Einzelbild herunterladen
 

Nassauische Allgemeine Zeitung.

M SMS. Donnerstag den 9. December SSLL

We ,,Naffauisj>k öligem eint Zeitlins!" mit dem belletristisHen BeiblattDer Wanderer" ersckem», SonntaqS ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspecis für Wiesbaden und , nach dem neuen Pvflregulativ nunmehr av r den ganzen Umfang deâ Ldurn» und Taris'sche» Berwaltu»gSbezirks mit Inbigriff des PostaufschlagS 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-öflerreichischen Posioereins, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die »wrspalli, Petit, eile oder derb» Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegene» Postämter», zu machen.

Die englische Marine.

* Wir haben in Nr. 287 d. Bl. des anscheinend offieiellen Artikels gedacht, den derConstitutionnel" aus Anlaß der eingetroffenen Nachrichten über die Ver­mehrung und Verbesserung der englischen Marine ge­bracht hat. Dieser Artikel' gibt ein nicht sehr schmei­chelhaftes Bild von der letzteren und von der Geschick- liefest der englischen Schiffsbauer und zeigt, daß die Befürchtungen Englands für den Fall eines anSbrechen- den Krieges und das Einbringen der englischen Presse auf umfassende Reorganisation und Hebung des See­wesens nur allzu begründet sind. Merkwürdiger Weise sind die Ausfälle desConstitutionnel" bis jetzt ohne Erwiderung und ohne Widerlegung geblieben. Der Artikel lautet:Man weiß, daß ein in Toulon erbau­tes prächtiges Dampfschraubenschiff derNapoleon" mit Erfolg die ersten Schifffahrtsproben bestanden hat. Dies ist eine Errungenschaft unseres maritimen Genies, und wir können mit Recht stolz sein, ein Fahrzeug zu be­sitzen, das in den fremden Flotten nicht seines Gleichen hat. Dieses Meisterwerk unserer Arsenale hat den leb­haften Wetteifer, um nicht zu sagen die Eifersucht, un­serer Nachbarn, der Engländer, erregt. Ihrerseits ha­ben sie ein Linienschiff, denWindsor Castle", jüngst umgetaust und definitivWellington" genannt, vom Stapel gelassen. Es ist, sagt man, bestimmt, 147 Ka­nonen aufzunchmen, mit Einschluß von 7 Stücken von weiter Tragkraft, die auf dem Verdeck ausgestellt wer­den sollen. Dieser Leviathan wird eine Hülss-Schrau- benmaschine von 700 Pfcrdckraft haben. Dies ist eine Antwort für unsere Ingenieurs. Wir haben denNa­poleon" gebaut, die Engländer setzen denWellington" auf's Wasser. Dies ist natürlich, weil sie aus Eitelkeit oder Patriotismus blind genug sind, um im Ernst zu glauben, daß zwischen diesen beiden Namen eine Vcr- gleichung möglich sei. Die englische Presse hat von den riesigen Verhältnissen des ans dem Arsenal von Pem­broke hervorgcgangcncn Schiffs eine geräuschvolle Be­schreibung gemacht. Die neuen Lords der Admiralität, die an die Spitze der englischen Marine gekommen sind, als Lord Derby die Leitung der Geschäfte seines Landes über­nommen hat, wollten den Anfang ihrerVerwaltungmit einem Aussehen machenden Kraftstück (coup déclal) bezeichnen. Unter der Regierung der Whigs waren die Mitglieder der vorigen Admiralität mit unerhörter Heftigkeit ange­griffen worden, hauptsächlich von dem Admiral Napier, einem Mann von Geist und geschickten See-Offizier, der sich in der erwähnten Debatte sehr leidenschaftlich benommen hat. Die Erinnerung an diese Opposition, die ihren -Amtsvorfahren so viel Unlust verursachte, spornt nun den Eifer des Lords der Admiralität, aber nichts beweist bis jetzt, daß sie ihre Sache besser machen werden, als ihre Vorgänger. Die schlechte Organisa­tion des Schiffbauwescns besteht trotz des Personen­wechsels in den oberen Regionen der Marineverwaltung fort. Eine parlamentarische Untersuchung hat ihre Ge­brechen aufgedeckt, und ohne Zweifel hat man versucht, sie zu verbessern. Aber es gibt eines, das man nur mit der Zeit beseitigen wird, nämlich die einige Ausnahmen abgerechnet relative Ungeschicklichkeit der englischen Schiffsbauer. So lange sie nicht auf der Höhe unseres Maritimen Genies sind, werden die in den Arsenalen ausführbaren Reformen unvollständig sein. Uebrigeus werden hundertjährige Mißbräuche nicht in einigen Monaten abgcschafft. Die Schiffsbauer kvon Pembroke haben ein Schiff von größern Dimensionen als irgend ein Linienschiff vom Stapel gelassen, sie ge­denken es mit einer furchtbaren Ausrüstung zu versehen. Warten wir die Ausführung ihres Entwurfs ab, um ihnen zu dem Erfolg Glück zu wünschen, wenn es einer ist. Wenn ein Schiff große Dimensionen hat, ist da­mit nicht gesagt, daß cs sich auch gut auf dem Wasser hält, daß eS alle seine Artillerie, alle seine Vorräthe tragen, und dem Antrieb seiner Maschinen, dem Zug seiner Segel rasch gehorchen werde. Die Engländer nehmen die Schwierigkeiten der Unternehmung erst in Angriff und stimmen schon T iumphlieder an. Sie könnten sich an ihre frühern verunglückten Versuche er­innern, z. B. an den Blenheim, oder die 33 eiserne Dampfschiffe, mit Einem Wort an diese Masse von Schiffen die im Marinehandbuch aufgeführt, aber nur brauchbar sind, als Küstenwachtschiffe zu dienen, oder in Friedeus- zeiten Truppen zu transportiern, und zuweilen, vergessen wir es nicht, zu ersäufen. DieserBlenheim", den wir genannt haben, ist Mn Schiff, das die Engländer seit 1845 in ein gewischtes Fahrzeug mit Dampf- und Schraubenapparat verwandeln wollten. Drei Jahre

lang haben die englischen Baumeister mit diesem Schiff experimentirt; sie haben zuerst die Formen das Hiutcr- thcils beibehalten, aber derBlenheim" ging nicht; sie haben hierauf das Hiutcrtheil um mehrere Schuh ver­längert; dann erst konnte sich der Einfluß seiner Hülfs­maschine fühlbar machen. Diese Versuche haben 1,100,000 Fr. gekostet, einzig aufgewendet für die Her­richtung des Rumpfs. Rechnet man den Aufwand für den Apparat hinzu, so darf man die Kosten dieser Um- wandlung auf nahezu 2 Millionen anschlagen. Das Resultat war, daß derBlenheim" bei einer kleinen Gc- genbrise nie über fünf Knoten in der Stunde zurück- legen konnte, und heute ist dieses Fahrzeug, das nicht über GO Kanonen aufnehmen kann, in die traurige Lage eines Küstenwächters herabgesunken. Gehen wir zu einem andern Versuch über. DerAmphion" ist eine Fregatte von 34 Kanonen. Man hat ihn mit einem Schraubenapparat von 300 Pferdekraft versehen. Trotz­dem hat der Amphion cs der französischen Schranbcn- fregattela Pomone" nie in Geschwindigkeit zuvor thun können, deren Bewegungsmaschiue 220 Pfcrdckraft nicht übersteigt, und überdieß hat er nie mehr als für vier Tage Lebensmittel fassen können. Das will sagen, daß er in der Flotte nutzlos ist. Man hat ihn bei Seite gethan. Die Arbeiten haben, ohne den Werth des Apparats, beiläufig 350,000 Fr. gekostet. Sprechen wir von derMegära". Dies ist ein Experiment an­derer Art ein eisernes Schraubenschiff. Dasselbe ist am letzten 3. Jan. mit einem Bataillon Carabiniers nach dem Cap der guten Hoffnung abgegangen. Kaum unterwegs hat es Feuer gefangen, die Erhitzung seiner Dampfkessel hatte den Brand den Schiffswäuden mit- getheilt. Man hat es in aller Eile nach Plymouth zurückgebracht. Nach Ausbesserung des Schadens hat es die Fahrt wieder angetreten, aber ach! es ist 73 Tage auf der Reise gewesen, während die gewöhnlichen Dampfschiffe die Fahrt in 45 Tagen machen und das Wetter war beständig schön geblieben. DieHarpy" ist ein Dampfschiff von derselben Gattung, mit Schaufelrädern. Seine letzte Ueberfahrt von Brasilien nach England hat 110 Tage gedauert. Der Capitäu, der das Widerstre­ben seines Schiffes gegen die Locomotivkraft kannte, hatte mehr Kohlen eingeschifft, als man am Bord eines guten Schiffes für eine längere Ueberfahrt braucht. Dieser ungeheuere Vorrath war nach einigen Reisetagen nutzlos verbraucht. Es ist eine Kohlenniederlage auf der Insel Saint-Vincent, aber um dahin zu gelangen, mußte vol­lends Alles, was an Brennstoff vorhanden war, Tische, Kajütenthüren, Verschlüge, Stühle, Geräthschaften rc., verbrannt werden. Mit diesem Anökunftsmittel hat sich das Schiff bis Fayal geschleppt und von da nach Eng­land, wo es endlich in äußerster Noth angekommen ist. DerBirkenhead" ist ein eisernes Schiff, mit einer Dampfmaschine von 654 Pfcrdckraft. Auf demselben werden 700 Mann englische Truppen nach dem Cap der guten Hoffnung eingeschifft. Das Schiff war in Gemächer abgetheilt, um die verschiedenen Theile des Fahrzeuges zu isoliren, damit, wenn in die einen das Wasser eingedrungen wäre, die andern noch flott bleiben könnten. Aber die Vorschläge waren so wenig fest, daß sie, nachdem derBirkenhead" am 25. Februar aus eiuerKlippe aufgestoßen, in eine m Augenblicke sämmt­lich weggerissen waren und 469 Mann im Schiffbruch umkamen. Dieser grauenvolle Verlust wurde noch er­schwert durch das Gefühl der prekären Lage der Colo­uie , welche, von den Raffern geplündert, ungeduldig auf Verstärkungen wartete, welche dieMegära", die die mit dem Bataillon, das sie trug, so langsam an ihren Bestimmungsort gelaugte, bringen sollte. Um es im Vorbeigehen zu sagen, in diesem Kafferukrieg haben unsere englischen Nachbarn Fehler über gehler began­gen. Haben sie nicht neulich ein Kavallerie - Regiment ohne Pferde nach dem Cap geschickt, das nicht ins Feld rücken konnte, weil die LandeSpfcrde sehr klein sind und die Reiterbeine sehr lang waren?

(Schluß folgt.)

Deutschland.

2j Wiesbaden, 8. Dec. Die in diesen Blättern erwähnten Cassationstlagen des M e y e r H e y in a n n von Cleeberg nnd Conrad Jung von Masseuheim hat der Hcrzogl. CassationShof in der heutigen öffent­lichen Sitzung, unter Verurtheilung der Beschwerdefüh­rer in die Kosten, verworfen.

Frankfurt, 8. Dec. Das hiesige Dampfboot Delphin II." ist gestern nach vollkommener Reparatur des am 29. Nov. durch Zusammenstoß mit dem Rhein- dampfschiffStadt Boun" erlittenen Schadens, hier an­

gekommen und wird mit dem heutigen Tage wieder seine regelmäßigen Fahrten beginnen.

Am vermiedenen Donnerstag wurden von den bn Senatoren zwei erwählt; für die Wahl des dritte langte der Tag nicht aus. Die Wahl des ersten S< naiors erforderte sechs Stunden und traf den Laudamt mann Dr. v. Ovcu. Die Wahl des Zweiten mürbe innerhalb fünf Stunden Abends halb 10 Uhr beendigt und traf den Haudclsmaunn Fellncr-Bansa. Beide ge­hören der gothaischcu Partei an. Die Wahl des Drit­ten findet den 9. December statt.

Darmftadt, 7. Dcc. Heute wurde in der znu teil Kammer zum zweiten Male über die Anträge her HH. Abgeordneten Eich und Möllinger auf Erricht uu, einer stehenden Schiffbrücke über den Rhen bei Worms verhandelt. Die zweite Kammer ha diese Anträge früher, hauptsächlich im Hinblick auf b'? schon sonst überladene Ausgabebudget, für diese Finanz- pcriode abgelehnt. Die erste Kammer dagegen hatte denselben Folge gegeben, theilwcise in Beherzigung bc besonderen Molivirung von Seiten des Hrn. Abgeord tiefen Generalmajors v. Bechtold, welchem es däucht daß bei den Ereignissen im Jahr 1849 gar Manches sich im Interesse der Freunde der Aufrechthaltung der öffcutlichcn Ordnung anders gestaltet haben würde, wenn diese Brücke schon damals bestanden hätte. Der Finanz­ausschuß ber zweiten Kammer nun sah sich, mit Aus­nahme eines Mitgliedes, des Abgeordneten Müller- Melchiors, zu bem Anträge veranlaßt:die Kammer wolle dem Beschluß der ersten Kammer unter der Be­dingung beitreten, daß die Kosten ber Schiffbrücke für den Staat sich nicht höher, als auf 140,000 fl. belau­fen oder eintretenden Falls die Stadt Worms den Mehrbetrag noch übernehme, und daß das erforderliche Capital nicht vor der zweiten Hälfte des Jahres 1853 ausgenommen werde." Die Majorität der Kammer er­klärte sich für den Antrag ihres Ausschusses. Ein Amendement des Abgeordneten Müller-Melchiors, daß die Schiffe feiner Abgabe unterworfen werden sollten und dies zur Bedingung der Bewilligung gemacht werde, ward verworfen.

Aus der Pfalz, 5. Dec. Die letzte Quartal­sitzung des diesseitigen Schwurgerichts hat wieder die Zeit vom 15. November bis zum 2. December in An­spruch genommen. Die Verhandlung wegen Hochver­raths gegen Johann Deutsch von Edenkoben nahm al­lein drei Tage weg. Bekannt ist bereits, daß der in contumaciam zum Tode verurteilte und freiwillig zu­rückgekehrte Beschuldigte von den Geschworenen nicht- schuldig erklärt, darauf hin aber vor das Zuchtpolizei­gericht Landau verwiesen worden ist. Von besonderem psychologischem Interesse war in dieser letzten A-sisen- session die Verhandlung gegen den Oekonomen Cappel von Erdesbach, einen verheirateten Mann , der wahr­haft toll vor Wnrh über eine untreue Concubine, diese ans der Ferne durch einen Schuß zu tödten versuchte. Er ist zum Tode verurteilt worden. Gleiches Urtheil traf eine widerlich freche Kindesmörderin, dagegen wurde ein böser Bube von 15 Jahren, der einen Jungen von 17 Jahren durch- einen Messerstich getobtes, nur zu zwei­jähriger corrcctioneller Gefängnißstrafe verurtheilt.

München, 5. Dec. Nach derA. Abdz." wird von Seite der hiesigen französischen Gesandtschaft keine andere Notification der kaiserlichen Thronbesteigung er­folgen, als die bei der NeujahrScour übliche Vorstel­lung, wobei derGesandte des Kaisers der Franzosen" aufgerufen und den königlichen Majestäten vorgeführt wird. Wie demselben Blatte gemeldet wird, soll die Gerichtsorganisation doch noch in's Leben treten und zwar in der Art, daß den verbleibenden Landgerichten die Polizei und die freiwillige Gcrichtspflcge überlassen bleibt, indem hierfür Notariatsbeamte aufgestellt, die Justiz aber Bezirksgerichten übertragen wird, die in entsprechender Anzahl alsbald errichtet werden sollen. Diese Einrichtung, den Absichten des Hrn. v. Klcinschrod vollkommen entsprechend, soll von Sr. Maj. dem König genehm befunden worden sein und deren Verwirklichung nahe bevorstehen.

In Folge vielfacher Klagen über das Verfahren, welches preußische Staatsangehörige, vorzüglich aus bem Gewerbs- und Handelöstande, bei ihren Reisen in Bayern von Seite der diesseitigen Polizeibehörden be­troffen, hat, wie derN. C." 'berichtet, eine lebhafte Cvrresponden; zwischen der k. preußischen Gesandtschaft am hiesigen Hofe und dem StaatSministcrium des Aeu- ßern stattgefundcn, wobei erstere die beruhigende Ver­sicherung erhielt, daß grundsätzlich eine strengere Be­handlung preußischer Unterthanen als anderer Staats-