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NafsaEche MgemenwZeètnng.

E S«L Dienstag den 9. November F8LS.

®ic ,,9iaff»uif<fic Allgemeine Zeitung" mit dem beUctriflifdien BeiblattDer Wanderer" erfdicint, SonntaqS ausgenommen, tägllck und beträgt der PränumeratlouâpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregnlsriv nunmehr auch ür den ganzen Umfang des Tburn« und Taris'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postausschlags 2 ft, für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PosiverkinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die Siersxaltigk Petitseile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegkneu Postämtern, zu machen.

>/ Die Mission derDaemsiädterEoalitiou.

Die Zollvcreinsfrage hat dadurch, daß sich alle po­litischen und religiösen Parteien tyret bemächtigt und sie zu ihren Zwecken auszubeuten gesucht haben, ihre Natur in den öffentlichen Besprechungen fast ganz vcr? ändert. Sie ist fast auf denselben Standpunkt gebracht, wie vor einigen Jahren die preußische Union zum Bun­destage. ES handelt sich wenig mehr darum, ob in Deutschland die materiellen Interessen eine einheitliche Gestaltung erlangen sollen, sondern nur um preußisch oder österreichisch und um protestantisch oder katholisch. Alles Andere ist Nebensache geworden und die erhitzten Parteien regaliren sich gegenseitig ohne genaue Abwä­gung der Mittel zur Erreichung ihrer Zwecke, mit einer Bitterkeit, die wenig dazu beitragen kann, die so nöthige Verständigung in dieser Frage zu erleichtern.

Man sollte nach dem Gebühren eines großen Thei­les der deutschen Presse in der Zollvereins-Angelegen­heit bald zu glauben versucht werden, die große Mehr­zahl der deutschen Nation wäre im heftigsten Hader darüber begriffen, ob sie preußisch oder österreichisch protestantisch oder katholisch werden solle. Die Fragen, ob Schutzzoll oder Freihandel rc., laufen nur noch so nebenher mit und haben kaum noch die Bedeutung, daran anknüpfen zu können. Betrachtet man dagegen diese allerdings sehr wichtige Angelegenheit in der Wirk­lichkeit, außer dem Bereich des extremen Geschreis, wel­ches sich in der Presse Luft macht, so kann man zwar finden, daß sich die Zollvereinsfrage einer in Deutsch­land ungewöhnlichen Theilnahme zu erfreuen hat, daß aber nur Wenige bezüglich des Werthes der Frage über das unbehagliche Gefühl hinaus gekommen sind, wel­ches die mögliche Trennung ans gewöhn- tcnVerhältnissen bei fast allen Menschen erweckt.

Die Preffe hat durch ihre Abirrungen und ihre leidenschaftliche Behandlung der Frage noch wenig dazu beigetragen, eine feste öffentliche Meinung zu bilden; sie hätte es aber auch nicht gekonnt, da cs in der Na­tur solcher Fragen liegt, daß ihre speciellen Folgen sich fast nie mit einiger Sicherheit vorher berechnen lassen. Für die verschiedenen, mit so vielem Eifer verfochtenen particularistischen Interessen, konnte die Presse nicht ein­mal zu einer Lösung gelangen, die einen Unparteiischen befriedigen könnte.

Dagegen ist es der großen Mehrzahl der Nation verständlich und klar, daß eine allgemeine Zoll­einigung in Deutschland eine unsch ätz- bare Wohl that für dasselbe sein würde und von diesem Standpunkt aus muß auch die Frage ihre Lösung erhalten,

So viel ist gewiß, daß die deutsche Nation aus all ihrem politischen und religiösen Zwiespalt einen star­ken Anker gerettet hat nämlich die Idee einer gro­ßen Einheit. Wenn diese Idee auch nur in dem be­stehenden Staatenbunde ihre Verwirklichung findet, wie die jüngst verflossenen Jahre gezeigt haben, so kann doch auch in einem, anscheinend so lockerem Verbände durch Verschmelzung der materiellen Interessen, wie der Zollverein ebenfalls gezeigt hat, ein so festes Band mit die Nation geschlungen werden, daß ihr bezüglich ihrer politischen Stellung im Innern und nach Außen, nur wenig zu wünschen übrig bleiben wird.

Die deutsche Nation hat offenbar die Zeit über­wunden, in der sie sich wegen religiösen oder dynasti­schen Interessen in ihrem Innern zerfleischte. Aus den bittern Erfahrungen der Vergangenheit hat sich eine Anschauung Bahn gebrochen, die von dem größten Theil der Nation adoptirtz keinen so traurigen Hader mehr auf- kvmmcn lassen wird. Die Religion ist z. B. nicht mehr eines der H e rv o rr a gen d ste n El emen te (?) an dem die denkenden Geister Nahrung finden können und sowohl die deutschen wie alle gebildeten Völker haben einsehen gelernt, daß dieses Element zwar als die Grundlage der Gesittung und staatlichen Ordnung gepflegt werden muß, daß aber die wach­senden Bedürfnisse des Menschengeschlechts es nothwen» die gebieten, daß es ans diesem engen Kreise heraus­trete und ihn nur als Kcru für seine materiellen und geistigen Bestrebungen festhalte, um den sich die, zu uneudlichem Wachsthum bestimmten Schichten der fort schreitenden Kultur anlegen.

Die gebildeten Völker haben èinfehen gelernt, daß konfessionelle Verschiedenheiten, wie sie sich z. B. in Deutschland mit Erfolg Geltung verschafft haben, kein Hinderniß sind, gemeinsam den großen erhabenen Zwe­cken zu dienen, wozu die Vorsehung die Menschen be­

stimmt hat. Die Ueberzeugung der Mehrzahl der Deut­schen geht dahin, daß gute Protestanten und gläubige Katholiken treue Staatsbürger sein und einträchtig auf deutschem Boden zusammen leben können und daß keinerlei Ursache vorhanden ist, sich um ihres Glau­bens willen anzufeinden oder wegen ihren materiellen Interessen zu trennen, Das nie ganz anssterbende Zelotenthum auf beiden Seiten ist nur als der Ausdruck der äußersten Extreme zu be­trachten, die keinen festen Boden für sich mehr gewinnen können, wie die religiösen Bewegungen der neueren Zeit hinreichend dargcthan haben.

Wie cs beim Auftauchen jeder Streitfrage geht, so auch bei der Zollvcreinsfrage. Im Anfänge nimmt Alles auf Grund trüber Vorstellungen Partei und kämpft tapfer mit Zunge und Feder darauf los. Ist die Frage aber wie die vorliegende für die größte Mehrzahl eine materielle, so behält immer die alte Gewohnheit, das Hergebrachte im Anfänge die Oberhand, wie es auch bei Errichtung des Zollvereins geschehen ist, der sich keiner günstigeren Aufnahme zu erfreuen ha tt'è, wie die, jetzt von den Coa- litions-Regierungen angcstrebte Zolleinigung für ganz Deutschland. Jeder glaubt bei einer solchen Ver­änderung, etwas verlieren zu können, und nur Wenige schlagen den unberechenbaren Gewinn, welcher der ganzen Nation aus einer solchen Verbindung er­wachsen muß, in seinem wahren Werthe an. Hieraus erklärt sich die Erscheinung ganz einfach, daß die öffent­lichen Stimmen in den Zollvereinsstaaten bei der Wei­gerung Creußens, eine Zolleinigung mit Oesterreich ein« zugehen, zum Theile dafür sind/den alten Zollverein zu jedem Preise zu erhalten. (Schluß folgt.)

Der Proceß Veâer.

XXVIII.

Köln, 30. Oct. (Schluß der Sitzung am 29. October.) EinundsiebzigsterZeuge, Wilhelm Steffen, Lieutenant a. D. Dr. Becker übergab dem Zeugen im Bierhaus "als Curiosum einen Brief von Willich, mit dem Auftrage, denselben anch seine Freunde lesen zu lassen. In diesem Briefe träumte Willich von einem Militäraufstand und gab Dr. Becker den Auftrag, sich an dessen Spitze zu stellen, und Köln zu nehmen. In einem zweiten kleinen Briefe kündigte Willich seine be­vorstehende Ankunft an. Der Zeuge verbrannte später beide Briefe. Steffen diente 17 Jahre, wurde aber in Folge einer Adresse an die aufgelöste Nationalversamm­lung, die er mitunterzeichnet hatte, gerichtlich ausge­stoßen.

Zweiundsiebzigstcr Zeuge, Joh. Friedr. S t ü v e r, Bergwerksbcsitzer in Köln, bekundet , daß vor dem Un­tersuchungsverhör der Bruder des Dr. Daniels sich für die Herrschaft des Zeugen Haupt bemühte.

Dreiundsiebzigster Zeuge, Caroline Schüler, ist Nachbarkind und eine Jugendfreundin der Frau Da­niels; sie ist überzeugt, daß dieselbe nie mit Fremden in Korrespondenz gestanden. Dagegen steht die Zeu/n mit der Mutter der Frau Marx, Frau von Westphal in Trier, in regelmäßigem Briefwechsel. Im Auftrag der Letzter» hat sie Frau Daniels ersucht, an Marx oder dessen Frau zu schreiben, da man gern direct et­was von ihm erfahren hätte. Frau Daniels habe die­ses aber entschieden abgelehnt, da sie keinen Anlaß zu Verdacht geben wollte. Die Zeugin hat die Gewohn­heit, empfangene Briefe gleich zu verbrennen. Auch an dritte Personen in London habe Frau Daniels niemals geschrieben.

Vierundsiebzigster Zeuge, Karl Fr. Aug. Stucke, Dr. Med. und Vorstandsmitglied der Mineralwasser­anstalt in Köln, gibt dem Chemiker Otto ein günstiges Zeugniß. Im Octobcr 1850 erhielt derselbe von der Mincralwasseranstalt den Auftrag, Berlin und Dresden zu besuchen und die dortigen technischen Fortschritte zu studiren. Diese Reise konnte 14 Tage in Anspruch nehmen. Nach Schneeberg und Leipzig ging Otto nicht im Auftrag der Anstalt. Ob diese ihm eine Legitima­tion mitgab, erinnert Zeuge sich nicht.

Fnnfundsiebcnzigster Zeuge, Joh. Jos. Gro n c wald, Direktor der Taubstummen - Anstalt in Köln, hat Dr. Klein zur Zeit der Cholera von der rühmlichsten Seite kennen gelernt Er speiste mit demselben in dem glei­chen Gasthofe und hörte niemals ein Wort von ihm, das nicht in den Mund des strengsten Konservativen ge­paßt hätte.

Sechsundsiebenzigster Zeuge, Karl Stein, Bankier in Köln, gibt Erhard ein günstiges Zeugniß. Mit der Spedition war Erhard nicht beschäftigt, auch weiß Zeuge

nichts von einem durch sein Haus nach Berlin speditirten Koffer, doch sei es möglich, daß Erhard einen solchen auf eigene Hand versandt habe.

SiebeNundsicbenzigster Zeuge, Julius Herschel, Dr. med., in Köln, war der Arzt des Dr. Becker und hat niemals nach London wegen dessen Erblindung ge­schrieben.

Achtundsiebenzigster Zeuge, Joh. Jul. Beckert, Dt. med., in Köln, Vertheidiger Esser I. bemerkt, in dem angeblichen Protocollbuch der Communisten in Lon­don heißt es:der Dr. Becker habe von der Erblin­dung geschrieben"; damit Man nun nichthintenher saget dies Dr. Becker heiße vielleichtBeckert", bitte er, den Zeugen zu fragen, ob er nach London correspondirte. Zeuge antwortet:nein".

Neunundsiebenzigster Zeüge, Theodor Schmitz, Schreiber in Köln, kennt den Flüchtling Rings in Lon­don. Derselbe ist von Siegburg gebürtig, war zuerst Schreiner, wurde dann Hypothekenschreiber, machte mit Kinkel den Zug von Bonn nach Siegburg mit, wurde flüchtig, ging nach Baden, flüchtete nach der Schweiz, begab sich dann nach Ungarn Und zurück nach der Schweiz, aus dieser nach Paris und zuletzt nach London. Zeuge stand fast fortwährend Mit ihm wegen einer Erb­schafts - Angelegenheit in Korrespondenz und übergibt mehrere Briefe deffelben, für deren Echtheit er mit sei­nem Eide bürgt. Ob der fragliche Rings Mitglied des Communistenbundes und der Centralbehörde in London sei, weiß Zeuge nicht.

Der Zeuge Keller, neuerdings VorgerufeN, er­kennt ein Exemplar der Dissertation Jacobi's als die­jenige lateinische Schrift, die mit Dr. Beckerschen Typen gedruckt wurde. Dr. Becker läßt den Zeugen fragen, ob die Exemplare der Dr. Beckerschen Rede jemals in Massen nach Düsseldorf versandt wurden, da es im Londoner Protocollbuch heiße, 1500 Exemplare lagerten in Düffeldorf. Der Zeuge verneint diese Frage.

Der Experte Renard erhält mehrere Handschrif­ten zur Prüfung. Er erklärt: der vom Zeugen Birn­baum vorgelegte Brief des Liebknecht ist von derselben Hand wie die UnterschriftLiebknecht" in der Anstritts­erklärung aus der Londoner Gemeinde. Die Unter­schriftenLiebknecht" im Londoner Protocollbuch dage­gen sind entschieden von einer andern Hand. Letztere Unterschriften und ein Theil des Concepts des Proto- collbuchs sind von derselben Hands Die von dem Zeugen Schmitz eingereichten Briefe des Rings sind un­ter sich von derselben Hand; die im Protocollbuch vor- kommendc Unterschrift des Rings dagegen ist ohne allen Zweifel von anderer Hand.

Oberprocurator v. Seckendorfs läßt nach Schluß des Zeugenverhörs vier Schriftstücke, Protocolle und Berichte verlesen, welche Kunde von der vielfältigen Verbreitung verbotener Schriften geben, und erklärt, er wolle erst später die Begründung der Klage begin­nen. Der Präsident bemerkt, da noch einige Zeit übrig bleibe, so wolle er die von ihm verfaßte Frage­stellung an die Geschwornen schon jetzt mittheilen, um zu vernehmen, ob ein Einwand dagegen erhoben werde. Er habe bei der Abfassung die Artikel des alten Ge­setzes mit den Definitionen des neuen in Einklang zu bringen gesucht. Die Frage lautet:

Ist der Angeklagte N. N. schuldig, in den Jah­ren 1848, 1849, 1850 und 1851 mit einer oder mehreren Personen die Ausführung eines Unter­nehmens verabredet und beschlossen zu haben, welches den Zweck hat,, 1) die gewaltsame Aenderung der Staatsversafsung unmittelbar hcrbeizuführen und 2) die Bewaffnung der Bürger und Einwohner gegen die königliche Gewalt und gegen einander durch Erregung eines Bürgerkrieges zu erwirken. Die Vertheidiger treten zu einer Berathung ab. Der Angeklagte Bürgers bittet, sich dieser Besprechung anschließen zu dürfen. Es wird ihm gestattet. Die Vertheidiger kehren zurück und erklären sich mit der Fragestellung einverstanden. (Schluß der Sitzung.) (Fortsetzung im Beiblatt.)

Deutschland.

Aus dem untern Rheingau, 5. Nov. Die Weinlese hat nur theilweise begonnen, die größeren Gutsbesitzer lassen bei der schönen Witterung noch gar nicht lesen; diese dürften mehr Vortheil dadurch haben als diejenigen, die schon Alles ablescn, denn unstreitig hat es noch wenige Jahre gegeben, wo die Trauben so außerordentlich zunchmen. Es wäre zu wünschen, daß die Witterung noch einige Zeit so anhält, dann wird mitunter ein Wein erzielt, der dem 1846r nicht viel