auf daS „Mittelmeer, ein französischer See^, angespielt wird. Unter den fremden Diplomaten hatte die Stelle großes Aufsehen erregt. Auch hat Hr. v. MaupaS vom Präsidenten einen Verweis erhalten, weil er die beiden betreffenden Verse hatte durchgehen lassen.
Lord und Lady Cowley, die kürzlich nach London abgereist sind, um dem Leichenbegängnisse des Herzogs v. Wellington beizuwobnen, hat L. Napoleon beim Abschiede mit auffallender Auszeichnung behandelt und ihnen gegenüber die Fortdauer der freundschaftlichsten Beziehungen zu der Königin von England als seinen innigen Wunsch ausgesprochen.
Fortwährend erhält sich das Gerücht, der Graf von Morny werde Herrn v. Persigny im Ministerium des Innern ersetzen, und man will sogar behaupten, für Uebernahme des Portefeuilles habe er die Bedingung gestellt, daß die Decrete gegen das Eigenthum des Hauses Orleans zurückgenommen würden. Man wird sich erinnern, daß der Graf als ein entschiedener Gegner dieser Decrete aufgetreten ist, und er macht aus seiner Mißbilligung derselben auch heute noch kein Geheimniß. Aber eine Bedingung, wie die eben bemerkte, kann er doch wohl schon aus dem einfachen Grund nicht gestellt haben, weil der Prinz nicht in der Lage ist, die Januardecrete heute wieder wegzudecretiren, es müßte ihm denn die dictatorische Gewalt aufs neu übertragen werden, worauf indessen bis heute nichts deutet. Die Aufhebung jener Decrete kann nur vom gesetzgebenden Körper ausgehen; hier müßte die Regierung die Initiative ergreifen. Und dann wäre eine Movification immer noch wahrscheinlicher, als vollständige Zurücknahme. Endlich aber fragt sich, waS die Familie Orleans zu einer solchen Restitution sagen würde.
Die Zahl der zur Regierung übergegangenen Legitimisten hohen Ranges ist nicht unansehnlich; indessen scheint man ihnen doch noch nicht ganz zu trauen. Es läßt sich dies wenigstens aus einer Thatsache schließen: der Marquis v. Pastoret war für eine im Generalrath deS Sciucdepartcmcnts erledigte Stelle mit auf die Kandidatenliste gesetzt worden, der Prinz aber strich diesen Namen sofort aus.
Spanien.
Madrid, 12. Nvv. Die „Epoca" will wissen, daß der König von Bayern aus Gesundheitsrücksichten den Winter hier zubringen werde, es würden sogar schon Vorbereitungen im königlichen Palaste zum Empfange Sr. Majestät getroffen. — Den demnächst zusammentretenden Cortes sollen vor Allem zwei Gesetzes - Entwürfe , welche die Genehmigung alles Dessen, was die Regierung in Abwesenheit der Kammern gethan, und die Annahme des Budgets auèsprechen, vorgelegt werden. — Die in Aussicht gestellte Anerkennung der Königin von Seiten des Kaisers von Rußland ist ein Ereigniß, das die sämmtlichen Großwürdenträger des Reiches neu belebt und die gelähmte Kraft Bravo Murillo's siâhlt Dem Gesandten ist der Auftrag von seinem Kaiser geworden, die nöthigen Schritte einzuleiten, und dessen erster Secretär wird mit jedem Tage erwartet. General Narvaez ist bereits dazu ausersehen, die Königin beim Petersburger Hofe zu vertreten. Der General ist dem Kaiser eine persona grala, die er persönlich kennen zu lernen wünscht. — General Aupick, ist daS Schooßkind des ganzen Hofes. Er wird selbst zu den engsten Familien-Cirkeln des königlichen Hauses gezogen.
Die Cortes werden höchst wahrscheinlich nicht von der Königin, auch nicht mit einer Thronrede, sondern bloS fräst eines einfachen Decrets eröffnet werden. — Der Generalgouverneur in der Havanna, General Ca- nedo, wird -einem Gerückt zufolge durch den General Grafen Mirasol ersetzt. — Der verantwortliche Redacteur des „Diario Espanol" ist wegen eines Preßvergehens gestern verhaftet worden.
Belgien
Brüssel, 17. Nov. (K. Z.) In der heutigen Eitzung der Repräsentanten-Kammer wurde der Minister der Finanzen über die Frage interpellirt, ob es in der Absicht der Regierung liege, eine 5proc. Rente in eine 4*/iProc. zu couvertiren. Der Minister der Finanzen erklärt die Frage für zu wichtig, um sie beant- Worten und so die künftige Handlungsweise des Ministeriums binden zu können; diese Frage verdiene ein ganz besonderes Studium, und das Cabiuet werde sie nicht aus den Augen verlieren. — Die Regierung hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, um den auswärtigen Of- sizieren, welche in Belgien Dienste genommen haben, eine Pension bewilligen zu können; diese Pension würde für alle diese Offiziere derjenigen gleich kommen, welche man sonst für 40 Jahre Dienst und für Feldzüge bewilligte. Dieses Gesetz wäre auf die schon seit mehreren Monaten verabschiedeten polnischen Offiziere anwendbar, von denen heute gerade eine Petition zu ihrer Wiederbenutzung vorliegt. — Die Abtheilungen haben ihre Prüfungen des Gesetzentwurfes über die Presse begonnen; fünf von den sechs Abtheilungen, woraus die Kammer zusammengesetzt ist, haben ihre Arbeiten beendigt, alle haben den Artikel verworfen, welcher Reden, Geschrei und Drohungen bestraft. Die anderen vorgeschlagenen Maßregeln sind fast einstimmig angenommen worden.
Großbritannien
Lonbon, 27. Nov. Der Bericht über das Lei-
chenbegângniß des HerzögS von Welliügton wurde int Hause des LordS verlesen und genehmigt und alsbald auf dem Tische des Unterhauses niedergelegt.
Die vom „Globe" mitgetheilte Nachricht, daß durch den Andrang zu dem Paradebette des Herzogs vou Wellington in Chelsea sechs Menschen ihr Leben einbüßten , war nicht ganz richtig. Die Zahl der auf dem Platze gebliebenen reducirt sich auf zwei; dafür gab es Knochenbrüche, Quetschungen und lebensgefährliche Verletzungen zu Dutzenden. Alle Schuld fällt auf die schlechten Anordnungen und die Nachlässigkeit der Polizei-Behörde, die mit 120 bis 130 Mann eine neugierige Menschenmasse in Ordnung halten wollte. Unverzeihlicher noch erscheint diese Fahrlässigkeit, wenn man hört, daß die Unordnung schon am Freitage, wo bloß 15,000 Einlaßkarten ausgegeben worden waren, den Gipfel erreicht hatte. Wie erst am Samstage, wo über 200,000 Menschen nach Chelsea wallfahrten, da der Eingang freigegeben war. Das Publicum selbst hatte an dem Unglück keine Schuld. Der Andrang war zu mächtig. Eine Schranke brach, und die Verwirrung, welche dadurch entstand, gab zu den schrecklichsten Scenen Veranlassung. Es dauerte zwei Stunden bis eine Verstärkung an Polizeimannschaft aus deren Hauptquartier ankam.
Dem Jewish-Chronicle zufolge hat Baron v. Rothschild, Parlamentsmitglied für die Londoner City, seinen Sitz im Unterlaufe eingenommen und bei der Wahl des Sprechers mitgestimmt. Wie man versichert, wird er bei der nächsten Gelegenheit das Wort ergreifen und so den gesetzlichen Strafen Trotz bieten, womit Diejenigen, welche unberechtigter Weise im Parlamente mitstimmen und reden, bedroht sind.
Die Nachrichten von Cap reichen bis zum 9. Oct. Die Angelegenheiten scheinen sich endlich glücklicher für England zu gestalten, und in den blutigen Gränzscharmützeln ist eine Pause eingetreten. General Cathcari war am 23 Sept, in Grabams Town, und man glaubte, er werde bald im Stande sein, nach der Capstadt aufzubrechen. Der letzte Gcneralbefehl war vom 20. Sept, aus Fort Beaufort datirt; er erklärt den gefürchteten, vom Feinde so vielfach benutzten, festen Schlupfwinkel Waterkloopf von britischen Truppen besetzt. Man verdankt dieses Ergebniß den wiederholten forcirtcn Recognoscirungen des Commandanten. Wohin sich Macomo gewendet hat, ist vor der Hand ein Räthsel. Eben so wenig weiß man etwas über den andern Häuptling Sandilli zu sagen. Der dritte und allerun- ternehmendstc, Uithalder, wollte vor Kurzem Unterhandlungen anknüpfen, erhielt aber den Bescheid, daß nunmehr blos von unbedingter Uebergabe die Rede sein könne. Mehr als die britischen Musketen scheint Mangel an Lebensmitteln dem Feinde, namentlich den rebellischen Hottentotten, zuzujetzeu. Schon in Water- kloof fand man mehrere halbverhungerte Weiber und Kinder, welche von ihren Männern zurückgelassen worden waren. Andere hatten sich bis in die Nähe von Beaufort geschleppt und wurden daselbst bis auf die Knochen abgemagert gefunden. Ihren Aussagen und ihrem Aussehen nach muß es den Hottentotten an den nothwendigsten Lebensbedürfnissen fehlen. Auch scheint ihnen der Schießbedarf ausgegaugen zu sein, so daß man in der Kolonie kühne Hoffnungen für die baldige Beendigung des Krieges hegt. — Mittlerweile erregt das Nichtanlangen der oftversprochenen Cvlonialverfas- sung großes Mißvergnügen. Mam erwartete das Ak- tenstück mit dem nächsten Dampfer. Die materiellen Zustände am Cap werden als befriedigend geschildert.
Der Londoner Punch sagt in sciuer neuesten sehr witzigen Nummer von den Australiern, die bisher über dem Goldsuchen ihre gesundere Reichthumsquelle, die Schafzucht, vernachlässigt: „Der beste Wahlspruch den die Australier wählen können, ist: „Revenons â nos moutons." (Unser: kommen wir auf besagten Hammel zurück.) — An einer anderen Stelle heißt es: „Sir Harry Inglis hat berechnet daß der Sprecher Hr. Lefevre bis zum jetzigen Parlament 13,000 Stunden auf dem Stahl zugebracht hat. Es ist furchtbar zu denken daß bei einem so langen Drübersitzen so wenig ausge- brütet worden ist."
Rußland.
Warschau, 12. Nov. (H. N.) Es verbreitete stch in diesen Tagen hier das Gerücht, es werde in unserer Stadt eine Zusammenkunft der drei nordischen Herrscher von Rußland, Preußen und Oesterreich stattfinden. Es sollen bereits die betreffenden Befehle, zur Einrichtung der Localitâten aus Petersburg eingegangen sein. Russische Beamte wußten zwar von keinem Le- fehle, glaubten jedoch, daß die Ankunft hoher Personen bcvorstche.
America.
New-York, 3. Novbr. Der New-York Herald berichtet, gegen 100 Fischerbarken von Neu-Schottland, die durch widrige Winde bei Port Hood feftgehalten wurden seien von Capitän Campbell, dem Commandeur des britischen Kriegsdampferö „Devastation" confiscirt worden, weil sie unter falschem Register ausgelaufen. Die anderen, deren Papiere regelrecht waren, wurden nicht belästigt bis auf eine Barke die sich aber anS britische Wachtschiff nicht weiter kehrte und in die See stach. Die Regierung hat, wie sie diese Nachrichten em
pfing, sogleich den Regierungs-Anwalt mit Kapitän «Seymour nach Port Hood abgesandt, um die Sache zu untersuchen.
Die Wahl des Generals Franklin Pierce zum Präsidenten der nordamericanischen Union hat mit großer Majorität stattgefunden. Für ihn stimmten 27 Staaten mit 246 Stimmen, während sich für seinen Con- currenten, den General Scott, nur vier Staaten mit 42 Stimmen erklärt haben.
Die Nachrichten auS derHavannah lauten widersprechend. Nach einigen war man noch zu keinem Verständniß gekommen, nach anderen hatten die cubamschen Behörden dem Dampfer Crescent City gestattet, zu landen, wofern Capitän Porter und der Zahlmeister Smith nicht das Schiff verließen.
Die Pariser „Patrie" enthält Folgendes über die Ereignisse am La Plata: „Dem Vernehmen nach melden Depeschen, die am 18. d. in Paris eingelaufen sind, daß General Urquiza, dessen Sache man für verloren hielt, mit seinem Heere zurückgekehrt war und Buenos Ayres belagerte. Man glaubte, die Stadt sei geneigt, sich ihm zu unterwerfen".
Die Flußschifffahrtöfrage, welche man für entschieden hielt, ist, so weil sie den Parana-Strom betrifft, wieder ein Gegenstand der Erörterung und des Zweifels ge- worden. Die neue Executiv-Gewalt in Buenos-Ayres hat der Repräsentanten-Kammer am 28. September einen Gesetz-Vorschlag zur Freigebung der Parana- Schifffahrt vorgelegt, aber daran Bedingungen geknüpft, über welche im Falle der Annahme eine Verständigung und ein Vertrag mit den anderen argentinischen Uferstaaten nöthig sein werden.
Neueste Nachrichten.
* Wiesbaden, 20. Nov. Wie uns aus ganz zuverlässiger Quelle mitgetheilt wird, hat gestern General Niellon aus Belgien die von ihm vertragsmäßig zu hinterlegende erste Cautions-Rate im Betrage von 120,000 fl. der Herzoglichen Regierung zur Verfügung gestellt. Die Wahrscheinlichkeit der Ausführung der, sowohl für das gesammte deutsche Eisenbahn-Netz wie für den Aufschluß unseres Landes so wichtigen Eisenbahn von Cöln-Deutz über Hachenburg, Limburg nach Wiesbaden ist hierdurch natürlich bedeutend größer geworden!'
München, 17. Nov. Der Kronprinz und die Kronprinzessin von Württemberg sind diesen Mittag nach 12 Uhr hier eingetroffen. — Die Ernennung des bisherigen Ministers des Innern, v. Zwehl, zum Cultusminister und des Regierungspräsidenten Grafen ReigerSberg zum Minister des Innern, soll nun ganz feststehen und bis morgen zu erwarten sein.
Einem mehrfach verbreiteten Gerüchte zufolge stünde ein Rücktritt des Staatsministers der Justiz, des Herrn V. Kleinschrod, zu gewärtigen.
Oldenburg, 16. November. (W.-Ztg.) Heute ward die Erbgroßherzogin von einem Prinzen glücklich entbunden.
Berlin, 18. Nov. Der Fürst vonPückler- Muskau ist zur katholischen Religion übergetreten.
In gut unterrichteten Kreisen ist gestern das (nach eingezogenen Erkundigungen gegründete) Gerücht verbreitet gewesen, der Kaiser von Oesterreich werde in Kurzem dem hiesigen Hofe einen Besuch abstatten.
Paris, 18. Nov. Man versichert, auch die Her, zogin von Orleans habe im Namen des Grafen von Paris einen Protest gegen das französische Kaiser- thum redigirt. Ihre Schwäger aber, die Prinzen des Hauses Orleans, hätten sich der Absendung dieses Protestes widersetzt.
General Levaillant ist vorgestern von Rom in Toulon angekommen. — In Marseille ist Peter Bonaparte eingetrogen.
Stockholm, 9. Nov. Der Gesundheitszustand des Königs ist nach den letzten Bulletins insofern befriedigend daß die Reconvalescenz des bohen Kranken fortschreitet, und daß man die Lebensgefahr als beseitigt betrachtet. Der Zustand der Prinzessin Eugenie hat sich aber leider noch nicht auf eine entschiedene Weise zur Besserung entwickelt, obwohl das vorgestrige Bullctio beruhigender war als die vorigen.
Brüssel, 17. Nov. Die liberale Wahl-Association von Verviers hat einen Protest gegen das Preßgesetz an die Nepräsentantenkammer beschlossen.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. Ä 3ösjeh7~
Börseneourse.
Wien, 19. Nov. SpCt. Metall. 94%; 4%P@i. ----;
Bankacuen 1332. 250 fl. Loose 136'/,; 5pCt. Lombard.-Venct. 103—; Wechsel auf London 11 fl. 27 kr.
Paris, 18. Nov, 47, pCl. R. 107 -; 3pCt. Rente 85 75. Neue 5pCt. Oestcrr. 95'%; Neue Span. 3pCt.--
Frankfurt den 19. Nov., Mittags 1 Uhr.
Gold.
Neue Louisd'or. Pistolen . . . P. Friedrichsd'or Holl. 10 fl. Stucke Rand-Ducaten . 2® Francsstück» .
fl.
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6 43 54 50% 37 26%
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Eugl. Souverâins Gold al Marco. Preuß. Thaler .
5 Frankenthaler, Hochhaltig Slbr.
Gering u.mittelh.
fl. 11 382
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24
kr.
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