Nassauische Allgemeine Zeitung.
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Montag den 6. December
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Die „R«ffa«is»e Slilßemeinr Beititnst" mit dem beiletriflifdtrn Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntaqâ ansqenommen, täglich »nd beträgt der PränumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch ir den «au';en Umfan« deS Ldurneund TariS'schen BerwaltunstSbe;irkS mit Inbegriff deS Postaufschlags 2 fl., für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für daS Ausland 2 p. 24 fr. — Inserate werden die Sierspaltiß, Petitseile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. F r i edr i ch , Langgaffe 42, auSwärtS bei den uächstgelegenen Postämtern, zu machen.
Amtlicher Theil.
Verordnung.
(DaS Wandern der Handwerksgehülftn in die Schweiz betreffend.)
Zufolge Höchster Entschließung wird hiermit Nachstehendes verordnet:
§. 1. Das Wandern der ArbeitSgehülfen und sonstiger Handarbeiter nach der Schweiz, sowie deren Aufenthalt daselbst, ist untersagt.
8, 2. Die herzoglichen Kreiöämter haben Ncisele- j gitimalioneu dahin für die genannten Personen nur in Folge besonderer, ausnahmsweise zu ertheilenden Ermächtigung auszufertigen; auch die sich gegenwärtig dort Aushaltenden durch eine, in sämmtlichen Gemeinden bekannt zu machende Aufforderung zur Rückkehr, für welche eine Frist von vier Wochen von Publication dieser Verordnung an festgesetzt wird, zu veranlassen.
§. 3. (Übertretungen dieser Verordnung werden mit Gefängniß von 8 Tagen bis zu vier Wochen bestraft.
Wiesbaden, 30. November 1852.
Herzoglich Nassauisches Staatsministerium. Wittgenstein.
' vdt. Bismark.
Vie n stnachrichten.
Seine Hoheit der Herzog haben den Bau- accessisten Cramer von Diez nach Wiesbaden zu versetzen geruht.
Der provisorische Lehrgehilfe M e n k zu Gemünden, Amts Rennerod ist definitiv zum Lehrgehülfen daselbst ernannt worden.
Nichtamtlicher Theil.
Zur ZoUfrage.
(Schluß der Rede des großh. Hess. Abg. Humann.)
Nehmen wir aber auch den Fall an, daß durch die Auflösung des Zollvereins einige unserer Handels- und Industriezweige Schaden leiden könnten, so wird man doch nicht in Abrede zu stellen vermögen, daß dagegen viele andere Vortheile daraus ziehen meiden. Unsere Eisen Production, welche durch die Concurrenz der uieberrheinischcu Eisenwerke so sehr gedrückt wird, würde gewiß gut dabei stehen. Der Herr Vorredner hat nun zwar' auch für diesen Artikel eine von der meinigen abweichende Ansicht; cr glaubt, daß durch eine Trennung des Zollvereines auch unsere Eisenwerke leiden werdens, ich muß jedoch aufrichtig gestehen, daß ich diese Meinung heute zum ersten Male aus sprechen höre, denn bis jeht vernahm ich immer nur Klagen über die großen Nachtheile, welche die auswärtige Concurrenz unserer Eisenindustrie bringe. Wird nun erstere vermindert, so kann letztere sicher nur dabei gewinnen. •—Die T u chs a b ri ca tiv n — besonders jene der geringeren Sorten — und die Etrumpfweberei, die früher in Oberhessen so blü- hendzwaren und jetzt fast ganz darnieder liegen, würden sich gewiß auch wieder heben. Was die Lederfabri- eation betrifft, so erkenne ich au, daß der Herr Vorredner ein competenter Richter dafür ist; wenn ich aber den hohen Ruf in Betracht ziehe, in welchem unsere hessischen Lederfabriken — besonders für die feineren, lackirten Sorten — stehen; wenn die Versicherung wahr ist, daß sie ihre Fabricate selbst n a ch F r a n k- r e i ch u n d England v e r s e n d e n , w o s i e d o ch mit hohen Zöllen belastet sind, so werden diese Fabrikerzeugnisse gewiß auch fernerhin in Preußen Abnehmer finden. Und wenn ul) weiter sehe, welche Massen von Leder, besonders von Sohlleder, aus den preußischen Fabriken in der Umgegend von Malmedy bei uns e i u g e f ü h r t werden, so kann ich mich der Ueberzeugung nicht enthalten , d a ß u tt s e r e Lederfabriken gewinnen werden, wenn die Einfuhr des preußischen Leders erschwert werden sollte.
Eine besondere Erwähnung verdienen auch noch unsere B r a n d w e i n b r e n n e r e i e n , die in dem Ober- und Hinterlande unseres Großherzogthums sonst sehr blühend waren, jetzt aber durch die massenhaften Einfuhren von Sprilt aus den großen Fabriken Preußens fast ganz außer Thätigkeit gebracht worden sind. Diese könnten sich wieder bedeutend heben und dadurch auch der Landwirthschaft wesentlichen Nutzen bringen.
Endlich, meine Herren, muß ich noch eines Vor
theiles erwähnen, welcher hauptsächlich der Stadt Mainz zu gut käme, der aber zu gleicher Zeit dem ganzen Land zu Nutzen sein würde. Wenn Preußen sich von uns trennen und es zur Auflösung des Zollvereins kommen sollte, so könnte Mainz in gewisser Hinsicht das werden, was Köln jetzt ist, nämlich der Anfangspunct, der erste Rhein Hafen des neuen Zollvereins. Dadurch würde die Schifffahrt neuen Aufschwung erhalten, die Verzollungen an unserem Mauthamte würden sich vermehren, die Geschäfte sich neu beleben und Handel und Staatsschatz dabei gewinnen. So würde gewiß eine vollkommene Kompensation ein- treten und was auf einer Seite vielleicht verloren würde, auf der anderen reichlich wieder ersetzt werden.
Betrachten wir die Sache nun noch von einem höheren Stadlpunkte, so stehen unserem Lande auch da wieder große Vortheile in Aussicht.
Sollte wirklich der bedäuerusHerthe Fall eintreten, daß der Norden sich vom Süden losreißt, so können wir, selbst wenn wir den ganzen Steuervereiu dazu rechnen wollen, etwa 20 Millionen Verbündete verlieren; wir würden aber dagegen durch unseren Anschluß au Oesterreich 37 bis 40 Millionen, mithin das Doppelte gewinnen. Und waS uns diese Letzteren Gutes bringen werden, ist gar nicht zu berechnen. Lassen Sie nun einmal die Zollschranken fallen, die uns von Oesterreich trennen, lassen Sie dieses große Reich sich unserem Handel offnen und Sie werden Resultate erleben, die Ihnen jetzt noch unglaublich scheinen. Selbst unser Weinhaudel kann einen unerwarteten Aufschwung nehmen, wenn einmal unsere edlen Weine ganz zollfrei in Oesterreich eingeführt werden können.
Wenn der Worten sich vom Süden trennt, so werden ferner eine große Zahl preußischer Fabriken zu uns überziehen und sich bei uns an- siedeln. Mir selbst gegenüber haben sich schon sehr viele Fabricanten in diesem Sinne ausgesprochen; das aber könnte ebenfalls unserem Lande großen Nutzen bringen. Ich habe freilich schon manchmal die Bemerkung hören müssen: keine Fabriken, denn diese vermehren das Proletariat! Ich will das zugeben, meine Herren, wenn sehr viele Fabriken und eine große Masse von Arbeitern auf einem engen Raume züsammengedrängt sind, wie das in Elberfeld, Remscheid, Iserlohn und dem Wupperthale der Fall ist. Das haben w i r nicht zu befürchten, denn dazu paßt unser Land nicht. — Von welcher Seite ich daher den Gegenstand prüfe, so kann ich für das Großherzogthum Hessen keinen Nachtheil, keine Gefahr darin finden, wenn der Norden sich gewaltsam von dem Süden losreißen will : idy füge aber dennoch immer den Wunsch bei, daß der Himmel uns vor einer Trennung bewahren wolle, weil ich Zwietracht unter Deutschlands Völkerstämmen als ein wahres Unglück einsehe.
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In einem Briefe eines preußischen Industriellen in der Allgem. Ztg. heißt es: „Daß die preußischen und besonders die rheinischen Industriellen nicht wie die süddeutschen und sächsischen (?) die Lärmtrommel rühren, sondern sich anscheinend ganz ruhig verhalten, mögen Sie leicht daraus erklären, daß die meisten und bedeutendsten derselben nur Exportgeschäfte betreiben, daher bei der Formation des Zollvereins ein untergeordnetes Interesse haben, dann aber auch, daß hier Niemand an eine wirkliche Zersplitterung glauben will, sondern die allgemeine Ueberzeugung besteht, daß die politischen Bedenken — und um etwas Anderes handelt es sich ja nicht — noch in der zwölften totiinbe ihre friedliche Ausgleichung finden werden. Wäre es anders, ginge uns der Süden verloren, dann sollten Sie sehen, wie es mit unserer so viel gepriesenen Opferfreudigkeit beschaffen wäre. Unsere Klagelieder würden jene bei Weitem übertönen und zuletzt viel tiefer begründet sein; denn es ist ja hinlänglich bekannt, daß die preußischen Fabricate einen viel stärkeren Vertrieb nach den übrigen Zvllvercinsstaaten finden, als umgekehrt, und daß der Süden uns viel besser entbehren kann, als wir den Süden. Die Wirkungen der Krisis fangen jetzt erst an fühlbar zu werden, da die Bestellungen ausbleiben. Lassen Sie dies noch etwas andauern iiud Sie sollen sehen, ob man sich noch länger theil- nahmlos verhält, wenn auch die Presse behauptet, die Industriellen seien zu jedem Opfer bereit, um die Regierungspolitik zu unterstützen."
Die Regierungen der Darmstädter Coali- t i o n haben nach Angabe der Neuen Preuß. Ztg. gemeinschaftlich eine Schrift als Entgegnung auf die von
unserer Entgegnung veröffentlichten Aktenstücke über die Zollvercinskrisis ausarbeiten lassen. Dieselbe wird in wenigen Tagen von der Universitäts-Buchhandlung in Gießen ausgegeben werden und den Titel: „Zum Verständniß der Zollvereinskrisis" führen. Die Schrift soll zugleich, wie man vernimmt, Andeutungen darüber enthalten, in welchen Wegen die Coalition eine Lösung der Krisis jetzt noch für möglich hält.
Die,„destnitive Ofuttg eines sechzig,; äh eigen Nevolntionszustandes". *
Paris, 2. December, Die imposante Feierlichkeit der Proclamirung des Kaiserreichs ging um 10 Uhr auf dem Stadthause vor sich. Von 9 Uhr an drängten sich Menschenmassen auf den Quais, dem Platze und den anstoßenden Straßen. Die so schöne Vorderseite des Stadthauses war für die Ceremonie mit neuem Glanz angethan. Mehr als Hundert in Trophäen gruppirte Fahnen, Wappenschilder, wehende Banner, vergoldete Adler re. schmückten die Geläudersäulen, die Fenster und die Vorsprünge des Gebäudes. Am großen Ehrenthore war eine mit Sammt überdeckte Estrade für den Seine-Präfecten und die städtischen Behörden errichtet. Hinter dieser Tribune glänzten reiche Tapeten von Purpursammt, mit goldenen Sternen und Bienen besäet, und in der Mitte die Kaiserchiffer. Auf dem Platze hatte man sechs venetiauische Masten in den Nationalfarben aufgestellt: auf den Schildern las man die Namen der glorreichen Schlachten, in denen Napoleon siegte. In einer anderen Decoration sah man vier allegorische Figuren, welche das kaiserliche ■ Wappen und die Attribute des Kaiserthums hielten, Um 10 Uhr verfügte sich der Seine-Präfect, vom Gemeinberathe, den Bürgermeistern u. s. w. umgeben, in feierlichem Zuge auf die Estrade. Die auf dem Platze in Schlachtordnung aufgestellten Truppen, aus 3Linien- Regimenteru und 1 Bataillon Nationalgarde bestehend, präsentirten bei seinem Erscheinen unter Trommelwirbel das Gewehr. Die Trümmer unserer Kaiser-Heere mit ihrem violeten Banner und die Arbeiter des 7. Bezirks, ihre Fahnen voran, beantworteten den Trommelwirbel mit donnernden Kaiser-Vivats. Auf gegebenes Zeichen kündigten die an drei Orten aufgestellten Batterieen der pariser Bevölkerung den Augenblick der Proclamirung Napoleon's III. an. Der Seine-Präfect trat nun an den Rand der Estrade und verlas mit starker Stimme die Proclamirung des Kaiserreichs. Als er die Verlesung beendigt hatte, wiederhallte der Platz von dem gewaltigen Rufe: „Es lebe der Kaiser!" den die Beamten, die Truppen und das Volk begeistert erschallen ließen. Die Truppen zogen sodann unter steten Kaiser- Vivats, die von jedem Zuge ausgingen, an dem Seine- Präfeeten vorbei, während sämmtliche Musiken die Lieblings-Melodie der Königin Hortense spielten. Nach dem Abmarsche der Truppen begann das Defiliren des Volkes; nie sah man solche Begeisterung von Seiten der arbeitenden Classen. Ein Festmahl von 200 Gedecken war im Thronsaale für die Behörden der Stadt und des Weichbildes in Bereitschaft. Beim Nachtische hielt der Seine-Präfect eine Anrede, die mit dem lebhaftesten Beifalle und den wiederholten Rufen: „Es lebe Napoleon III.! Es lebe unser Kaiser!" aufgenom- men wurde.
Abreise Sr. Majestät von St. Cloud. Schon heute früh hatte die Stadt St. Cloud ein festliches Ansehen; alle Häuser waren mit Fahnen geschmückt; die Nationalgarde war versammelt und zahllose Dorfbewohner strömten herbei. Alle Zugänge zum Schlosse waren mit Menschen gefüllt. Um 10 Uhr nahm das 49. Regiment seinen Platz ein; bald trafen noch von Versailles her vier Regimenter Reiterei, die sich in Schlachtreihe jenseits der Brücke aufstellten, ein, um den Kaiser zu escortiren. Eine Dragoner-Schwadron war am Schloßthore ausgestellt. Durch Trommelwirbel angeküudigt, verließ der Kaiser um 12 Uhr in der Uniform eines Divisions-Generals den Palast und stieg, von seinem militärischen und Civil-Hause gefolgt, zu Pferde. .Die Dragoner-Schwadron setzte sich in Bewegung und sofort verließ der Kaiser den Palasthof. Tausendfache. Kaiser-Vivats empfingen Napoleon IIL, der allein ritt und zwischen sich und seinem Gefolge eine ziemlich große Entfernung ließ. Eine, ihm von einem Manne, der aus der Menge hervortrat, dargereichte Bittschrift nahm er huldvoll an. Vom Palastgitter bis zur Brücke wurden ihm etwa ein Dutzend Bittschriften überreicht und eben so freundlich angenommen. Auf dem ganzen Wege von tot. Cloud nach Boulogne bil-