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Nassauische Allgemeine Zeitung.

^- SSL. Donnerstag -eu 2. December 1858

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DitNaffanffLk AUgkmrine Zeilunq" mit dkm btUttriflifd'tn BeiblattDer Wanderer" erfditint, Sonntags ausgenommen, täqticb unk beträgt der PränumerationSpreis für Wiesbaden und , nacb dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch Er den ganzen Umfang des £turn- und Taris'scken BerwaliungsbeilikS mit Inbegriff des Poffausschlags 2 fl., für die übrigen kânder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. Inserate werden die vierspaltig« PclitZkNk oder deren Raum mit 3 tr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auSwärlS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

* Briefe über StuatsKuust.

(Bruchstücke über bäuerliche Gemstnve - Vcrfasflina, Obrigkeit, Kirche uns Schule, unv sonstige Lebensverhäl t- nisse des Bauernstandes.)

. . (Fortsetzung.)

In Bezug auf den B a u c r n stand habe ich noch zwei mächtige Hebel d.cr voiksgesclligen Zustände zn er-- wâhnen , ohne deren guten Beistand und gehörige An- wendnng auch die besten socialen Einrichtungen bald zer­rütten und oerrotten müssen, ja, deren eigene Ver­derbniß seit geraumer Zeit die Hauptursache der so­ciale» und politischen Krankheiten unserer Tage ist: Schule und Kirche. Wie? wirst du fragen, noch die Schule? Ist jemals mehr für das Schulwesen ge­than worden, alt in unserem Jahrhundert? Sind nicht fast überall die Schulstellen jetzt verbessert, nicht fast in jedem Lande vortreffliche Seminarien gegründet? Ja wohl, Seminarien, Pchuizstätten der allerwidcrwârtigsten Halbbildung und Aufklärung; Anstalten, wo die jungen Seminaristen täglich hören, daß auf ihrem Wis. sen und Verstehen und dessen Mittheilung an daSVolk" das Heil der Menschheit und die Größe des Vaterlan­des beruht, von wo sie als die anspruchvollstenVolks- bildner" auf die |fleinen Schulstellen ziehen, um dort dünkelhaft und unzufrieden ihr Unbehagen auSzubreiten. Wenn von solchen Leuten und ihren Verbündeten das Geschrei nach Trennung der Schule von der Kirche aus- gehen konnte, setzte don nicht voraus, daß sie inner­lich diese Trennung schon vollzogen hatten? Und stell­ten sie sich damit nicht ein pädagogisches Armuthszcng- niß in Fractur aus? Oder konnten sie glänzender ihre Unwissenheit darüber bezeugen, daß alle wahre Bildung nichts ist, als Durchdringung unseres äußerli­chen Lebens von dem idealen Leben, das in uns. ist, daß dies ideale ^ebeu wesentlich Inhalt deS religiösen Glau bens, und daß dessen Spenderin, Pflanzerin und Lei­terin' die Kirche ist?

WaS aber das Verhältniß zu dem Bauernstände betrifft, so aelingtS nur, wo der Bauer so oder so auSarlet, dem verdrehten Schullehrer wohl, Einen oder den Andern durch schlecht verdaute Culturmittel confus zu machen. Wenn er den Kindern bis zu ihrem 14. Jahre die Thatsachen und Lehren des christlichen Glau­bens, dann Lesen, Singen, Schreiben und Rechnen ge­hörig beibringen will, so hat er alle Hände voll zu thun. Dies ist aber auch vollkommen hinreichend. Le­bendige Anweisung, Ueberlieferung und Erfahrung bildet den Bauern auch von Kind auf für seine Aufgabe, die Landwirthschaft, die ein in sich ebenso reiches und man­nigfaltiges Gebiet ist, wie irgend eine andere Cultur­sphäre, und der Entwickelung der Intelligenz ebenso sehr eutgegenkommt. Weil sie aber für ihn immer zugleich Praxis ist, so hindert dieß dieeinseitig iiitcllectnelle Ausbildung; alles Wissen ist bei ihm sofort ein Thun, und so ist es recht, beim das mach t den tuch- tigen Menschen! Zu dem Allem kann der Schul­lehrer nichts thun; daher wendet er sich auch häufig an die Erwachsenen, bringt diesen Rationalismus und Politik bei, und belehrt sie in der Opposition gegen staatliche und kirchliche Obrigkeit.

Ist daS Christenthum, wie die Geschichte lehrt, die größte w e l t u m b i ld en d e Macht geworden, wie sollte es darin nicht auch die größte menschenbll- d e n d e Macht sein. DaS Christenthum muß also Haupt- gegenstand und alldnrchdringende Seele des Unterrichts sein! Darum eben gebürt der Kirche die Leitung der Schullehrerstminarien, sowie die Führung und Be­aufsichtigung des ganzen Schulwesens. Wenn man die Schule aus diesem innerlichen und wesentlichen Ver­hältnisse zur Kirche herauSgerenkt, und sie zu einer StaatSanstalt gemacht hat; so muß dieß nicht nur der Geschichte und dem geschichtlichen Rechte gegenüber für revolutionär erklärt worden, sondern eS lagen hier­bei auch nur kirche »feindliche und revolutio­näre Absichten zu Grunde. In der Frankfurter Pauls­kirche sind sie öffentlich e i n g e st a n de n. Ma» for­dert ganz religionslose Schulen, man erklärte in dem­selben Augenblick denStaat für religionslos, und die Schullehrer für S t a a t s diener, das war deutlich genug!" Alle Gründe innerer revolutionären Philister für die Trennung von Schule und Kirche lau­fen am Ende auf die dummboshafte Beschuldigung hin< aus, die Kirche wolle das Volk dumm erhalten, damit

es ihr glaube. Auf solche nichtswürdige Einwürfe kann man nur mit Thaten antworten, wie es denn die Kirche des Herrn seit fast zwei Jahrtausenden gethan !

Von den ungenügsamenHerrn Lehrern" auf dem Lande ist neuerdings auch der Ruf nach Verbesserung ihrer Einkünfte erhoben worden. Nur allzubereitwillig ist man bem auf Seiten des Staats entgegen gekom­men. Kann ein Schullehrer von seiner Einnahme le­ben , wie ein Bauer mittlerer Classe, so genügt baS .*) Je mehr man ihm darüber hinaus gibt, desto mehr wird er seine Bedürfnisse steigern, desto mehr sich über die Dauern erheben, über sie erhoben bünfen, desto fremder wird er sich gegen die fühlen und stellen, zu denen er doch eigentlich gesellschaftlich gehören soll. rc.

(Schluß folgt.)

Der 2. December.

* Wir schreiben heute den 2. December. Es ist der Jahrestag deS kühnenStaatsstreiches", den Lonis Napoleon zur Rettung Frankreichs, zur Rettung der gefährdeten Gesellschaft unternommen. Ein Jahr ist vergangen und der 2. December soll für die Geschichte ' Frankreichs eine noch größere Bedeutung dadurch er« i halten, daß die ungeheuere Stimmenzahl von beinahe ! acht Millionen dem Neffen des Kaisers die Kaiserkrone ! auf das Haupt setzt. Der Artillerie-Lieutenant, der in I der Schweiz vor zwanzig Jahren seinepolitischen Träumereien" schrieb, sicht nun seine politischen Träume verwirklicht. Nach wiederholt mißlungenen Versuchen, unausgesetzt, unmerklich aber sicher ist er auf dieses große Ziel losgegangen und hat es erreicht, er, den noch neuerdings Schölcher blödsinnig nannte, hat die feinsten Intriguen seiner Fehide zu nichte gemacht, den versteckten nub den offenen Widerstand niedergeworfen, einen neuen Aufschwung deS Verkehrs hervorgerufen, Ordnung in die gesellschaftlichen Zustande gebracht und das Vertrauen auf den gesicherten Fortbestand derselben erweckt und befestigt. Seine Feinde, die enragirten Socialisten und Communisten toben, jede Zeile ihrer Manifeste heult Mord, und zeigt dem französische» Volk deutlicher als Alles, welches Loos feiner harren würde, wenn jemals eine Partei wieder an die Gewalt käme, von deren verderblichem Einfluß daö Blut der Februar- kämpfer Frankreich befreit hat. DaS Volk sieht die Gefangenen von MazaS, Ham, die Dcputirtc» aus Ham zurückkehren, begnadigt durch eine Negierung, die jede Ueberzeugung achtet, und nur sich gegen Unter­nehmungen sichern will, welche die Ruhe des Staates gefährden.

Das Volk Frankreichs sicht Legitimisten, Orleani- sten, erklärte Republicaner in seiner Mitte und lernt einsehen, daß alle Fäden des großen Complots, das Frankreich wieder den kaum überstandenen Coichulsionen Preis geben soll, von Leuten gesponnen und gehalten werden, die nur ehrgeizige Pläne, eigennützige Absichten verfolgen und nicht die Äufrcchthaltung eines Princips bezwecken können, gegen dessen Wiederbelebung eS sich in ungeheurer Majorität ausgesprochen hat. Das Volk erwartet mit Zuversicht das Heil Frankreichs von seiner neuen kaiserlichen Regierung. Der Prinz Louis Na­poleon hat eS verstanden, und wird auch in Zukunft, wir wollen ibn mit Frankreich und die Fortdauer sei­ner Herrschaft mit der Fortdauer der friedlichen und gedeihlichen Entwicklung der StaarSzustände identifici- ren, darauf bedacht sein, sich mit ergebene« Beam­ten zu umgeben, und so für die Befestigung und Erfüllung dieser Zuversicht zu sorgen. Durch die Be­obachtung dieses Grundsatzes, die so ersprießliche Folgen gehabt und woraus so mancher im Innern durchwühlte und zerfressene Staat eine heilsame Lehre ziehen könnte, hat Louis Napoleon hauptsächlich seine Macht gesichert und wie cs verlautet, soll nach Proclamirung des Kai­serreiches eine noch sorgfältigere Wahl der Präfcctcn und Maircs, eine gründliche Säuberung der Verwal­tung, wo sie noch nicht besteht, vorgenommen werden. Der Anerkennung des Kaiserreiches werden keinerlei Schwierigkeiten cutgcgentretcn. Louis Napoleon steht am Ziel seiner Wünsche. Wird er dabei stehen bleiben? Wird der Neffe diepolitischen Träume deS Oheims" zu den seinen machen. Die Phrase Das Kaisertum ist der Friede" ist durch eine diebuction von 30,000

) Es darf ihm kein Anlaß gegeben werden über Esels­last nud Zei si g s fu t te r zu klagen. Die Red.

Mann bei Erhaltung der CadrcS und bei Errichtung einer gleich starken Kaisergarde kaum zur Wahrheit ge­worden.

Das übrige Europa rüstet. In England ist die Formation der Miliz beendet und dadurch die Land­macht fast verdoppelt worden; ebenso dauern die Küsten­befestigungen unb Secrüstnngen dort fort. In Belgien trägt die Regierung auf eine bedeutende Erhöhung des Militäretats an. In Oesterreich verabschiedet man die ältern Stabsoffiziere und stellt jüngere Kräfte an die Spitze des ohnehin größtentheils noch auf dem Kriegs­fuße stehenden Heeres. Rußland läßt seine Divisionen, die bisher ins Innere Polens zurückgezogen worden waren, wieder an die preußische Grenze rücken. Der Eiseiibahnbau in Ostpreußen ist im Laufe dieses Som­mers auch dergestalt beschleunigt worden, daß nun die norddeutschen und mitteldeutschen Bahnen in kurzer Zeit bedeutende russische Streitkräfte an den Rhein versetzen können. In Preußen und den kleinen deutschen Staa­ten, wo das Militär auf dem frühern Friedenssuße steht, sin die Anordnungen so getroffen, daß eine einzige Ordre genügt, um das Heer in wenigen Tagen zu fanim.ln.

Die öffentliche Meinung befürchtet einen nahen Krieg. Wohl uns, wenn er uns nicht unvorbereitet trifft. Möge der 2. December 1853 nur zu Betrachtungen über L. Napoleons organisatorisches Talent veranlassen.

Dcutschtand.

2s Wiesbadeir, 30. Nov. In der Untersuchung gegen Engelbert Abel von Arzel im Kurfürften- Hessen, wegen ausgezeichneten Diebstahls, hat die Staatsbehörde gegen das VerweisungSerkenntniß deS Hof- und Appellationsgerichts dahier die Nichtigkeits­klage Angelegt. Zur öffentlichen Verhandlung der Sache hat der Cassationshof Tagefahrt auf den 15. De­cember l. I., Vormittags 9 Uhr, bestimmt und findet die Sitzung wie gewöhnlich im Sitzungs­zimmer des Herzogl. Operappe'llationsgerichts statt.

st Wiesbaden, 1. Dec. Die in der F i l a n d g eingerichtete Strohflechtschule zählt jetzt schon viele Schülerinnen und es ist ein immer größerer Zu­wachs aus den verschiedenen Kreisämtern zu erwarten. Das Kreisamt Reichelsheim hat eine Flechtweisterin ans der Filanda gefordert, um in dem Flecken Reichels­heim eine Flechtschule einzurichten. Dieselbe wird Sonn­tag beii 6. December dahin abgehen. Die Gemeinde Frauenstein hat ihre Jndustrielehrerin in die Filanda gesendet, um daS in der Strohflechlerei Erlernte, dem­nächst auf ihre Schülerinnen übertragen zu können. Ein Menschenfreund will ein Mädchen auf seine Kosten im Strohflechrcn unterrichten lassen, jwomit er demselben nicht nur eine große Wohlthat erzeugt, sondern sich auch zugleich das große Verdienst erwirbt, die Verbreitung dieses Industriezweiges zu fördern. Je früher die Mäd­chen diese Kunst fertig üben, desto weiter können sie eS darin bringen, da sich das iStrohflechten in jüngeren Jahren weit leichter erlernen läßt, als sväter. In Belgien, sowie in der Schweiz, werden deßhalb schon Mädchen von 6 Jahren mit Strohflcchten beschäftigt. Dieses kann eben so gut geschehen, wie man jetzt Kinder von diesem Alter im Stricken unterrichtet und jene Ar­beit bringt doch einen höheren Lohn. Für 3 Gul­den wird der vollständige Unterricht im Strohflechten in der Filanda ertheilt , wobei sich die Mädchen jedoch selbst zu verköstigen haben. Da aber die Geflechte, welche sie schon als Schülerinnen fertigen, bezahlt wer­den, so können mit diesem Verdienste die Kosten der Verpflegung schon theilweise bestritten werden! Auf einen hohen Verdienst können sie natürlich erst dann rechnen, wenn sie durch längere Uebung mehr Gewandt­heit erlangt haben. Es ist zu wünschen, daß die Mäd­chen, welche die Flechtschule in der Filanda besuchen sollen, alsbald nach dem Austritt aus der Schule da­hin gesendet werden, und daß da, wo dieser Unterricht in den Industrieschulen ertheilt wird, die Mädchen recht früh an diesem Unterricht Theil nehmen.

/X Vom Lande, 30. Novbr. Die schon so oft gerügte Schwachheit des Deutschen, nur Dasjenige ächt und gut zu fiiibeu, was unter einem ausländischen Na­men , unb wäre cs auch neunmal in Deuschland gefer­tigt, zu Markt gebracht wird, dehnt sich sogar auf die Mittheilung der Gedanken aus; denn Mancher findet eine besondere Liebhaberei, vielleicht aus Lust gelehrt zu scheinen, darin, sich bem Deutschen gegenüber der Ausdrücke