, schnell in das Herr aller Deutschen durch alle Gegensätze hindurch sich Bahn brach, und in kürzester Zeit seines Anf- treteus alle seine erbitterten Feinde zu feinen wärmsten Freunden umgestaltete. , .
Daß also die Zerstörung einer solchen Einrichtung lebhaft alle Geister ergreifen und erschüttern mußte, war ebenso naturgemäß als die Zuflucht au die Regierungen, um vor einem solchen Unglücke die Bevölkerung zu be- wahren. Beides setzte aber wesentlich voraus, daß derjenige, an den man die Bitte richtete, auch wirklich die Zerstörung des Zollvereins wollte, und daß er überdies die Mittel habe, die Zerstörung abwenden zu können. Gerade in dieser zweifachen Beziehung aber stand die Sache völlig anders, weil vom ersten, Augenblicke an die südlichen Regierungen dringendst die ^ortcrhaltung des Zollvereins nicht nur wünschten, sondern durch die feierlichsten Beschlüsse seine Fortsetzung auch dann noib förmlich scstsetzten und aussprachen, als i h n e n gegenüber die Kündigung des Zollvereins ausgesprochen worden war. So'stand durch öffentliche Urkunden verbrieft die Sache, als der Petilionsstnrm verbreitet wurde, und gerade weil die Sache so und nicht anders stand, war der Erfolg und mußte der Erfolg ein völlig erfolgloser sein. Die Regierung sagte nur und sagte vielen Andern: was ihr Bittsteller wollt, wollen auch wir, und deßhalb wirken wir und haben für Erhaltung des Zollvereins gewirkt, allein diese Erhaltung des alten Zollvereins ist nicht mehr Gegenstand der Unterhandlung, sondern seine Ausdehnung, und bei dieser Ausdehnung haben wir eine gleiche Ausdehnung wie unsere Collcge'n vorgeschlagen, allein wir sollen jetzt ihre Borschläge unbedingt entnehmen und unsere Borschlage unbestimmt verschieben lassen, was wir unbillig und un recht fi ndeII. , „ .
Gegen diese Gründe batten wir keine Gegcngrunde, und so stand ich und viele Andere, welche die genaue, e Prüfung aller Verhältnisse zu einer wahren Gewiß enö- sache machten, von allem weiteren Pctttiomren ab. Andere setzen die Petitionen aus den verschiedensten zn m Theil sich widersprechendsten Gründen fort, die Meisten aber aus Rücksichten, die zum Stande der Frage gar nicht mehr passen, wie dies aus dem Inhalt der Petitionen selbst sich ergibt. Die Einen bitten um Erhaltung, die gar nicht b e st r i t t c n ist; Andere fürchten Störung solcher Gewerbe, die mit d e m Zollverein a l ö solche m i n gor keiner Verbindung stehen; Andere bitten um Sicherung des nordischen Verkehrs, a l s wenn der dübelt es wäre, der diesen Verkehr nicht will.
Während so im Süden die Klage über Sprengung des Zollvereins ausgesprochen und den Regierungen die Schuld darüber vorgeworfen wird, schweigt der nordische Bewohner über Beides, und klagt öffentlich weder über Aushebung des; Zollvereins, noch viel weniger macht er feiner Regierung irgend wie einen Vorwurf. Und doch ist es der norddeutsche Bewohner, der weitaus am meisten verliert, und doch ist cs der Norden, der die Knu- diaung des Zollvereins ausgesprochen bat.
Der Grund dieser aus den ersten Anblick auffallen-
») Aus der handelspolitischen Beilage der Franks. Pstztg.
den Erscheinung liegt einzig in der Höhlen Intelligenz des nordischen Geschäftsmannes, der weder sein G e s cb ä f t d a d n rch p r e i s g e b e n will, daß er seinen ganzen Verkehr verräth, noâ) die Lnge der NegiettMg dadurch erschweren will, daß er ihr die Schuld am Stande der Unterhandlungen zuschiebt! Wollen Sie meine persönliche Ansicht' in dieser Sache in kurzen Worten wissen, so geht mein GlaubcUsbekenntniß dahin; Ich will den B r u ch nicht, aber ich f ü r ch t e i h n nicht. Im klebrigen aber meine ich: Wer nur den lieben Gott läßt sorgen!
Zur JdUfrdßC.
Der Kasseler Ztg. wird aus Wien vom 6. Dec. geschrieben: Seit längerer Zeit sind über die große zoll- und handelspolitische Frage, welbe Deutschland so tief und nahe betrifft, die widersprechendsten Nachrichten von verschiedenen Seiten in Umlauf gesetzt worden, die sämmtlich mehr oder weniger auf Muthmaßungen beruhen, ja fast ganz der Eonjecturalpolitik augehören. Der Sachverhalt ist im Wesentlichen Folgender: Oesterreich hat nicht den allcrgerinsten SU,ritt gethan, welcher darauf hindeutetc, das« es auch nur nur Linienbreite von tem Programm abgegangen sei, welches durch die von dem Minister Grafen Bus! gehaltene Eröffnungsrede zur allgemeinen Kenntniß durch die Ssfentlichru glätter gelangt ist. Wuru Momput schien cs, als wäre Preußen geneigt' sich in ÜnterhaMluugen eiuzulasscn, und das war der Grund, weßwegcn der frühere Handelsministcr, Baron Erlief, durch den Telegraphen von Triest nach Wien berufen worden ist. Was die Zollconferenz selbst betrifft, beschäftigt sie sich angelegentlichst mit definitiver Feststellung eines g e m e i u s a in e n Tarifs. Es ist klar, daß vor der Vollendung dieses wichtigen Werkes jedwede andere Maßnahme un- thunlich ist.
Ein anderer Correspondent dieses Blattes berichtet aus Frankfurt vom 8. Dec. Nachdem die Berliner Correspoiidenteu hiesiger und anderer Blätter lange genug den Freiberrn v. Bruck täglich in Berlin hatten erwarten lassen, und schon ausführlich berichteten, was er all für Concessionen ans Wien mitbringen würde, scheint ihnen in den letzten Tagen die Geduld ausgegangen zu sein, und sie finden, daß seine Ankunft sich über Gebühr verzögere. Als klnge Leute wissen sie sich aber auch Hierüber zu trösten, denn sagte dieser Tage einer davon in der hiesigen Postzcitung: „Daß Freiherr v. Bruck nicht zn der anfangs erwarteten Zeit hier schon cinträse, wird mir heute als ein Merkmal davon bezeichnet, daß die Angelegenheiten der Handelsfrage inzwischen einen „noch günstigeren" Charakter angenommen hätten." Wirklich? — Nun, und welch' immens günstigen Character müßte die Handelsfrage erst dann ânnchmen, wenn Freiherr v. Brück gar nicht nach Berlin käme? Und in der That, so dürfte sich die Sache auch gestalten; denn eine alte Erfahrung hat |i$ in den letzten Tagen wiederum bestätigt, das traurige Factum, daß, je freundlicher man Preußen entgegenkommt, um die obwaltenden Differenzen zum allgemeinen Besten anSzugleichen/ desto höher spannt dieses seine Forderungen, 'desto weniger ist es zu irgend einer wirklichen Concession geneigt. Nun kann doch unmöglich ganz Süd- und Mikteldentschland seine kommerzielle wie po- liusche Selbstständigkeit, und den Wohlstand seiner ge- sammten Bevölkerung dahingeben, blos einer Berliner Caprice willen, und'der Machtansprüche wegen, welche man dort geltend zn machen sich berechtigt glaubt. Nach allen bisherigen alten wie neuen Erfahrungen dürfte für die Freunde einer G e s a nun tz o l l e i n i g u n g Deutschlands jetzt kein anderer Weg zur Verwirklichung dieses großen Zieles mehr übrig sein, als mit Unterlassung' aller weiteren, doch immer fruchtlosen Vermitt- lnugsversnche, weil sie g egn er is ch erseits nur die Wiberspruchslust und die Prätentionen erhöhen, via facti weiter zu schreiten , den Kern zu dem großen Vereine auf Grund eines den Volkswohlstand'und die Zolleinkünste hebenden Tarifes zn legen, und es sodann, was Preußen betrifft, der Zeit und einer sicher zu erwartenden besseren Einsicht ber eigenen Interessen zu überlassen, das nationale Werk der Gcsammteuligung Deutschlands durch Beitritt zu vollenden. HSsthe unten Wien.)
Dcutschkattd.
Darmstadt, 30. Novbr. (N.-Z) Das eigen
thümliche DiebSgcuie, welches dem Ministcrialpräsidenten v. Dalwigk seine Orden stahl, sitzt nun hinter Schloß und Riegel. Es ist eigenthümlich, daß man noch vor wenig Tagen (und vielleicht auch jetzt noch) nicht wußte, mit wem man es zu thun habe. Eine durch einen französischen Sprachlehrer mit ihm angeftellte Probe erwies, daß er nicht, wie er angab, aus Toulouse sein könne. Dieses und bie aus andern Umständen abgeleitete Schlauheit des Angeschuldigtcn (er hatte einen Rock der aus beiden Seiten getragen werden konnte; dann, wie er sich den Weg in die Zimmer, und zu den Orden bahnte u. s. w.) war die Veranlassung, daß man sein Bild hier aufnchmcn ließ und cs nun an auswärtige Polizei- behörhen schickt.
Marburg , 10. Dccbr. Gestern brachte die nord- ameiicanische Post eine Nachricht aus Chile, welche außer ihrer wissenschaftlichen Erheblichkeit, überdies noch für manche Personen in Knrhcsscn ein Interesse dabieten wird. Die astronomische Expedition, welche vor 3% Jahren von den Vereinigten Staaten nach Chile gesandt wurde, hat ihre Geschäfte beendigt, nnd Lieutenant Gillis ist am 18. Novbr. mit seinen Beobachtungen über Panama nach Washington zurückgekehrt, während sein Gehülfe, Lieutenant Mackee, noch eine Land-Expedition zur Sammlnug magnetischer Beobachtungen quer durch Südamerika ausgefübrt, um sich erst in einem Hafen der Ostküste cinzuschlffen. — Diese Unternehmung hatte auch schon früher Veranlassung gegeben, daß die Regierung von Chile den Entschluß faßte, in Santiago de Chile eine bleibende Sternwarte zu gründen, und nach dem Abzug der Nordamericaner in Thätigkeit zu setzen. Derselbe wurde vor zwei Jahren von hier aus bekannt gemacht, um so freudiger von den Freunden der Wissenschaft begrüßt, als diese erste Sternwarte in Südamerica gerade eine für Förderung der Zwecke der Astronomie ganz besonders günstige Lage hat. Jetzt sendet Lieutenant Gillis die offuieUe Zeitung von Chile „El Araucano" vom 20. August, welche die Nachricht der definitiven Ausführung jenes Beschlusses enthält. Demnach ist der ganze aus Nordamerica dorthin gebrachte Jnstrumeiiten-Vorrach nebst den bafür geanten Holzer-- neu Häusern, welche die Erdbeben ganz unbeschädigt überstanden haben) vom chilenischen Staate angekauft, und durch Decret vom 17. August d. J. zum Director dieser nünmchrigcn chilenischen National-Sternwarte ein talentvoller ehemaliger Zögling kurhesfischer Unterrichts- Anstalten, Hr. Dr. Karl Mösta aus Kassel, angestellt worden.
Karlsruhe, 9. Dccbr. (M. II Die Pacht des Spieles in Baden vom 1. Januar 1854 an ist gestern vom Ministerium des Innern ausgeschrieben worden und sind die Angebote bis zum 18. Januar, Morgens 11 Uhr, cinzureichcu. Es ist uicht angegeben, ob der Zuschlag für daS höchste, beste Angebot erfolgt, sondern das Ministerium scheint sich die freie Auswahl vorbehalten zu haben, was auch das beste ist. Als Caution müssen 125,000 fl. in beliebigen Schuldpapieren von Staaten hinterlegt werden.
Stuttgart, 9. Dec. Gestern ist der hierher ernannte, neue preußische Gesandte, Graf v. Secken- dorff, hier augekömmen.
München, 9. Dcc. (A. Abdz.) Hr. v. Wendland ist heute, nach einer Audienz bei Sr. Maj. dem König, auf seinen Gesandtschastsposten nach Paris abgereist. Daß derselbe, wie cs heißt, Depeschen, welche auf das neue französische Regiment Bezug haben, nach Paris überbringen wird, läßt sich unter den jetzigen Verhältnissen nicht bezweifeln. Frhr. Brück, welcher dieser Tage von Paris zurückerwartet wurde, ist noch nicht eingetroffen.
Hr. 'Staatsrath v. Beisler ist von seinem Schlaganfall fast vollständig wieder genesen.
Evthu, 6. Dcc. Wie cs Hcißt, soll der Herzog von Augustenburg gesonnen sein, in Koburg seinen dauernden Wohnsitz zu nehmen.
Aus Thüringen, 8. Decbr. (Kass. Z.) Auch im Fürstenthum Schwarzburg-Rudolstadt hatte die revolutionäre Gesetzgebung des Jahres 1848 sich auch in Beziehung auf das Jagdwesen darin überstürzt, daß sie das dcsfallsige Hoheitsrecht aushob, ohne Ausnahme Jeden, der eine Jagdkarte löste, zn diesem Vergnügen berechtigte, und dabei die Verpachtung der Jagd, damit auch dem Proletariat die Pachtsumme nicht schwer wurde, auf ein Jahr beschränkte. Daneben verbot sie, gerade der Staatverwaltung, die fürstlichen Jagden auf eigene Rechnung beschießen zu lassen. Dem Allem wird nun durch eine neue höchste Verordnung abgeholfen, welche Folgendes bestimmt: Die Staatsverwaltung ist crmäch-