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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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M 991. Dienstag den 16. November 1859

Dir ,,Nâffauifchk ültlflemrinr Zeitung'' mit bem brtlrtrulisdien BeiblattDer Wanderer" erfdieint, SonnlaqS ausgenommen, täglich und beträgt der PrânumerationSpreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postrcgulaiiv nunmehr auch ir den ganzen Umfang des Ddurn» und Taris'schrn BerwallungsbctirkS mit Inbegriff des PoftausscklagS 2 ft, für die übrigen Länder des deutsch-öfferreickischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die vierfpaltig« yetitfeile oder deren Raum mit 3 tr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Napoleon III,

* Die WienerPresse" brachte zuerst die Andeu- tung, daß die Anerkennung des französischen Kaiserreichs von Seite der Großmächte mit Sicherheit zu erwarten sei, daß jedoch die Annahme des Titels Napoleon III. durch den Prinz - Präsidenten von Frankreich nicht ein­seitig vom französiseben Senat decretirt werden könne, sondern der Ratification sämmtlicher an der Wiener Acte beteiligten Cabincte vorbehalten bleiben müsse. Die Neue Pr. Ztg. will, wie wir gestern mitgetheilt, von einer gleichlautenden Aeußerung deS Grafen Buol I von Schauenstein bei erfolgter offkiofer Eröffnung über die Aenderung der französischen Verfassung wissen. Die Oest. Corr. vom 12. d. M. bringt einen bemerkens- werthen Artikel, aus welchem hervorgeht, daß die obi­gen Andeutungen den leitenden Gedanken der Politik bilden, welche das österreichische Cabinet den Wünschen des Prinz - Präsidenten gegenüber voraussichtlich einzu- halten gedenkt. Dieser Artikel lautet:

Die Entwickelung der imperialistischen Frage in Frankreich nimmt einen raschen Verlauf. Zu dem in Folge der Präsidentbotschaft gefaßten Senatusconsultum wird sich voraussichtlich ein zustimmendes Plebiscit ge­sellen und die große Thatsache , welche allerwärts die Gemüther in lebhaftester Spannung hält, ihrer Vollen­dung zugeführt werden.

Die Bedeutung und Folgenwichtigkcit derselben kann von Niemanden verkannt werden. Eine solche Wendung in den Geschicken Frankreichs, das abermals in der Anstrengung begriffen ist eine neue Staatsform zu be­gründen und dieselbe mit allen Merkmalen der Stabi­lität und Dauer auszustatten gehört unbestritten zu den ernstesten Ereignissen der so wechselvollen neueren Ge­schichte jenes Landes.

Es ist nicht das erste Mal, daß Europa als schwer betheiligter Zuschauer den Krisen anwohnt, welche mit der Begründung neuer Staatsgewalten in Frankreich stets unvermeidlich verknüpft sind. Wir waren wieder­holt Zeugen, wie auf diesem beweglichen vulkanischen Boden nicht nur die Regierungsformen, Personen und Dynastieen wechselten, sondern auch wie von den jewei­ligen Machthabern selbst die Principien gewechselt wur­den, auf denen das Recht zur Herrschaft und das We­sen der Staatsgesellschaft beruht. Wir haben daher nicht über Principien zu rechten, wir können auf diesem ewig wogenden Meere nicht die Consequenz unserer Ueberzeugung einschiffen. Wir haben nur die Thatsa­chen in das Auge zu fassen.

Diesen gegenüber fühlen wir uns vor Allen ver­pflichtet, das hohe Verdienst, welches sich Louis Napo­leon um die Bewahrung der gesellschaftlichen Ordnung und des allgemeinen Friedens erworben hat, dankbar anzuerkennen. Die That des 2. December war wahr­haftig einerettende", denn sie hat den Ausbruch einer gefahrvoller! Krisis verhütet, die Organisation der anar­chischen Elemente von ganz Europa zerschlagendem Schwanken und der Unsicherheit der continentalen Zu­stände ein Ende gemacht, und die Principien der Au­torität, der materiellen Wohlfahrt, der religiös-sittlichen Entwickelung im Gegensatze zu den Schwindeleien des Socialismus in Frankreich wieder zur Geltung gebracht.

Es drängt uns ferner unsere guten und aufrichtig gemeinten Wünsche für Frankreichs Wohlfahrt bei diesem neuen Abschnitte seiner Geschichte anszusprechen. Wir hegen keinen wärmeren Wunsch, als daß es Frankreich beschicken sein möge, endlich, zu einer dauerhaften, den inneren und äußeren Frieden verbürgenden Ruhe zu gelangen und unter gerechtem Regimente im Innern und unter freundschaftlichen Beziehungen zu seinen Nach­barn jenen Grad der Blüthe und Entwickelung zu er» reichen, welche die Vaterlandsliebe und der hohe Geist des neuen Herrschers anstrebt.

Es gereicht uns zur Befriedigung, daß das französi. sche Staatsoberhaupt unwiderruflich und für immer mit der Partei der Umwälzung gebrochen hat. Von ihren Doctrinen und Absichten zu seinen Handlungen und Vorsätzen gibt es keine Brücke eines möglichen Ueber» gangs. Dieser Umstand verleiht dem bevorstehenden französischen Kaiserthum eine große, moralische Bürg­schaft. Es hat sich die Bahn gezeichnet, von welcher es nicht abirren kann, ohne zu Grunde zu gehen. Wir sind daher zu der Erwartung berechtigt, daß der künf­tige Herrscher der Franzosen die völkerrechtlichen Ver­träge achten und im eifrigen Zusammenwirken mit den Mächten des ContinentS den Frieden der Welt zu er­halten beflissen sein werde. Denn der revolutionäre Gedanke athmet den Krieg, den Bruch der Verträge,

den Umsturz der territorialen Verhältnisse des Festlan­des. Nicht nur der Ruhm und die Größe Napoleons, auch sein Sturz gehört zu seiner Geschichte und zählt zu den kaiserlichen Traditionen, die jetzt als ein Erb­theil in Anspruch genommen werden. Diese Erfahrung kommt jetzt sowohl Frankreich als dem übrigen Europa zu gute. In ihr liegt die Bedingung für die Dauer und die Zulässigkeit der neuen Ordnung der Dinge in Frankreich.

Es war die Politik des österreickischen Cabinets ge­genüber wiederholten, französischen Regierungsverände­rungen die dort begründeten Gewalten anzuerkennen und die völkerrechtlichen Beziehungen mit ihnen fortzu­führen, wenn sie den Willen kundgaben, die Ordnung der Welt zu respectiren und hinreichende Kraft bewähr­ten, um sich als die Regierung des Landes wahrhaft geltend zu machen und die Ruhe innerhalb der eigenen Gränzen zu bewahren. Diese weise Politik hat den Frieden Europa's gesichert. Die Nichtanerkennung der Juliregierung und der im Februar 1848 improvisirten Republik würde unausbleiblich verheerende Kriege ver­anlaßt und diese würden vielleicht länger gedauert ha­ben, als die Schöpfungen jener Revolutionen.

Wir glauben daher nicht zu irren, wenn wir an­nehmen, das österreichische Cabinet werde auch in dem vorliegenden Falle die Richtschnur einer alten und be­währten Politik nicht verlassen.

Auf diesem Wege der Anerkennung der Thatsachen wird Oesterreich in keinem Widersprüche mit den unver­rückbaren nnd heiligen Principien der Legitimität gera­then, die unter dem Schutze der Vorsehung die Grund­lagen unseres eigenen Vaterlandes bilden. Es ist die Aufgabe jeder neuen Gewalt sich mit den bestehenden und berechtigten Ueberzeugungen nicht in Widerstreit zu setzen, sondern innerhalb derselben zurechtzufinden. In Frankreich selbst ist der neue Herrscher dem Einen der Erwählte des Volkes, dem Andern der Erbe des Kai­sers , dem Dritten nur eine Nothwendigkeit. Es wäre nicht klug von ihm, den Streit über das Princip auf die Spitze zu treiben, um aus den Ueberzeugungen der Menschen, die seine Herrschaft anerkennen, sich selbst Hin­dernisse und Spaltungen zu bereiten, k

Auch dem Auslande gegenüber möge diese Frage ruhep. Sie würde aber angeregt durch die Annahme von Titeln und Bezeichnungen, die Prätensionen in sich schließen, welche weder staatsrechtlich noch thatsächlich gegründet erscheinen. Die nächste Aufgabe für Den, der eine Dynastie gründen will, ist wohl, den Weg für seinen Nachfolger, nicht aber für seine Lormänner zu ebnen."

Deutschland.

A Dillenburg, 13. November. (Assisen.) An­klage gegen Peter Breiten aus Sessenbach wegen Diebstähle. .

Präsident: Hofgerichtsdirector Ebhardt, Staats­anwalt : Staatsprocurator Lautz, Vertheidiger: Procu- rator Braun.

Peter Breiten aus Sessenbach, Amts Selters, ist angeklagt: 1) in der Nacht vom 25 auf den 26. Juli d. J. zwischen Stromberg und Nauort, Amts Selters, von dem Wagen des Fuhrkucchts Joseph Fcrger aus Bendorf, aus einem Sack, den er zuvor geöffnet, mehrere Laib Brode entwendet, und 2) am 7. Februar 1851, Morgens zwischen 56 Uhr, aus dem Rauchfange des Bäckers Fischer in Bendorf, zwei Schinken, wovon der eine bereits angeschnitten war, ge­stohlen zu haben.

Zur Zeit des Broddiebstahls befand sich der Ange­klagte auf der Kirchweihe in Stromberg, wo er den Wagen des Jos. Ferger gewahrte, dessen Ladung auS- speculirte, und hierauf den Diebstahl sich vornahm. Er folgte zu dem Ende dem Wagen bei der Abfahrt auf dem Wege nach Nauort zu, setzte sich unbemerkt hinten auf denselben, und da einer der Säcke mit Brod ge­rade an diesem Orte lag, so löste er den Verband des­selben auf, nahm die Brode heraus und warf sie bei Seite auf das Feld, um sich diese später wieder zu holen. Einer der Zeugen, der von der Kirchweih kom- mend, neben dem Wagen her lief, wurde, wie er zu spüren glaubte, etwas am Kopfe vorbeigeworfen, er suchte darnach, und fand zu seinem Erstauucn ein Brod. Aus den übrigen Zeugenaussagen geht deutlich hervor, daß der Angeklagte das Verbrechen, wie eben angegeben, begangen hat.

Dem Bestohlenen Fischer aus Bendorf verkanfte der Angeklagte vor der That einmal Holz, das er gefrevelt, und äußerte dabei, er würde bald einmal wieder kom­

men. Er hatte jedenfalls die Schinken bemerkt, und diese zu stehlen sich vorgenommen. Am Morgen des 7. Februar begab sich der Angeklagte in aller Frühe nach Bendorf in die Wohnung rc. Fischer und da er Niemand im unteren Stocke gewahrte, so entwendete er die beiden Schinken und verbarg sie in einem dazu mitgenommenen Sacke. Mit diesem Sacke wurde er von einem der Zeugen auf dem Wege nach seiner Woh­nung zu am 7. Februar gesehen, er erklärt jedoch da­gegen, er habe gefreveltes Holz in diesem Sacke gehabt. Einem andern Zeugen hat er jedoch hierüber nähere und bestimmte Mittheilungen gemacht, auch wurde einer der Schinken bei der stattgefundenen Haussuchung, zer­schnitten in einem Topfe aufbewahrt, in der Dunggrube verborgen gefunden, jund wurde dieser von dem Bestohle­nen Fischer als der Seinige anerkannt.

Der Angeklagte ist ein schon sehr oft in Unter­suchung gestandener und mehrmals bestrafter Verbrecher, dessen Leumundsbericht seiner OrtSbehörde, höchst un­günstig lautet. Er wird von den Geschwornen schuldig erklärt, und hierauf zu einer Zuchthausstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten, und zum Ersatz der entstande­nen Kosten, von dem Assisenhofe verurtheilt.

Von der Nrselbach, 13. Nov. Kürzlich wurde in zwei benachbarten Orten je einem Wirthe we­gen ordnungswidriger Beherbergung von Vagabunden und Gaunern die Wirthschastsconcession von Herzog!. Kröisamte zu Höchst entzogen, und ist außerdem einer dieser Wirthe, in dessen Besitz die Polizei eine nicht un­bedeutende Anzahl werthvoller Gegenstände fand, die für gestohlen gehalten wurden, und welche auch zum größten Theile von den bestohlenen Eigenthümern bereits aner­kannt sein sollen, in gerichtliche Untersuchung gezogen. Durch die Nähe der Stadt Frankfurt und des Bades Homburg, hat überhaupt das Vagabunden- und Gauner­wesen in der hiesigen Gegend so sehr überhand genom­men, daß nur in der strengsten Wachsamkeit und Thä­tigkeit der Behörden eine beruhigende Garantie für die Sicherheit der Personen und des Eigenthums gefunden werden kann. Die Wohlthat der kürzlich ins Lebrn gerufenen neuen Laudjägerstation zu Oberursel, deren Ueberwachung lediglich die umliegenden nassauischen Grenzorte hingewiesen sind, wird daher mit um so grö­ßerer Befriedigung anerkannt, als der obige Fall eines Theils die Gemeinfährlichkeit des Gaunerwesens klar vor Augen stellt, andern Tbeils aber auch den Beweis liefert, wie viel mehr Sicherheit durch eine vom Staate organisirte Polizeimannschaft als .durch die Träger der größtentheils lässig gehandhabten Ortspolizei erzielt werden kann.

(In welchem Uebermaße sich gegenwärtig in f^anf# furt die Vergehungen gegen das Eigenthum vermehrt haben, kann aus dem Umstande abgenommen werden, daß am 10. Nov. im Laufe des Nachmittags bei den Polizeibehörden acht Diebstähle, zum Theil unter er­schwerenden Umständen, zur Anzeige kamen.)

Mainz, 14. Novbr. (Fr. Postz.) Heute Mor­gen 6 Uhr beim Oeffnen des Bureaus der Kölnischen Dampfschifffahrtsgesellschaft fand sich eine Summe von 2000 fl. entwendet, Spuren eines von außen durch daS Oberlicht des LocalS geschehenen Einbruchs fanden sich vermittelst zweier Leitern, auch fehlte der gewöhnlich darin schlafende Burcaudicner; die Untersuchung ist so­gleich eingeleitet. Wie man soeben vernimmt, hat man auf der Taunns-Eiseubahn in Frankfurt den ver­mißten Büreaudiener nebst dem entwendeten Geld fest­nommen. Das Frankf. Journ. wollte wissen, daß der Bureaudiener von den Räubern ermordet wurde.

Frankfurt, 14. November. Die v. Ketten» burg'sche Angelegenheit ist nun vor die Bundesver­sammlung gekommen.

Darmstadt, 13. Nov. Zu den Verhandlungen der ersten Kammer, ist noch nachzutragen, daß der Freiherr v, Schenk bemerkte, Preußen werde sich zur Aufhebung der Ausgleichungsabgaben kei- nenfalls herbeilassen, was Herr v. Schäffer (früher Gesandter am Berliner Hofe) aus eigener Er­fahrung bestätigte. Das hindert natürlich nicht, für Preußen zu schwärmen.

Karlsruhe, 14. Novbr. Zu Ende dieser Woche wird hierselbst die Confirmation der zweiten Schwester Sr. königl. Hoheit des Regenten, der Prinzessin Marie großh. Hoh., stattfinden. In unterrichteten Kreisen will man von einem baldigen Ende der obschwebenden Zollvereinsdiffercnzen wissen, und zwar so, daß der Zoll­verein mit Preußen erhalten bleibt.

München, 13. November. (Fr. Pztg.) Wie zur Zest bestimmt ist, werden der Großfürst-Thronfolger