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Nassauische Allgemeine Zeitung.

â S«« Mittwoch dm 10. Nommber 1853.

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DicNaffauisclic Mgemeine ZWiD' mit dem betletriflifdien BeiblattDer Wanderer" erscheint, SonntaqS ausgenommen, tâgli» und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach teert neuen PostreAVIaiiv nunmehr auch ür den ganzen Umfang deS âirn- und TnriS'fchen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff deS PoffauffchlagS 2 ft, für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostnereinS, wie für daS Ausland 2 ff. 24 fr. Inserate werd kN die s'ierfpaltig« Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Besteffungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auswäris bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

D i e n st n a ch r i ch t e n.

Seine Hoheit der Herzog haben den Ju- stizamtsacccssisten Meister von Königstein an das Justizamt zu Rüdesheim, den Juskizamtsaccessisten Göbel von Hadamar an das Justizamt zu Limburg, den CriminalgcricktSaccessisten v. Moren hoffen von Wiesbaden als Accessist an das Justizamt zu Idstein zu versetzen und den Jnstizamtsaceesslstcn Weyer von Idstein zum Recepturaeccssistcu zu Weilburg zu ernennen geruht.

Nichtamtlicher Theil.

v/ Die Mission der Dttt mstädler Koalition. (Schluß.)

Hatte die Verbindung, so verschiedenartig situirtev Staaten, wie sie im Zollverein verbunden sind, nur eine s.g. materielle und nicht auch eine sehr ernste po­litische Seite und wäre die Versuchung für einen so ungleich mächtigeren Staat, wie cs Preußen ist, nicht so groß, die Kleineren von seinem Willen völlig abhängig zu machen, wie der Septem- bervertrag und die von Preußen für Erneuerung des Zollvereins den kleinern Staaten gestellten Bedingungen, zu deutlich beweisen; wären ferner außer den Zollver- einsstaaken nicht auch noch Andere in einer zweiten Ge­meinschaft, dem deutschen Bunde, denen es weder in materieller noch politischer Beziehung gleichgültig sein kann, ob ein einzelner Staat vermöge seiner engeren Verbindung in materiellen Dingen ein so gro­ßes Ue berge wicht erlange und wäre diese Eifersucht nicht vollständig in der Stellung cher deut­schen Volksstämme zu einander begründet: so wäre keine erhebliche Ursache vorhanden, die Abschließung eines neuen Zollvertrags mit Zugrundelegung der von Preußen gestellten Bedingungen zu verwei­gern. Thatsächlich stellt sich aber die Sache ganz anders.

Die Zusammensetzung und Natur des deutschen Bundes erlaubt es nämlich nicht, daß sich in demselben wieder eine innere politische Verbindung, wie der Zoll­verein unter den Zumuthungen Preußens hätte werden müssen, bilde; denn das Band, welches die deutschen Staaten in der Bundesverfassung zusammenhält, ist ein so lockeres, daß es keine solche Störungen im Gleichgewichte vertragen würde, ohne zu brechen.

Dieses, wenn auch lockere, Band ist aber auf der andern Seite um so nothwendiger, da dessen Er­haltung und Stärkung nur allein im Stande ist, der inneren Entwicklung als Stützpunkt zu dienen und das Ansehen Deutschland nach Außen aufrecht zu erhalten. Besonders aber ist für die kleineren Staaten die Bun­desverfassung das unentbehrlichste Lebens- Element und die Erhaltung d es politisch e n Gleichgewichts im Bunde, ist ihre erste Pflicht gegen diesen und gegen sich selb'st. Wer die inneren Verhältnisse Deutschlands kennt, wird zugestehen müssen, daß dieses die F u n d a m e nt a l«B e d i u g u n g für die gedeihliche Entwicklung Deutschlands ist, wie dieses denn auch die Geschichte der neuesten Zeit hin­reichend gelehrt hat.

Dieses ist der Standpunkt, von dem die Staaten, welche sich zu Darmstadt verbunden haben, nur ausge­gangen sein können und das Motiv ist ein für Deutschland so überwältigendes, daß es auch wohl nur allein im Stande gewesen wäre, eine solche Vereini­gung unter so verschiedenen Elementen zu bewirken. Diese Vereinigung ist ein Ergebniß der reinsten patriotischen Absichten und es ist nichts weniger als patriotisch, wenn ein Theil der deutschen Presse dieser Vereinigung die Absicht unterschieben will, sie wolle für sich Politik machen und dynastische Zwecke re. verfolgen. Ein solches Wunder wird in Deutschland nicht "so leicht geschehen.

Die Darmstädter Koalition ist indessen, ohne ur­sprüngliche Absicht, zu einer politischen Macht, zu der dritten Großmacht in Deutschland geworden, denn sie repräsentirt durch ihre Zusammensetzung und Jntenfionen, wenn auch dieser gegenwärtig noch unbewußt, jene große Mit­telpartei, welche sich zwischen .die politischen und reli­giösen Extreme die cs nicht versäumt haben, die Zollvcreiuskrisis zu ihren unlauteren Zwecken anszu­beuten gestellt hat. Diese Mittelpartei ist die

des ruhigen Fortschritts, die zwar wenig in der Presse vertreten ist und auch sonst nicht mit Ge­räusch auftritt, die aber so geschlossen und stark ist, wie sich in den Jahren 184851 gezeigt hat, das sie un­ter der Leitung der Coalitions - Regierungen keine Gelüste auskommen lassen wird, die mit dem wah­ren Wohl Deutschlands nicht in Einklang zu bringen sind.

Wer die Geschichte der Deutschen mit ruhiger Ueber- legung und nicht vom romantischen Standpunkte aus studirt hat, wird zwar unsere jetzigen Zustände noch sehr der Vervollkommnung fähig finden, aber doch auch zugesteheu müssen, daß, so lange es eine deutsche Ge­schichte gibt, keine Periode derselben und wenn auch noch so glanzvoll bei manchen Geschichtsschreibern ge­schildertsich mit den jetzigen bezüglich der wah­ren Bedürfnisse eines strebsamen Volkes messen kann und daß die kleineren Regierungen ihre Aufgabe sehr klar und patriotisch aufgefaßt haben, wenn sie es zu verhindern suchen, daß der alte Dna- lismus in Deutschland wieder Boden gewinnt und die (Elemente des Umsturzes und der reli­giösen Verblendung an dem Verderben Deutsch­lands mit Erfolg arbeiten können.

Daß in Deutschland die Zeit vorüber ist, wo es einzelnen unruhigen Köpfen mit Erfolg gelingen kann, wcitgreifende politische und religiöse Zerwürfnisse Her­vorzurusen, steht ziemlich sicher; denn alle Versuche der Art in der neuen Zeit, sind an dem genannten Sinn der M i t t e l p a r t e i gescheitert und beinahe v erschollen. Mit der gehässigen Auffas­sung dcr Zollvereinsfrage, wodurch offenbar ein dauerndes Zerwürfniß herbeigeführt werden soll, wird es eben so gehen, wenn die besonnene Mittelpartei sich erst ihrer Stellung zu dieser Frage recht bewußt gewor­den ist, wozu cs in kurzer Zeit kommen muß. Denn es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das unbe­rechenbar große Interesse, welches sich in der Auffas­sung dieser nationalen Angelegenheit von Seiten der coaUrten Regierungen dazöleyst, das particularistische Geschrei, welches jetzt noch in der Presse wiederhallt, aber noch keinerlei Gründe zu Tage gefördert hat, welche dieser Auffassung gegenüber, einiger Erwägung werth wären, bald zum Schweigen bringen und einer sachgemäßen Würdigung der Frage Platz machen wird. Für diese Annahme, die durch viele Erfahrungen un­terstützt wird, mehren sich die Anzeichen von Tag zu Tag und die Zeit liegt gewiß nicht fern, wo die Be­strebungen der verbundenen Regierungen bei der großen Mehrzahl der Nation Aner­kennung finden werden. Diese Bestrebungen werden aber auch voraussichtlich wenn auch erst nach einer Uebergangsperiobe von einem guten Er­folg begleitet sein, da sie nicht allein einen uneigen­nützigen Charakter an sich tragen und im wohlver­standenen Interesse Deutschlands liegen, sondern auch in ihrem festen Zusamnienhange so geei- genschaftet sind, daß die particularistischen Gegeubestre- bungen ihnen nothwendig weichen müssen, wodurch das angestrebte Ziel einer allgemeinen deutschen Zolleinigung, die das Gleichgewicht im Bunde nicht mehr stören kann, erreicht wird. Erst dann ist die Mission der Darmstädter Coalition vollendet.

Der Proceß Decker.

XXX.

Köln, 2. November. Die verschiedenen zum Be­weise gewaltsamen Umsturzes den Bundesschriften ent­nommenen Stellen sind bereits früher mitgetheilt worden, wcßhalb wir nur die besonderen Bemerkungen, welche an einzelne Stellen geknüpft wurden, zu berühren haben. Wenn der Angeklagte Bürgers bemerkt der Herr Oberprocurator bei Artikel 1 der Statuten, in welchem dieZertrümmerung" der alten Gesellschaft als Zweck des Bundes bezeichnet wird wenn Bürgers bei sei­ner Vernehmlassung behauptet habe, daß er mit dem Worte Zertrümmerung nur einen Begriff habe ausdrü- cken wollen, der zwischen gewalsamem Umstürze und fried­licher Propaganda in der Mitte gestanden, so widerlege eine solche Erklärung sich von selbst, da Zertrümmerung im gemeinen Sprachverbrauche doch viel mehr bedeute, als bloßer Umsturz, und man einen Gegenstand auf den Kopf stellen könne, ohne ihn zu zerstören. Wenn man ferner häufig angedeutet habe, daß "man die Revolution nicht selbst machen, sondern den Anfang und die Hülfe Anderer habe abwarten wollen , so sei dieses für die Strafbarkeit des Complottes gleichgültig, und gerade

diejenigen, welche bei Gelegenheit einer als nahe bevor­stehend vorausgesetzten Revolution gemäß einem gemein­schaftlichen Entschlusse in dieselbe zu dem Zwecke ein- griffen, um das Zerstörnngswerk zu vergrößern und zn vollenden, seien die gefährlichsten unmittelbaren Feinde der Existenz des Staates. An die Darlegung des hochverrätherischen Inhaltes des Manifestes knüpft der königliche Oberprocurator einige Auszüge aus den Re­den , welche Schäpper, der als Präsidentzdes zweiten Kongresses des Communisten-Bundes 1849 die Statu­ten unterzeichnet hatte, und andere Mitglieder des Bundes bei der Feier des Stiftungsfestes des Arbeiter- Bildungs-Vcreins zu London am 7. Februar 1848 ged halten haben und die das Manifest erläuterten und ihrer Tendenz und ihrem Inhalte nach mit den von einzelnen Angeklagten im hiesigen Arbeitervereine gehaltenen Reden übereinstimmten. Durch die Stelle in der Ansprache vom März 1850, wo von der Bewährung des Bundes in den beiden RevolutioNsjahren 1848 und 1849 die Rede sei und den Mitgliedern nachgesagt würde, daß sie in der Presse, auf den Barricaden, im Schlacktfelde überall vorangestanden, werde die Behauptung Rösers widerlegt, daß beim Ausbruche einer Revolution daS Bundesmitglied nicht als solches, sondern als ein Ein­zelner, für sich allein Stehender in die Bewegung hätte eingreifen sollen: denn es gehe daraus hervor, daß die Betheiligung an der Bewegung von Bundeswegen ge­schehen sei. Wie die Mitglieder gewirkt, gehe n. A. auch aus einem mit dem Stempel des hiesigen Arbeiter­vereins versehenen Schriftchen über den Aufstand in der Pfalz von Fr. Engels hervor, wo es heiße, daß die entschiedensten Communisten die couragirtesten Soldaten gewesen seien. Dort und in Baden hätten Jansen, Liebknecht, Willig, Haupt, Engels an der Revolution Theil genommen; gleich im Anfänge des Jahres 1848 seien Schapper und Moll und demnächst die Central­behörde selbst von London nach Köln gekommen, um hier für die Revolution zu wirken, und das damalige Räthsel, wie Alles, was geschehen, hier habe geschehen können, sei jetzt gelöst, Nachdem man von dem Commu­nistenbunde Kenntniß habe.

Was die Ansprache im Juni betreffe, so sei deren Aechtheit von den Angeklagten bestritten worden; diese ergebe sich aber aus dem Notizbuche Reifs, worin nn- term 16. JuniKlein v. S. von London" undAn­sprache" notirt ist, aus der Aussage des Zeugen Ma­thieu, der zufolge ein gewisser Klein aus Solingen einen Brief von London an Röser, und zwar von dem Bun­desgenossen Ad. Bauer, wie Röser zugebe, überbracht habe, aus dem PoststempelKöln, 10. Juni" aus der Adresse nach Leipzig, aus der inneren Adreffe an den Communisten Martins daselbst, und aus den Statuten, insofern darin der Erlaß der Ansprache ausdrücklich vor­geschrieben gewesen, so wie aus dem Inhalte der frü­heren und späteren Rundschreiben« Die Angabe Bür­gers, daß er jene Ansprache in der österreichischen Reichszeitung" gelesen habe, sei eine Unwahrheit, da sich auf deSfalls eingezogene Erkundigungen ergeben, daß dieselbe nie in jener Zeitung gestanden habe. Der Staatsanwalt geht nun den hochverrätherischen Inhalt dieser Ansprache sowohl als den folgenden von der Kölner Centralbehördè durch und sodann auf andere von den Angeklagten anerkannte schriftliche und münd­liche Aeußerungen über. Der bei Bürgers Vorgefundene Aufsatz, welchen derselbe mutbmaßlich einer neuen An­sprache habe zu Grunde legen wollen, sein Brief an Lasalle vom 1. April, sowie Rösers Brief an denselben vom 31. März 1851, die Aeußerung Bürgers in der Sitzung, daß,wer zu wissenschaftlichen Resultaten ge­langt sei, auch glaube, dieselben ins Leben einführen zu müssen," ließen über die Ansichten der Angeklagten und die Tendenz des Bundes keinen Zweifel übrig. Auch der Inhalt des von Bundcsmitgliedern verbrei­teten rothen Katechismus stimme mit dem sonstigen Inhalte der communiMchen Schriften überein und löse dieselben gemeinfaßlich in Frage und Antworten auf. Dem entsprechend sei in den Statuten die Freiheit von aller Religion zur Bedingung der Aufnahme in den Bund gemacht und in einer der Ansprachen sogar dar­über Klage geführt werde, daß einzelne Mitglieder sich soweit herabließen, in die Kirche zu gehen. Was mag frägt der Redner für denjenigen Erhebung sein, für den der Besuch eines Gotteshauses eine Herab­lassung ist?!

Im weiteren Verlaufe des Vortrages wird sodann nachzuweifen gesucht, und zwar aus den vor dem Un­tersuchungsrichter zu Paris zu Protocoll genommenen Verhören ChcrvalS, daß zwischen der Londoner Fractio»