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Nassauische Allgemeine Zeitung.

jVr »SS Freitag dm 10. December ^SLS

DieNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr astty r den ganzen Umfang des Ldur». und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Ind,griff des PSstauffchfagS 2 fl für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostoereiaS, wie für daS Ausland 2 fl. 21 kr. Inserate werden die vierspaltige yetitfrite oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

Seine Hoheit der Herzog haben den Dr. Paul Lullin zu Genf zum Gcneralconsul für die Schweizer-Eidgenossenschaft zu ernennen geruht.

Höchstdieselben haben den Pfarrer Schmidt zu Marienberg auf sein Ansuchen in den Ruhestand gnä­digst zu versetzen geruht.

Nichtamtlicher Theil.

Nie englische Marine.

(Schluß.)

Wir können die Beispiele der Schiffe vervielfältigen, deren Erbauung den englischen Arsenalen nicht zu grö- ßerer Ehre gereicht. Ungeachtet der Menge ihrer Dampf- kriegSschiffe sind sie jeden Augenblick genöthigt von den transatlantischen Compagnien Dampfschiffe zu miethen um Truppensendungen zu bewerkstelligen. Die Penin- sular- und Oriental-Compagnie hat neulich dem Staat das DampfschiffMaoras" für diesen Dienst gemiethet. Unsere Nachbarn hatten zu gleicher Zeit 32 eiserne Dampfschiffe angefangen; man hat sie alle gebaut und alle unfähig gefunden, gute Dienste zu leisten. Sie hatten zusammen 22 Millionen gekostet. Man hat sic zum Theil um den Preis des alten Eisens verkauft. Der Rest wird zu unbedeutenden Transporten verwendet. Diese Reihe mißlungener Unternehmungen hat zwei Ur­sachen: den übertriebenen Eifer der Engländer sich, ohne hinreichende Studien, auf die Bahn der Experi­mente zu werfen; die regellose und abgerissene Handha­bung der Mittel. Niemand in den Arsenalen ist ver­antwortlich. Ist ein Bau schlecht, so weiß die Admira­lität nicht an wen sie sich halten soll. Die Leitung dcr Arbeiten ist unter mehrere von einander unabhängige Chefs vertheilt, und jeder schickte die Kugel seinem Nach­bar zurück. Ein englisches Journal hat die Admiralität mit einem Hausherrn verglichen, der auf seinem Kamin ein zerbrochenes Porcellangefäß findet. Wer hat dieses Gefäß zerbrochen, Mary? sagte er zu seiner Köchin. Ich weiß nicht, Herr, erwiedert die Köchin; daS Porcellan auf Eurem Kamin geht meinen Dienst nichts an. Da ruft er seinen Kammerdiener. Habt Ihr, John, das Gefäß zerbrochen? Ich weiß davon eigentlich nichts; aber gewiß ist, daß es einen Riß bekommen hat, als man sich desselben zum Punschmachen bedient, der Punsch wurde in der Küche gemacht. So wird die Admirali­tät, wenn sie die Dampfmeschinenbaucr fragt, von ihnen jedesmal an die Rumpferbauer gewiesen. So wird es immer bleiben, so lange nicht die Ordnung und die Hierarchie die im Innern unserer Arsenale und in ihren Verhältnissen zur Centralgewalt herrschen, in England eingeführt sein werden. Was denWellington" betrifft, so ist das nur ein Versuch, ein Project, und bis die gegentheilige Probe geliefert ist, hat man nach den beständigen Irr­thümern der jSchiffsbauer Großbritanniens das Recht zu zweifeln, daß er den Erfolg erreichen werde, den die englische Verwaltung erzielt. Nicht erst heute denkt man daran, die Batterienkraft der Dreidecker zu verstärken. Wenn zum Gelingen nichts erforderlich wäre als die Vergrößerung der jetzigen Dimensionen der Fahrzeuge ersten Rangs, so wäre kein Grund, warum man nicht ein Schiff bauen sollte, das 200 Kanonen tragen könnte. Allein ein Schiff ist nicht wie ein un­bewegliches Festungswerk: es ist bestimmt zu schwimmen, und nothwendig müssen alle Theile seiner Masse so be­rechnet sein, daß sie mit seinen Bewegungsmitteln im Verhältniß stehen. Wir werden bald sehen, wie die Engländer dieses Problem gelöst haben. Indeß zuge­geben, daß dieser Versuch vollen Erfolg habe daran liegt nichts. Ein Schiff mehr oder weniger in Eng­land, und trüge cs 150 Kanonen, würde den Znstand der Seemacht" der beiden Länder nicht ändern.. Die englische Flotte ist und wird wahrscheinlich viel zahl­reicher bleiben als die unsere. Zählt sie nicht schon jetzt einundfünszig Schraubenschiffe? Aber die In­feriorität der Zahl unserer Fahrzeuge hindert nicht, daß die Anwendung des Dampfes am Bord der Linien­schiffe der englischen Marine zu großem Nachtheil ge­reicht und die Kräfte der beiden Länder gleich zu ma­chen strebt. Das Schiffsmatcrial hat uns nie gefehlt, nur die Seeleute. England besitzt in größerer Zahl als Frankreich Matrosen, die durch häufige Reisen mit allen Einzelnheiten ihres Berufs vertraut sind. So lange der Erfolg eines Seekampfs von der Raschheit und Geschicklichkeit des Manövrirens Abhängen mußte, haben wir wenig Aussichten gehabt, je mit Großbritan­

nien zu wetteifern. Aber heutzutage werden die Linien­schiffe' ohne den Gebrauch der Segel kämpfen können.

An Bord wird man während des Kampfs weniger für Matrosen als für Artilleristen und Schützen zu sorgen haben, die Soldaten werden,so viel Dienste leisten als die Seeleute, und Frankreich könnte, Gott sei Dank! seinen Widersachern, wer sie auch wären, zahlreiche und entschlossene Pha­langen entgegenstellen. Nichtsdestoweniger müssen wir die Vorbereitungen unserer Nachbarn überwachen. Wir haben gesagt, daß die Versuche desNapoleon" ihre Eifersucht erweckt haben. Die Admiralität hat seitdem die Erbauuung mehrerer Sckranbeii-Linicnschiffe vorge- schrieben. Schon am 29. Mai wurde derAgamem­non" von 90 Kanonen mit einer Maschine von G00 Pferdekraft in Woolwich vom Stapel gelassen, eine Schraubenfregatte von 50 Kanonen,l'Jmperiense", im Sept. Man kündigt die nahe Vollendung mehrerer ge­mischten Schiffe an, unter andern desJames Watt" von GO Kanonen, desRoyal Albert" von 120 Kano­nen, desSaint Jean d'Acrc" von 100 Kanonen, des Sanspareil" von 81 Kanonen. Wir haben den besten Glauben, daß unsere Regierung ihrerseits bereit ist, ohne Uebereilung den betretenen Weg fortzugehen, des­sen Stationen schon durch das Vomstapellaufen des Charlemagne", deSAusterlitz", desJean Barl" und desNapoleon" bezeichnet [inb. Was liegt daran, daß die Engländer mit einer Art Fieber auf dieselbe Bahn stürzen? Unsere Fortschritte sind darum nicht weniger sicher, unsere Lage nicht weniger gut. Nie hat sich un­ser Seewesen in einem Zustand befunden, der so befrie­digend ist, und zu den schönsten Hoffnungen berechtigte."

Ueber die dänische Erbfolge

spricht sich dieOesterreichische Korrespondenz" in fol­gender Weise aus: Mehrere deutsche Blätter unter­ließen nicht, darauf hinzuweisen, wie die eventuellen Erbansprüche des russischen Kaiserhauses auf Theile des zum deutschen Bunde gehörigen Herzogthums Holstein Rußland die Aussicht eröffnen, ein Glied deS deutschen Bundes rücksichtlich jems Landcsthcilcs zu werden und wie damit die Gefahr obwalte, daß eine fremde . Groß­macht eine Stimme am deutschen Bunde und einen ge­setzlichen Einfluß auf die Verwaltung deutscher Angele­genheiten gewinnen könne. Es fehlte bei diesen Be­merkungen nicht an Seitenblicken, daß es eben die von Oesterreich befolgte Politik sei, welche mit dem Zwecke der Erhaltung der dänischen Gesammtmonarchie die Be­seitigung der herzoglich Augustenburg'schen Familie nach sich gezogen, und damit den Eintritt der eventuellen Erbansprüche Rußlands näher gerückt habe. Wir sind zweifelhaft, ob diese Auffassungsweise auf absichtlicher Entstellung oder ans wirklichem Verkennen der thatsäch­lichen Verhältnisse beruhe. Wir wollen die Frage über die Erbfähigkeit der Augustenburger nnerörtert lassen, und uns nur darauf beschränken, die aus der Erhal­tung des dänischen Gesamintstaates für die allgemeinen Verhältnisse hervorgehenden Consequenzen in's Auge zu fassen.

Das russische Kaiserhaus hat, um die dänische Mo­narchie auf eine dauernde dynastische Grundlage zu stel­len, bereits einmal, und zwar unter Kaiser Paul auf seine Erbansprüche in Holstein und Schleswig, und zwar zu Gunsten des Königs Christian VII. und sei­ner und seines Bruders männlicher Nachkommenschaft verzichtet.

Dermalen, wo durch Erlöschen dieses Mannstammes obige Erbansprüche wieder aufleben würden, verzichtet Rußland das zweite Mal auf seine Rechte zu Gunsten des Prinzen Christian von Glücksburg und seiner männ­lichen Nachkommenschaft, und zwar für denselben Zweck wie im Jahre 1767, nämlich für die Erhaltung der dä­nischen Monarchie. Rußland legt also keine Hast an den Tag, durch den Besitz von Holstein sich in den deutschen Bund einzudrängcn, cs beweist auch nichts weniger, als eine Sucht nach neuem Territorialbesitze, sondern es ordnet den großen von ihm consequent ver­folgten Ziele der Erhaltung der europäischen Territorial- bestände alle anderen Fragen, alle einseitig zu erreichen­den Vortheile unter, Wenn wir einerseits einer solchen für die Erhaltung des allgemeinen Friedens wirkenden Politik unsere Anerkennung ni^ versagen können, so müssen wir doch zugleich hervorhebcn, daß die Verzicht- leistung Rußlands auf die Erbrechte in Schleswig und Holstein im untrennbaren Zusammenhänge steht mit der Erhaltung der Integrität der dänischen Monarchie. In­soweit nun die Politik Oesterreichs dazu beigetragen hat, diesen Staat zu erhalten, hat sie auch die Verzichtlei- stung Rußlands ermöglicht. Diejenigen also, welche

den Besitz von Holstein in Rußlands Hand als eine Gefahr für Deutschland hinstcllen, mögen consequenter Weise auch zugeben, daß Oesterreichs Politik in Deutsch­lands wohlverstandenem Interesse gelegen gewesen sei.

Deutschland.

Asmannshausen, 8. Dcc. Der Ertrag der diesjährigen Weinlese in unserer Gemarkung ist außerordentlich gering. Außer den 8 Ohm nämlich, welche die herzogliche Domaine gemacht und dem gräf­lich Bassenbeimischen Ertrage sind im Ganzen nur 105 Ohm gewonnen worden , von welchen bereits schon 60 verkauft sind.

*** Dillenburg, 7. Dce. Sicherem Vernehmen nach haben die beiden Häupter der hiesigen sogenannten Pietistenpartei Karl und Philipp Richter dahier, heute bei dem Herzoglichen Deeauate in Dillenburg eine an das bischöfliche Kommissariat in Wiesbaden gerichtete Erklärung abgegeben, in welcher sie der Oberbehörde ihren Austritt aus der evangelischen Landeskirche an- zcigcn, und weiter beurkunden, daß sie zu den Baptisten übergetreten seien. Man sagt, die Genannten haben sich nebst einem jungen Burschen von hier unlängst in Marburg taufen lassen. Ob sie weiteren Anhang hier finden werden, wird die Folge lehren.

Frankfurt, 9. Decbr. Da sich gegenwärtig im Senat nur noch zwei Glieder katholischer Konfession be­finden, soll, dem Vernehmen nach, bei den Senatsergän­zungen nach der Vorschrift der Coustitutionsergänzungs- acte, daß im Senate jede Confesston fortwährend durch mehr als zwei Mitglieder vertreten sein solle, darauf Rücksicht genommen werden, daß mehrere Bürger kakho- lischer Konfession in das SenatScollegium treten.

Die Düsseldorfer Dampfschifffahrtsgesellschaft hat sich erboten, den Eigenthümern deS DampfbootesDelphin" allen durch den Anstoß des DampfschiffesStadt Bonn" erlittenen Schaden im vollen Werthe zu ersetzen. Die Fahrlässigkeit der Mannschaft des genannten Dampf­schiffes, welche das bei Nebel vorgeschriebene Läuten der Schiffsglocke unterließ, soll die VeraulcstMrg-dlleseS-äL falls gewesen sein.

Stuttgart, 6. Dcc. Heute Mittags kurz nach 12 Uhr wurde unsere Stadt in nicht geringen Schrecken gesetzt, als man erfuhr, im königlichen Hof-Theater sei Feuer ausgebrochen. Alles eilte nach dem Schloß­plätze, wo auch schon nach der ersten Kunde vier Feuer­spritzen und eine Menge Hülfeberciter, darunter viele Feuermänner mit ihren messingenen Helmen, einge rossen waren. Zum Glück war all der gute Wille nicht von- nöthen, da die rasche Besonnenheit eines einzelnen The­ater-Zimmermannes die in der That nicht geringe Gefahr bereits beseitigt hatte. Bei dem großen Sturme, von welchem im October ein großer Theil von Süd- deutschland, auch Stuttgart heimgesucht worden, war bekanntlich das Blechdach des Theaters zum Theil ab­gerissen und aufgerollt worden, an dessen Reparatur man eben beschäftigt war. Dabei wurde Theer ver­wendet, und einer der Arbeiter hatte den über dem Feuer befindlichen Theer verlassen und war zum Mittag­essen gegangen, während welcher Zeit ein Theerfaß in Brand gerielh und bereits das Feuer dem Holzwerk der Bedachung mittheille, und zwar gerade in der Nähe ungeheurer Magazine voll der leicht entzündlichsten Stoffe. Ein besonnener und beherzter Theater-Zimmer­mann ergriff in solch kritischem Momente den brennen­den Theer und schleuderte ihn über daS Daâ> auf die Straße hinunter nach der Seite des Cafe Marquardt zu und löschte dann das bereits entzündete Holzwerk mit leichter Mühe. Dadurch wurde ein furchtbar dro­hender Brand im Beginn erstickt.

München, 7. December. Zu Ende der nächsten Woche wird Herr von Hermann, der Bevollmäch­tigte Baicrns bei der Wiener Zoll - Conferenz, dahier erwartet.

Der neue Minister deS Innern, Graf ReigerS- berg, hat vorgestern in einem Erlasse an sämmtliche Regierungspräsidenten diesen seinen Amtsantritt angc- zeigt und sie bezüglich seiner Ansichten und seiner poli­tischen Haltung auf seine Thätigkeit in den letzten drei Jahren verwiesen, und als besondere BcrufSzwecke, die er sich vorgezeichnet, folgende genannt: Erstens die strenge Ueberwachnug der Presse, welche mit ihrerViel- schreiberci" das Volk nur verführe. Zweirens werde er darauf bedacht sein, daß politisch anrüchige Individuen vom Staatsdienste fern gehalten, Beamte dieses Schlags aber entfernt werden. Drittens habe er die Aufbesse­rung der Gehälter der niederen Beamten als eine Noth­wendigkeit erkannt, deren KrfüHung er seine Kräfte wid-