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Nassauische Allgemeine Zeitung.

Wr SSS. Dienstag den 7. December ISS®

Dit ,,9lnfsaitif<f>t SUtßéméinc Zritun»" mit brm bettetriftifArn BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntaq« anSftknonimen, täglich itrtb beträgt der PrânumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulariv nunmehr auch Nr den gan,kn Umfang des Tburn- und TariS'fchen PerwaitungSbezirkS mit Inbegriff deS PoffaufschlagS 2 fl., für die übrigen Länder des denlfch.dfferreichifchen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die »ierspaltige Petitieiie oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auSwäeiS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Nassau und sein Verkehr mit Preußen. *)

II. Vom Mittelrhein In einem ersten Artikel haben wir dargethan, daß unsere Eisenindustrie, wenn die Dinge bleiben wie sie sind, unrettbar ihrem Unter­gänge entgegengehe. Wir können mit Preußen nicht concurriren, und sich dieses Ergebniß verhehlen wollen, wäre nicht nur falsche Ehre, sondern hieße sein Geld und Gut zusetzen und sich endlich doch nicht halten kön­nen. Ja, ganz anders stunde die Sache, wenn im Handel und Verkehr stets a >f gute Waare vorzugsweise Rücksicht genommen würde, allein dies ist eben in der Eisenindustrie nicht der Fall. Geschähe jene Rücksicht, so müßten nassauische Guß- und Eisenwaaren überall ihren wohlverdienten Beifall finden, denn unser Robstoff ist nicht nur einer der besten der Welt, sondern Nassau verarbeitet auch seine herrlichen Erze mit Holzkohlen, und betreibt die ganze Eisenindustrie mit einer Umsicht und Kenntniß , die unübertroffen dasteht. Schon die Austria", dasBremer Handelsblatt" und dieAllge­meine Zeitung" haben gemeinsam die hohe Ausbildung nassauischer Industrie anerkannt und wer in den ver­schiedenen Werken der Herren Buderus, Lossen, Göbel und Haas, Gebrüder Grisar und Anderer sich umsteht, wird finden, daß diese Werke an technischer Vollkommen­heit und wissenschaftlichem Fortschritte zu den ersten ihrer Art in Europa gehören, und Anwendungsmethoden vor­handen sind, die theilweise das Beste übertreffen, was diese Industrie im Auslande aufzuweisen hat. Dies sind Gußwerke und außer ihnen besitzt Nassau noch vorzüg­liche Puddelöfen zu Dillenburg, Michelbach, Langen­schwalbach und Nivern.

Daß nun aber dennoch eine Industrie, die so ge­leitet wird und solche vorzügliche Waare liefert, von der preußischen gleichen Industrie überflügelt wird, kommt einfach von dem erwähnten Umstände größerer Wohl- feilbeit her, größere Wohlfeilheit aber gewinn! über die größere Güte auf dem Markte die Oberhand. Der wenigste Käufer ist im Stande, die größere oder ge­ringere Güte der Eijeuwaare beim Kaufe so zu prüfen, wie er die Stärke und Dauerhaftigkeit bei den übrigen Kaufgegenständen schon durch bloßen Anblick und durchs Gefühl zu unterscheiden im Stande ist, während bei dem Eisen, das ja eisenfest ist, diese Eigenschaft vorausgesetzt und der Kauf von der größeren Wohlfeilheit abhängig gemacht wird.

Außer der Eisenindustrie ist der Getreidebau in Nassau nicht ohne Interesse, allein der Absatz des Getreides geht nicht nach Preußen, das der nassauischen Zufuhr nicht bedarf, und in jenen Fällen, wo Preußen des nassauischen Getreides einmal bedürftig wäre, würde eine Trennung beider Länder für diesen Gegenstand weder Zollschranken Hervorrufen, noch den Verkehr auf dem Rheine hemmen können. Also rücksichtlich des Ge­treides tritt in den Verkehrsverhältnissen keine Aende­rung ein.

WaS den Wein betrifft, so findet ein Absatz nach dem Norden nur in den besseren Sorten statt, die­ser Handel aber wird durch den Bruch des Zollvereins nicht aufgehoben. Die geringeren Weine bleiben theils im Lande, theils werden sie von der nahen Nach­barschaft verbraucht, so daß also auch rücksichtlich dieser Weine eine Aenderung durch den Bruch nicht bevorsteht. Daß aber der Weinhandel der besseren Sorten nicht gefährdet wird, geht theils ans der Natur dieser Weine, theils aus der jetzt schon bestehenden Erschwerung die­ses Handels hervor. Unsere Weine sind die ersten ihrer Art und haben eine solche hervorragende Eigenthümlich­keit, daß sie entweder gar keine, oder aber keine aus­gedehnte Concurrenz zu bestehen haben. Die franzö­sischen rothen Weine sowie der Champagner sind ihrer Art nach so auffallend verschieden, daß beide Weine auf demselben Markte sich entweder von nassauischen Weinen gänzlich ausschließen, oder eher alle drei Arten für dieselbe Tafel von demselben Käufer gekauft werden. Dieses Natutverhältniß bleibt auch im Falle einer Zolleinigung gegenüber den ungarischen Weinen unver­ändert fortbestehen, und eine Concurrenz der geringeren ungarischen mit den geringeren nassauischen Weinen an­zunehmen , verräth eine solche auffallende Unkenutniß, daß der Anstand gebietet, davon im Ernste nicht zu sprechen.

Die Branntweinbrennereien von Nassau sind in ihrem Handel nach Preußen durch einen dop­pelten Umstand gedrückt und beinahe erdrückt, indem theils die Uebergangssteuer den Handel erschwert, theils

*) Aus der handelspolitischen Beilage der Frankf. Postztg.

und vorzugsweise durch die großen Brennereien Preu­ßens die Kleingeschäfte Nassaus vollständig überholt wurden. Der Grund zu dieser Erscheinung liegt ganz nahe, denn die großen Brennereien brennen wohlfeiler durch ihre Ausdehnung , und da sie an Güte dieselbe Waare herstellen , so ist eine Concurrenz des Kleinge­schäfts mit dem großen in diesem Artikel nicht haltbar.

Mastvieh geht ans Nassau nach Preußen monat­lich nur noch ungefähr 30 bis 40 Stücke. Früher war der Handel bedeutender, allein der Ausfall an Kartof­feln der leider ein regelmäßiger zu werden droht hat diesen Verkehr beschränkt. Dieser Absatz nach Preu­ßen ist aber kein nothwendiger, da das Mastochsenfleisch des Westerwaldes wegen seiner besonderen Schmackhaftig­keit gesucht wird, und also die vielen Städte am Rhein und Main für diese kleine Anzahl nassauischer Ausfuhr vollen Absatz darbieten.

Töpferwaaren sind ein bedeutender Artikel, allein ihr Handel wird durch keine Zolllinie gefährdet. Nassau ist nämlich, mit Ausnahme einiger ans der Grenze liegender Gruben, im Allein besitze der Thonlager, und dieser Thon ist in seiner Art ebenso ausgezeichnet als Nassau'- Erze. Dieser Thon geht massenhaft nach Preußen und Holland, und versieht die dortigen Fayencefabriken und feuerfeste Ziegelbreunereien mit dem best möglichen Rohstoffe, den sich jede Zoll- Gesetzgebung gerne erhält. Käme es jemals zu einem Bruche des Zollvereins, so könnten mit diesem herr­lichen Stoffe in Nassau selbst erträgliche Unterneh­mungen gegründet werden, um im Lande selbst darzu­stellen, was jetzt mit nassauischem Thone im Auslande bereitet wird. Aehulich, wie mit dem Thone, steht eS mit dem

Braunstein, welcher stark versendet wird, allein als Rohstoff nach wie vor seinen Absatz ins Ausland und über die neue Zolllinie hinaus behalten müßte.

Sie ersehen aus meiner ganzen Darstellung, daß dcr gefürchtete Bruch furchtbar für den ganzen Süden und noch furchtbarer für den ganzen Norden werden kann und wird,.daß aber Nassau in der Lage ist, diesem Er­eignisse mit einiger Ruhe entgegensehen zu können. Nassau hat die Sache nicht verschuldet, Nassau will den Bruch nicht, und was könnte auch dieser Staat für einen Grund haben, diesen Bruch zu wollen? Allein wenn cs zu diesem nationalen Unglücke kommt, so zieht Nassau, wenn man überhaupt dann noch von Vortheil reden darf, eher Vortheil als Nachtheil aus diesem Unglücke. _____________

Die griechischen Grenzen und der Thron­folger.

Die Triester Zeitung theilt folgenden Auszug aus einem Artikel des Aeon mit, überschrieben:Die grie­chischen Grenzen und der Thronfolger", welcher Hrn. Panajottis Soutzos zum Verfasser hat und viele interrefsante Vergleiche und Zusammenstellun­gen enthält: Als um das Jahr 1830 Griechenland als unabhängiges Fürstenthum anerkannt wurde, waren sowohl Phthiotis und Euböa als auch Akarnanic» und Eurytanien davon ausgeschlossen. Allein der jetzt re­gierende König von Belgien, Leopold, welcher damals zum Fürsten Griechenlands bestimmt war, erlangte die Erweiterung der Grenzen, und dem Vater unsers jetzt regierenden Königs gelang es, ans dem Fürstenthum ein Königreich zu machen. Wird nun der zukünftige Thronfolger hinter den beiden ersten Fürsten zurückblei- ben? Das griechische Grenzgebiet ist allbekannt das ungeeignetste, um zwei Staaten natürlich abzuschließen. Viele Stunden lang ist es Flachland ohne Fluß und Berg, oder es ist unterbrochen von Berg und Wald und gibt Aufeuthalt und Schutz den größten Räuber­banden. Vermöge der großen Ausdehnung dieser Grenz­linie von Osten nach Westen erhielt zwar Griechenland den Namen eines Königreichs, allein eS verzehrt seine Kräfte in der Bewachung derselben und in der Bezah­lung der hierzu nothwendigen Truppen. Deßwegen wird beinahe halb Griechenland von den Türken mit Füßen getreten, geplündert und bingeschlachtet von ih­nen und ihren Kampfgenossen in AmaliopoliS, in Rachis, in Glypha und allenthalben, und die ganze Halbinsel Griechenlands bleibt aufgeschreckt und in Waffen. Wird der neue Thronfolger nicht von den Schutzmächten ver­langen, daß sie die Unmöglichkeit des Bestehens des Reichs mit diesen Grenzen einsehen, und demselben solche geben, welche nicht blos Thessalien und Epirus dem jetzt bestehenden Gebiete einverleiben, sondern auch dort oben eine solche Grenze ziehen, welche mit ein

paar Tausend Soldaten zu bewachen ist? Würde durch eine solche Gebietserwei erung Griechenland sich zu einer bedeutenden Macht erheben und die Türkei schwächen? Mit Nichten. Die Türkei ist genöthigt, für Grenzbe- wachung durch 12,000 Mann und für die Aufstellung von 6000 Mann regulärer Truppen und 2500 Mann Kavallerie, welche in diesen beiden Provinzen garniso- niren, 12 Millionen Drachmen auszugeben, nimmt aber von dort nur 5,500,000 Drachmen ein. Wenn daher die Türkei Thessalien und Epirus verliert, so verliert sie zwar an Ausdehnung ihres Gebiets, aber sie ge­winnt an innerer Kraft. Daß Europa es nothwendig findet, im europäischen Orient Reiche zu besitzen, welche die Keime des Fortschritts und der Dauer aus sich ent­falten können, bedarf wohl keines Beweises wir wollen daher einmal Griechenland und die Türkei mit­einander vergleichen und sehen, wer von beiden den Aufoderungen Europas am besten entsprechen kann. Die Bevölkerung Griechenlands vom Jahre 1832 an ge. rechnet bis heute, also in einem Zeiträume von 20 Jah­re», ist von 550,000 Seelen auf 1,100,000 Herange­wachsen ; sie hat sich demnach um das Doppelte ver- mehrt. Aus 7000 Matrosen der damaligen Zeit Unk 1000 größern Schiffen sind heute 29,000 Matrosen und 4000 große Schiffe geworden; die Marine hat fid demnach vervierfacht. Eine in europäischen Former prangende Hauptstadt hat sich auf dem tausendjähriger Schutte von Athen erhoben mit Universität, Gymnasien Sternwarte, Krankenhäusern, Blindcniustituten und eu ropäischen Wohnungen. Ueber 120,000 Kinder lerne: lesen und schreiben, und 3000 Richter, Advocaten, Leh rer und Regierungsbeamte jeder Art find eingeweiht ü europäische Wissenschaft, Gesetzgebung und Verwaltung Ueberdies besitzt Griechenland an Werth von Läudereier Heerden und in seiner Marine wohl 4000,000,001 Drachm. Das türkische Reich im Gegentheil hat i demselben Zeiträume von 20 Jahren eine Bevölkerun von 4 Millionen in Aegypten von sich abgeschüttel Es gibt kein türkisches Kauffahrteischiff und keinen tui tischen Matrosen. Die Hauptstadt des Reichs ist hem wie von jeher aus Holz gebaut, wird durch periodisch Feuersbrünste verheert und doch nie von Stein erbau Die Bevölkerung ist wie zu allen Zeiten auch heut noch ohne Landbau, ohne Gewerbe, ohne Mar ine, ohn Handel, ohne Wissenschaften; sie hat nur acht bis zehi Papagaien hervorgebracht, die europäische Sprache sprechen, das Volk regieren, obgleich sie keinen Zwei deS Dienstes kennen und unwissender sind als der letzt griechische Gemeindevorsteher. Das türkische Reich r der verfaulte Stamm eines gefallenen Baumes, un seine Pfropfung unmöglich! Während Griechenlan nun nach französischen Gesetzen regiert wird, eine de englischen nachgebildete Verfassung hat und einen or thodoxen Thronfolger haben wird, wird es so glücklic fein, die Sympathien der drei Schutzmächte auf sich z vereinigen. - Mit dem Herzen neigt es sich zu Rußlant mit dem Verstände zn Frankreich und England. E verbindet in sich den Norden und Süden.

D rutscht aud.

8 Wiesbaden, 6. Dec. Der Ort Stephans Hansen auf der Rheingauhöhe und Winkel habe für eine der nächsten Assis cm Conlingente geliefert. I Stephanshausen wurde ein Ansasse von seinem Schwc ger Abends in der Wohnung überfallen und offenbi! in mörderischer Absicht bedeutenö^vcrletzt; in Winkel hc ein in trunknem Zustand befindlicher Taglöhner de Versuch gemacht, seine Frau, die von ihm seit hingen Zeit die gröbsten Mißhandlungen zu dulden hatte, anl zuhängen. Beide Uebelthäter sollen bereits an hiesige Kriminalgericht abgeliefert sein.

* Wiesbaden, 6. Dec. Heute ist der herzoglich Hof hier eingetroffen. Seine Hoheit der Her z o g wird den Winter über in hiesigem Schlöffe residireu

Ans dem Rheittga», 5. Dec. Die Wein lese in den herzogl. Weinbergen bei Eber bach gim gestern zu Ende. Se. Hoheit der Herzog und höchst dessen Gemahlin hatten die Gnade, ihre Gegenwar bei diesen: ländlichen Feste in Aussicht zu stellen; de erwartete hohe Besuch unterblieb jedoch; soll aber das nächste Jahr zugesichcrt sein. Die Ernte beträg gegen 60 Stück Wein. Die Auslese hat einen gute: Wein geliefert.

6 Von der Dill, im December. DieBrief über StaatSkuiist" enthalten so herrliche und kräftig Gedanken, besonders was das Christenthum betrifft, das wir uns gedrungen fühlen, darüber unsere ganze, voll Zufriedenheit auszusprechen. Der erwähnte Umstan